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Mitteilung vom 27.10.17

Foto zur MitteilungDer LWL im Halloween-Fieber.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungSeit 25 Jahren beobachten die LWL-Volkskundler den Halloween-Brauch wie hier in Ibbenbüren (Kreis Steinfurt).
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Presse-Infos | Kultur

Volkskundliche Kommission für Westfalen beim LWL beobachtet Halloween seit 25 Jahren

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Westfalen (lwl). Wenn Graf Dracula in Bielefeld-Jöllenbeck um die Ecken schleicht und sieben Geister sich in Dortmund-Hörde kichernd in einen Hauseingang drücken, ist es wieder einmal soweit: Das Halloween-Fest hat begonnen und Menschen mit schwachen Nerven sollten lieber zu Hause bleiben.

"Anfang der 1990er Jahre war Halloween in Deutschland fast nur in der Studentenszene bekannt. Mit gruseligen Kostümen bekleidet feierte man in vielen Universitätsstädten Halloween-Partys", so Christiane Cantauw vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). "Für uns ist es besonders spannend zu beobachten, wie sich ein neuer Brauch ausbreitet und wie er sich entwickelt. Und egal wie man dazu steht: Dazu gehört in der heutigen Zeit auch die Kommerzialisierung", so die Volkskundlerin weiter. Der in den USA weit verbreitete Brauch, dass Kinder in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November, der Halloween-Nacht, von Tür zu Tür gehen und mit dem Spruch "trick or treat" Süßigkeiten einfordern, hat sich in Westfalen vor etwa 20 Jahren eingebürgert. "Hier heißt es 'Süßes, sonst gibt's Saures' und wenn sich jemand weigert, etwas zu geben, muss er mit Streichen rechnen", warnt Cantauw.

Nicht nur die Kinder haben den neuen Brauch für sich entdeckt: In den Vorgärten und Häusern finden sich neue Dekorationen: Angefangen von Lichterketten in Geisterform bis hin zu Fledermäusen als Fensterbilder sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Und auch in den Vergnügungsparks und Party-Locations macht man sich den Spass-Faktor des Festes zunutze.
Ein geläufiges Symbol des Halloween-Festes, das auch in der festtypischen Dekoration immer wieder auftaucht, ist der ausgehöhlte und von innen beleuchtete Kürbis, im angelsächsischen Sprachraum 'jack-o-lantern' genannt. "Dieses mit dem Halloween-Fest scheinbar untrennbar verbundene Symbol war anfangs ein Ersatz für die Laternen aus Rüben, die es in Amerika nicht gab. Die irischen Einwanderer stellten in Übersee bald fest, dass sich die ihnen bis dahin nicht bekannten Kürbisse noch weitaus besser zur Anfertigung von Laternen eigneten als die harten Rüben", erklärt Cantauw.

Rübenlaternen und Erheischen von Gebäck oder Obst waren auch in Westfalen nicht unbekannt: "Früher haben die Kinder in Westfalen aus Rüben Laternen geschnitzt. Diese Laternen waren meist mit Mustern verziert, zum Teil leuchteten die Kerzen aber auch aus ausgeschnittenen Gesichtern oder sogar Fratzen, die denen der Halloween-Kürbisse ähneln. Mit diesen Laternen gingen die Kinder am St. Martinstag von Tür zur Tür und baten um kleine Gaben. Dabei drohten sie allerdings keine Streiche an, sondern es ging in den plattdeutschen Sprüchen um die abgeschlossene Ernte und den anstehenden Jahreszeitenwechsel", vergleicht Cantauw den alten westfälischen Brauch mit Halloween. Im benachbarten Emsland fanden diese Umzüge sogar an Allerheiligen statt. In Bayern wurden die ausgehöhlten Rüben teilweise auch als Grableuchten benutzt. Ein eingeschnittenes Kreuz ließ das Licht dabei weit in die Nacht hinein leuchten.

Das Halloween-Fest hat heute eine nicht zu übersehende kommerzielle Komponente, dazu gehören Filmproduktionen, Dekorationsartikel, öffentliche Partys, besondere Angebote von Freizeitparks oder spezielle Angebote von Süßwarenherstellern. Da Halloween nicht auf eine bestimmte Region beschränkt ist, sondern sich in ganz Europa ausbreitet, eignet es sich noch mehr als andere Bräuche zur Vermarktung. "Insgesamt entspricht der Halloween-Brauch einem wachsenden Bedürfnis nach öffentlichen Bräuchen mit hohem 'Spaßfaktor', die noch nicht durch ein genau einzuhaltendes Zeremoniell festgelegt sind. Auch die Tatsache, dass das Fest in die ansonsten relativ braucharme Zeit zwischen Spätsommer und Advent fällt, hat sicherlich zu seiner guten Aufnahme auch in Westfalen beigetragen", so Cantauw.

Hintergrund:
Der Halloween-Brauch geht auf das alte irisch-keltische Fest "Samuin"" zurück, in dessen Mittelpunkt die Kommunikation der Lebenden mit der Anderwelt stand. Im Frühmittelalter wurde an diesem Tag das Fest "Allerheiligen" eingeführt, das dem Halloween-Fest auch seinen Namen gab: An "All Hallows Eve" oder "All Hallows Evening", also dem Vorabend des Allerheiligenfestes, gedachte man der Verstorbenen. Die irischen Einwanderer führten den Brauch im 19. Jahrhundert in den USA ein. Statt aus Rüben wurden die Geisterfratzen dort bald aus Kürbissen geschnitzt, auch die so genannten Heischegänge der Kinder mit ihrem Ruf "trick or treat" (Geschenk, sonst gibt es einen Streich) nahmen hier ihren Anfang.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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