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Mitteilung vom 30.07.18

Presse-Infos | Psychiatrie

Autorenlesung "Zappenduster - Wahres aus der Unterwelt" macht Schluss mit Illusionen über Kriminalität

Patienten der LWL-Universitätsklinik Hamm diskutieren

Bewertung:

Hamm (lwl). Zappenduster war es nicht, dafür jedoch flüsterleise, als der Autor Maximilian Pollux in der LWL-Universitätsklinik in Hamm über seine kriminelle Vergangenheit und sein Buch "Zappenduster - Wahres aus der Unterwelt" berichtete. Pollux war acht Jahre Drogendealer und saß anschließend zehn Jahre im Gefängnis. Mit 13 Jahren begann seine kriminelle Laufbahn - sein Ziel war es, ein erfolgreicher Gangster zu werden. Unabhängigkeit, Geld und Macht schienen mit diesem Ziel für ihn damals eng verbunden zu sein. Drogenschmuggel, Waffenhandel, Diebstähle und Menschenverletzungen - die Liste seiner Verfehlungen ist lang. Von dem einst so vielen Geld blieb am Ende nichts mehr übrig. Vieles ging für die aufwendige Flucht quer durch Europa verloren. Auch unabhängig war er nie - ständig verfolgt von anderen, lebte er in Angst und unter Verfolgungswahn.

Jetzt versucht er, sich ein neues Leben aufzubauen und warnt Jugendliche vor der schiefen Bahn. Dafür geht er in die Schulen und Universitäten, um präventiv zu arbeiten. Bei seiner Lesung in der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) traf er dabei auf eine ganz besondere Zuhörerschaft. Hier waren Jugendliche, die selbst schon mal Alkohol oder Drogen konsumiert haben und jetzt auf der Entzugsstation oder in der suchtmedizinischen Rehabilitation behandelt werden. Einige von ihnen haben bereits eine Bewährungsstrafe.

Seine Kurzgeschichten zum Thema Kriminalität und Drogenmissbrauch veröffentlicht er unter dem Pseudonym Maximilian Pollux. Für seinen Lebensweg verantwortlich machen kann er niemanden. Er wurde jedoch angezogen von einer falschen Vorstellung über die Gegenkultur, die er zunächst als verlockend empfunden hatte. Diese Illusion möchte er jungen Menschen nehmen, damit sie nicht mit falschen Vorstellungen ihr Leben leichtsinnig wegwerfen. Dabei ist seine kriminelle Vergangenheit im Gespräch mit den Jugendlichen sein Vorteil: Er weiß, wovon er spricht. Die Jugendlichen hören ihm zu - er ist authentisch und räumt gehörig auf mit den Idealvorstellungen, die einem Drogenboss und Kriminellem zugeschrieben werden.

Sein nächstes Buchprojekt ist in Arbeit und erscheint voraussichtlich Ende des Jahres. Das Schreiben hilft ihm, die Vergangenheit zu verarbeiten und mit den vielen Nebenwirkungen wie Depressionen, Schlaflosigkeit und posttraumatischen Belastungsstörungen fertig zu werden.


Ausführliche Bildzeile:
Der Autor Maximilian Pollux (3. v.l.) berichtet in Form einer Kurzgeschichte im Buch "Zappenduster - Wahres aus der Unterwelt" über seine kriminelle Vergangenheit. Auf Einladung des Teams der LWL-Universitätsklinik Hamm sprach er mit Jugendlichen über seine Zeit im Gefängnis und Kriminalität. Im Bild v.l. Roland Heiselmeier, Martin Naumann, Maximilian Pollux, Katharina Kleps (Mitarbeiter der Station B1), Dipl.-Psychologe Dogan Kaya-Heinlein und Bereichsleitender Oberarzt Dr. Moritz Noack.
Foto: LWL



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Klaudia Suilmann, LWL-Universitätsklinik Hamm, Telefon: 02381 893-5018, klaudia.suilmann@lwl.org
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59071 Hamm
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Kommentar(e)

Martin Naumann04.08.2018 14:43
Der Nachmittag mit Maximilian Pollux bot den Zuhörern einen intensiven Einblick in eine Lebensgeschichte, die geprägt ist von all dem, was den Jugendlichen in den Stereotypen des Gangster Rap begegnet. Sie konnten erfahren,welche Konsequenzen die Sehnsucht nach Macht und dem schnellen Geld mit sich bringen. Maximilian Pollux schilderte eindrucksvoll, welchen Preis er für sein kriminelles Leben und den vermeintlichen Erfolg zahlen mußte. Er spricht offen über bleibende psychische Schäden und verpasste Lebenschancen. Sein lebendiger Vortrag und die konsequente Kontaktaufnahme mit seinem Publikum boten viel Möglichkeiten für Erfahrungsaustausch und Diskussion. Insgesamt ein mitreißender und kurzweiliger Nachmittag, der sicherlich ein größeres Publikum verdient hätte und auch für andere Patienten der LWL-Klinik interessant gewesen wäre, deren Aufenthaltshintergrund sich nicht im Kontext "Drogenabhängigkeit" bewegt. Unbedingt wiederholen!!! zumal Pollux auch Workshops für Jugendliche anbietet.


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