Drensteinfurt

Geschichte Älteste Inhaber des Osnabrücker Lehens Steinfurt, heute Stadt Drensteinfurt, waren die niederadligen Herren von Steinfurt, denen um 1200 die Herren von Rinkerode folgten, die im Besitz des Guts  Heessen waren. Über die Erbtochter Gostie von Rinkerode gingen diese Güter um 1300 an die Edelherren von Volmarstein, die nach der Zerstörung ihrer Burg Volmarstein 1324 ihren Wohnsitz auf Steinfurt nahmen. Mit dem Tod von Johann Graf von Volmarstein kam 1429 der Ordensritter Goddert von der Recke zu Heren (bei Kamen), der 1392 die Erbtochter Agnes Gräfin von Volmarstein geheiratet hatte, in den Besitz der Herrschaft Heessen in der Grafschaft Mark, der Herrschaft Steinfurt im Fürstbistum Münster sowie der Volmarsteiner Güter mit der Lehnkammer. Trotz mehrfacher Erbteilungen, aus denen 1468 schließlich die Linien zu Heessen (Gerd VIII.) und Steinfurt (Dietrich VIII.) hervorgingen, verstanden es beide Linien, ihren Gutsbesitz durch Heiraten oder Ankäufe zu festigen und zu einträglichen Grundherrschaften zu erweitern. 1580 gelang die Allodifizierung des Guts Steinfurt, das zur Unterscheidung von Burgsteinfurt noch im 18. Jh. mit dem Zusatz "super drenum" gekennzeichnet wurde; die Volmarsteinschen Lehen wurden bis 1614 gemeinsam verwaltet.

Im Gegensatz zur Heessener Linie stand die ebenfalls stiftsfähige Linie zu Steinfurt im 17./18. Jh., neben den Stiftspräbenden, in hohen regionalen (Drostenamt Werne) und zentralen Verwaltungsämtern (Rats- und Kriegsratsstellen). Dem Ausschluss aus dem Kreis des stiftsfähigen Adels kam die protestantische Familie unter dem zunehmenden Druck der fürstlichen Rekatholisierungsbestrebungen durch eine am 30.11.1651 im münsterschen Dom erfolgte öffentliche Konvertierung zuvor - ein Schritt, der im Land große Beachtung fand. Unter  Johann Matthias von der Recke zu Steinfurt (1672-1739), der nicht nur das Amt eines Obriststallmeisters, sondern auch das eines Geheimen (1707) bzw. Kriegsrats (1719) bekleidete, zählten die am 07.08.1717 in den Reichsfreiherrenstand erhobenen von der Recke zu den ,ersten Familien' des Landes. Hierbei spielte die Einheirat in die ,fürstbischöflichen Familien' (1699 Anna Maria von Plettenberg zu Lenhausen, dann 1709 Anna Adolfina von Wolff-Metternich zu Gracht) eine nicht unerhebliche Rolle. Dieser herausgehobene Status fand seine architektonische Visualisierung durch zwei repräsentative Bauten: Auf dem Land lieferte der angesehene Architekt  Lambert Friedrich Corfey (1668-1733) Pläne zu einer Schlossanlage, die in den Jahren 1696-1709 das mittelalterliche Herrenhaus ersetzte. In der Stadt Münster beauftragte die Familie im Jahr 1716, unter Beteiligung Corfeys,  Gottfried Laurenz Pictorius (1663-1729), mit dem Bau einer Dreiflügelanlage auf einem im selben Jahr erworbenen Grundstück.

Zum Haus Steinfurt wurden seit dem 17. Jh. folgende Güter hinzugekauft: 1653 das landtagsfähige Gut Welpendorf im Ksp. Drensteinfurt von Anna Catharina von Steckenberg, geb. von Plettenberg, 1680 das vorher im Besitz der Familie Ackenschock befindliche Gut Amelsbüren bei Münster, 1698 von den von Ripperda das landtagsfähige Haus Venhaus bei Rheine, 1711 von Johann Gottfried von Diepenbrock das Gut Riepensell bzw. Buschues im Ksp. Drensteinfurt, 1717 von Moritz Gerhard von Fresendorf die Güter Niedernhoff und Obernhoff bei Herdecke, 1725 von den Erben Plönies das Gut Ossenbeck im Ksp. Drensteinfurt. Das 1746 von den von Landsberg gekaufte Rittergut Osterhaus zu Echthausen, das zeitweise mit Steinfurt vereinigt war, ist 1835 wieder verkauft worden, wobei dem neuen Eigentümer das zugehörige Archiv übergeben wurde.

