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Mitteilung vom 07.06.18

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Öffentlicher Vortrag im LWL-Museum für Archäologie in Herne

Chemische Kriminaltechnik in der Archäologie

Bewertung:

Herne (lwl). Echt oder falsch? Diese Frage stellt sich in der Archäologie und Kunstgeschichte häufig. Doch mit welchen Methoden kann man einer Fälschung auf die Spur kommen? Für Funde aus Metall gibt es wissenschaftliche Analysen, die Aufschluss über die Wahrheit geben können. Ein Experte für diese Verfahren ist der Archäologe Prof. Dr. Ernst Pernicka. Am Donnerstag (07.06.) berichtet er um 19 Uhr in einem Vortrag im Museum für Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Herne über aktuelle Streitfälle der Wissenschaft.

Immer wieder finden Archäologen bedeutende Kunstwerke, deren Echtheit zweifelhaft ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Himmelsscheibe von Nebra, die 1999 von Raubgräbern gefunden wurde. Archäologen gehen davon aus, dass sie vor ca. 3.600 Jahren gefertigt wurde. Hochentwickelte Analysemethoden aus den Naturwissenschaften haben dazu beigetragen, die Echtheit zu bestätigen und damit den Fälschungsverdacht zu entkräften. Häufig geht es sich bei einer solchen kriminalistischen Spurensuche an "verdächtigen" Metallobjekten nicht nur um Hauptbestandteile wie beispielsweise Gold, Kupfer und Silber, sondern auch die genaue Zusammensetzung, die als typischer Fingerabdruck dienen kann. Am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie kommt außerdem eine Methode zum Einsatz, mit der man feststellen kann, ob ein Metall älter oder jünger als ca. 100 Jahre ist. Damit und zusammen mit mehreren anderen Methoden konnte der Verdacht einer Fälschung bei der Himmelsscheibe von Nebra widerlegt werden.

Anders verhält es sich mit dem Fund von Bernstorf, Oberbayern, wo im Jahr 1998 nahe einer bronzezeitlichen Befestigung Goldschmuck und Bernsteinartefakte gefunden wurden. Diese Aufsehen erregenden Funde, die eine direkte Verbindung von Bayern mit Mykene im späten 2. Jahrtausend v. Chr. belegen würden, sind in der Wissenschaft höchst umstritten und werden von Ernst Pernicka als eindeutige Fälschungen beschrieben. Zusätzlich geriet dabei auch das wichtigste Vergleichsobjekt, die Goldscheibe von Moordorf aus Niedersachsen, in den Verdacht, eine Fälschung zu sein.

Prof. Dr. Ernst Pernicka ist wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH in Mannheim und bekleidet eine Stiftungsprofessur für Archäometrie der Klaus-Tschira-Stiftung am Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg. Seit über 40 Jahren befasst er sich mit der Archäometrie und insbesondere der Archäometallurgie.

Die Veranstaltung ist Teil der Vortragsreihe des Fördervereins LWL-Museum für Archäologie e. V. zu aktuellen Sonderausstellungen, archäologischen Themen, zur Geschichte der Region Westfalen und zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen rund um die Archäologie. Der Eintritt zum Vortrag ist kostenlos.

Termin:
Donnerstag, 7. Juni, 19 bis 20 Uhr: "Chemische Kriminaltechnik in der Archäologie"
Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. Ernst Pernicka, Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie und Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg

Mehr Infos: http://www.lwl-landesmuseum-herne.de
LWL-Museum für Archäologie
Europaplatz 1
44623 Herne
Tel. 02323 94628-0



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Jens Schubert, LWL-Archäologie für Westfalen, Tel.: 0251 591-8901
presse@lwl.org



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