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Versicherungsschild der 'Provinzial-Feuer-Societ�t' an einem Haus in Ahlen / Foto: Bad Sassendorf, M. Weidner/IMG_4076









Marcus Weidner

15. April 1768 -
"Feuer!" Die Einrichtung einer Brandversicherung im F�rstbistum M�nster

Der Brand entstand am Morgen, gegen 11 Uhr. Am 10.10.1832 trocknete die Magd im Middlerschen Haus auf der Langenbr�ckenstra�e in L�dinghausen Flachs im Backofen - dies ging schneller als an der Luft, war aber aber aufgrund der damit verbundenen Gefahren streng verboten. Das Flachs entz�ndete sich. M�glicherweise in Panik zog sie das brennende Flachs aus dem Ofen. Auf dem Boden setzte es dort liegende, leicht brennbare Stoffe in Brand. Der Durchzug blies das Feuer an. Sekunden sp�ter stand der Raum in Flammen. Schon kurz darauf brannte das Nachbarhaus. Keine Stunde sp�ter sechzig H�user. Die drei Spritzen der Feuerwehr mussten kapitulieren und wurden kurz darauf selbst ein Raub der Flammen. Dann brannte Rathaus mit dem Stadt- und Landgericht ab, das dort untergebracht war, damit auch alle Prozessakten. Erst durch das Eingreifen des Freiherrn von Romberg, der mit Hilfskr�ften und Spritzen herbeigeeilt war, konnte der n�rdliche Teil Stadt gerettet werden. Menschenleben musste die Stadt zum Gl�ck nicht beklagen, aber von rund 280 H�usern brannten 154 (122 Hausnummern) nieder, betroffen waren rund 190 Familien.

Es war der sechste und letzte gro�e Stadtbrand L�dinghausens vor dem Zweiten Weltkrieg - nach den bekannten Stadtbr�nden von 1448, 1568, 1594, 1619 und 1692. Wie Hochwassermeldungen ritzte man sie zum Ged�chtnis in eine S�ule der St. Felizitas-Kirche ein. Wohl kein Dorf, keine Stadt, die nicht einmal in ihrer Geschichte ein oder mehrere Br�nde erlebt hat. Eine finanzielle Absicherung f�r diese elementaren Ereignisse gab es nicht.













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Inschrift zur Erinnerung an die Stadtbr�nde in L�dinghausen in einer S�ule in der St. Felizitas-Kirche, Ausschnitt: Stadtbrand von 1832




  • Viele Quellen, die im Text erw�hnt werden, finden Sie am Schluss des Artikels.
 
 

Der Brand als Lebensrisiko

 
 
 
Gro�fl�chige Br�nde in D�rfern und St�dten Westfalens waren - sieht man einmal vom Bombenkrieg des Zweiten Weltkriegs ab - noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erleb- und erfahrbare Katastrophen, kurz: m�gliche Lebensrisiken ihrer Einwohner, die von jetzt auf gleich das Leben der Menschen ver�ndern konnten. Zwischen 1837 und 1852 gab es in Westfalen 71 Ortsbr�nde. Auch danach verebbte die Gefahr nicht: Am 04.08.1857 zerst�rte eine Brandkatastrophe in Vreden rund 80 Prozent des Orts und warf ihn in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zur�ck. Nur wenige Tage sp�ter, am 31.08.1857, zerst�rte eine Brandkatastrophe in Olfen 142 H�user und damit rund 80 Prozent der Immobilien der Stadt. Und am 13.10.1863 vernichtete ein verheerender Stadtbrand rund 90 Prozent der Bausubstanz von Ahaus. Besonders hart traf es den kleinen Ort Hirschberg, der 1778 und 1788 abbrannte - viele Hausinschriften zeugen noch heute von der doppelten Katastrophe.

Nur einige Beispiele von Br�nden, die mitunter eine tiefe Z�sur im sozialen und wirtschaftlichen Leben einer d�rflichen oder st�dtischen Gemeinschaft darstellten. Je nach topografischen und klimatischen Verh�ltnissen gab es weitere elementare Schadensereignisse: Hungersn�te, Umweltereignisse wie Unwetter, Sturmfluten, �berschwemmungen, Erdrutsche, Erdbeben, Vulkanausbr�che oder Seuchen, die ebenso zum Verlust von Menschenleben und der Existenzgrundlagen wie Arbeit, Nahrung und Wohnung f�hren konnten. Um sich vor diesen als Zeichen und Strafe Gottes verstandenen Katastrophen zu sch�tzen, wurden regelm��ig - in M�nster bis heute - (Brand-)Prozessionen veranstaltet.
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Brandmauer zwischen zwei H�usern am Soester Petrikirchhof


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Tafel zur Erinnerung an den Laerer Stadtbrand von 1599, dem 80 H�user zum Opfer fielen, in der St. Bartholom�us-Kirche, um 1953
 
 

Brand und Feuer

 
 
 
Ein Brand ist eine chemischen Reaktion, in deren Verlauf unkontrollierte Verbrennungen stattfinden, die Sach-, Personen- und Umweltsch�den hervorrufen. Im Unterschied zum sog. Zweck- oder Nutzfeuer sind Ausbruch und Folgen des Schadenfeuers zumeist ungewollt. Seine Ursachen sind vielf�ltig: ein unsachgem��er Umgang bzw. Kontrollverlust �ber Nutzfeuer (z. B. Feuerstellen in Haushaltungen und Betrieben, Rauchen, Kerzen, Selbstentz�ndung), ein ungen�gender Feuerschutz und schlechte Bausubstanz (z. B. Kaminbr�nde) oder Umwelt- und Wettereinfl�sse (z. B. Blitzeinschl�ge, extreme Trockenheit). Zu den gewollten Br�nden z�hlen v. a. die Brandstiftung (z. B. als Versicherungsbetrug, zum Vertuschen einer Straftat, aus Rache) oder das Legen von Br�nden w�hrend milit�rischer Auseinandersetzungen (z. B. durch die Beschie�ung einer Stadt) - letzteres doppelt verheerend, da die zus�tzliche Bedrohung durch den Feind ein geordnetes L�schen und Hilfsma�nahmen von au�en erschwerte.

