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VERFASSERArand, Tobias
TITELLernen im Archiv - Erfahrungsbericht einer archivbezogenen Unterrichtssequenz zum Thema 'Die nationalsozialistische Machtergreifung in Recklinghausen im Spiegel der zeitgenössischen Lokalpresse'


ONLINE-TEXT[Volltext]
SEITES. 196-206


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"Ein Archiv hilft, den Geschichtsunterricht besser zu verstehen." [1]

Archive sind Orte, in denen die wahrhaftige Geschichte ruht, in denen die kleinen, unscheinbaren Zeugen jener Geschichte lagern, die in den Schulbüchern zuweilen nur zu einem aufbereiteten und seelenlosen Extrakt gerinnt. Schulen sind Orte, in denen sich täglich darum bemüht wird, Schüler für diese interpretierte und rekonstruierte Geschichte zu interessieren - häufig mit Erfolg, manchmal ohne Erfolg.

Aufgabe eines Geschichtsunterrichts, der seine Schüler nicht nur zu geschickten, lediglich das notwendige Mindestmaß an Interesse aufbringenden "Managern" ihrer Kurslaufbahn degenerieren will, muß es also sein, Geschichte aus ihrer konstruierten Verfassung und der Abstraktheit ihrer Erklärungsmuster zu reißen und sie zu versinnlichen. Nicht immer ist dies möglich, nicht immer ist dies sinnvoll und keineswegs darf dabei der Eindruck entstehen, Geschichte sei letztlich nicht nur als Rekonstruktion, sondern als eindeutige Wahrheit erfaßbar. Jene Chancen aber, die sich für diese Absicht zuweilen bieten, sollten genutzt werden - die Zusammenbringung der Vorteile des Archivs und der Bedürfnisse der Schule bot im hier konkret skizzierten Beispiel der Arbeit mit einer Klasse 10 im Zeitungsbestand des Stadtarchivs Recklinghausen eine solche Chance. [2]

Wichtigstes Anliegen dieser im folgenden kurz in ihren Zielen, Bedingungen und in ihrem Verlauf dargestellten Unterrichtssequenz [3] war es deshalb, den Schülern zumindest kurzzeitig eine Brücke zu den originalen und damit wirklich historischen Zeugnissen der Geschichte zu schlagen, und sie so in einer längerfristigen Perspektive zu der Erkenntnis und dem Gefühl zu motivieren, Geschichte als etwas Wirksames, Anfaßbares und sie in Gegenwart und Zukunft Betreffendes zu begreifen und im Wortsinne ertasten zu können. Das Bemühen um das tiefere "Geschichtsbewußtsein" der Schüler als "zentrale Kategorie der Geschichtsdidaktik" und als "wirksame Vernunftbestimmung im individuellen und gesellschaftlichen Leben" stand somit im Mittelpunkt der Sequenz. [4]


Chancen schulischer Archivarbeit

Viele grundsätzliche Positionen des ‚entdeckenden Lernens‘ lassen sich bei der Frage nach ihrer praktischen Umsetzung auf die Lernarbeit in einem regionalhistorischen Archiv übertragen. [5]

So wird beispielsweise die frontal-narrativ-darbietende Struktur des nach einer allerdings nicht mehr sehr aktuellen, in weiten Teilen aber wohl trotzdem noch nicht ganz ungültigen Bestandsaufnahme Heinz Dieter Schmids in der SI üblichen Geschichtsunterrichts [6] bereits schon durch das Verlassen des üblichen Lernortes Schule und die andere kooperativen Arbeitsformen, wie Gruppen- oder Partnerarbeit, erzwingende Versetzung in den Benutzersaal eines Archivs durchbrochen. [7]

Der Gang in ein Archiv ist die konsequente Steigerung des Ansatzes der Quellenpräsentation des 'entdeckenden Lernens'. Was Arbeitsbücher noch in vermittelnder Form versuchen, bietet das Archiv ganz unvermittelt. Soll der Schüler im Normalunterricht so an veränderten, entfremdeten, da gedruckten und überarbeiteten Quellen Problemlösungsstrategien erlernen, kann dies im Archiv am unveränderten, vollständig authentischen Material geschehen. [8] So wird der Unterricht im Archiv nicht nur der Anforderung nach Förderung des Erwerbs unterschiedlicher, unabhängig vom Inhalt anwendbarer Qualifikationen gerecht - für den konkreten Fall sei exemplarisch das Erlernen der Techniken selbständigen Erarbeitens quellenkritischer Fragestellungen im Zusammenhang mit Zeitungen genannt -, sondern erhöht er durch die Authentizität des Materials auch seine Anschaulichkeit und Glaubwürdigkeit. Anders auch als in einem Museum ist der Schüler bei der Arbeit im Archiv darauf angewiesen, sich die in keiner Form aufbereiteten Quellen eigenständig zu erarbeiten, also die Inhalte wie Probleme der Quelle am Originalmaterial selbst zu entdecken. [9] Der problemorientierte Zugriff, der durch die Behandlung durchaus unterschiedlich akzentuierter Quellen zu einem Gegenstand geschehen soll, ist somit im Archiv nicht nur gewährleistet, sondern erfährt durch die Möglichkeit der eigenen Auswahl aus einem reichen Angebot an Archivalien noch eine, allerdings durch gewisse notwendige Steuerungen eingeschränkte, Steigerung.

Auch die stets geforderte Zurücknahme der Lehrerzentrierung des Unterrichts durch die wesentlichen Lehrerfunktionen des Helfens beim Stagnieren der Problemlösungsprozesse [10] und der Unterrichtsorganisation wird durch die Arbeit im Archiv, zumindest theoretisch, geradezu vorbildhaft erreicht - beschränkt sich im Archiv die Aufgabe des Lehrers neben der Organisation des Besuchs und der notwendigen groben Vorauswahl des in Frage kommenden Archivmaterials doch hauptsächlich auf Hilfestellung bei Problemen im Umgang mit den Quellen, wie sie sich beispielsweise durch unbekannte Schrifttypen oder veraltete Ausdrucksweisen ergeben können. [11]

Weiterhin entspricht die Arbeit in den zumeist regionalgeschichtlich ausgerichteten Archiven, von denen die geringere Zahl themenbezogener und überregional orientierter Archive unterschieden werden muß, dem in letzter Zeit stärker verfolgtem Ansatz landesgeschichtlich und ortsgebundener Beispiele.

Schließlich ist auch der Aspekt der Lernmotivation durch das Aufwerfen von Widersprüchen und Problemen gerade in der Archivarbeit nicht zu unterschätzen. Wirkt sich nicht nur bereits das Verlassen des üblichen Lernortes motivierend aus, so stellt darüber hinaus die Authentizität des Materials und damit natürlich auch der Probleme und Fragestellungen ein nicht zu unterschätzendes Motivations- und Erlebnispotential dar. [12]

Besteht doch gerade im Geschichtsunterricht häufig das Problem, Gegenwarts- und Zukunftsbezug des in Schülerperspektive Vergangenen und damit Gegenwart und Zukunft eben nicht Berührenden zu vermitteln, so bietet Lernen im nur vermeintlich "verstaubten" [13] Archiv zumindest die Chance, diese für das Fach so negative Haltung zu durchbrechen. Durch die häufig entfremdete Vermittlung historischer Abläufe durch die Verwendung bearbeiteten, nicht authentischen Materials muß bei Schülern der Eindruck von Ferne und Nichtbeziehung bestätigt werden. Die Verweisung der Schüler aber an authentisches, ihnen in ähnlicher Form sogar vertrautes historisches Material, wie z. B. Zeitungen aus den Jahren 1933, hilft, die Brücke zur Vergangenheit zu schlagen und mit der Erkenntnis von Ähnlichkeiten anfaßbarer Geschichte mit heutigen Medien, den Bezug zur Gegenwart herzustellen. So wird Geschichte als tatsächlich, das heißt als in nachvollziehbaren, häufig mit heutigen Abläufen vergleichbaren Strukturen verlaufend, als real, eben nur vergangen Geschehenes begriffen, das weit mehr ist, als nur rückblickend aufgeschriebenes oder rekonstruiertes Lernwissen. Mit dem Blick auf nachvollziehbare, weil alltägliche Zeugnisse wie Zeitungen wird den Schülern einem als reinem Lernwissen nur schwer verstehbaren, vom Nimbus des Dämonischen umgebenen Geschehen wie der nationalsozialistischen Herrschaft, die Verstehensebene der kleinen, dauernden und scheinbar belanglosen, sich aber zum großen Schrecken summierenden Schritte offenbart. [14] Die Erkenntnis dieser Prozeßhaftigkeit wirft den Schüler dann geradezu zwangsläufig auf die Frage der Gegenwart und der sich in ihr manifestierenden kleinen, dauernden Entwicklungen zurück. Die Bedeutung einer derartigen, einmal gewonnenen Erkenntnis zur zuweilen unscheinbaren Prozeßhaftigkeit von Geschichte für das Zukunftsverhalten im Hinblick auf politische Werterziehung ist evident - die benötigten Originalzeugnisse der gegenwartsbezogenen Vergangenheit liegen in den Archiven... [15]


Entwicklungen und Erfahrungen schulischer Archivarbeit

Doch anders als es die bisherigen Überlegungen nahelegen könnten, ist das Archiv keineswegs ein selbstverständlicher Bestandteil des unterrichtlichen Alltags im Fach Geschichte. So hält sich auf diesem Lernfeld sowohl die Summe der bisher gesammelten Erfahrungen als auch die Komplexität der Auseinandersetzung in den Richtlinien der verschiedenen Bundesländer trotz einer insgesamt positiven Entwicklung noch in einem verhältnismäßig überschaubaren Rahmen.

