LWL-Newsroom

Mitteilung vom 12.07.18

Presse-Infos | Kultur

Der LWL verleiht seinen Karl-Zuhorn-Preis an Dr. Stephanie Menic für ihre Arbeiten zur Eisenproduktion im Siegerland vor über 2000 Jahren

Bewertung:

Münster (lwl). Dr. Stephanie Menic hat am Donnerstag (12.7.) aus den Händen von LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger den Karl-Zuhorn-Preis für westfälische Landesforschung entgegengenommen. Die Nachwuchswissenschaftlerin aus Herten (Kreis Recklinghausen), die heute in Dorsten (Kreis Recklinghausen) lebt und am Deutschen Bergbaumuseum Bochum arbeitet, erhält den alle drei Jahre verliehenen Preis für ihre Arbeiten zur Eisenproduktion im Siegerland vor über 2.000 Jahren. Seinen mit 5.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis verleiht der LWL seit 1979 alle drei Jahre.

"Stephanie Menic zeigt vorbildlich, wie eine respektvolle Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Heimatforschern bestmöglich funktionieren kann: Sie integriert private Forschungsinitiativen in ihre Projekte, bündelt damit enormes Wissen und verankert gleichzeitig ihre eigene Forschung im öffentlichen Bewusstsein", sagte Rüschoff-Parzinger in Münster.
"Sie ist eine sehr strukturiert arbeitende und engagierte Wissenschaftlerin, die sich voll und ganz einem einmal ins Auge gefassten Projekt widmet. Sie hat die Fähigkeit, große Fundkomplexe oder Altgrabungen mit teils schwer zu verstehender Dokumentation in kurzer Zeit zu bearbeiten. Ihre Dissertation lieferte grundlegende, wichtige Erkenntnisse zur Eisenzeitarchäologie in Westfalen sowie für das frühe Hüttenwesen Mitteleuropas. Durch diese Arbeit ist das Siegerland als größte urgeschichtliche Eisenproduktionsregion in Mitteleuropa jetzt auch die am besten erforschte", so die LWL-Kulturdezernentin weiter.

"Menic war während ihrer gesamten Studien- und Examenszeit dem Thema Eisenwirtschaft im Siegerland während der Vorrömischen Eisenzeit eng verbunden und hat sich wie keine Zweite eine große Kenntnis darüber angeeignet. In Fragen der Eisenverhüttung vor über 2000 Jahren macht ihr keiner etwas vor", sagte Dr. Johann-Sebastian Kühlborn, stellvertretender Vorsitzender der Altertumskommission für Westfalen, in seiner Laudatio. "Nach über 100 Jahren archäologischer Forschung zur eisenzeitlichen Montanlandschaft Siegerland stellt die Dissertation von Dr. Stephanie Menic nun erstmals die gesamte Produktionskette vom Erz zum Eisen für diese bedeutende Montanregion dar. Erstmals gelang so auch eine Schätzung der immensen Stahlproduktion und der Nachweis der Gliederung des Wirtschaftsraums in Hütten- und Schmiedeteilregionen sowie der Nachweis von Töpfereitätigkeiten im Umfeld der Betriebe der Eisenverarbeitung", so Kühlborn weiter. Beispielsweise sei Menic in einer kombinierten Analyse von Verhüttungsschlacken und der Auswertung zahlreicher Ofenbefunde zu dem Ergebnis gekommen, dass pro Verhüttung über 100 Kilogramm Schmiedeeisen produziert werden konnten - eine Menge, die erst 2.300 Jahre später übertroffen werden sollte.

Nach der Preisübergabe gab die Preisträgerin in dem Vortrag "Die eisenzeitliche Montanlandschaft Siegerland" einen Einblick in ihre Arbeit.

Zur Person:
Stephanie Menic, die 1981 in Herten geboren wurde, studierte nach abgeschlossener Ausbildung zur Bauzeichnerin Archäologische Wissenschaften und Kunstgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. 2015 promovierte sie mit der Arbeit "Latènezeitliche Eisenproduktion im Siegerland" [Latènezeit ist der Zeitraum von etwa 450 v. Chr. bis zur Zeit um Christi Geburt].
Während der Promotion war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt "Latènezeitliche Eisenwirtschaft im Siegerland: Interdisziplinäre Forschungen zur Wirtschaftsarchäologie" an der Ruhr-Universität Bochum tätig. Seit 2015 arbeitet Menic als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Bergbau-Museum in Bochum im Forschungsbereich Montanarchäologie. Schwerpunktmäßig erforscht sie dort seitdem das Berg- und Hüttenwesen aus römischer Zeit und den hochmittelalterlichen Bergbau. Die Arbeit von Menic war auch eine wichtige Basis für ein großes archäologisches Verhüttungsexperiment zur Siegerländer Stahlerzeugung im LWL-Freilichtmuseum Hagen, das 2017 Aufmerksamkeit erregte und in diesem Jahr fortgeführt wird.

Hintergrund
Der Wissenschaftspreis des LWL ist nach Karl Zuhorn benannt. Der 1887 in Kamen (Kreis Unna) geborene spätere Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor von Münster war ab 1922 für fast zehn Jahre Landesrat für Kulturpflege beim damaligen Provinzialverband der preußischen Provinz Westfalen, dem Vorgänger des LWL. Hier entwickelte er eine neue Konzeption für die Kulturarbeit. Ziel war es, den Kulturraum Westfalen wissenschaftlich zu erforschen und die Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese sogenannte Landschaftliche Kulturpflege ist bis heute eine tragende Säule des LWL. Das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und die sechs wissenschaftlichen Kommissionen für Landeskunde beim LWL repräsentieren diesen regionalen Forschungsschwerpunkt.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Der LWL auf Facebook:
http://www.facebook.com/LWL2.0






Ihr Kommentar




zur Druckansicht dieser Seite

zu den aktuellen Presse-Infos