Dass Br�nde innerhalb von Ortschaften derart verheerende Auswirkungen hatten, daf�r gab es verschiedene Ursachen.
  • Dies lag zum einen an der hohen Bev�lkerungsdichte. Die umwehrten D�rfer und St�dte boten nur eine begrenzte Siedlungsfl�che, was die Bewohner durch eine enge Bebauung mit schmalen Stra�en auszugleichen suchten.
  • Dass sich die Flammen schnell ausbreiten und damit ihre Zerst�rungskraft erh�hen konnten, lag zum anderen auch an der schlechten bzw. aus der Sicht der Brandpr�vention problematischen Bauqualit�t und Verteilung der H�user. Steinh�user konnte sich nur eine wohlhabende Minderheit in repr�sentativen Lagen leisten, leicht brennbare Fachwerkh�user bildeten nicht nur in Westfalen die dominierende Bauform - Holz war billig, leicht verf�gbar und gut zu bearbeiten. �berkragende Giebel und strohgedeckte D�cher boten dem Feuer gute Nahrung und Ausbreitungsm�glichkeiten. Wenigstens die Strohdeckung der H�user wurde im 17. Jh. mehr und mehr zugunsten der Ziegel verboten, w�hrend das Verbot der Abdichtung dieser Ziegel mit Stroh (sog. Strohdocken) erst im sp�ten 18. Jh. untersagt worden ist.
  • Zum dritten stellte die je nach Siedlungstyp unterschiedliche Zusammensetzung von Haushaltungen, Warenlagern, Handwerksbetrieben und landwirtschaftlichen Anwesen ein gef�hrliches Neben- und Ineinander verschiedener Brandgefahren und -g�ter dar. Die Nutzung offenen Feuers war st�ndiger Alltag, lebensnotwendig zum Heizen, Kochen und Beleuchten, wirtschaftlich notwendig f�r die Handwerksbetriebe. Da das Anz�nden nicht immer einfach war, versuchte man zumindest die Glut f�r den n�chsten Tag zu bewahren, oder man holte sich das Feuer beim Nachbarn - mit allen sich daraus ergebenden Gefahren. Brach angesichts dieses st�ndigen und allgegenw�rtigen Gebrauchs der Flamme irgendwo ein Brand aus, fand dieser in den zahlreichen Lagern, insbesondere der landwirtschaftlichen Vorr�te an Kornfr�chten, Stroh und Heu, reiche Nahrung. Es nimmt nicht wunder, dass alle bekannten Stadtbr�nde L�dinghausens zwischen August und Dezember stattfanden, als die Scheunen prall gef�llt waren.
  • Schlie�lich waren Obrigkeit und Einwohner kaum in der Lage, gro�fl�chige Br�nde effektiv zu bek�mpfen. Feuerhaken, Feuerleitern, lederne Brandeimer, Notpumpen und -brunnen sowie die erst seit dem 17. Jh. wirklich brauchbaren Spritzen, die indes mit Eimern bef�llt werden mussten und keine gro�e Leistung hatten, konnten auch ohne eine speziell geschulte Berufsfeuerwehr, die erst Mitte des 19. Jahrhunderts aufkam, meist wenig ausrichten, wenn das Feuer eine bestimmte Gr��e erreicht hatte. Vorbeugender Brandschutz war zwar schon seit dem Mittelalter Thema und fand in der Fr�hen Neuzeit Eingang in die Polizei- oder speziellen Brandordnungen, in denen z. B. j�hrliche Visitationen der Feuerstellen und Schornsteine verpflichtend geregelt wurden oder der Umgang mit Feuer und leicht entz�ndlichen Stoffen wie z. B. Flachs. Auch die Aufrechterhaltung der Ordnung und das Vorgehen beim Brandl�schen wurden geregelt. So einfach diese auch anf�nglich ausgestaltet sein mochte, die gro�en Probleme - Enge, Bauqualit�t und Mischung der Raumnutzung - konnten auch sie nicht grundlegend l�sen.
 