"Schwellenängste und Desinteresse auf Seiten einer zuweilen wenig flexiblen Lehrerschaft" [16] sind trotz der mittlerweile regen fachdidaktischen Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Schule und Archiv‘ sowie einzelner engagierter Schulen und Lehrerpersönlichkeiten noch heute eher die Norm als die Ausnahme, wenn von Schüler-, Eltern- oder Archivseite für den Geschichtsunterricht Archivbesuche vorgeschlagen werden. Hat die Schule es zwar mittlerweile seit den siebziger Jahren verstärkt verstanden, ihre "institutionalisierte Sonderumwelt zugunsten von regelhaftem Unterricht mit relativ abstrakten Lernprozessen" [17] in Richtung des auch sinnliche Erfahrungen ansprechenden Lernortes ‚Museum‘ zu verlassen und gehören auch Tagesfahrten zu historischen Stätten durchaus zum nicht unüblichen Programm schulischen Alltags, hat sie das Archiv als außerschulischen Lernort von sich aus noch nicht endgültig angenommen. [18] So drückt die Fülle der fachwissenschaftlichen Aufsätze nur scheinbar einen alltäglichen Austausch zwischen Schule und Archiv aus, sind diese Aufsätze doch vielmehr stets nur Darstellung der Ausnahmen und häufiger von Archivaren oder Historikern als von Pädagogen verfaßt. [19]

Steht somit die "Zusammenarbeit von Schule und Archiv noch weitgehend am Anfang"[20], kann aber die Entwicklung der letzten vierzig Jahre doch insgesamt als eher positiv betrachtet werden. Bestand in den fünfziger und sechziger Jahren nur eine unzureichende Zusammenarbeit zwischen Schulen und Archiven, änderte sich dieser unbefriedigende Zustand - wie bereits angedeutet - im Verlaufe der in den siebziger Jahren aufbrechenden Diskussion um neue "Lernorte" spürbar. [21] Hatten zuvor bereits vereinzelt Archivare auf die seit 1952 in Frankreich bestehende vorbildliche Zusammenarbeit von Nationalarchiv, Departementalarchiven und Schulen im sogenannten "service éducatif" hingewiesen [22], griffen nun auch vermehrt Geschichtslehrer die Möglichkeit einer Kooperation mit den Archiven auf. [23] Im Zuge einer einsetzenden Propagierung der Forderung, Schüler mit Objekten direkt zu konfrontieren und sie zugleich wieder mit der Geschichte ihrer Stadt oder Region vertraut zu machen [24], entstanden nicht nur Museen neuen Typs, wie beispielsweise der bis heute nicht unumstrittene Archäologische Park in Xanten oder 1974 das Römisch-Germanische Museum in Köln, sondern wurden auch erste archivbezogene, häufig stadtgeschichtliche Unterrichtseinheiten geplant. Ihren entscheidenden Anstoß erhielt die Entwicklung jedoch durch den 1973 ins Leben gerufenen "Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten", der seitdem immerhin an die 70.000 Schüler zur historischen Spurensuche in die Archive geführt hat. [25]

Dort, wo die angesprochenen "Schwellenängste" und das schulische Desinteresse abgebaut werden konnten, sind die Erfahrungen der Zusammenarbeit für beide Seiten als durchaus positiv zu betrachten. [26] Nicht nur die Archivarbeit im Rahmen des "Schülerwettbewerbs Deutsche Geschichte" hat sich, wie die teilweise schon von Schülern der SI erbrachten Leistungen eindrucksvoll bestätigen, als gewinnbringend erwiesen, sondern auch die in der Praxis nachgewiesenen grundsätzlichen Lernzuwächse rechtfertigen die Forderung nach einer noch intensiveren Nutzung der archivischen Bildungsangebote durch die Schulen. [27]


Planung der Unterrichtssequenz 'Die nationalsozialistische Machtergreifung in Recklinghausen im Spiegel der zeitgenössischen Lokalpresse'


Lern- und Arbeitsvoraussetzungen der Klasse

Die Schüler der Klasse hatten sich in der Beobachtungsphase - soweit es das Fach Geschichte betraf - als ausgesprochen heterogene Gruppe hinsichtlich der kognitiven, affektiven und voluntativen Voraussetzungen erwiesen. Lernfähigkeit und Lernwilligkeit standen in der Klasse insgesamt auf einem durchaus annehmenbaren Niveau, waren jedoch ungleich verteilt. Der Hälfte interessierter, motivierter und engagierter Schüler steht eine andere Hälfte wenig interessierter oder zumindest zurückhaltender Schüler gegenüber. So erklärten einige Schüler, das Fach Geschichte aus Gründen der Zeitökonomie zu Gunsten vermeintlich bedeutsamerer Fächer zu vernachlässigen. Daraus ergab sich eine, bei einigen Schülern anzutreffende, generelle Geringschätzung undifferenziert als diffuse Einheit betrachteter "Zweistundenfächer" wie Geschichte oder Politik. Entsprechend dieser unterschiedlichen Haltungen auf der affektiv-voluntativen Ebene war auch das Vorwissen der Schüler zu historischen Inhalten und Zusammenhängen ungleich verteilt.

Kooperative Arbeitsformen wie Gruppen- oder Partnerarbeit waren den Schülern bekannt, ebenso wie verschiedene Veröffentlichungsformen der jeweiligen Arbeitsergebnisse.

In den genannten ungleichen Voraussetzungen lag die Gefahr, Unterricht lediglich mit der interessierten Hälfte der Klasse durchzuführen, während die andere Hälfte eine Vernachlässigung erfahren oder sich aus dem Unterrichtsgeschehen ausgeschaltet hätte. Es war daher verstärkt auf die gleichmäßige Beteiligung aller Schüler an den jeweiligen Arbeitsprozessen zu achten. Erreicht werden konnte dies unter anderem durch gezielte Zusammenstellungen der Arbeitsgruppen und Erfragen und Berücksichtigen möglicherweise nur versteckt liegender Neigungen. Die weniger motivierten Schüler wurden durch eine verstärkt einzusetzende Planungsbeteiligung einbezogen und für den Arbeitsprozeß mitverantwortlich gemacht.

Ziele

Die wesentlichen Ziele der Sequenz lagen weniger auf der kognitiven als vielmehr auf der affektiven und methodisch-pragmatischen Ebene: So sollten die Schüler zwar grundsätzliche Erkenntnisse zu Aufgaben historischer Archive gewinnen, didaktisch reduzierte Kenntnisse über archivspezifische Fragen und Informationen über die lokale Dimension der nationalsozialistischen "Machtergreifung" erhalten, den Zusammenhang von Berichterstattung, Berichtgegenstand und politischer Ausrichtung von Zeitungen verstehen und ihre bereits im Verlauf der bisherigen Unterrichtsreihe zur Machtergreifung gewonnenen Erkenntnisse über Verhalten und Programmatik der führenden Parteien und Persönlichkeiten aller Lager während der Endphase der Weimarer Republik beziehungsweise während des Beginns der nationalsozialistischen Herrschaft an den Informationen aus den Zeitungen kritisch überprüfen, wichtiger war es jedoch, daß sie eine Lernmotivation durch unterrichtliche Abwechslung im Zuge des Aufbrechens der schulischen Lernbedingungen erfahren, die Alltäglichkeit historischer Abläufe nachempfinden und Distanzen zu außerschulischen Lernorten wie z.B. Archiven abbauen sollten. Hinzu traten als Ziele noch, daß die Schüler konkrete Arbeitsformen der Archivarbeit kennenlernen, den Umgang mit archivspezifischen Techniken und Begriffen erlernen, den problembewußten Umgang mit Originalquellen einüben und vor allem zu eigenständigem Lernen angeregt werden sollten. Auf den Punkt gebracht kann die Zielrichtung des Projekts in seiner Ausrichtung auf Geschichtsbewußtsein und eine stärkere emotionale Anbindung an das Fach und seine Inhalte auch so formuliert werden:"Wenn dann noch durch ausgesuchte Beispiele ein Bezug von der Quellenmitteilung zum Erfahrungs- oder Wissensbereich der Schüler hergestellt wird, ist der Boden für die als wichtigstes Ziel des Geschichtsunterrichts anvisierte Erkenntnis bereitet, daß die Gegenwart zu einem großen Teil von der Vergangenheit geprägt ist und ihrerseits die Zukunft beeinflussen wird. So wird an den Quellen Geschichte greifbar." [28]


Durchführung der Sequenz

Im Mittelpunkt der Sequenz stand der zweimal durchgeführte, ungefähr dreieinhalbstündige Archivbesuch mit jeweils einer Klassenhälfte. Um diesen Mittelpunkt herum lagen notwendigerweise vorbereitende und nachbereitende Stunden.

