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(113 KB)   Die Gründungsgeschichte von Kloster Corvey nach dem Liber vitae, um 1158-1160 / Münster, Landesarchiv NRW / Staatsarchiv Münster / Münster, Landesarchiv NRW / Staatsarchiv Münster   Die Gründungsgeschichte von Kloster Corvey nach dem Liber vitae, um 1158-1160 / Münster, Landesarchiv NRW / Staatsarchiv Münster / Münster, Landesarchiv NRW / Staatsarchiv Münster
TITELDie Gründungsgeschichte von Kloster Corvey nach dem Liber vitae, um 1158-1160
DATIERUNG1158-1160 [um]


INFORMATIONDer Liber vitae ist eine gebundene Pergamenthandschrift, die etwa 1158-1160 im nahegelegenen Kloster Helmarshausen hergestellt wurde. Er befindet sich heute im Staatsarchiv Münster. In der Hauptsache enthält er Seiten, die durch Säulen in zwei Hälften geteilt sind. Die so entstandenen Spalten waren für die Namenslisten der Mönche und Nonnen von 76 anderen Klöstern und Stiften vorgesehen (vgl. den Beginn der Corveyer Liste auf Bild 10 rechts  Medien). Für alle Namen, die in diesem "Buch des Lebens" (Offenbarung 3,5. 13,8. 21,27 u.a.) aufgenommen wurden, sollten die beteiligten Gemeinschaften, die sich dazu vertraglich verbrüderten, gemeinsam beten.

Diesen eigentlichen Verbrüdertenlisten wurden 10 Seiten vorgeheftet. Sie verzeichnen Abt für Abt die in Corvey neu eingetretenen Brüder, die Novizen. Unsere Aufnahme zeigt die erste Seite. Zuerst erkennt man das Wort ANNO, d.h.: im Jahre, und dann drei weitere jeweils durch ein großes D, den Anfangsbuchstaben für das Wort Dom(i)nus, d.h.: Herr, markierte Absätze. Ebenfalls in roten Buchstaben folgen eine Überschrift: Nomina fratrum nov(a)e Corbei(a)e, d. h.: Namen der Brüder Neu Corbies (Corveys), und dann die Angaben zu zwei Äbten: "Der erste Erbauer unseres Ortes, der heilige Adalhard, (regierte) vier Jahre. - Der Herr Abt Warin stand (dem Kloster) 30 Jahre, 4 Monate und 25 Tage vor; er starb am 20. September" (!). Den rot geschriebenen Abtsdaten folgt jeweils die Namensreihe der Novizen.

Am Anfang steht eine kleine Gründungsgeschichte. Sie berichtet vom Umzug aus dem 815 gegründeten Hethis, wahrscheinlich bei Neuhaus im Solling, an die Weser. Der Text gibt wieder, was den Mönchen der Wibaldzeit wichtig erschien. Er lautet in enger Anlehnung an die lateinische Wortfolge auf Deutsch:
"Im Jahre seit der Geburt des Herrn 822 in der 15. Indiktion am 25. August, einem Montag, kamen Mönche, die in einem Ort, der Hetha heißt, sieben Jahre vorher wohnten, nachdem sie von dort aufgebrochen waren, mit ihren Kreuzen und Reliquien an diesen Ort. Und dem Ort wurde von Bischof Badurad (von Paderborn), der damals anwesend war, der Name Corbies (d. i. Corvey) gegeben. Und als ein Zelt aufgeschlagen und die Kreuze und Reliquien hineingetragen waren, weihten sie den Ort zu Ehren und im Namen Stephans des Erzmärtyrers und gruben ein Kreuz Christi ein, wo sich jetzt der Altar befindet, wie man erkennen kann."

Der knappe Text blendet Einzelheiten der Anfänge aus. Er geht nicht auf das "alte" Corbie ein, das westfränkische Mutterkloster Corbeia an der Somme. Freilich wird es vom Namen "Neu Corvey" (Nova Corbeia) in der Überschrift des Eintrittsverzeichnisses ebenso vorausgesetzt, wie an anderer Stelle des Liber vitae auch einmal "Gallien" als Herkunftsort der ersten Mönche genannt ist. Der Name war übrigens ursprünglich vom Corbier Gründungsabt Adalhard gewählt worden, damit er einen Hinweis für die Nachwelt gebe, von wem das Kloster gegründet sei.

Unser Text betont dagegen die Vollständigkeit des Umzugs mit allen Heiligtümern und die Kontinuität der Gemeinschaft am neuen Ort, "wo sich jetzt der Altar befindet". Weiter wird - beginnend mit dem ersten D - berichtet über die Gründungsgaben von zwei Herrscherpaaren, des Kaisers Ludwig und der Kaiserin Judith sowie des Königs Ludwig und der Königin Hemma, und über eine vermeintliche Stiftung des Kaisers Lothar, der die Ostseeinsel Rügen und ihr Umland geschenkt haben soll.

Mit dieser Einleitung geht der Text über seinen eigentlichen Zweck, dem Gebetsgedenken der Brüder zu dienen, hinaus. Denn er versucht mit der Aufzeichnung der Stiftungen in dem heiligen Buch, das beim Gottesdienst auf dem Altar lag, Grundbesitz und Zinseinkünfte des Klosters abzusichern, - die materielle Grundlage für den geistlichen Dienst der Mönche.


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OBJEKT-PROVENIENZMünster, Landesarchiv NRW / Staatsarchiv Münster
OBJEKT-SIGNATURMsc. I 133
FOTO-PROVENIENZMünster, Landesarchiv NRW / Staatsarchiv Münster


QUELLE    Krüger, Karl Heinrich | Das Kloster Corvey | Dia 03, S. 15-17
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit2.14   1150-1199
Ort2.4.5   Höxter, Stadt
2.8   Corvey, Reichsabtei / FBtm. / Ftm. < - 1815>
Sachgebiet16.6.5   Domkapitel / Klöster / Stifte, Klosterleben
DATUM AUFNAHME2004-02-25
AUFRUFE GESAMT2969
AUFRUFE IM MONAT28