 
 

Nach dem Brand

 
 
 
Je nach Schadensgrad stellten Stadtbr�nde eine Z�sur in der Stadtentwicklung dar. Ganze Areale waren auch Jahre nach einem Brand noch nicht wieder aufgebaut, da bis zur Einrichtung von Brandversicherungen das Kapital gefehlt hatte, viele Betriebe lagen brach. Andererseits gab ein Brand auch modernisierende Impulse. Belecke, im Sauerland gelegen, brannte 1805 ab und wurde nach Anweisung der damaligen hessischen Regierung mit breiten Stra�en angelegt, die sich rechtwinklig kreuzten. Der Wiederaufbau Olfens nach dem verheerenden Brand von 1853 wurde als Chance begriffen, durch die Anlage befestigter Stra�en, neuer Wirtschaftswege und Br�cken eine stadtplanerische Neugestaltung vorzunehmen. Allerdings zog sich die Wiederaufbauplanung hin, obwohl 1855 f�r ganz Preu�en eine Verordnung erlassen worden war, welche die nach Stadtbr�nden und beim Wiederaufbau zu ergreifenden Ma�nahmen und Verfahrensschritte regelte. Schlie�lich musste mit staatlichen Zwangsma�nahmen der eigenm�chtige Wiederaufbau einiger H�user gestoppt werden, um die angelaufenen Neuparzellierungsarbeiten, die generell auf den Widerstand der B�rger stie�en, nicht hinf�llig werden zu lassen. Und in Ahaus wurde 1863 beim Wiederaufbau im Zusammenhang mit der Neuparzellierung des alten Siedlungskerns die Erweiterung der Stadt durch beidseitige Bebauung entlang der zu Chausseen ausgebauten Ausfallstra�en in Angriff genommen. Im Gegensatz zur ersten H�lfte des 18. Jahrhunderts, als mehrheitlich die �rmere Bev�lkerung aus dem Stadtkern in Erweiterungsfl�chen gedr�ngt wurde, entwickelten sich im 19. Jahrhundert die Fl�chen entlang der Chausseen zu bevorzugten Standorten des gehobenen B�rgertums.

Nach den L�scharbeiten rief der Stadtbrand zun�chst einmal Obrigkeit und Bewohner auf den Plan, um die Abgebrannten mit dem Notwendigsten - Nahrungsmittel, Kleidung und Obdach - zu versorgen. Spenden kamen v. a. aus der Nachbarschaft und Verwandtschaft, aber auch von au�erhalb, insbesondere von Kl�stern, Adligen oder Nachbarst�dten. Doch je st�rker die Stadt betroffen war, desto weniger Spender waren verf�gbar. Die Hilfsm�glichkeiten etwa der Obrigkeit oder der Stadt waren begrenzt, Steuererleichterungen waren als Gnadenakt m�glich. Bei gro�en Br�nden war es nicht un�blich, lizenzierte Spendensammler �bers Land zu schicken - ins In- und "Ausland� -, versehen mit einem Empfehlungsschreiben, den sog. "Brandbriefen� hochgestellter Personen oder einflussreicher Institutionen, um den Sammlern Glaubw�rdigkeit und Nachdruck zu verleihen. Nach der Katastrophe von 1832 traten auch kulturelle Einrichtungen in den Dienst der guten Sache, etwa das m�nstersche Schauspielhaus, das eine Benefizveranstaltung gab. Daneben bildeten sich Unterst�tzungskommissionen, die die Hilfe organisierten und die n�tige Medienarbeit leisteten. Zentrales Problem jedoch blieb die Unterbringung der Abgebrannten, insbesondere dann, wenn die ganze Stadt in Schutt und Asche lag. H�ndler aus Recklinghausen, die 1619 durch Zufall in das abgebrannte L�dinghausen gekommen waren, fanden die armen L�dinghauser "mit ihren Kinderchen unter blauem Himmel hinter Z�unen und Hecken� wieder. Privatquartiere, Scheunen und selbst Kirchen boten nur ein erstes Obdach. Da die L�dinghauser Br�nde in der kritischen Zeit - von Sp�tsommer bis Winter - ausgebrochen waren, war der Wiederaufbau ein Wettlauf mit der Zeit, denn der Winter stand vor der T�r. Und mit den Scheunen war zumeist auch die Futter- bzw. Nahrungsmitteln und das Saatgut des n�chsten Jahres verloren.

Trotz allem nachbarschaftlichen und gemeinschaftlichen Engagement: der Wiederaufbau der Wohnungen und Arbeitsst�tten war mit Eigenmitteln oder den geringen, rein karitativ verstandenen Zuwendungen insbesondere f�r �rmere Schichten nur schwer zu schaffen. Verarmung, Hunger, R�ckgang von Konsum und Produktion sowie Steuerausf�lle waren vorprogrammiert, denn eine wirksame finanzielle Absicherung gab es bis weit in das 18. Jahrhundert hinein nicht.
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Brandkollektenb�cher der Stadt Rheine, 1647


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Brand der Landesversicherungsanstalt Westfalen am Bispinghof 3 in M�nster, 31.12.1908


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Brennende H�user am Alten Steinweg in M�nster nach einem Bombenangriff, um 1943


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Hinweisschild "Feuermeldestelle" mit Versicherungszeichen der "Provinzial-Feuersoziet�t" an einem Haus in M�llingsen, Stadt Soest


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Treppe zum Seiteneingang des Warburger Rathauses mit "Feuermeldestelle", um 1930
 
 

Die "Brand-Versicherungs-Gesellschaft�

 
 
 
In der Wohlfahrtspolitik war das Interesse der Landesherren am wirtschaftlichen Wohlstand der Untertanen untrennbar mit dem steuerlichen Nutzen des Staates verkn�pft. Vor allem nach dem Siebenj�hrigen Krieg (1756-1763) wurden etwa im F�rstbistum M�nster in Verbindung mit dem notwendigen Wiederaufbau weitreichende Reformma�nahmen in den unterschiedlichsten Bereichen auf den Weg gebracht.