Der Vorbereitung dienten zwei Stunden vor dem Archivbesuch, in denen gemeinsam mit der Klasse Vorverständnisse geklärt, Fragen für die Einführung durch den Archivleiter und für die kritische Quellenarbeit erstellt und Gegenstandsfelder für die Quellenlektüre abgesteckt werden mußten. Eine derartige Vorbereitung hat sich in der Vergangenheit als im Sinne der angestrebten Lernziele sinnvoller erwiesen, als das Vertrauen auf die Kraft einer unmittelbaren, unvorbereiteten, "naiven" Begegnung der Schüler mit dem neuen Lernort und seinen Besonderheiten. [29]

In den Nachbereitungstunden mußten die Schüler die Zeit erhalten, die Plakatpräsentation ihrer Ergebnisse in Gruppenarbeit vorzubereiten und anschließend unter Bezug auf den Gegenstand "Machtergreifung" kritisch zu diskutieren. Ohne eine derartige Nachbereitung hätte der Archivbesuch als singuläres und nicht in einen Lernprozeß eingebundenes Ereignis "in der Luft" gehangen und hätte damit für die Schüler nur einen geringen über die neuerworbenen archivspezifischen Erkenntnisse hinausgehenden Bezug für ihren eigenen Lernfortschritt gehabt. [30]

Eine abschließende gemeinsame Reflexion über die neue Methode und ihren Erfolg bei den Schülern war sowohl für die Schulung ihres kritischen Urteilsvermögens als auch als positives Signal für den Wert ihrer Einbindung in schulische Entscheidungsprozesse sinnvoll.

Die erste Stunde

"Begriffe ohne Anschauung sind leer. Anschauung ohne Begriffe ist blind." [31]

In der ersten Stunden mußten die Schüler vor einer Erkundung bisher unbekannter Institutionen oder historischer Räume inhaltlich, methodisch und emotional auf das geplante Unternehmen vorbereitet werden. [32] So hatten die Schüler ein Recht darauf, einen "groben Überblick über Ziele und Themen" des Vorhabens zu erhalten. [33]

Die durch die zu vermutende relative Ahnungslosigkeit der Schüler über den Gegenstand ‚Archiv‘ gegebene Erwartungsspannung wurde genutzt, die notwendige inhaltliche und methodische Vorbereitung zu Teilen in die Hände der Schüler zu legen. Erreicht wurde dies durch ein die beiden Unterrichtsschritte durchlaufendes "Karteikarten-Spiel", in welchem nicht nur das Vorverständnis der Schüler geklärt, sondern dieses Vorverständnis auch zur Erarbeitung erster Ordnungskriterien benutzt werden sollte. [34] Das "Karteikarten-Spiel" wurde einführt, um auf diese Weise die übliche Form reinen Abfragens der Vorkenntnisse zu durchbrechen und die Schüler aktiv-handelnd in den Findungsprozeß zu integrieren. Ziel dieses Abklärens des Vorverständnisses war unter anderem, dem Lehrer Aufschluß über die noch zu vermittelnden Kenntnisse zu geben und die Schüler durch den Gang vom Konkreten zum Allgemeinen in der Bildung von Kategorien zu üben.

Das Vorwissen der Schüler beziehungsweise ihr Vorstellungsvermögen zum Gegenstand ‚Archiv‘ erwies sich dabei erwartungsgemäß als begrenzt. Die Beiträge umfaßten Wertungen ("Archive sind bestimmt langweilig", "in Archiven sitzen nur alte Leute und es ist staubig") und Erwartungen ("in Archiven kann man vielleicht mehr lernen als in Büchern, weil dort Originale liegen"), zeigten aber größtenteils Unkenntnis ("Archive sind wie Büchereien", "in Archive dürfen nur Wissenschaftler") und nur bei wenigen Schülern konkrete Vorstellungen ("in Archiven lagern alte Dokumente, z.B. Flugblätter, Ratsprotokolle", "Archive gibt es schon ziemlich lange", "in Archiven ist alles geordnet").

Eine weitere wichtige Voraussetzung eines außerschulischen Lernunternehmens ist die Erarbeitung einer Schülerkompetenz zu gezielter, sachbezogener Fragestellung. Aus diesem Grunde wurden die Schüler angehalten, aus den an der Tafel geordneten Vorstellungen vorbereitend Fragen an den Archivleiter zu formulieren.

Die Fragebildung verlief anhand der Oberbegriffe ohne weitere Probleme. Daß die Schüler die Aufgabe vestanden hatten, zeigten die Ergebnisse, die sich auf den durch die Oberbegriffe vorgegebenen Ebenen bewegten. Als Beispiel seien genannt :"Welchen Sinn hat ein Archiv?", "Was wird überhaupt archiviert?".

Die zweite Stunde

Diese zweite Stunde der Sequenz stand in einem mit der ersten Stunde vergleichbaren Begründungskontext. Nachdem in der ersten Stunde grundsätzliche Fragehaltungen und erste Einzelerkenntnisse zum Gegenstand ‚Archiv‘ entwickelt wurden, fehlte nun noch in der Folge einer ausreichenden inhaltlichen und methodischen Projektvorbereitung die Thematisierung der quellenspezifischen Bearbeitungstechniken [35] und der historischen Einbettung beziehungsweise Eingrenzung des Quellenmaterials: "(...) neben allgemeinen Arbeitsaufträgen und Fragen, die bei der Analyse von Originalquellen zu beachten sind, müssen auch überschaubare Kataloge von inhaltlichen Arbeitsaufträgen und Fragen formuliert werden. (...) Sie müssen den Zugang zu den Quellen tatsächlich erschließen (...)".[36]

Der im Archiv geplante Arbeitsprozeß sollte den Schülern sichtbar in einen selbsterschlossen Sinnkontext eingebunden werden. Nachdem die Schüler in der vergangenen Stunde durch die Abklärung des Vorwissens und Vorverständnisses bereits gewisse Einzelkenntnisse bewiesen beziehungsweise erhalten hatten, konnte erwartet werden, daß im Zusammenhang mit einer für den Gegenstand relevanten Quellengruppe auch 'Zeitungen‘ genannt würden. Die Vielzahl der von den Schülern genannten Quellengruppen, die für eine Untersuchung im Archiv interessant sein könnten, war dann allerdings erstaunlich. Die Schüler nannten unter anderem Gerichtsakten, Polizeiprotokolle, Tagebücher, Denunziationsbriefe (!), Verwaltungsbriefe, Flugblätter, Plakate, Photos und Zeitungen.Wenngleich es wünschenwert gewesen wäre, die Schüler eigenständig über die zu untersuchende Quellengruppe entscheiden zu lassen, mußte der Lehrer an dieser Stelle doch lenken, da er über den Kompetenzvorsprung hinsichtlich des Archivbestandes und der Praktikabilität der jeweiligen Quellen für den Unterrichtsgegenstand verfügte. Die Untersuchung von Zeitungen bot sich für den Gegenstand "Machtergreifung" aus mehreren Gründen an: 1. Das Stadtarchiv Recklinghausen verfügt für den betreffenden Zeitraum über ein umfangreiches Zeitungsarchiv. 2. Zeitungen stellen eine unmittelbare lokale und auf die Gegenwart der Schüler bezogene Verbindung zum Historischen her. [37] 3. Zeitungen liefern Texte, die in ihrem Umfang im zeitlich eng gesetzten Rahmen gut zu bearbeiten sind. 4. Zeitungen unseres Jahrhunderts bieten zumeist eine für die Schüler lesbare Schrift. 5. Die Zeitungslektüre vermittelt zugleich auch einen zwanglos zu erlangenden Einblick in die Alltagswelt des betreffenden Zeitraums (Kleinanzeigen, Sportteil...). 6. Die unterschiedliche politische Ausrichtung der Zeitungen sichert eine Multiperspektivität der Textauswahl. 7. "Historische Zeitungsartikel bieten (...) einen sinnlichen Zugang zur Geschichte und sind geeignet, Interesse zu erzeugen"[38]. [39]

Die Erarbeitung von quellenkritischen Fragestellungen erfolgte dann als notwendige inhaltlich-methodische Vorbereitung auf das Projekt. Die Schüler einigten sich als wesentliche Fragen an eine historische Zeitung auf die folgenden: "Welche politische Richtung vertritt die Zeitung?", "Was wird in dem jeweiligen Artikel dargestellt?", "Wie wird dargestellt (Ausdrucksweise, Stilmittel)?", "Warum wird so dargestellt (Absicht des Artikels)?".

