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Die Gedenkstätte

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Schaffung einer Gedenkstätte

Auf Initiative des Krankenpflegers Karlo Klucken, des Verwaltungsleiters Andreas Mueller-Andriessen und des Krankenhauspfarrers Werner Tröster wurde am Volkstrauertag, dem 17. November 1985, die Treisekapelle zur Gedenkstätte für die Warsteiner Opfer der Euthanasie. An diesem Tag wurde das Mahnmal im Innern der Kapelle eingeweiht.

Es besteht aus zwei Gemälden der sauerländischen Künstlerin Ina-Maria Mihályhegyi-Witthaut (1946–1987). Die Bilder wurden der Klinik als Schenkung übereignet. Sie hängen links und rechts in der Apsis der Kapelle und tragen die Titel „VERGAST VERNICHTET“ und „VERBRANNT VERGESSEN DENNOCH LEBEND“.

Seit 1985 findet jährlich am Totensonntag eine öffentliche Gedenkfeier für die Opfer der NS-Diktatur statt.

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Die Gedenktafel … gegen das Vergessen

Im Jahre 2012 beschlossen die Betriebs-leitungen der LWL-Klinik und der LWL-Heime in Warstein, die Anonymität der Euthanasie-Opfer aufzuheben und sie durch Ergänzung und Gestaltung der Gedenkstätte Treisekapelle vor dem Vergessen zu bewahren. Mit der Erarbeitung entsprechender Entwürfe wurde die Agentur Mues + Schrewe aus Warstein beauftragt.

Der Grundgedanke: In der Treisekapelle befindet sich die Gedenktafel mit den Namen der Euthanasieopfer. Jeder Name ist doppelt vorhanden, einmal auf einem kleinen abnehmbaren Täfelchen und dann noch einmal auf der dadurch freiwerdenden Stahlfläche an der Wand der Kapelle.

Die abnehmbaren Täfelchen werden somit zu 1575 einzelnen kleinen Skulpturen. Sie werden verteilt an Mitarbeiter der Klinik, an Warsteiner Bürger, an Personen des öffentlichen Lebens und an alle Interessierten. Somit kann jedermann symbolisch die Patenschaft für einen der deportierten Patienten übernehmen und die Erinnerung daran wachhalten. Auf diese Weise erfahren die Euthanasieopfer nachträglich eine persönliche Form der Wertschätzung, des Gedächtnisses und der Beheimatung.

Die Patenschaft hat einen besonderen symbolischen Wert, welcher dem Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus gerecht werden soll. Kosten entstehen durch die Übernahme einer Patenschaft nicht.

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Weitere Ausstattung des Innenraums

Die linke Seitenwand wird eingenommen von einem Schnitzwerk des Bielefelder Künstlers Professor Guntermann. Es zeigt eine Pietà (Mariendarstellung mit dem Leichnam Christi), die eingerahmt ist von zwei Gedenktafeln mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Klinik-Mitarbeiter. Der Provinzalverband erwarb das Schnitzwerk im Jahr 1923. Zuvor hatte es in der Elisabeth-Kirche gehangen, die sich ebenfalls auf dem LWL-Gelände befindet.

Rechter Hand befindet sich ein spätbarocker Altar, von dessen einst reicher Ausstattung nur noch zwei Putti als Zierwerk verblieben sind. Das ebenfalls verlorengegangene Bild des Altaraufsatzes wurde durch die zeitgenössische Darstellung einer Pietà ersetzt. Das Antependium – der Vorsatz, der die Vorderseite des Altars verkleidet – stellt in bäuerlicher Malerei die Verurteilung Jesu zum Tode dar und entstand laut Signatur im Jahr 1803. Ein Ehrenbuch mit den Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges liegt auf dem Altartisch. Darin aufgeführt sind auch fünf Schwestern der Klinik Stillenberg, die am 22. März 1944 im „Haus Sauerbruch“ einem Bombenangriff zum Opfer fielen.

Neben dem Mahnmal erinnern mehrere Dokumente an die Verlegung und Ermordung der Euthanasie-Opfer. Darunter befinden sich ein so genannter Führer-Erlass als Ermächtigung zu den Tötungsmaßnahmen und die „Verlegungs-Listen“. Daraus geht hervor, dass im Jahr 1940 zunächst alle jüdischen Patientinnen und Patienten nach Wunstorf (Niedersachsen) deportiert wurden, um dann in Brandenburg/Havel den Tod zu finden. Den Transporten der Jahre 1941 und 1943 folgte jeweils eine Änderung in der Gebäudenutzung: So wurde 1941 ein Militär-Lazarett eingerichtet, 1943 erfolgte die Gründung der TBC-Klinik Stillenberg. Diese Dokumente werden im Warsteiner Psychiatrie-Museum gezeigt, dessen Bibliothek darüber hinaus umfassende Informationen zur Thematik bietet.