Als 1745  Johann Adolf von der Recke zu Heessen (1710-1745) kinderlos starb, fiel Heessen an seine Schwester, Anna Elisabeth, und damit an ihren Mann,  Franz Arnold von der Recke zu Steinfurt (1713-1762). Da die Ehe mit dem früheren Domherrn ebenfalls kinderlos blieb, wurden die Güter erneut geteilt: die Steinfurter Güter fielen an die ältere Schwester von Franz Arnold von der Recke zu Steinfurt, Anna Maria Theresia und kam durch ihre Ehe an den zu dieser Zeit bereits 62jährigen, resignierten Domherrn  Franz Kaspar Ferdinand von Landsberg zu Erwitte und Wocklum (1670-1748) - und damit später an dessen Sohn Engelbert, der die Linie zu Steinfurt (Drensteinfurt) gründete -, Heessen kam über Anna Elisabeth 1774 an deren Vetter Friedrich Joseph von Boeselager zu Nehlen und Höllinghofen (Besitzantritt 1778).
Benutzungsort LWL-Archivamt für Westfalen
Eigentümer/in Gräfin von Meran
Bestand
Urkunden A Regestenliste | Suche im Bestand
Bestandsignatur Dre.A
Findbuch Dre.A
Umfang 373 Urkunden. Nicht erfasst ist eine noch unbestimmte Anzahl von Urkunden, die aufgrund der Unübersichtlichkeit des Bestandes nicht genau beziffert werden kann.
Laufzeit 1391-1838
Inhalt Familiensachen; Kauf und Tausch von Erben und Grundstücken; Verträge und Vergleiche, auch Bau des Schlosses; Schadlosbriefe; Rentverschreibungen; Bauernschulden; Gerichtsbarkeit zu Drensteinfurt; Lehen von den Bischöfen von Münster und Osnabrück sowie den Grafen von Steinfurt und Rietberg; Wigbold Drensteinfurt; Haus Welpendorf; Haus Amelsbüren; Gut Riepensell; Gut Ossenbeck; Gut Niedernhoff und Gut Obernhoff.
Anmerkungen Eine Bestellung sollte über die Datierung erfolgen, da die hier erfassten Signaturen von denen der Loculamente abweichen.
Information Die Verzeichnung dieses Bestandes erfolgte in Zusammenhang mit einem Erbprozess Ende des 18. Jhs. durch  Nikolaus Kindlinger (1749-1819). Die von ihm gebildeten Loculamente, die Urkunden und Akten gemischt enthalten, entsprechen den Schubläden der Archivschränke.
Weitere Ressourcen Ressourcen zu Drensteinfurt , zu Münster und zum Thema Adel im Internet-Portal "Westfälische Geschichte"

Schloss Steinfurt (Steinfurt) in Drensteinfurt | Google Maps

Gartenanlagen am Haus Steinfurt, Drensteinfurt

Haus Ossenbeck in Drensteinfurt | Google Maps

Haus Riepensell in Drensteinfurt | Google Maps

Haus Welpendorf in Drensteinfurt | Google Maps

Stadt Drensteinfurt

Haus Amelsbüren in Münster, Stadtteil Amelsbüren | Google Maps

Stadt Münster
Literatur Bauermann, Johannes
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Frese, Werner
Genealogische Quellen in Privat- und Kommunalarchiven des Münsterlandes. In: F. C. Berkenvelder u. a. (Hg.), Familienforschung im deutschen Grenzraum zu den Niederlanden. Jubiläumsband der "Werkgroep Genealogisch Onderzoek Duitsland 1967-1992", Hilversum 1992, S. 61-95.

Glasmeier, Heinrich
Archivfahrten kreuz und quer durch Westfalen. In: Westfälisches Adelsblatt 1, 1924, S. 55-79

Krumbholtz, Robert (Bearb.)
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Bockholt, Werner
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Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die Österreichischen Erblande bis 1806 sowie kaiserlich österreichische bis 1823, mit einigen Nachträgen zum ”Alt-Österreichischen Adels-Lexikon“ 1823-1918. 5 Bde. Senften 1967/1974. [Bd. 4, S. 150]

Gabriel, Peter
Reichsfreiherr Ignatz von Landsberg-Velen. Ein westfälischer Edelmann aus Drensteinfurt. In: An Ems und Lippe 1984, S. 35-38.

Gabriel, Peter
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Systematik
Zeit2.18   1350-1399
2.19   1400-1449
2.20   1450-1499
3.1   1500-1549
3.2   1550-1599
3.3   1600-1649
3.4   1650-1699
3.5   1700-1749
3.7   1800-1849
Ort3.5   Münster, Stadt <Kreisfr. Stadt>
3.8.4   Drensteinfurt, Stadt
Sachgebiet6.8.1   Adel
Datum Aufnahme 2010-04-07
Datum Änderung 2014-08-26
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