Als letzter vorbereitender Punkt war dann noch zu klären, welche historischen Ereignisse und welcher Zeitraum für die ausschnitthafte Untersuchung der Zeitungen relevant sind. Auf der Grundlage ihrer Hausaufgabe hatten die Schüler zügig die wesentlichen, ihnen bereits zuvor bekannten Ereignisse (30.1.1933, Tag von Potsdam, Ermächtigungsgesetz, Boykottaktionen vom 1.4.1933 in Recklinghausen[40]) benannt.

Die Stunde verlief allerdings unter einer gewissen Lehrersteuerung, da die Qualität der Vorbereitungsstunden maßgeblichen Anteil am Gelingen des 'entdeckenden Lernens' im Archiv hat.

Die Archivbesuche

Das Vorhaben mußte zweimal mit jeweils einer Hälfte der Klasse durchgeführt werden, da die Arbeits- und Lernbedingungen im Archiv keine Schulgruppen zuließen, die den Umfang von circa fünfzehn Schülern überschreiten. Die andere Hälfte der Klasse erhielt in dieser Zeit regulären Unterricht nach Stundenplan.

Während die kognitiven Ziele der Unterrichtssequenz im Rahmen der Gesamtentwicklung der Sequenz erreicht werden sollten und lediglich die konkret archivspezifischen Kenntnisse hinzutraten, wurden die wesentlichen affektiven und methodisch-pragmatischen Ziele im Verlauf des geplanten Vorhabens erreicht beziehungsweise angelegt. Es war aus diesem Grunde darauf zu achten, daß die Menge kognitiven Hinzugewinns nicht das Erreichen der methodisch-pragmatischen und vor allem affektiven Ziele behinderte.

Unerläßlich vor der eigentlichen Heranführung an die Archivalien war jedoch die Einführung in die elementaren Fragen zum Gegenstand ‚Archiv‘ im Expertengespräch. Dieser erste Schritt einer Bestand, Aufbau, Funktion und konkrete Nutzungsfragen betreffenden Einführungsveranstaltung in das Archiv als Dokumentationszentrum sollte den Schülern nicht nur benötigte Informationen liefern, sondern durch die Expertenbetreuung gleich zu Beginn der Unternehmung helfen, Schwellenängste abzubauen. [41] Da es sich bei der Einführung durch den Archivleiter nicht um einen Vortrag, sondern um ein Gespräch mit teilweise vorbereiteten, teilweise sich spontan ergebenden Fragen und Antworten handeln sollte, war zu erwarten, daß sich die Schüler rasch unbefangen im Archiv bewegen und sich Kontakt zu dieser Einrichtung und ihrem Leiter einstellen würden. Um die Schüler nicht zu überfordern, begann die Führung mit einem Kurzvortrag des Archivleiters. Anschließend wurden die Schüler durch das Archiv geführt und mit archivspezifischen Besonderheiten vertraut gemacht, soweit sie für die Schüler von erkennbar übergeordnetem Interesse waren.

Anschließend erhielten die Schüler Einblick in den mittelalterlichen Urkundenbestand des Archivs. Zur Illustration der Schwierigkeiten im Umgang mit Originalquellen werden die Schüler versuchen, einige Zeilen einer mittelalterlichen Pergamenturkunde[42] zu lesen. Es ist zwar mit gewissem Recht darauf hingewiesen worden, daß sich sinnvolle Ergebnisse kaum durch "das bloße Vorführen archivalischer Schätze, seien es nun Schrift- oder Bildquellen, zu denen die Schüler aufgrund ihres derzeitigen Wissensstandes oder ihrer Anschauungswelt keinen unmittelbaren Bezug herstellen können (...)", vermitteln lassen[43], die Aspekte der Illustration von Leseschwierigkeiten als tägliches Problem der Archivarbeit und der Motivation durch den ausnahmsweise "naiven" Kontakt mit einer im Schülerbewußtsein "uralten" Zimelie wurden in diesem Fall jedoch als höherrangig bewertet. Zu beachten war allerdings in diesem Zusammenhang eine nüchterne Behandlung der Quelle und damit die Vermeidung ihrer künstlichen und abschreckenden Überhöhung.

Dieser erste Teil der insgesamt auf dreieinhalb Zeitstunden angesetzten Veranstaltung sollte die Dauer von fünfundvierzig Minuten nicht übersteigen, damit noch ausreichend Zeit für das weitere (und eigentliche) Vorhaben und eine Pause verblieb.

Ein wichtiges Ziel der Veranstaltung war die Schulung einer über den Tag hinausgehenden Methodenkompetenz der Schüler. Nachdem sie vom Archivleiter über die Funktion von Findbüchern informiert wurden, sollten die Schüler im folgenden eigentätig die für sie in Frage kommenden Zeitungen heraussuchen und mit Hilfe der Signaturen und der Leihzettel bestellen. Auf diese Weise erlernten sie einen bedeutsamen Arbeitsgang im Kontext geschichtswissenschaftlicher Arbeit mit archivalischen Quellen. [44]

Die gewählte Sozialform der Gruppenarbeit ergab sich vor allem aus dem Umstand, je vier Zeitungsbände mit zwölf bzw. dreizehn Schülern bearbeiten zu müssen. Im Anschluß an die vorhergegangene Unterrichtsphase bildeten sich somit die vier Arbeitsgruppen entsprechend dem Interesse an den vier aufgefundenen Recklinghäuser Zeitungen 'Recklinghäuser Zeitung', 'Recklinghäuser Volkszeitung', 'Der Volksfreund' und 'National-Zeitung'. [45]

Hiernach begann der entscheidende Teil der gesamten Unterrichtssequenz. Die Schüler erhielten im folgenden den Auftrag, sich die Zeitungen eigenen Interessen entsprechend anzusehen und nach einer weitgehend von ihnen bestimmten Zeit mit der Bearbeitung der frei gewählten Zeitungsartikel zu beginnen. Die anfänglich freie Lektüre der Zeitungen, die ein inhaltliches Umherschweifen der Schüler ausdrücklich miteinschloß, diente mehreren Überlegungen: 1. Durch die anfänglich noch nicht zielgerichtete Lektüre blieb den Schülern ein selbstbestimmter Freiraum, den sie mit eigenen Interessen füllen können. 2. Der Blick über den "Tellerrand" des auf den ersten Blick rein Politischen eröffnete den Schülern zum einen den Blick für die Alltagswelt des betreffenden Zeitraums aber zugleich auch für die politischen Komponenten des Alltäglichen und des Privaten - eine Erkenntnis, die gerade für das Verständnis totalitärer Gesellschaftsstrukuren von großer Bedeutung ist. 3. Den Schülern erschloß sich die grundlegende Problemfrage nach der Verbindung von Darstellung, Darstellungsweise, Inhalt und ihres heutigen Wissens und Wertens über die "Machtergreifung". Die Lehrerfunktion beschränkte sich neben der Aufsichtspflicht, insbesondere hinsichtlich des sorgfältigen Umgangs mit den teilweise stark beschädigten Zeitungssammelbänden und der Einhaltung gewisser Verhaltensregeln im Benutzersaal, vor allem auf die Beratung bei sachlichen Problemen.

Nicht zu übersehen war allerdings in dem gewählten Verfahren die Gefahr einer möglichen Überforderung der Schüler durch die Menge der zur Verfügung stehenden Texte. Die Schüler sollten "(...) durch das Bearbeiten einer überschaubaren Zahl von Originalquellen zu selbständigen Ergebnissen (...)" und damit zu "Erfolgserlebnissen" kommen [46] - der Weg zu dieser überschaubaren Zahl kann für manche Gruppe bei allen Chancen auch einem Problem werden. In diesem Fall mußte der Lehrer gemeinsam beratend mit den Schülern eine Vorauswahl treffen, aus der die Schüler sich dann verpflichtend, je nach Textlänge, ein bis zwei Artikel zur Bearbeitung aussuchen müssen.