Franz von F�rstenberg (1729-1810) war als Minister 1762 angetreten, das von den Besatzungstruppen ruinierte und hoch verschuldete Hochstift zu sanieren. Seine aufgekl�rte Wohlfahrtspolitik schlug sich v. a. in einer ausgepr�gten Wirtschaftsf�rderung im Sinne von Kameralismus und Merkantilismus nieder, der Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, Einfuhrbeschr�nkungen zur F�rderung des einheimischen Gewerbes, Privilegien f�r einzelne Wirtschaftszweige, F�rderung des z�nftigen Handwerks bei gleichzeitiger Zulassung von Freimeistern au�erhalb der Z�nfte oder die Abschaffung von etwa 20 kirchlichen Feiertagen. Daneben betrieb F�rstenberg die Verbesserung der Landwirtschaft, die Aufforstung von Heidefl�chen, die F�rderung von Neuansiedlungen in Heiden und Mooren sowie von Markenteilungen zur Deckung von Kirchspielsschulden (1763) und zur Dotierung der Dorfschullehrer (1768). Um die Rechtssicherheit f�r die b�uerliche Bev�lkerung zu erh�hen, initiierte F�rstenberg die  "Eigentumsordnung� (1770). Wenngleich auch die Wirtschaftskraft stieg, so vergr��erte sich der �konomische R�ckstand etwa im Vergleich mit Preu�en weiter. Und: nicht wenige Reformen, etwa die des Armenwesens, wurden nicht umgesetzt.

Was die Modernisierung der "Katastrophenabwicklung� anging - die Absicherung elementarer Lebensrisiken -, so haben offenbar die erheblichen Kriegszerst�rungen bei der Beschie�ung M�nsters 1759, dort, wo die kirchlichen und adligen Eliten ihre repr�sentativen Stadtsitze hatten, als Katalysator gewirkt. Auf Initiative des Ministers wurde nach zweij�hrigen Verhandlungen von den Landst�nden des F�rstbistums, die aus dem Domkapitel, der Ritterschaft und einzelnen St�dten bestanden, das Projekt einer "Brand-Versicherungs-Gesellschaft" vorgelegt (15.04.1768) und per Edikt durch den Landesherrn, Kurf�rst Maximilian Friedrich von K�nigsegg-Rothenfels (reg. 1762-1784), am 15.04.1768 in Kraft gesetzt.

Die Idee war nicht neu. Unmittelbarer Ausl�ser und Vorbild war die "Hildesheimer Brandassecuration�, die am 12.12.1765 ins Leben gerufen worden war. Vorl�ufer hatte es bereits im 17. Jh. mit der Hamburger-General-Feuerkasse gegeben (1676), der ab 1718 die preu�ischen Territorien folgten (1718 Berliner Brandsoziet�t, 1722 Soziet�t f�r die St�dte des Herzogtums Kleve und der Grafschaft Mark, 1723 f�r jene des F�rstentums Minden und der Grafschaft Ravensberg, 1767 die l�ndlichen Gebiete der Grafschaft Mark); 1752 hatte auch die Grafschaft Lippe eine "Brand-Assecurations-Ordnung� erhalten. Auf die m�nstersche Assekuranz folgten schon bald eine Versicherung im F�rstbistum Paderborn (1769), im Herzogtum Westfalen (1778), im Kurf�rstentum K�ln (1778) und im Vest Recklinghausen (1781).
 
 
In der Pr�ambel der M�nsteraner Versicherung hei�t es, die "Brand-Versicherungs-Gesellschaft� solle gegr�ndet werden
zu Milderung deren durch Feurs-Br�nste in Schaden gesetzten und oftmahlen v�llig zu Grund gerichteten Unterthanen, zu Abhelffung deren aus solchen Brand-Schaden oft entstehenden Verw�stungen, mithin zum allgemeinen Besten und eines jeden Privat-Sicherheit nach dem l�blichen Beyspiele verschiedener benachbahrten Landen.

Ziel dieser f�r das nicht-preu�ische Westfalen neuen Versicherungsform einer Brandassekuranz war, dass eine Personengruppe (Immobilieneigent�mer), die von ein und derselben Gefahr (Brand) bedroht wurde, das finanzielle Risiko (Verlust des Hauses) des Gefahreneintritts auf eine Versicherung �bertragen konnte. Diese zog vom Versicherungsnehmer ("Societ�ts-Genosse�) nach einem bestimmten Modus die am Geb�udewert ausgerichtete Versicherungspr�mie ein und hatte den gesch�digten Immobilieneigent�mern entsprechend des taxierten Geb�udewerts einen Schadenausgleich auszuzahlen. Mit diesem Geld sollten die "Abgebrannten� ihre H�user wieder aufbauen. Durch die Einbringung des Risikos in ein Kollektiv (kollektive Risiko�bernahme) reduzierte die Versicherung nicht nur das Risiko des Einzelnen und erm�glichte damit den Wiederaufbau eines zerst�rten Hauses bzw. die Wiederaufnahme der beruflichen T�tigkeit, sondern sie schonte damit zugleich die Landes- und Stadtkassen. Der Schadenausgleich sollte das Brachliegen gro�er innerst�dtischer Fl�chen verk�rzen und damit zugleich Steuer- und Produktionsausf�lle, zudem waren den in Not geratenen Brandopfern zuvor traditionell Steuernachl�sse gew�hrt worden, die sich insbesondere bei gro�fl�chigen Katastrophen im Haushalt bemerkbar machten. Der Untertan sollte seinem Staat schon bald wieder n�tzlich sein.

