Felix Faasen, Leo Klinke, Louise Tharandt und Deborah Priß auf der Suche nach der besten Perspektive für die Fotos vom Megalithgrab bei Rimbeck (Foto: Altertumskommission für Westfalen/V. Brieske).

Ein Tag in Ostwestfalen

Auch die Geschäftsstelle der AKo verbringt gerne einen Tag „im Feld“: Für eigene Forschungen und um auf dem neuesten Stand zu bleiben fährt man auch an den östlichen Rand Westfalens.

Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle sitzen meist in Ihren Büros und arbeiten am Computer. Ab und an ergibt sich jedoch die Gelegenheit, die spannenden Orte, über die wir in unseren Publikationen berichten, auch live zu erleben und Einblicke in die aktuelle Forschung zu bekommen. Doch auch eigene Projekte erfordern die Begehung vor Ort. Es müssen Daten überprüft, Fotos gemacht und Funde und Befunde eingemessen werden.

So auch an einem schönen Mittwoch im September, an dem sich Geschäftsführerin Vera Brieske mit Projektmitarbeiter Leo Klinke, der wissenschaftlichen Volontärin Deborah Priß und den

studentischen Volontären Lea Kopner, Felix Faasen und Florian Jüngerich sowie der Archäoinformatik-Praktikantin Louise Tharandt auf den Weg Richtung Warburg und Paderborn machte.

Die Studenten der WWU-Münster legen Befunde auf der Lehrgrabung in Willebadessen-Eissen frei (Foto: Altertumskommission für Westfalen/V.Brieske).

Erster Halt war die Lehrgrabung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in Willebadessen-Eissen, Kreis Höxter, unter Leitung von Michael M. Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen. Dort wurde 2017 auf Luftbildern ein Teil eines vermuteten Erdwerksgrabens entdeckt. Daraufhin wurde der Bereich 2018 zunächst durch zwei Schnitte untersucht und anschließend in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Ludwig Boltzmann Institut für archäologische Prospektion und virtuelle Archäologie (LBI ArchPro) geomagnetisch prospektiert.

Dabei konnte nicht nur die Struktur des Befundes vervollständigt und als Erdwerk der Michelsberger Kultur (4032-3794 calBC) bestätigt werden, sondern auch weitere, den ersten teilweise schneidende Gräben identifiziert werden. Besonders erstaunlich sind mindestens 12 Hausgrundrisse, die in kleineren Gruppen in und um die Gräben angelegt worden waren. Die Siedlung mit den vermutlich zugehörigen Gräben datiert wahrscheinlich in die Zeit der Bandkeramik. Das bandkeramische Erdwerk weist eine Überschneidung mit einem der Häuser auf. Um diese Situation besser beurteilen zu können und wenn möglich die zeitliche Abfolge zu klären, wurde hier die Lehrgrabung durchgeführt.

Das Großsteingrab Rimbeck aus etwa 5 m Höhe (Foto: Altertumskommission für Westfalen/L. Klinke).

Nach einer Führung von Grabungstechnikerin Maria Hahne und Archäologe Hans-Otto Pollmann ging es weiter zum nahe gelegenen Großsteingrab bei Rimbeck. Leo Klinke plant für das Grab ein 3D-Modell, wie er sie bereits für die Düwelsteene bei Heiden und die Großen Sloopsteene bei Lotte-Wersen erstellt hat (Videos der Modelle finden Sie auf unserem YouTube-Kanal). Diese Modelle dienen nicht nur der visuellen Darstellung der Denkmäler, sondern auch als Grundlage für die digitale Rekonstruktion auf Basis der neusten Forschungsergebnisse.

Als erster Schritt wurden nun testweise Fotos gemacht: Die Kamera wurde an einer ausfahrbaren Teleskopstange befestigt, um das Grab möglichst vollständig und aus verschiedenen Perspektiven zu erfassen.

Louise Tharandt, Felix Faasen und Leo Klinke messen die Fundstelle beim Großsteingrab Wewelsburg II per GPS ein (Foto: Altertumskommission für Westfalen/V. Brieske).

Letzte Station an diesem Tag war ein weiteres Großsteingrab: Wewelsburg II bei Büren, Kreis Paderborn. Dort hatte der Landwirt 2017 bei der Feldbestellung das bereits vermutete Grab angeschnitten, woraufhin es 2018 durch eine Lehrgrabung der Uni Münster in diesem Bereich bestätigt wurde. Nur wenige Tage vor der geplanten Tour nach Warburg meldete sich der Landwirt erneut – er war wieder beim Pflügen an einem Findling hängengeblieben, nur ein paar Meter neben der untersuchten Fläche. Da eine Grabung dort in nächster Zeit nicht möglich ist, sollte der Stein zumindest oberflächlich freigelegt und mit GPS eingemessen werden. Es stellte sich heraus, dass der Findling tatsächlich Teil des Galeriegrabes ist, das im letzten Jahr nur partiell ergraben werden konnte.

Neben interessanten Eindrücken und wissenswerten Details konnte die Geschäftsstelle der AKo von der Exkursion nach Ostwestfalen also auch neue Entdeckungen mit nach Hause nehmen, über die wir Sie in Zukunft natürlich weiter informieren werden!

 

Text: Deborah Priß


Publikationsdatum: 16.09.2019

Themen: Hinter den Kulissen, Bei der Arbeit, Megalithik