In der Erarbeitungsphase sollten die Schüler die Quellen nach den in den Vorbereitungsstunden erarbeiteten Kriterien untersuchen. Die Schüler wurden darauf hingewiesen, daß sie sich Notizen für die Ergebnispräsentation auf Plakaten machen müssen. [47] Am Ende der Unternehmung sollten die Schüler über verwertbare Ergebnisse für die Auswertungsphase in der Schule verfügen.

Nach dem Ende der Bearbeitungsphase wurden die gewählten Artikel gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Archivs photographiert, damit für die Weiterarbeit in der Schule Kopien von den Photos gemacht werden konnten. Durch das Kopierverbot der Zeitungen erfuhren die Schüler abschließend noch etwas über konservatorische Probleme im Umgang mit alten, holzhaltigen Papiermaterialien und damit auch etwas über sehr archivtypische Probleme.

Die dritte Stunde

Unstrittig notwendige Bestandteile einer Exkursion im Stile eines Archivbesuchs sind die Auswertung und ihre Vorbereitung.

Die dritte Stunde der Sequenz versuchte daher, die Arbeitsatmosphäre und die Aufgabenverteilung der Archivarbeit in die Schule hinüberzuholen. Dies geschah durch die Beibehaltung der Arbeitsgruppen analog ihrer Zusammensetzung im Archiv.

Die einsteigende Diskussion über den ersten Eindruck und die Möglichkeiten einer sinnvollen Fortführung der Arbeit sollte den Schülern die Möglichkeit einer Stellungnahme, aber auch der Reflexion methodischer Fragen geben. Die Schüler wußten, daß sie ihre Ergebnisse auf Plakaten präsentieren sollten. Zu diskutieren blieben in diesem Zusammenhang konkrete Probleme des sinnvollen und angemessenen Umgangs mit den Ergebnissen im Hinblick auf ihre Veröffentlichung. Die Schüler konnten auch entscheiden, ob sie eine Schulausstellung der Ergebnisse wünschten oder ob die Dokumentation lediglich der Klasseninformation dienen sollte. Im wesentlichen diente die Stunde dann der Erstellung der Präsentationsplakate auf Grundlage der im Archiv erstellten Notizen und der photokopierten Photos.

Die vierte Stunde

Die Gruppen erhielten den Auftrag, ihre Ergebnisplakate an einer Stellwand zu befestigen und sich die Ergebnisse der anderen Gruppen genau zu betrachten. Die Schüler konnten sich in der Klasse frei bewegen, um sich die Ergebnisse anzuschauen und etwas von einer Ausstellungsatmosphäre aufkommen zu lassen. Alle Schüler sollten sich insgesamt alle Plakate angeschaut haben, bevor über eine weitere Besprechung entschieden wird.

Bei der anschließenden Auswahl der zu besprechenden Ergebnisse wurden die Schüler zu sachbezogenen Begründungen angehalten, um die Entscheidungen nicht von Emotionen oder Zufällen abhängig zu machen.

Die Gruppen, deren Plakate ausgewählt wurden, erhielten vor einer Diskussion erst die Gelegenheit, ihre Überlegungen darzustellen. Auf diese Weise sollte eine gemeinsame Basis für die jeweilige Beurteilung hergestellt werden. Die quellenkritischen Aspekte mußten ausreichend zur Sprache kommen, um sowohl die kognitiven als auch die methodisch-pragmatischen Ziele der Sequenz durch die den Schülern deutlich werdende Verbindung von Archivarbeit und Gegenstand zu sichern. Es war auffällig, daß sich die Schüler in der Diskussion auf die Ergebnisplakate konzentrierten, die sich mit der Berichterstattung der Recklinghäuser Lokalpresse zu den antisemitischen Boykottaktion des 1.4.1933 beschäftigt hatten.

In der Auswertungsphase dieser Stunde lag der hauptsächliche Akzent auf der Verdeutlichung der unterrichtlichen Zusammenhänge zwischen den im Archiv erlernten Fakten und Methoden und dem Thema der Reihe. Das historische Problem lag für die Schüler hier im Vergleich unterschiedlich - oder eben ähnlich - perspektivierter Berichterstattungen zu Einzelaspekten des Gegenstandes "Machtergreifung"

Die fünfte Stunde

"Bei der Abschlußbesprechung sollten neben den inhaltlichen Problemen auch die Fragen zur Arbeit im Archiv gebührend erörtert werden." [48] Diese unerläßliche Erörterung der angewandten Methodik, das Einholen der Schülermeinung, ist erst der wirkliche Abschluß einer Sequenz, deren Ziele über die vordergründigen kognitiven Zielsetzungen hinausging. Die Sequenzziele einer bleibenden Motivierung der Schüler durch die Durchführung einer schulische Gewohnheiten aufbrechenden Exkursion und der Steigerung ihrer Methodenkompetenz sowohl in Umsetzung als auch Beurteilung unterrichtlicher Arbeitsformen machten es unumgänglich, die Schüler schließlich auch in der Gesamtreflexion zu Wort kommen zu lassen. Die gemeinsame Verdeutlichung der wechselseitig abhängigen Bedingungen von Inhalts- und Methodenstruktur gab den Schülern die Chance, die Determinanten unterrichtlicher Planung nicht nur nachzuvollziehen, sondern bei ausreichender Kompentenz auch mitzubestimmen soweit es im jeweiligen Fall sinnvoll war.

Gegenstand der Abschlußstunde der Unterrichtssequenz sollte also die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Unternehmens im Hinblick auf methodische Fragen sein, wobei auch der Aspekt der Effizienz für den Gegenstand der Reihe zur Sprache kommen sollte.

Als Vorteile der Arbeit am Original wurden genannt: "Die Originalquellen sind nicht vorbereitet, -können angefaßt werden, - können selbst ausgewählt werden, man kann sich ein eigenes Urteil bilden, Fragen müssen selbst gestellt werden, - erhöhen die eigene Verantwortung." Der letzte Punkt wurde jedoch von manchen Schülern auch auf der Negativseite angefüht, ebenso der Punkt der eigenständigen Fragestellung. Als weitere Nachteile wurden der erhöhte Arbeitsaufwand und das unter Umständen nur unzureichende Vorwissen genannt.

Was hat der Archivbesuch gebracht? Die kognitiven Ziele, die im speziellen mit dem Stadtarchiv Recklinghausen und dem Erfahren archivbezogener Kenntnisse in Zusammenhang standen, sind sicherlich erreicht worden. Über die Merkdauer und Qualität der Erkenntnisse können allerdings keine zuverlässigen Angaben gemacht werden .Um jedoch überhaupt eine Ergebnisanalyse vornehmen zu können, wurden an die Schüler im Anschluß an das Projekt Fragebögen verteilt, auf denen sie Fragen zum erlernten Wissen beantworten, aber auch Bewertungen des Geschehens abgeben mußten.

Das Erlernen quellenkritischer Fragestellungen und eines Problembewußtseins für den Umgang mit Originalquellen wurde nur auf sehr unterschiedlichem Niveau erreicht. Die unterschiedlichen Problembewußtseinsebenen verdeutlichen in diesem Punkt zwei den Fragebögen entnommene Schüleräußerungen auf die Frage zum Eindruck, den sie von einem historischen Archiv nun gewonnen hätten: "In Archiven kann man nicht nur auf bereits verarbeitete Quellen (in Büchern) zurückgreifen" und "Historische Archive sind sehr wertvoll und man muß sehr vorsichtig damit umgehen". Argumentiert der erste Schüler auf einem Niveau kritischer Erkenntnis, verbleibt der zweite Schüler auf einer Ebene der Fixierung auf den vermeintlich materiellen Wert der Dokumente und der sich daraus ergebenden Konsequenzen.

Der Beurteilung des wesentlichen Sequenzziels kann sich aber nicht auf der vordergründigen Beurteilungsebene der kognitiven und methodisch-pragmatischen Ziele genähert werden. So diente die Fragebogenaktion hauptsächlich der Ermittlung einer Antwort auf die Grundfrage der Sequenz einer längerfristigen Lernmotivation durch Archivarbeit im besonderen und durch Lernen an außerschulischen Lernorten im allgemeinen. Die 21 abgegeben Fragebögen erlauben hierzu einige Schlußfolgerungen:

Vier Schüler fanden den Archivbesuch "sehr interessant", elf Schüler fanden ihn "interessant" und sechs Schüler äußerten sich mit einem indifferenten "ging so"; kein Schüler fand die Archivarbeit "uninteressant" oder "sehr uninteressant". Der Umstand, daß kein Schüler der Exkursion vollkommen ablehnend gegenüberstand, erlaubt die Feststellung, daß das Ziel eines Distanzabbaus zum außerschulischen Lernort ‚Archiv‘ erreicht wurde. Daß die Schüler zur Wiederholung eines einmal als interessant bewerteten Unternehmens bereit wären, liegt hierdurch nahe.