Zur "Einrichtung und Vollziehung� wurde im F�rstbistum M�nster eine eigene Brandversicherungskommission gegr�ndet, die sich aus f�rstlichen Kommissaren und landst�ndischen Deputierten zusammensetzte. Damit war das dualistische Prinzip von Landesherr und Landst�nden, das als Ordnungs- und Sicherungsprinzip Kennzeichen des fr�hneuzeitlichen Territoriums war, auch auf diesen Bereich �bertragen worden und der Landesherr in seiner Verf�gungsgewalt eingeschr�nkt. Organisatorisch war die Kommission dem Geheimen Rat, dem nahen Regierungskollegium des F�rsten, zugeordnet. Die zentralen Rechnungsfragen liefen bei einem sog. Actuarius zusammen, der eigens f�r die neue Versicherung eingestellt wurde. Er war im �brigen der einzige Beamte, der ausschlie�lich f�r die Assekuranz t�tig war. Die einzelnen B�rokratien von Landesherr, D�rfern und St�dten waren in Verwaltungst�tigkeit der Versicherung einbezogen und erledigten die Aufgaben unentgeltlich mit.
 
 
 
Die Versicherung ersetzte im Schadenfall den tats�chlichen Wert der H�user, nicht jedoch die Mobilien, also die beweglichen G�ter wie z. B. Einrichtungsgegenst�nde, Waren oder Arbeitsger�te. Da Grundkataster nicht vorhanden waren, musste als vorbereitender Schritt zun�chst eine Bestandserhebung der infrage kommenden Geb�ude durchgef�hrt werden. Bei dieser "General-H�user-Aufschreibung� wurden alle H�user von einer Kommission aufgesucht, durchnummeriert, in ein Kataster eingeschrieben und die Brandkatasternummer mit wei�er Farbe �ber die T�r des Hauptzugangs gemalt. Aufgenommen wurden � zumindest teilweise - auch w�ste Hauspl�tze, also Ruinen oder unbebaute Hausgrundst�cke, um nach einer etwaigen Bebauung die Reihenfolge der Nummerierung nicht zu durchbrechen. W�hrend dieses Umgangs wurden auch verschiedene "Datenbest�nde� miteinander verkn�pft. Notiert wurden Name der Eigent�mer, der Mieter, die H�he der Monatsschatzung und die Anzahl der Nebengeb�ude. Dieses Protokoll wurde an die vereidigten Aestimatoren weitergereicht, die zusammen mit Handwerkern u. a. das Haus aufma�en und den Wert der Immobilie ermitteln sollten. Auf dieser Basis wurde schlie�lich das Generalkataster und daraus von der Brandversicherungskommission das Hauptkataster erstellt, das f�r die Beitragsermittlung und Schadensabwicklung notwendige Brandversicherungskataster. Im Jahre 1771 betrug der Gesamtwert aller Geb�ude 6.835.790 Reichstaler, 1800 waren es bereits 19.590.595 Reichstaler.

Diese "Aufschreibung� hatte auch einen ungeahnten, modernisierenden Effekt, weil nun jedes Haus eindeutig identifizierbar war. Zu dieser Zeit gab es zwar Stra�ennamen, aber keine Stra�ennummern, sodass bei mehr oder minder eindeutigen Hausnennungen neben der Stra�e immer auch die Nachbarn zur linken und zur rechten Seite angegeben werden mussten. Zudem wurden etwa die Steuererhebungen in der Stadt M�nster nach einem sehr traditionellen 'System�, dem Umgang, z. T. springend von Stra�enseite zu Stra�enseite, durchgef�hrt, was f�r nicht wenig Konfusion sorgen konnte und die heutige Rekonstruktion erschwert. Wenngleich eine vollst�ndige Durchnummerierung der H�user im Rahmen der Brandversicherung das schnelle Auffinden ohne Karte nicht wirklich erleichterte - in M�nster wurden deshalb 1784 die Stadtviertelnummern (Leischafts-Nummern) eingef�hrt, erst 1875 die heutigen Stra�ennummern - so war die Brandkatasternummerierung doch in anderen Verwaltungsf�llen durchaus hilfreich. F�r die Geschichtswissenschaft stellen sie heute eine unverzichtbare, leider aber nicht vollst�ndig �berlieferte Quelle dar. Hier�ber und in Verbindung mit anderen Datenbest�nden sind wir in der Lage, z. B. Sozialprofile von Stra�en und Vierteln oder Eigentumsverh�ltnisse zu rekonstruieren sowie Personennamen zu recherchieren.
 
