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(93 KB)   Jode, Pieter de [nach Anselm van Hulle]: Porträt des Johann Ernst von Pistoris auf Seußlitz, Kursächsischer Prinzipalgesandter in Münster und Osnabrück, 1646-1647 / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Carmen Hickstein   Informationen zur Abbildung

Jode, Pieter de [nach Anselm van Hulle]: Porträt des Johann Ernst von Pistoris auf Seußlitz, Kursächsischer Prinzipalgesandter in Münster und Osnabrück, 1646-1647 / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Carmen Hickstein
FAMILIEPistoris, von
VORNAMEJohann Ernst


GESCHLECHTmännlich
GEBURT DATUM1605-02-20   Suche
GEBURT ORTBurg Hirschstein
EHEPARTNER(I) 06.09.1636: Köckeritz, Katharina von (1613-1666)
TOD DATUM1680-05-13   Suche
TOD ORTSeußlitz
BEGRÄBNIS DATUM1680-06-16
BEGRÄBNIS ORTSeußlitz, Familiengruft


VATERPistoris, Hartmann II. von (1573-1622)
MUTTERHaugwitz-Kleeberg, Katharina von (1578-1653)


BIOGRAFIEEr stammt aus einem der berühmtesten sächsischen Gelehrtengeschlechter (Pistoris = Becker), das angeblich die meisten Doktoren, Hof- und Geheimen Räte, Kanzler und Oberhofrichter hervorgebracht hat; 1521 in den Reichsadelsstand erhoben, führt das Geschlecht seither statt der Brezel ein adeliges Wappen. Hans Ernst ist Sohn des Hartmann II. von Pistoris (1573-1622) und der Katharina von Haugwitz aus dem Hause Kleeberg (1578-1653). Nach dem Tode des Vaters 1622 beginnt aufgrund der Verschuldung eine schwierige Erbteilung mit den Brüdern; seit 1624 Herr auf Radeburg, seit 1627 alleiniger Erbe des väterlichen Rittergutes Seußlitz, des Vorwerks Radewitz, des Gutes Zunschwitz und der übrigen ihm verbrieften Liegenschaften, die ihm 1629 "zur gesamten Hand" mit seinem Bruder Hartmann verliehen werden. Am 06.09.1636 ehelicht er Katharina von Köckeritz aus dem Hause Lampertswalde (1613-1666), die ihm insgesamt dreizehn Kinder schenkt.

Seit 1618 mit seinem Bruder Wilhelm (1601-1675) Studium der Rechte an der Leipziger Universität. Um 1635 Eintritt in den kursächsischen Staatsdienst, 1639 Bestallung als Hofrat. 1645 Hof-, Justitien- und Appellationsrat in Dresden. Zu seiner ersten bedeutenden diplomatischen Mission schickt ihn Kurfürst Johann Georg I. (1585-1656) zusammen mit Dr.  Johann Leuber zu den bereits fortgeschrittenen Friedensverhandlungen nach Osnabrück, wo der Sekretär Adam Küsel ein Logiament für die Gesandtschaft besorgen soll. Dieses erweist sich bei der Ankunft als so "wüst", daß man zunächst keine Visiten annehmen kann. Nach Empfang der Vollmachten, Pässe und der Instruktion am 27.03.1646 reist die Gesandtschaft über Meißen, Oschatz, Leipzig, Naumburg, Langensalza, Mühlhausen, Göttingen, Höxter, Lemgo und Herford nach Osnabrück. Dort wird die Gesandtschaft durch Ratsverwandte sowie von Abgesandten Hessen-Darmstadts eingeholt, beim Herannahen an die Stadtbefestigung um die vierte Nachmittagsstunde des 5./15. April erfolgen auch einige Salutschüsse. Die mit elf Pferden sowie Kutschen anreisende kursächsische Gesandtschaft umfaßt 34 Personen: Außer den beiden Gesandten etliche Edelleute mit besonderen Aufträgen, adelige Pagen (darunter auch Pistoris' Neffe Ernst) und Dienstpersonal. Die Hauptaufgabe des Prinzipalgesandten liegt in den Zeremonialia der Anbahnung diplomatischer Kontakte mit den Reichsständen, zunächst zu Kurmainz und Kurbrandenburg (wobei gemäß seiner Instruktion der Exzellenztitel weder gegeben noch angenommen werden sollte), dann auch zu den Gesandten Schwedens sowie in Münster zu den Franzosen, den Vertretern des Kaisers und der katholischen Reichsstände. Am 26./27.04.1646 nehmen Pistoris und Leuber in Osnabrück erstmalig an der Plenarversammlung der Reichsstände teil, bis zum 27.04.1647 sind sie bei elf Sessionen des Kurfürstenkollegs anwesend, Pistoris auf der Deputierten- und Dr. Leuber auf der Gelehrtenbank. Am 08.07.1646 reisen sie erstmals nach Münster. In Osnabrück haben beide Gesandte auch den Vorsitz Kursachsens im Corpus Evangelicorum wahrzunehmen, eine Aufgabe, für die ihnen jedoch keinerlei finanzielle Mittel zu Gebote stehen. Aus diesem Grunde werden auch die Visiten und Gegenvisiten mit dem schwedischen Plenipotentarius, dem Grafen Oxenstierna, sowie anderen Diplomaten auf das Notwendigste beschränkt. Am 27.06.1647 befiehlt der Kurfürst aus finanziellen Erwägungen die Rückreise von Pistoris, der selbst um seine Entlassung gebeten hatte, mitsamt der sechsspännigen Karosse. Leuber, der Sekundärgesandte, muß nun mit bescheidenstem Aufwand zurechtkommen.

