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Mitteilung vom 03.08.18

Presse-Infos | Kultur

Ausgrabungen auf dem Marktplatz in Rheine:

Auf den Spuren einer 1200jährigen Stadtgeschichte und darüber hinaus

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Rheine (lwl). Im Rahmen von Sanierungsarbeiten graben aktuell Archäologen unter Leitung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auf dem Marktplatz von Rheine. Dabei stießen sie gleich zu Beginn auf die Grundmauern des alten Rathauses, dessen Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen.

Seit Anfang Juli graben die Archäologen einer Fachfirma auf dem Marktplatz. Unter dem modernen Kopfsteinpflaster entdeckten sie zwischen Kirch- und Marktplatz die Süd- und die Ostseite des alten Rathauses. Auf der Innenseite der Mauern aus Sandstein ist noch der alte Wandputz zu erkennen. "Der Keller des Gebäudes ist mit Bauschutt verfüllt, der vom Abriss im Jahr 1899 zeugt", erläutert Grabungsleiter Christian Golüke. "Wenn wir den Schutt entfernt haben, können wir nicht nur feststellen, wie tief das Gebäude einst gründete, sondern hoffentlich auch, wie alt das Bauwerk eigentlich ist." Das alte Rathaus aus dem 19. Jahrhundert war aber sicherlich nicht das erste Amtshaus in Rheine, sondern verfügte über noch ältere Vorgänger aus dem Mittelalter. Schriftliche Quellen belegen ein im Jahre 1273 als "gimnasium" und 1281 als "Gildehus" bezeichnetes Gebäude.

Der Platz, den die Rathäuser boten, wurde einst vielseitig und rege genutzt: Im Erdgeschoss saßen oft Händler, die Stoffe oder Fleisch verkauften. Auch wurde im Rathaus Gericht gehalten und die Stadtwaage bedient. Hier fanden Versammlungen, Ratswahlen und Festlichkeiten der Bürger statt. Weiterhin gehörten Arrestzellen, Wache und im Kriegsfall Lagerräume für Waffen zu diesem vielseitigen Gebäude. Die Rathäuser waren damit Inbegriff des Stolzes der Stadtbürger.

Die Ausgrabungen auf dem Marktplatz, stehen noch weitgehend am Anfang. Unter den ersten Funden der Archäologen sind auch Keramikscherben aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Die Scherben stammen von Trink- und Essgeschirr. Im Mittelalter noch wertloser Müll, der beim Marktbesuch anfiel, sind sie heute ein wichtiges Zeugnis des damaligen Geschehens. So zeigen die Scherben und andere Funde wie Tierknochen den Archäologen, was die Rheinenser im Mittelalter aßen und welche Waren sie auf dem Markt kauften.

Gleichzeitig gehört das Marktplatzareal auch zur ältesten Keimzelle Rheines. Schon im frühen Mittelalter stand in direkter Nachbarschaft ein Vorgängerbau der Kirche St. Dionysius. Dies bezeugt eine Urkunde aus dem Jahr 838. In der Folgezeit entwickelte sich um die Kirche eine dörfliche Siedlung, die 1327 durch Bischof Ludwig II. von Münster das Stadtrecht verliehen bekam. Es ist somit durchaus möglich, dass bei den derzeitigen Bodeneingriffen Besiedlungsspuren im Boden zu finden sind, in denen sich bis zu 1.200 Jahre einer facettenreichen Stadtgeschichte widerspiegeln.

Zudem entlocken die Archäologen dem "Geschichtsarchiv im Boden" auch Erkenntnisse, auf die keinerlei Schriftquellen hindeuten. So fanden Golüke und sein Team Objekte, die von den Menschen noch vor Christi Geburt gefertigt wurden. "Einige Keramikscherben datieren in die Eisenzeit und sind rund 2.300 Jahre alt.", meint Golüke. Andere Funde sind sogar noch älter. "Es handelt sich dabei um bearbeitete Feuersteinobjekte aus der Steinzeit", erklärt der Grabungsleiter. Die Geräte wurden vermutlich in der Zeit der sogenannten Trichterbecherkultur hergestellt, also vor etwa 5.000 Jahren. Das Areal des heutigen Marktplatz haben also Menschen bereits schon weit vor dessen Existenz gerne aufgesucht.

Die Sanierung des Marktplatzes zählt in Rheine zu den größten Projekten des "Rahmenplans Innenstadt". Zurzeit werden Leitungen verlegt und die Kanäle erneuert. In einem nächsten Schritt soll auch der Platz ein neues Gesicht erhalten. Wie bei solch großen Baumaßnahmen an geschichtsträchtigen Orten der Stadt notwendig, werden auch bei dieser Maßnahme Archäologen einbezogen. Parallel zu den Bauarbeiten gehen sie vor Ort den Spuren der Stadtgeschichte nach. "Wir sind glücklich über die Zusammenarbeit mit der Stadt, die uns früh in die Planungen einbezogen hat", so Andreas Wunschel von der LWL-Archäologie für Westfalen. Vor der endgültigen Zerstörung durch die Baggerschaufel werden die Zeugnisse der Stadtgeschichte im Boden vermessen, fotografiert, gezeichnet und beschrieben. Auch informieren große Banner an den Bauzäunen vor Ort über die Arbeit der Archäologen.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Nils Wolpert, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-8901
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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