 
 
Um eine ausreichende finanzielle Basis f�r m�gliche Schadenf�lle zu schaffen, wurde die Form einer obligatorischen staatlichen Monopolversicherung gew�hlt. Doch nicht alle Hauseigent�mer hatten ihre Immobilien bei der Assekuranz versichern zu lassen, denn in der fr�hneuzeitlichen Gesellschaft bestanden vielf�ltige Sonderrechte z. B. f�r Geistliche, Adlige oder Verwaltungsbeamte, die einen umfassenden Zugriff auf diese Personen verhinderten. So war es etwa der Stadt M�nster nur in besonderen F�llen m�glich, ein innerhalb ihrer Mauern wohnendes Mitglied der m�nsterschen Ritterschaft mit Abgaben zu belegen oder vor ihr Gericht zu ziehen. Doch angesichts der Tatsache, dass seit 1700 immer mehr Adlige zumindest zeitweise in der "Haupt- und Residenzstadt� wohnten und sich mit ihren Stadth�fen ebenso repr�sentative wie kostspielige Statussymbole setzen, br�ckelte der anf�ngliche Widerstand. Selbst das Domkapitel versicherte seine Geb�ude bei der Assekuranz. Bis 1771, dem Erhebungsjahr der ersten Brandgeldkollekte, waren fast alle Immobilieneigent�mer der Stadt der neuen Versicherung beigetreten - in M�nster fehlte nur die Bispinghof-Immunit�t. Allerdings waren den Adligen, wie auch anderen Befreiten Sonderrechte einger�umt worden, etwa in M�nster die Einzahlung der Beitr�ge nicht direkt an die f�r die Erhebung zust�ndigen Rezeptoren, sondern beim Rechnungsbeamten der Versicherung. Ein weiteres Vorrecht bestand darin, das Immobilieneigentum nicht von den vorgesehenen Sachverst�ndigen, sondern selbstst�ndig taxieren zu k�nnen, was - trotz Androhung von �berpr�fungen in Verdachtsf�llen - in Einzelf�llen dazu missbraucht wurde, einen �berh�hten Immobilienwert zu melden.

Die Besonderheit der Versicherung bestand darin, dass keine eigene Versicherungskasse eingerichtet wurde, sondern der Schadenausgleich bis zur H�he von 3.000 Reichstalern aus der Kasse der Landschaftspfennigkammer, die von den St�nden mitverwaltet wurde und in die allgemeine Steuereinnahmen flossen, vorfinanziert wurde. Ab einer gewissen H�he wurde per Edikt eine sog. Brandkollekte ausgeschrieben und entsprechend des taxierten Geb�udewerts von allen Versicherungsnehmern Beitr�ge eingezogen. Bis zur Aufl�sung der Versicherung 1804 wurden insgesamt 22 Sammlungen durchgef�hrt. Durch schlanke Verwaltungsstrukturen und unregelm��ige Kollekten konnten die Pr�mien zwar relativ klein gehalten werden, h�uften sich jedoch Brandf�lle, konnten die Kollekten erheblich steigen. Im Schadenfall wurden nach einem bestimmten Modus Gelder ausgezahlt, die f�r den Wiederaufbau des Hauses verwendet werden mussten: Ein Drittel der Summe wurde nach Vorlage des Schadensprotokolls gezahlt, ein Drittel nach Beginn des Baus bzw. der Ausbesserung und das letzte Drittel nach Fertigstellung des Hauses. Erstattet wurde aber nur der Anteil des Schadens gemessen am Gesamtwert.
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Der Architekt Johann Conrad Schlaun erbaute in den 1750er Jahren einen repr�sentativen Adelshof f�r die Familie Droste zu Vischering in M�nster
 
 
Mit der Versicherung ging eine weitere Modernisierung der Brandvorbeugung einher, damit aber auch eine Fortf�hrung der Disziplinierung des Untertans. Dass nach dem verheerenden L�dinghausener Brand von 1832 bei einer sp�teren Feuervisitation in L�dinghausen eben in jenem Haus, in dem das Feuer ausgebrochen war, wiederum eine Magd beim Flachstrocknen im Ofen angetroffen wurde, unstreicht die Notwendigkeit der st�ndigen Erinnerung an die Gefahren. In das Edikt wurden elementare Brandverh�tungsvorschriften aufgenommen, die neben dem Umgang mit Feuer auch Bestimmungen zum Bau von H�usern - so wurden Strohd�cher auch auf dem Land verboten - oder die regelm��ige Pr�fung des Bauzustandes umfassten. Die Stadt M�nster ging einen Schritt weiter und erlie� am 27.11.1770 eine eigene "Brand-Ordnung�, die am 31.12.1827 den Entwicklungen angepasst wurde. Sie enthielt detaillierte Vorschriften f�r den Fall eines Brandes. Doch erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts, mit dem Wachstum der St�dte und wohl auf dem Hintergrund des Hamburger Gro�brands von 1842, wurden von den B�rgern der St�dte, und hier v. a. angeregt von Mitgliedern der Turnvereine, Freiwillige Feuerwehren gegr�ndet - 1865 gab es bereits 334 Feuerwehren mit 29.000 Mitgliedern -, und in Gro�st�dten entstanden die Berufsfeuerwehren (in M�nster: 1871 Freiwillige Feuerwehr, 1905 "Stehende Feuerwehr�). Die zunehmende Professionalisierung des Feuerl�schwesens, organisatorische und technische Fortschritte in der Brandverh�tung und -bek�mpfung lie�en den gro�fl�chigen Stadtbrand aus dem Gefahrenkatalog des Dorf- und Stadtbewohners allm�hlich verschwinden.
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Altes Spritzenhaus mit dem Steigerturm auf dem Hof der M�dchenschule Raesfeld, um 1930
 
 

Die "Westf�lische Provinzial-Feuersoziet�t�

 
 
