Heimatverein Recke e.V.


Name / Funktion: Heimatverein Recke e.V.
Ansprechpartner(in) / Vorsitzende(r): Florenz Beckemeyer
Anschrift: Halverder Str. 21
49509 Recke
Ortsteil: Recke
Internet: http://www.heimatverein-recke.de
Heimatgebiet: Münsterland
Kreis / Kreisfreie Stadt: Kreis Steinfurt
Stadt / Gemeinde: Recke


1922 Gründung des Heimatvereins Recke

Der Heimatverein Recke wurde 1922 von dem Recker Heimatforscher Louis Stüve (1858 – 1935) in der Bergbau- und Töddengemeinde Recke gegründet. Der Heimatverein Recke gehört dem Kreisheimatbund Steinfurt an.

Louis Stüve, auf einem Bauernhof in der Recker Bauernschaft Espel geboren und aufgewachsen, erlernte auf den Spuren der Tödden den Beruf des Kaufmanns in dem von zwei Brüdern geführten Textilhaus in Lübeck. Während seiner beruflichen Tätigkeit widmete er sich der Erforschung der Geheimsprache der Tödden. 1923 veröffentlichte Louis Stüve in dem Recker Verlag Josef Vorberg den Band „Die Töddensprache genannt Bargunsch oder Humpisch“..

Die Tödden waren Wanderkaufleute überwiegend aus den Gemeinden Hopsten, Recke und Mettingen im Tecklenburger Land, die im 18. Jahrhundert ihre Waren vorwiegend in den Niederlanden, den nordischen und baltischen Ländern anboten. Der Wahlspruch der Tödden lautete: "Mien Feld is de Welt, buten und binnen, wagen un winnen". Sie unterhielten sich in einer Geheimsprache, die für die damaligen Händler und Kaufleute gewissermaßen ein Bedürfnis war: Eine Gewerbefreiheit gab es noch nicht, und so suchten sich die Betreffenden in Gefahr in dieser Sprache gegenseitig zu warnen.

Sehr eng arbeitete Louis Stüve mit dem Freiburger Sprachwissenschaftlicher Prof. Kluge zusammen, der ihn 1900 auf seiner Reise in das Töddenland, dem nördlichen Tecklenburger Land, in Recke besuchte. Prof. Kluge übernahm die Töddensprache in das von ihm herausgegebene Etymologische Lexikon der deutschen Sprache, heute noch in Fortführung das Standartwerk der Sprachwissenschaft. Der rege und informative Schriftwechsel zwischen Prof. Kluge und Stüve konnte gesichert werden.

Bei verschiedenen Anlässen wird der Recker Töddenkorb, gefüllt mit Lebensmitteln, die die Tödden aus der Heimat auf ihren Wandergängen mitnahmen. In der Töddensprache gehörten dazu: pen – Brot, schmurse – Butter, krewes – Fleisch, tridel – Wurst, hamm – Schinken und kucksels - Eier. Gefehlt haben sicherlich nicht funksen und klarros – Schnaps und Bier, robbert – Tabak sowie glimmerts – Zigarren.

Der Heimatverein Recke hat es sich zum Aufgabe gesetzt, Leben und Werke des Recker Heimatforschers Louis Stüve anl. seines 150. Geburtstages im Jahre 2008 zu würdigen.
Im Rahmen des Recker Heimatabends am 20. Oktober 2007 hat der Heimatverein die Broschüre "Louis Stüve 1858 – 1935 Dokumentation zum 150. Geburtstag des Heimatforschers aus Recke – Espel" vorgestellt. Die Broschüre kann zum Preis von 7,50 € erworben werden bei Herrn Ewald Ostendorf, Jahnstraße 2, 49509 Recke


Heimatverein Recke auf den Spuren der Hollandgänge

Die Hollandgänger verdingten sich als Saisonarbeiter in den benachbarten Niederlanden - vor allem als Grasmäher, Torfstecher und Landarbeiter. Sie nutzten die etwa zehn Wochen der landwirtschaftlich stillen Zeit zwischen Saat und Ernte, um einen Nebenverdienst zu erwirtschaften.

In dem ersten Beitrag zur Chronik des Recker Heimatvereins berichtet Louis Stüve 1922 an dem Beispiel seines Espeler Hofnachbarn Heinrich Tegeder (1840 - 1931) authentisch über die Hollandgänger, die ihren Lebensunterhalt für sich und ihren Familien durch Torfstechen oder Grasmähen verdienten:

„Von Recke aus zogen in den sechziger und siebenziger Jahren im Frühjahr etwa 50 – 70 Mann hinaus. Ihr Gepäck wurde mittels Fuhrwerk bis an die Grenze befördert. Der Weg führte über Halverde, Schale, Freren, Lingen, Nordhorn.