In den Urteilsbegründungen sind Hinweise auf eine längerfristige Motivation für das Fach Geschichte nur indirekt verborgen. Unter den Begründungen der 15 positiven Urteile ragt der Hinweis auf den Umgang mit den Originalquellen, indirekt damit auch auf den damit verbundenen Erfahrungsreiz ("es ist aufregend, in Originaldokumenten zu kramen", deutlich heraus. Der Schluß liegt hier nahe, den Umgang mit Originalquellen als überwiegend motivationsfördernd zu betrachten und im Sinne einer längerfristigen Interessesteigerung des Fachs bei den Schülern verstärkt einzusetzen. Einen entscheidenden Hinweis in diese Richtung gibt jedoch die Antwort der Schüler auf die Frage nach der gewünschten Häufigkeit schulischen Lernens "vor Ort".

Immerhin neun Schüler wünschten sich, des öfteren im Archiv zu lernen. Das Gefühl einer motivationssteigernden Abwechslung im Zuge des Aufbrechens der normalen schulischen Lernbedingungen scheint von den Schülern insgesamt stark empfunden worden zu sein.

Die Schülerantworten auf die Frage nach ihrem als Ergebnis übriggebliebenen Eindruck von Archiven geben ebenfalls einen indirekten Hinweis auf eine längerfristige Motivation für historisches Lernen. Die Erkenntnis, daß es in Archiven jedoch wertvolle und für die Forschung nützliche Dokumente gibt, wird von mehreren Schülern erkannt und als Option für späteres Handeln damit wohl auch nicht ausgeschlossen. Das Wissen, daß Geschichte nicht nur in Geschichtsbüchern behauptet wird, sondern aus tatsächlichen, wenngleich für uns nur noch rekonstruierbaren Ereignissen und ihren anfaßbaren Zeugnissen besteht, wird in den Schüleräußerungen durchaus ersichtlich. Hieraus die Hoffnung auf eine längerfristige, wenngleich vielleicht aufgrund der Kürze des Projekts auch nur oberflächliche Motivation für das Schulfach Geschichte abzuleiten, erscheint keineswegs als vermessen: "Der Unterricht wird interessanter und ist nicht so trocken, als wenn er nur theoretisch stattfinden würde." [49]

Schlußfolgerungen

Es haben sich im Verlauf der Durchführung des Projekts "Lernen im Archiv" Erkenntnisse zu verschiedenen Aspekten der speziellen wie der allgemeinen Planung gewinnen lassen.

Auf der Ebene der allgemeinen Planung ist zuerst die Notwendigkeit einer sorgfältigen planerischen Zusammenarbeit zwischen Archiv und Lehrer anzuführen. Nur wenn die Vorplanung gemeinsam und konstruktiv verläuft, sind viele Schwierigkeiten, die für die Schüler oder den planenden Lehrer entstehen können, im Vorfeld vermeidbar.

Der Dreischritt einer Vorbereitungs-, einer Durchführungs- und einer Auswertungsphase hat sich ebenfalls als sinnvoll erwiesen. Noch der vorbereitete Archivbesuch bereitete einigen Schülern in der konkreten Erarbeitung Schwierigkeiten; ein Vertrauen auf ein "naives", unvorbereitetes Anmutenlassen der Quellen hätte den Schülern sicherlich erheblich mehr Probleme bereitet. Die Auswertung als handlungs- und problemorientiertes Bearbeiten selbstentdeckt erlernten Wissens erwies sich, gemessen an den Ergebnissen, ebenfalls als notwendiger wie sinnvoller Teil einer Sequenz mit Archivarbeit.

Die Notwendigkeit von Pausen hat sich ebenso erwiesen wie jene, den Schülern gerade in ihnen fremden, sie möglicherweise verunsichernden Lernorten eigene Aneigungsformen der neuen Umgebung zu erlauben. Stille ist in einem Archiv zwar die Norm, in einem gewissen Rahmen sollten Schüler diese Norm jedoch durchbrechen dürfen, um sich die Umgebung zueigen zu machen und im Austausch mit anderen zu reflektieren, solange dies den Archivbetrieb nicht behindert. Dies fördert die Bereitschaft der Schüler zur Annahme des Neuen. Daß die Schüler diesen zum Teil zugelassenen Normdurchbruch im Archiv allerdings kaum als solchen wahrnahmen, [50] wirft ein Licht auf die häufig unterschiedliche Rezeption von Geschehen durch Schüler und Lehrer sowie auf die Grenzen planerischer Vorhersehbarkeit.

Ebenfalls ist prinzipiell darauf zu achten, daß die Schüler als Schüler angesprochen werden, deren Wissenshorizont gerade an einem neuen Lernort nicht demotivierend überfordert werden darf. Die Urkundenlektüre hat, wie einige Fragebögen nahelegen, in diesem Zusammenhang Gefahren geboten.

In der Planung dieser Sequenz erwies sich eine besondere Schwierigkeit als nur schwer lösbar. So ist der Grad zwischen dem Anspruch der Sequenz einer Förderung entdeckenden Lernens und aktiven Unterrichts und den notwendigen Lenkungen in einem Unterrichtsprozeß, der außerhalb der vorherigen Planungs- und Mitwirkungkompetenz der Schüler, auch außerhalb jeden Schülerwissens um seine Zwänge steht, ein schmaler. [51] Es war somit eine Verbindung zwischen den Ansprüchen und den Notwendigkeiten zu schaffen. Versucht wurde dies in der Umsetzung des Wunsches, Hilfe und Anleitung zur Eigenständigkeit geben zu können. Die Vorarbeiten des Lehrers, seine didaktische "Oberhoheit" waren notwendig, sollten die Schüler nicht in eine sowohl aus Sicht ihrer Interessen als auch aus didaktischer Perspektive illegitime Überforderungssituation geraten. Dennoch war die Teilhabe der Schüler an Entscheidungsfindungen auf der planerischen Ebene gewünscht, der Entscheidungsrahmen aber mußte für die Schüler überschaubar bleiben. Die auf einem Fragebogen geübte Kritik, daß keine "freie Themenwahl" möglich gewesen sei, veranschaulicht die angedeuteten Probleme. Eine vollkomen freie Themenwahl, also eine individuelle Schülerentscheidung über den Gegenstand der Archivarbeit vor Ort, hätte die Fähigkeiten der Schüler einer Klasse 10 zum Überschauen aller Notwendigkeiten ebenso wie ihr historisches Wissen überfordert. Vor allen Dingen aber hätte dies zu einer Beliebigkeit der zu besprechenden Inhalte geführt, die kein überprüfbares und für alle Schüler gleichermaßen geltendes Ergebnis mehr zugelassen hätte.

Als grundlegend für das Gelingen eines Projekts wie dem durchgeführten Archivbesuch ist die Vermittlung einer klaren Arbeits- und Zielperspektive an die Schüler zu nennen.

Erst wenn die Schüler genau wissen, wozu sie frei wählen können und was sie mit den gewählten Materialien tun sollen, sind für alle Seiten sinnvolle Ergebnisse zu erwarten.

In der Methodenreflexion kam die gewünschte Schülereinbindung in Planungs- und Erarbeitsfragen am konstruktivsten zum Tragen. Eine Auswertung, die sich stärker von einem methodenkritischen Punkt aus orientiert, könnte für eine zukünftige Archivunternehmung im Sinne der formulierten Ziele noch ertragreicher sein.

Ob und in welchem Umfang das eingangs angesprochene Geschichtsbewußtsein der Schüler im Verlauf der Sequenz einen Zugewinn oder eine Veränderung erfahren hat, bleibt kaum entscheidbar. Insgesamt hat es sich aber auf einer ganz anschaulichen Ebene gezeigt, daß außerschulisches Lernen im allgemeinen und "Lernen im Archiv" im besonderen Chancen bietet, gewohnte Lerngänge zu beleben. Standen die Schüler dem Projekt anfänglich noch eher abwartend-skeptisch gegenüber, erkannten sie doch bald die motivierende Andersartigkeit des Vorhabens, welche die lähmende Kraft der Vorurteile vom "verstaubten Archiv" verdrängen konnte und eine im ganzen positive Aufnahme der Unternehmung bewirkte.

Vor Ort schließlich wurde den meisten Schülern die Komplexität der Möglichkeiten und Probleme historischer Quellenarbeit unter archivischen Bedingungen deutlich. Daß manche Schüler gerade diese erkannte Komplexität auch als künftige Herausforderung verstehen werden, ist zu hoffen.

