Das LWL-Integrationsamt kann Software und PDFs auf Barrierefreiheit testen: Karsten Warnke vom Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (2.v.r.) übergab Ulrich Adlhoch (Mitte), Leiter des LWL-Integrationsamtes die Urkunde. Holger Ross (v.l.), Kai Lammert, Frederik Heinze, Michael Große-Drenkpohl und Bastian Everding sind Ansprechpartner für barrierefreie Informationstechnologie. Foto: LWL

Barrierefreie IT für inklusives Arbeiten

Das LWL-Integrationsamt hat sich mit dem LWL-Berufsbildungswerk Soest zum Kompetenzzentrum für barrierefreie IT qualifizieren lassen und kann nun Websites und IT-Anwendungen testen

Münster (lwl). Gutes Sehen wird meist bei einer beruflichen Tätigkeit als selbstverständlich vorausgesetzt. Was aber, wenn das Sehvermögen dauerhaft stark beeinträchtigt ist und auch mit einer Brille nicht wieder voll hergestellt werden kann? „Dann hilft zum Beispiel ein größerer Bildschirm, eine Vergrößerungssoftware, eine Sprachausgabe oder eine Braillezeile“, erklärt Michael Große-Drenkpohl vom Fachdienst für Menschen mit Sehbehinderung. Die Abteilung des LWL-Integrationsamtes berät Arbeitgeber und Betroffene vor Ort bei der individuellen Anpassung der Arbeitsplätze. „Oft verschlechtern sich die Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Sehbehinderung jedoch durch nicht barrierefreie Anwendungsprogramme“, so Große-Drenkpohl. Jedes Update, jede Änderung im Ablauf muss dann etwa im Bildschirmleseprogramm des Beschäftigten mit Sehbehinderung aufwändig angepasst werden.

Das LWL-Integrationsamt hat seine Beratungsqualität weiter verbessert und ist nun auch Kompetenzzentrum für barrierefreie IT. Kai Lammert vom LWL-Berufsbildungswerk Soest - Förderzentrum für blinde und sehbehinderte Menschen und Holger Ross vom Integrationsfachdienst Münster haben Workshops und Schulungen des Projektes BIT inklusiv (Barrierefreie Informationstechnik für inklusives Arbeiten) durchlaufen. Sie können Anwendungsprogramme und Webseiten auf Barrierefreiheit testen, bei der Ausschreibung barrierefreier Software beraten oder zum Beispiel direkt das Gespräch mit Softwareherstellern suchen. Frederik Heinze und Bastian Everding vom LWL-Integrationsamt sind als Prüfer für barrierefreie PDF-Dokumente anerkannt.

„Die Digitalisierung verbessert nicht zwangsläufig die Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Sehbehinderung“, sagt Ulrich Adlhoch, Leiter des LWL-Integrationsamtes. „Die Herausforderungen an die Beratungsqualität haben sich im Hinblick auf den Einsatz nicht barrierefreier Software in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt“, so Adlhoch weiter. Selbst ein PDF-Dokument sei zum Beispiel in den allermeisten Fällen für sehbehinderte Menschen nicht lesbar. Das sei vielen Arbeitgebern gar nicht bewusst. Adlhoch: „Wir hoffen nun, als Kompetenzzentrum mit unseren Partnern, dem LWL-Berufsbildungswerk Soest und dem Integrationsfachdienst Münster dazu beitragen zu können, dass Informationstechnik zum Beispiel bereits barrierefrei entwickelt wird. Wir möchten damit den beruflichen Alltag für Menschen mit Behinderungen erleichtern.“

Hintergrund: Das Projekt BIT inklusiv
Das Projekt BIT inklusiv, Barrierefreie Informationstechnik für inklusives Arbeiten, hat zum Ziel, die Teilhabe Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben zu fördern und die Gestaltung barrierefreier IT in öffentlichen Verwaltungen und Unternehmen zu unterstützen. Eine der wesentlichen Voraussetzung für den Abbau von Barrieren ist eine umfassende Qualifizierung von Schlüsselpersonen, die an der Entwicklung von Informationstechnik sowie an der Optimierung der IT an Schwerbehindertenarbeitsplätzen beteiligt sind. Projektträger ist der Deutsche Verein der Blinden Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS). Gefördert wird das Projekt vom Bundesarbeitsministerium und den Landschaftsverbänden LWL und LVR. www.bit-inklusiv.de.