Seiner Patronatskirche in Seußlitz schenkt Pistoris anläßlich des Friedensschlusses ein vergoldetes Kommunionsgefäß und eine vergoldete Weinkanne (verloren).

In den kommenden Jahren erfüllt er weitere diplomatische Missionen: 1653/1654 weilt er als Prinzipalgesandter auf dem Reichstag in Regensburg und wirkt an der Abfassung des Reichsabschieds mit; 1655/1656 vertritt er Kursachsen auf dem Reichsdeputiertentag in Frankfurt/M. In Sachsen bekleidet er nach 1650 mehrere hohe Verwaltungsämter: als Präsident des Appellationsgerichts, danach seit 1655 als Oberhofrichter in Leipzig, um 1660 als Amtshauptmann von Pegau und Borna. Noch im reifen Alter scheint die Jagd zu seinen bevorzugtesten Vergnügungen gehört zu haben, 1677 bewirbt er sich erfolgreich um die Niederjagd des waldreichen kurfürstlichen Amtes Leisnig. Pistoris besitzt seit seinem Studium ausgeprägte bibliophile und gelehrte Neigungen: Er vermehrt die von seinem Vorfahren, dem sächsischen Kanzler Simon von Pistoris (1489-1562), angelegte Bibliothek. Nach seinem Tode wird Pistoris am 16.06.1680 in der Familiengruft von Seußlitz bestattet. Seine Söhne errichten ihm ein steinernes Grabmonument, das nicht mehr existiert.


Cools II, S. 17; Waesberghen Nr. 39 (Abb.); Pacis Antesignani (Münster), fol. 28 (mit farbigem Wappen); Bignon Nr. 21 (Abb.); Theatrum Europaeum VI, S. 564 (Abb.); Aubry (Abb.); Kalender (Abb.); Moncornet Nr. 25 (Abb.); Pacificatores 1697, Nr. 71 (Abb.); Meiern IV Schema Nr. 21; Zedler 28, S. 534; Gottfried August Arndt, Archiv der sächsischen Geschichte, Bd. II, Leipzig 1785, S. 47-231, Bd. III, Leipzig 1786, S. 42-180; Bildnisse 1824 Nr. 13 (Abb.); Carl Gretschel: Geschichte des sächsischen Volkes und Staates. Bd. II, Leipzig 1847, S. 326-333; RDV I, S. 451, 454, 485; Kneschke 7, S. 160-162; Helbig; Erler, S. 339; Striedinger Nr. 15 (Münster), Nr. 5 (Osnabrück); Katalog Gripsholm Nr. 768; Schreckenbach; Dickmann 1959, S. 451, 500; Becker, S. 171, 565, 591, 595, 596, 754, XCIII; Konrad Alfred Rüger, Leben und Schicksal des sächsischen Rechtsgelehrten und Kanzlers Simon von Pistoris auf Seuselitz (1489-1562), hrsg. von Conrad Georg Frank Rüger, Stuttgart 1977, insbes. S. 29, 37-39; Dethlefs/Ordelheide Nr. 218 (Abb.); vgl. auch Abb. S. 131 sowie S. 148-159. Überlieferung im Sächsischen Hauptstaatsarchiv.

Kartusche: IOANNES ERNESTVS Pistoris in Seuselitx. Serenissimo Electori Saxoniæ in supremo Appellationum, Dicasterio, a Consiliis Eiusdemque ad Tractatus Pacis Generalis Osnabrugo Monasteriensis Legatus Primarius.

Devise: VIRTUTEM FORTUNA IUVAT. Der Tugend [Tüchtigkeit] hilft das Glück. (nach Terentius, Phormio 1, 4, 26: fortes fortuna adjuvat)

Wappenbeschreibung: Im geteilten Schild oben von Silber und Rot fünfmal schrägrechts [hier sechsmal schräglinks] geteilt, unten in Schwarz oder Rot [hier Rot] eine silberne Rose.
Auf dem Helm mit rot-silbernem Wulst und Decken zwei von Silber und Schwarz oder Rot [hier Rot und Silber] übereck geteilte Büffelhörner.

Anna Miksch

QUELLE  Duchhardt, Heinz / Dethlefs, Gerd / Queckenstedt, Hermann | "...zu einem stets währenden Gedächtnis" | S. 252f.
PROJEKT  Die Herrscher und ihre Gesandten beim Westfälischen Friedenskongress 1645/49 - in Porträts
AUFNAHMEDATUM2006-10-10


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SYSTEMATIK  
Zeit3.3   1600-1649
3.3.1   Dreißigjähriger Krieg / Westfälischer Friede <1618-1648>
3.4   1650-1699
Ort3.5   Münster, Stadt <Kreisfr. Stadt>
4.460   Sachsen, Hztm. / KFtm. / KgR. / Land
Sachgebiet3.14.4   Außenpolitik, diplomatische Beziehungen
5.9   Kriege, militärische Konflikte
AUFNAHMEDATUM2006-10-10
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