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(98 KB)   Jode, Pieter de [nach Anselm van Hulle]: Porträt des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Carmen Hickstein   Informationen zur Abbildung

Jode, Pieter de [nach Anselm van Hulle]: Porträt des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Carmen Hickstein
FAMILIEBrandenburg, von
VORNAMEFriedrich Wilhelm


VERWEISUNGSFORM"der große Kurfürst"
GESCHLECHTmännlich
GEBURT DATUM1620-02-16   Suche
GEBURT ORTCölln/Spree, Schloss [Berlin]
KONFESSIONcalv.
EHEPARTNER(I) 07.12.1646, Den Haag: Nassau-Oranien, Luise Henriette von (Den Haag 07.12.1627-Cölln/Spree 18.06.1667), Tochter seines Erziehers, des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien;
(II) 14.06.1668, Gröningen bei Oschersleben: Holstein-Sonderburg-Glücksburg, Sophie Dorothea, verw. Herzogin von Braunschweig-Lüneburg (Glücksburg 29.09.1636-Karlbad 06.08.1689)
TOD DATUM1688-05-09   Suche
TOD ORTPotsdam, Stadtschloss
BEGRÄBNIS ORTBerlin, Dom


VATER Brandenburg, Georg Wilhelm von (13.11.1595-01.12.1640)
MUTTERPfalz, Elisabeth Charlotte von der (07.11.1597-16.04.1660)


ÄMTER / FUNKTIONEN | Mark, Gt. < - 1666/1807> | Landesherr | 16 | 1640 - 1688-05-09

| Brandenburg/Preußen, KFtm. / KgR. < - 1918> | Landesherr | 3 | 1640-12-01 - 1688-05-09
"Der Große Kurfürst"


BIOGRAFIESohn des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg (1595-1640) und der Elisabeth Charlotte (1597-1660), Tochter des Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz. Heiratet in erster Ehe 1646 Luise Henriette (1627-1667), die Tochter des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien, in zweiter Ehe Dorothea (1636-1689), Tochter des Herzogs Philipp von Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Aus den beiden Ehen gehen insgesamt neun Söhne und fünf Töchter hervor, darunter König Friedrich I. in Preußen (1657-1713).

Er wächst in den Kriegswirren auf, steht 1633 am Sarg des schwedischen Königs Gustav Adolf (1594-1633), bei dessen Gemahlin Marie Eleonore (1599-1655), seiner Tante, er längere Zeit lebt. Zur weiteren Ausbildung sendet man den streng calvinistisch erzogenen Jugendlichen im Sommer 1634 zu den verwandten Oraniern in die Niederlande. Diese Zeit gilt als richtungsweisend für seine spätere Politik; er lernt ein modernes Staatswesen kennen, für kurze Zeit besucht er die Universität Leiden. 1638 wird er nach Königsberg zurückbeordert; die politischen Verhältnisse im Kurfürstentum sind seit dem Prager Frieden von 1635 verändert: Brandenburg steht unter dem Einfluß des Grafen Adam von Schwarzenberg (1584-1641) an der Seite des Kaisers.

Mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte nach dem Tod seines Vaters im Dezember 1640 revidiert er die Politik Kurbrandenburgs, was durch den Tod Schwarzenbergs erleichert wird. Der unbewaffneten Neutralität folgt seit 1643 die Wiederbewaffnung, die in den Aufbau eines stehenden Heeres münden wird. Den Plan einer Heirat mit der Erbtochter Gustav II. Adolfs von Schweden,  Christina, gibt er auf und bindet sich 1646 familiär an das Haus Oranien. Dennoch ist seine Position bei den Friedensverhandlungen nicht stark genug, um Pommern vor der Teilung zugunsten schwedischer Ansprüche zu bewahren. Allerdings erhält er zum Ausgleich die Hochstifte Halberstadt und Minden sowie die Anwartschaft auf Magdeburg.

Unter dem Einfluß des Grafen Georg Friedrich von Waldeck (1620-1692) beginnt nach dem Friedensschluß eine umfassende Neuorganisation des brandenburgischen Staates. Der Kurfürst sucht seine alten und neuen Territorien zu vereinheitlichen, im Finanz- und Militärbereich entstehen erste Sonderverwaltungen, er selbst übt das persönliche Regiment in seinem Kabinett aus. Im Nordischen Krieg taktiert er geschickt zwischen den Schweden, Polen und dem Kaiser und erhält im Frieden von Oliva 1660 die Anerkennung der Souveränität in Preußen. Der aus den Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges bestimmten Politik bleibt der Kurfürst treu. Systematisch sucht er den wirtschaftlichen Aufbau seiner Länder zu fördern, holt die verfolgten französischen Glaubensbrüder ins Land, betreibt Siedlungs- und Verkehrspolitik, wird Vertreter des Merkantilismus und versucht sich in Kolonialpolitik. Gestützt auf ein immer stärkeres stehendes Heer wird er in der Mächtepolitik ein gesuchter Bündnispartner. Nur so kann er im Westen Kleve und im Osten Preußen behaupten und gegenüber Schweden dokumentieren, daß die "Pommernlösung" im Westfälischen Friedenswerk nur geduldet ist. Friedrich Wilhelm, noch zu seinen Lebzeiten als "Großer Kurfürst" verherrlicht, stirbt am 09.05.1688; begraben wird er im Dom zu Berlin.