Das Anliegen der Sequenz, über die Vermittlung eines neuen Lernortes zum Geschichtslernen grundsätzlich anzuregen, wäre auch in einem Museum realisierbar gewesen. Für den Wunsch aber, gleichzeitig das Bewußtsein der Schüler für ihre eigene historische Vernetztheit zu fördern, ihr Gefühl der Ferne und Abstraktheit alles Vergangenen zu durchbrechen, erwies sich das Archiv als ein besonders geeigneter, weil authentischer Lernort. Die beim interessegeleiteten Blättern in der historischen Lokalzeitung selbst entdeckte Originalanzeige eines Recklinghäuser Geschäfts, das sich stolz als "führender Händler für Hakenkreuzfahnen" preist, dürfte den Schülern mehr Aufschluß über ihre Verortung in Raum und Zeit geben, als es jedes Schulbuch oder jeder Lehrervortrag vermag.

Über die längerfristige Wirkung eines einmaligen Archivbesuchs kann letzlich jedoch nur spekuliert werden. Aufschluß über die unmittelbare Wirkung können nur die betroffenen Schüler selber geben: "Im Archiv ist es nicht so öde, wie ich es mir vorstellte." [52]

Anmerkungen

[1] Schriftliche Schüleraussage nach Durchführung des Projekts "Lernen im Archiv", Fragebogen.
[2] Vgl. Jakobi, Franz-Josef: Archive und Geschichtsbewußtsein. Zur didaktischen Dimension der Archivarbeit. In: Festschrift K. E. Jeismann, hrsg. v. Paul Leidinger und Dieter Metzler. Münster 1990. S. 680ff.
[3] Die Unterrichtssequnez wurde im Frühjahr 1997 im Rahmen der Erstellung der schriftlichen Arbeit zum II. Staatsexamen durchgeführt: Lernen im Archiv - Durchführung und Auswertung einer Exkursion ins Stadtarchiv Recklinghausen im Rahmen einer Unterrichtsreihe über die nationalsozialistische "Machtergreifung" (Kl.10). Der vorliegende Beitrag ist eine überarbeitete und gekürzte Version der schriftlichen Examensarbeit.
[4] Vgl. Jeismann, Karl-Ernst: Geschichtsbewußtsein als zentrale Kategorie der Geschichtsdidaktik. In: Jahrbuch für Geschichtsdidaktik 1 (1988). S.1-24 und Rüsen, Jörn: Historik und Didaktik. Ort und Funktion der Geschichtstheorie im Zusammenhang von Geschichtsforschung und historischer Bildung. In: Geschichtswissenschaft. Didaktik - Forschung - Theorie, hrsg.v. Erich Kosthorst. Göttingen 1977. S.52.
[5] Instruktiv zu dieser Frage ist der Beitrag von Knoch, Peter: Entdeckendes Lernen. In: Praxis Geschichte 3 (1989). S. 6-13.
[6] Schmid, Heinz Dieter: Entdeckendes Lernen im Geschichtsunterricht. In: Geschichtsdidaktische Positionen, hrsg.v. Hans Süssmuth. Paderborn, München, Zürich 1980. S. 283f.
[7] Vgl. hierzu Kutz, Susanne: "Selbst etwas herausbekommen". Erfahrungen und Ergebnisse der Archivarbeit beim Schülerwettbewerb des Bundespräsidenten. In: Der Archivar 44 (1991). Sp. 265: "Lernen wird zum Erlebnis, wenn das Klassenzimmer verlassen werden darf und Eigeninitiative und Phantasie bei der Lösung einer selbstgestellten Aufgabe gefordert werden."
[8] Hierzu Link, Roswitha: Geschichtsunterricht und Archiv. Möglichkeiten und Grenzen der Betreuung von Schülern bei der Arbeit mit Archivmaterialien. In: GPD 15 (1987): "Die beschriebene Art selbständigen und zusammenhängenden Arbeitens führt den Schüler stärker als es ein isoliertes Schriftstück im Schulbuch, auch wenn es noch so geschickt ausgewählt ist, jemals kann, an die tatsächlichen Lebensumstände und Situationen von damals heran."
[9] Vgl. hierzu Kutz 1991, Sp. 263-273.
[10] Z.B. bei Schmid 1980, S. 294f.
[11] Vgl. hierzu Hey, Bernd: Museen, Archive und historische Stätten als außerschulische Lernorte - Zum Begriff der historischen Exkursion. In: GWU 31 (1980). S.33.
[12] Um den Erlebnischarakter der Schülerbegegnung mit originalen Quellen zu kennzeichnen, hat man sehr bildhaft von einem "choc par les documents" gesprochen; vgl. Würfel, Maria: Choc par les documents - Archivalische Menschenrechte. In: GWU 5 (1983). S.271-295.
[13] Vgl. Rohdenburg, Günther: Archiv. Verstaubt sind nur die Regale. In: Spurensucher. Ein Praxisbuch für historische Projektarbeit, hrsg. im Auftrag der Körber-Stiftung v. Lothar Dittmer und Detlef Siegfried. Weinheim, Basel 1997.
[14] Vgl. Bialecki, Monika; Jung, Michael: Vor 50 Jahren: Die "Machtergreifung" der Nationalsozialisten. Eine Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe I. In: Geschichtsdidaktik 4 (1982). S. 402f.
[15] Vgl. Klafki, Wolfgang: Die Bedeutung der klassischen Bildungstheorien für ein zeitgemäßes Konzept allgemeiner Bildung. In: Zeitschrift für Pädagogik 32 (1986). S. 475: "Allgemeinbildung muß gerade heute (...) als politische Bildung zur aktiven Mitgestaltung eines weiter vorantreibenden Demokratisierungsprozesses verstanden werden."
[16] Gespräch mit dem Leiter des Stadtarchivs Recklinghausen, Dr. Burghardt, am 11.3.1997. Vgl. weiterhin Behr, Hans-Joachim: Möglichkeiten der Archivbenutzung für den Schulunterricht. Erfahrungen in norddeutschen Archiven. In: Der Archivar 27 (1974). Sp.345f.; Rohdenburg 1997, S.36, und Scherf, Ferdinand: Geschichtsunterricht und Archiv. In: Handbuch der Geschichtsdidaktik, hrsg.v. Klaus Bergmann und Annette Kuhn u.a. Düsseldorf 31985. S. 599.
[17] Weschenfelder, Klaus; Zacharias, Wolfgang: Handbuch Museumspädagogik. Orientierung und Methodik für die Praxis. Düsseldorf 1981. S. 126.
[18] Link 1987, S. 103: "(...) jedoch ist bis heute das Archiv mit seinen Möglichkeiten für den Schulunterricht - von Ausnahmen abgesehen - so gut wie unbekannt geblieben."
[19] Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: "Archivpädagogik - Berichte aus der Praxis". In: Der Archivar 42 (1989). Sp. 493-522; Bauer, Hans: Schüler im Archiv. Schüler arbeiten mit originalen Schriftquellen ihres Heimatortes. In: Praxis Geschichte 3 (1989). S.50-55; Behr 1974, Sp. 333-346; Diederichs, Urs J.: Abschied vom Ärmelschoner - Entdeckungsreise durchs Stadtarchiv. In: Geschichte - selbst erforschen. Schülerarbeit im Archiv, hrsg. v. Thomas Lange. Weinheim, Basel 1993. S. 28-40; Franz, Eckhart G.: Archive in der Schule. In: UNESCO-Kurier 26.2 (1985). S. 28-31; Hey, Bernd: Die historische Exkursion. Zur Didaktik und Methodik des Besuchs historischer Stätten, Museen und Archive. Stuttgart 1978 (=Anmerkungen und Argumente 19); Hey 1980, S. 30-40; Hey, Bernd u.a.: Umgang mit Geschichte. Geschichte erforschen und darstellen - Geschichte erarbeiten und begreifen. Stuttgart, Düsseldorf, Berlin, Leipzig 1992. S. 210-215; Hübner, Rolf: Die Unterstützung des Geschichtsunterrichts durch die Archive. In: Archivmitteilungen 37 (1987). S.153f. (aus der Sicht der ideologisierten Geschichtswissenschaft der DDR); Jakobi 1990, S. 680-704; Kessel, Jürgen: Archivpädagogik und neue Rahmenrichtlinien (Niedersachsen). Tagungsbericht. In: GPD 22 (1994). S. 214-217; Kirchen, Ulrich: Archivpädagogik - Sektionsbericht vom 38. Historikertag in Bochum. Wege zum Einsatz archivalischer Quellen im Geschichtsunterricht. In: Der Archivar 44 (1991). Sp. 307-309; Klötzer, Wolfgang: Stadtarchive, Stadgeschichtsschreibung. In: Handbuch der Kommunalen Wissenschaft und Praxis 4 (1983). S. 313-329; Kutz 1991, Sp. 263-273; Lange, Thomas: Geschichte - selbst erforschen: was Archive und Geschichtsunterricht miteinander zu tun haben (können). In: Lange 1993. S.7-27; ders.: Geschichte - zum Sprechen gebracht. Von den Methoden des pädagogischen Umgangs mit Archivalien. In: Der Archivar 42 (1989). Sp.493-499; Lautzas, Peter: Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Schule und Archiv. Ein Arbeitsbericht aus Rheinland-Pfalz. In: Der Archivar 32 (1974). Sp. 319-325; Lepper, Herbert: Öffentlichkeitsarbeit von Kommunalarchiven. Ein Erfahrungsbericht des Stadtarchivs Aachen. In: Der Archivar 36 (1983). Sp. 289-294; Link 1987, S. 102-107; Müller, Wolfgang: Der andere Geschichtsunterricht im Archiv - Ein Tag Forschung über "Widerstand und Verweigerung in Lippe 1933-1945". In: Lange 1993, S. 94-114; ders.:Geschichtsunterricht im Archiv. In: Der Archivar 42 (1989). Sp. 509-513; Richter, Gregor: Zur Verwendung von archivalischen Quellen im Geschichtsunterricht. In: GWU 24 (1973). S. 659-668; ders.: Unterrichtsversuch im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. In: Der Archivar 27 (1974). Sp. 381-383; Rohdenburg 1997, S.36-49; Scheper, Burchard: Archiv und Schule. Überlegungen und Erfahrungen. In: Die alte Stadt 8 (1981). S. 308-323; Scherf 1985, S. 597-600; ders.: Möglichkeiten einer Einbeziehung der in Archiven vorhandenen Quellen in lokal- oder regionalgeschichtlich ausgerichteten Unterrichtseinheiten. In: Schule und Museum 2 (1976). S. 21-35; Scherf, Ferdinand; Schütz, Friedrich: Geschichtsunterricht und Archiv. Erfahrungen und Möglichkeiten. Koblenz 1978 (=Veröffentlichungen aus rheinland-pfälzischen und saarländischen Archiven, Kleine Reihe, H 14); Specker, Eugen: Zusammenarbeit zwischen Archiv und Schule. Ein Erfahrungsbericht aus der Sicht der Kommunalarchive. In: Der Archivar 40 (1987). Sp. 397-404; Wagner, Johannes Volker: Archiv und Öffentlichkeitsarbeit. In: Bergmann, Kuhn 1985, S. 765-769; Weinforth, Friedhelm: Archivalische Quellen für den Geschichtsunterricht und Quellenpublikation am Beispiel Stadtgeschichte. In: Bericht über die 38. Versammlung deutscher Historiker in Bochum. Stuttgart 1991. S. 373-375. Eine Bibliographie anwendungsbezogener Literatur zum Thema Archiv - Schule bei Rohdenburg 1996, S. 150-162.
[20] Scherf 1985, S. 599.
[21] Scherf 1985, S. 597.
[22] Zuerst Herberhold, Franz: Der Service Educatif in Frankreich - seine Möglichkeiten bei uns. In: GWU 4 (1956). S. 280-295; vgl. auch Richter 1973, S. 660f.
[23] Scherf 1985, S. 597.
[24] Zu Chancen und Problemen landesgeschichtlicher Ansätze im Geschichtsunterricht vgl. Beeck, Karl-Hermann (Hrsg.): Landesgeschichte im Unterricht. Ratingen 1973; ders.: Die unterrichtlichen Mißverständnisse von Regionalgeschichte. In: GWU 22 (1971). S. 295-304; Fried, Pankraz (Hrsg.): Probleme und Methoden der Landesgeschichte. Darmstadt 1978 (=Wege der Forschung CDXCII); Knoch, Peter: Überlegungen zu einer Didaktik der Regionalgeschichte. In: Heimat oder Region, hrsg. v. Peter Knoch und Thomas Leeb. Frankfurt a.M. 1984. S.3-16, sowie Leidinger, Paul: Landes- und Regionalgeschichte in Geschichtswissenschaft und Unterricht. In: GPD 12 (1984). S. 36-48.
[25] Vgl. Kutz 1991, Sp. 263. Eine Übersicht zur Geschichte und Organisation des Schülerwettbewerbs bei Borries, Bodo von: Deutsche Geschichte - Spurensuchen vor Ort im Schülerwettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten. Frankfurt a.M. 1990.
[26] Als eine der vielen Stimmen von Archivseite sei Specker 1987, S. 404, genannt, der die Zusammenarbeit als "(...) für beide Teile, Lehrer und Archivare (...), interessant und fruchtbringend (...)" bezeichnet.
[27] Kutz 1991, Sp. 263-273; vgl. weiterhin die Stellungnahmen von Hans-Joachim Behr und Heinz Boberach in "Zehn Jahre Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten". In: Körber-Stiftung 1983. S. 34-36.
[28] Richter 1973. S. 662.
[29] Vgl. Müller 1989, Sp. 510.
[30] Vgl. Müller 1989, Sp. 511.
[31] Immanuel Kant in der "Kritik der reinen Vernunft".
[32] Hierzu und zum folgenden vor allem Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden, Bd. II:Praxisband. Frankfurt a. M. 1987, S. 329.
[33] Vgl. Meyer 1987, S. 330.
[34] Zu dieser Methode Meyer 1987, S. 144f.
[35] Vgl. Meyer 1987, S. 330:" Noch wichtiger als die Entwicklung von Begriffen, Kategorien und Fragestellungen ist die Vermittlung von Methodenkompetenzen zur Dokumentation der Erkundungsergebnisse.
[36] Müller 1993, S. 98.
[37] Schattner, Thomas: Vorauseilender Gehorsam und Anbiederei. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im lokalen Umfeld. In: Geschichte lernen 57 (1997). S. 48.
[38] Schattner 1997, S. 48.
[39] Kritik an einigen der genannten Gründen zur Auswahl von Zeitungen für die Archivarbeit äußert Müller 1993, S. 97: "(...) statt durch das bevorzugte Herausstellen des leichter eingängigen Sammlungsgutes (Plakate, Bilder, Zeitungen) die Museen zu imitieren." Vgl. weiterhin Küpper-Jacobs, Ferdinand: Die Zeitung im Geschichtsunterricht. In: Die Zeitung im Unterricht, hrsg. v. Eva Brand, Peter Brand, Volker Schulze. Aachen-Hahn 1990. S. 310-325.
[40] Zur nationalsozialistischen "Machtergreifung" in Recklinghausen sehr hilfreich: Dreischer, Reinhard: "Hakenkreuzfahnen sind in ausreichender Zahl angeliefert worden..." . Auf dem Wege zur Macht: Nationalsozialismus in Recklinghausen 1933. Dokumente, Fragen, Erläuterungen, Darstellung, hrsg. v. Stadtarchiv Recklinghausen. Recklinghausen 1988.
[41] Vgl. Müller-Henning, Markus: Workshop Archiv "Bildungsalltag im Nationalsozialismus". Ein Abrufangebot der Lehrerfortbildung. In: Lange 1993, S. 55.
[42] Verpfändungsurkunde vom 25.8.1396; Archiv des Vereins für Orts- und Heimatkunde Recklinghausen XII.
[43] Specker 1987, Sp. 399.
[44] Auf die Notwendigkeit der Vermittlung auch solchen Wissens im Zusammenhang mit schulischer Archivarbeit verweist Müller 1993, S. 97.
[45] Zur Entwicklung der Recklinghäuser Presse ab 1933: Vogl, Michael; Wunschick, Joachim: Die Presse am Beispiel der Recklinghäuser Zeitung. In: Herrschaft und Verfolgung. Marl im Nationalsozialismus, hrsg. v. Ulrich Brack. Essen 1993. S. 109-119.
[46] Müller 1993, S. 97.
[47] Zur Bedeutung dieses Arbeitsschritts für ein sinnvolles Lernen im Archiv vgl. Rohdenburg 1997, S.46f.
[48] Müller 1993, S. 99.
[49] Schüleräußerung, Fragebogen.
[50] Wie einige Schüleräußerungen auf den Fragebögen beweisen.
[51] Vgl. zu diesem Problem Meyer 1987, S. 416: "Der Schüler muß Methode haben. Dem Lehrer aber muß die Methode, seinen Zögling zur Methode zu führen, eigen sein."
[52] Schüleräußerung, Fragebogen.






QUELLE    Arand, Tobias | Lernen im Archiv - Erfahrungsbericht einer archivbezogenen Unterrichtssequenz zum Thema 'Die nationalsozialistische Machtergreifung in Recklinghausen im Spiegel der zeitgenössischen Lokalpresse' | S. 196-206

DATUM AUFNAHME2004-04-14
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