In Thuine wurde zu Mittag gespeist und zwar aus dem mitgenommenen Knappsack. Dazu wurde Kaffee bestellt. Das erste Massenquartier wurde in Lohne oder Nordhorn bezogen. In Uelsen (bei Neuenhaus) wurde das zweite Mittagsmahl eingenommen und an der Grenze, auf der sog. Venebrücke, übernachtet.

Am dritten Tage fuhren wir dann mittels Kahn, der von einem Pferde gezogen wurde, durch den Kanal „Dedemsfahrt“ nach Hasselt. Dort wurde wieder übernachtet.

Dann ging es endlich am vierten Tage per Dampfschiff – Raddampfer – über den Zuidersse nach Amsterdam. Von dort war das Torfmoor ungefähr eine Stunde entfern, die Amsterdamer Glocken waren noch hörbar...“

Zur Arbeitssituation schreibt Louis Stüve weiter: „Die Arbeit der Torfbagger begann mit Tagesanbruch, wie ein Spruch sagte: „Sünn’ in’t Land, Bügel in de Hand!“

Der Bügel, mit einer Netzvorrichtung versehen, war das Gerät, mit welchem die Torfmasse aus der bis zwei Meter tiefen Kuhle heraufgeholt wurde. Um sechs Uhr wurde Feierabend gemacht.

Damals galt die Hollandgängerei als Ehrensache. Selbst Bauernsöhne mussten wenigstens einmal nach Holland gewesen sein, sonst wurden sie nicht für vollwertig angesehen.

Die Arbeit dauerte drei Monate. Gegen Ende Juni erfolgte die Rückreise. Dann aber fühlten sich die Hollandgänger, denn sie hatten durchweg 25 – 30 Taler im Beutel. Das war ein Kapital, und sich stolz in die Brust werfend, sagten sie dann wohl: „So, nu laut der Buer men kuomen, nu kann he sin Pacht krigen.“

In einem ergänzenden Text berichtet Louis Stüve: „Nicht immer wurden die Torfbagger sich mit ihrem Arbeitgeber über den zu zahlenden Lohn sofort einig. Bisweilen musste erst der Mahnruf ‚Hollendie’ die Arbeiter auffordern, noch nicht mit der Arbeit zu beginnen. Damit der Ruf weithin vernehmbar wurde, bediente man sich eines Holzschuhes, und rief ‚Hollen’ hinein. Dumpf erklang der Ruf. Erst nach erzielter Einigkeit wurde die Arbeit in Angriff genommen. Die meisten Grasmäher kamen aus dem Lippischen und dem Amte Diepholz Doch auch aus dem Kreise Tecklenburg gingen einige als Grasmäher nach Holland. Sehr tüchtige und geschickte Mäher erhielten den Posten als ‚För’ oder ‚Frutmeier’. Ein solcher Frutmeier, so wird erzählt, hat einmal von seiner Frau, die scheinbar im Briefschreiben wenig bewandert war, einen Brief erhalten, der also adressiert war: ‚An Jan, minen Mann, Frutmeier in Holland, achter in de Binster’.

Bild: Unter Begleitung von Tödden, Kiepenkerl, Korbflechtern, Bürgerfrauen in Festkleidung, Volkstanzgruppe und Jugendgruppe wurden die Teilnehmer der Frühlingsfahrt auf den Spuren der Hollandgänger in Thuine von Vertretern des dortigen Heimatvereins empfangen. Die im mitgebrachten Geschenke aus dem Knappsack wurden ausgetauscht. Die Fahrt in die Niederlande führte über den Grenzübergang Venebrücke D / Venebrugge NL bis nach Dedemsvaart. Von dort setzte der Hollandgänger Heinrich Tegeder seinen Weg auf dem Kanal „Dedems vaart“ auf einem von Pferden gezogenen Kahn bis nach Hasselt an der damaligen Zuiderzee fort.




Folgende Stichworte wurden diesem Verein zugeordnet:

Archive, Ausstellungen, Bibliothek, Chroniken, Geschichte, Heimathaus, Heimatmuseum / Heimatstube, Jugendarbeit, Naturschutzarbeit, Niederdeutsche Sprache, Ortsbildpflege, Pflege des Brauchtums, Sammlungen, Tanzgruppen, Vorträge, Wandergruppe, Zeitschrift

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