 
Die m�nstersche Brand-Assekuranz �berlebte das Ende des F�rstbistums 1803 nur um wenige Monate. Die erheblichen territorialen Verschiebungen und das weitere Ausgreifen Preu�ens machten eine Neuausrichtung unausweichlich. F�r kurze Zeit wurde sie als Gemeinschaftsaufgabe der verschiedenen "neuen Herren" weitergef�hrt, 1806 wurde sie nach Zahlung aller Forderungen aufgel�st. Finanzielle Probleme und Neugliederungen der Staatsgebiete bis 1815 hatten ihre weitere Entwicklung verhindert. Zwar wurden 1816 im nun preu�ischen Regierungsbezirk M�nster alle Versicherungen zu einer Gesamtsoziet�t zusammengef�hrt, doch in Preu�en scheiterten 1811 die Pl�ne des preu�ischen Staatskanzlers von Hardenberg (1750-1822), die Soziet�ten abzuschaffen und das Gesch�ft Privatversicherern zu �berlassen. Und auch in den folgenden Jahren verhinderten die Soziet�ten erfolgreich die Zusammenfassung der Gesellschaften, die Umstellung auf regelm��ige Pr�mien oder die Einteilung von Geb�uden in Gefahrenklassen.

Wohl infolge der verheerenden Stadtbr�nde von Berleburg (1825, Schaden: 250.000 Mark) und von Schwelm (1827, Schaden: 240.000 Mark) widmete sich Oberpr�sident Ludwig von Vincke (1774-1844) seit 1826 (21.10.1826: "Entwurf einer einzigen Feuer-Societ�ts-Anstalt�) in verschiedenen Denkschriften dem Thema einer gro�en, einheitlichen Versicherung in staatlicher Tr�gerschaft f�r die Provinz Westfalen. Die am 05.01.1836 gegr�ndete Assekuranz nahm als "Westf�lische Provinzial-Feuer-Soziet�t" am 01.01.1837 ihren Dienst auf und fasste alle in der Provinz Westfalen operierenden Gesellschaften mit einem versicherten Geb�udewert von rund 328 Mio. Mark zusammen. Die alten Soziet�ts-Vertr�ge gingen auf die neue Versicherung �ber und konnten erst nach drei Jahren vom Versicherungsnehmer gek�ndigt werden.

Folgende Soziet�ten waren betroffen:
  • die Versicherung f�r die St�dte des Herzogtums Kleve und der Grafschaft Mark (01.05.1722),
  • die Versicherung f�r das platte Land der Grafschaft Mark (19.02.1767),
  • die Versicherung f�r das Herzogtum Westfalen (20.06.1778),
  • die Versicherung f�r die St�dte des F�rstentums Minden und der Grafschaft Ravensberg (1723),
  • die Versicherung f�r das platte Land des F�rstentums Minden und der Grafschaft Ravensberg (28.04.1767),
  • die Versicherung f�r das F�rstbistum Paderborn (21.03.1769) und
  • die Versicherung f�r das F�rstbistum M�nster (15.04.1768).

Im Unterschied zu den fr�heren Einrichtungen war der Beitritt freiwillig - und damit war sie dem Wettbewerb ausgesetzt. Ohne Vertreternetz und mit der B�rde einer Annahmepflicht (Kontrahierungszwang) versehen, war sie jedoch weniger flexibel als die Konkurrenz. Gro�kunden sprangen ab, darunter ab 1851 die Di�zese M�nster, die die Versicherung ihrer unz�hligen Geb�ude nun in die eigene Hand nahm. Die erhebliche Schieflage der Versicherung, die z. T. auch auf die 71 gr��eren Ortsbr�nde der Jahre 1837 und 1852 zur�ckging, konnte erst mit einer umfassenden Reorganisation zu Beginn der 1860er Jahre ( Reglement vom 26.09.1859) abgewendet werden. Nun fiel u. a. das Verbot, Mobiliar-Versicherungen anzubieten, und nicht mehr jeder Vertrag musste - freilich zum Leidwesen der Hauseigent�mer - angenommen werden. Als vorteilhaft f�r den Gesch�digten erwies sich, dass die Auszahlung nicht mehr an den Aufbau des Hauses gekoppelt war. Wermutstropfen f�r die Versicherung war jedoch die organisatorische Trennung vom Staat und der Aufbau einer eigenen Verwaltungsorganisation. Dennoch stieg der Versicherungsbestand kontinuierlich, 1867 betrug er 252 Mio. Taler.

Mit der Einrichtung dieser f�r ganz Westfalen zust�ndigen Versicherungsgesellschaft wurden zugleich die lokalen Brandordnungen hinf�llig. Auf Vorschlag des Westf�lischen Landtags wurde 1842 eine standardisierte "Feuer-Polizei-Ordnung f�r die Provinz Westfalen� erlassen. Dabei blieb es den D�rfern und St�dten aber offen, ggf. aufgrund lokaler Besonderheiten eigene Erg�nzungen zu erlassen.

Im Jahre 1880 schlie�lich wurde die Soziet�t in den Provinzialverband Westfalen �berf�hrt, was ihr u. a. durch den Wegfall der staatlichen Aufsicht durch das Oberpr�sidium mehr Spielr�ume und Sicherheiten (Defizit�bernahme, Bestandsgarantie) gab. Als sie 1883 eigene R�ume an der Warendorfer Stra�e bezog, war die Trennung vom Staat auch r�umlich vollzogen. In der Folgezeit entwickelte sich die "Provinzial� - ab 2005: Provinzial NordWest Holding AG -, zu einer Versicherungsgesellschaft mit einem breit gestreuten Versicherungsangebot, das nicht mehr nur den klassischen Bereich der Feuerversicherung, sondern z. B. auch Unfall-, Haftpflicht-, KFZ- und Lebensversicherungen umfasst.