Sein Porträt fehlt in der schematischen Darstellung des Friedenssaals aus dem Jahre 1735. Nach der Restaurierung des Friedenssaals 1890 erscheint es in dem nunmehr von Hohenzollern geprägten Programm des Saals. Die Vorlage des Porträts ist unbekannt, es entspricht in Alter, Haartracht, dem markanten Grübchen am Kinn sowie der Schärpe über dem Harnisch dem durch den Kupferstich von Jeremias Falck vertreiteten Bildnistyp, den auch Moncornet in einem Stich kopiert. Van Hulles Porträt entspricht im Alter dem Kupferstich nach Sandrarts auf dem Regensburger Reichsstag 1654 entstandenen Gemälde.


Pacificatores 1697 Nr. 11 (Abb.); ADB 7, S. 480-497; Striedinger, S. 246; NDB 5, S. 495-501; Gerhard Oestreich, Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, Göttingen 1971; Gerhard Oestreich, Friedrich Wilhelm I. Preußischer Absolutismus, Merkantilismus, Militarismus, Göttingen 1977; Ernst Opgenoorth, Friedrich Wilhelm. Der große Kurfürst von Brandenburg, 2 Bde., Göttingen 1971-1978.

Kartusche: FRIDERICVS WILHELMVS Marchio
Brandenburgensis, Sacri Romani Imperii Elector, et Archicameracius, Dux, Magdeburgi, Borussiæ, Juliæ, Cliviæ et Montium nec non Stetini et Pomeraniæ Dux, Princeps Halberstadii, Mindæ, et Rugiæ, etc.

Devise: MONSTRA MIHI DEVS VIAM QVA AMBVLEM. - Unterweise mich, Gott, und zeige mir den Weg, den ich wandeln soll (nach Psalm 32, 8: doceam te et monstrabo tibi viam per quam ambules).

Wappenbeschreibung: Der Schild ist in vier Reihen mit einer unterschiedlichen Zahl von Feldern geteilt und in der zweiten Reihe mit einem Herzschild belegt. Die Rang- und Reihenfolge der Felder ist springend; sie beginnt jeweils in der Mitte und wechselt nach rechts und links, so daß sich z.B. in der obersten Reihe folgende Anordnung ergibt: 6-4-2-1-3-5-7. Der Herzschild zeigt in Blau ein goldenes Szepter (Erzkämmerer des Reiches und Kurfürst). Erste Reihe: 1. In Silber ein roter, golden bewehrter Adler mit goldenen Kleestengeln auf den Flügeln (Brandenburg), 2. In Silber ein schwarzer Adler mit goldenen Kleestengeln auf den Flügeln und goldener Halskrone (Preußen), 3. In Gold ein schwarzer, silbern bewehrter und rot bezungter Löwe (Jülich), 4. In Rot mit silbernem Schildchen eine goldene Lilienhaspel (Kleve), 5. Im rot-silbern gestückten Bord in Gold ein schwarzer Löwe mit roter Zunge und Krone (Burggraf zu Nürnberg), 6. In Silber ein blau gekrönter und bewehrter roter Löwe (Berg), 7. In Blau ein roter, golden gekrönter und bewehrter Greif (Stettin); zweite Reihe: 8. In Silber ein roter, golden bewehrter Greif (Pommern), 9. In Gold ein schwarzer Greif (Kassuben), 10. In Silber ein von Rot und Grün dreimal schräglinks geteilter Greif (Wenden), 11. In Silber ein von Grün und Rot dreimal Schrägrechts geteilter Greif (Stargard); dritte Reihe: 12. In Gold ein aus sieben Stufen gemauerter roter Giebel, aus dessen oberster Stufe ein schwarzer, rot gekrönter Löwe wächst [hier mißverstanden] (Rügen), 13. In Gold ein schwarzer Adler, auf der Brust belegt mit einem silbernen Halbmond und einem Kreuzchen in dessen Höhlung (Crossen), 14. In Gold ein in drei Reihen von Silber und Rot geschachter Balken (Mark), 15. In Gold ein schwarzer Adler, auf der Brust belegt mit einem goldenen (oder silbernen) Jagdhorn (Jägerndorf), 16. In Silber drei rote Sparren (Ravensberg), 17. In Gold ein schwarzer Greif mit silbernen Flügeln (Barth), 18. In Rot ein silberner Seegreif (Wolgast); Vierte Reihe: 19. Geteilt, oben in Rot ein wachsender silberner Greif, unten von Gold und Blau in vier [hier drei] Reihen geschacht (Usedom), 20. In Gold ein schwebendes rotes Andreaskreuz, mit vier roten Rosen [hier Lilien] bewinkelt (Gützkow), 21. In Rot ein silberner Adler (Ruppin), 22. Von Silber und Schwarz geviert (Hohenzollern), 23. ein rotes lediges Feld (wegen der Regalien).
Auf dem Schild ruht der Kurhut mit roter Kappe, hermelinbesetztem Stulp sowie mit einem Bügel, auf dem der Reichsapfel ruht.

Gerd Steinwascher

QUELLE  Duchhardt, Heinz / Dethlefs, Gerd / Queckenstedt, Hermann | "...zu einem stets währenden Gedächtnis" | S. 182f.
PROJEKT  Die Herrscher und ihre Gesandten beim Westfälischen Friedenskongress 1645/49 - in Porträts
AUFNAHMEDATUM2006-10-05


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Zeit3.3   1600-1649
3.3.1   Dreißigjähriger Krieg / Westfälischer Friede <1618-1648>
3.4   1650-1699
Ort2.19   Mark, Gt. < - 1666/1807>
2.30   Brandenburg/Preußen, KFtm. / KgR. < - 1918>
Sachgebiet3.7.2   Landesherren/-frauen, Präsidenten, Regierungschefs
DATUM AUFNAHME2003-10-10
DATUM ÄNDERUNG2010-06-19
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