Vom Untertan zum Kunden

Die Brandversicherungen des 18. Jahrhunderts in Westfalen markieren den Beginn des Versicherungswesens. Sie bildeten einen Puffer zwischen dem Bed�rfnis nach Schutz und Schirm auf der einen, den elementaren Gefahren, die aus dem menschlichen Verhalten und den Naturgewalten erwuchsen, sowie den Ver�nderungen auf sozialem und wirtschaftlich-technischen Gebiet auf der anderen Seite. F�rstlich verordnete "Wohlfahrt�, Sozialdisziplinierung, staatlicher Beitrittszwang und zaghafte Konzentrationsbem�hungen - die Kennzeichen der fr�hen Brandversicherung -, l�sten sich in der "neuen Zeit�, zu Beginn 19. Jahrhunderts, auf zugunsten einer privatwirtschaftlichen, kundenorientierten und diversifizierten Privatversicherungswirtschaft, die v. a. in Dortmund und M�nster gro�e Konzerne beheimatet.
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 Ludwig von Vincke, Oberpr�sident von Westfalen (1815-1844), im Kreise seiner Familie


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St�ndehaus der Westf�lischen Provinzialst�nde am Domplatz (erbaut 1862), Sitz des Provinziallandtages von 1862-1901 und der Feuersoziet�t, 1862


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Verwaltungsgeb�ude der Westf�lischen Provinzial-Feuersoziet�t an der Warendorfer Stra�e in M�nster, erbaut 1880, um 1930


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Ausgebranntes Geb�ude der "Feuersoziet�t" (Westf�lische Provinzial-Feuersoziet�t) an der Warendorfer Stra�e in M�nster nach dem Luftangriff vom 10.10.1943


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Versicherungsschild der "Provinzial-Feuer-Societ�t" an einem Haus in Ahlen
 
Ressourcen
Weitere Ressourcen zum Thema

Internet-Portal
Internet-Portal: Quellen - Brandversicherungen
Internet-Portal: Quellen - Brandordnungen / Verhaltensrichtlinien, z. B.

Internet

Literatur
  • Borscheid, Peter: 275 Jahre Feuersoziet�ten in Westfalen. Vorsprung durch Erfahrung. M�nster 1997.
  • Freiwillige Feuerwehr Rheine (Hg.): Vom L�scheimer zum Strahlrohr. Br�nde und Brandbek�mpfung in der Stadt Rheine. Rheine 1957.
  • Hammerschmidt, Wilhelm:  Die provinzielle Selbstverwaltung Westfalens. Aus Anla� des f�nfzigsten Zusammentritts des Westf�lischen Provinziallandtages dargestellt von Landeshauptmann Dr. Hammerschmidt und den oberen Provinzialbeamten. M�nster 1909. (online verf�gbar)
  • Horstk�tter, Maria: Feuerschutz, Brandbek�mpfung und Schadenverg�tung in M�nster (Westf.) vom 16.-18. Jahrhundert. O. O. 1941.
  • Jankrift, Kay Peter: Br�nde, St�rme, Hungersn�te. Katastrophen in der mittelalterlichen Lebenswelt. Ostfildern 2003.
  • Kaldewei, Gerhard: Feuerwehren und Brandschutz in der Stadt. Unterricht in westf�lischen Museen, Heft 15. M�nster 1984.
  • Kleinmanns, Joachim: Die Spritzenh�user. Einzelf�hrer des Westf�lischen Freilichtmuseums Detmold - Landesmuseum f�r Volkskunde, Heft 9. Detmold 1989.
  • Koch, Peter: Geschichte der westf�lisch-lippischen Versicherungswirtschaft und ihrer Unternehmen. Untersuchungen zur Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte, Bd. 26. Dortmund 2005.
  • Lange, Dietmar / Spohn, Thomas: Trennung von K�che und Deel, Feuer und Stroh. Vor 200 Jahren Gro�brand in Warstein. In: Denkmalpflege in Westfalen-Lippe 2003, Heft 2, S. 59-67.
  • Schnieder, Stephan: Die gro�en Br�nde L�dinghausens. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt L�dinghausen. Festschrift zum 50j�hrig. Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr zu L�dinghausen. L�dinghausen 1933.
  • Siekmann, Mechthild: Die Brandversicherung im Hochstift M�nster 1768-1805. Entstehung, Arbeitsweise, Quellen. In: Westf�lische Forschungen 31, 1981, S. 154-168.
  • Siekmann, Mechthild: Die Stadt M�nster um 1770. Eine r�umlich-statistische Darstellung der Bev�lkerung, Sozialgruppen und Geb�ude. Siedlung und Landschaft in Westfalen, Landeskundliche Karten und Hefte, Bd. 18. M�nster 1989.
  • Stadt Rheine (Hg.): 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Rheine. Rheine - gestern, heute, morgen, 59. Ausgabe, Heft 2. Rheine 2007.
  • Weidner, Marcus: Landadel in M�nster 1600-1760. Stadtverfassung, Standesbehauptung und F�rstenhof. Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt M�nster, Neue Folge, Band 18, 2 Teile. M�nster 2000.
  • Westf�lische Provinzial-Feuersoziet�t (Hg.): 250 Jahre Westf�lische Provinzial-Feuersoziet�t. O. O [1972].