LWL-Newsroom

Mitteilung vom 19.05.17

Presse-Infos | Kultur

Achtung Redaktionen: Freigabe ab Sonntag, 21.05.2016, 13:00 Uhr

Grußwort Herrn Dieter Gebhard anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "LÄUFT WIEDER! Besuch in einer Kfz-Werkstatt der 1960er Jahre"

Bewertung:

Grußwort des Vorsitzenden der LWL-Landschaftsversammlung, Herrn Dieter Gebhard,
anlässlich der Eröffnung der Ausstellung
"LÄUFT WIEDER! Besuch in einer Kfz-Werkstatt der 1960er Jahre",
am Sonntag, den 21. Mai 2017, um 13.00 Uhr,
im LWL-Freilichtmuseum Hagen (Ausstellungsgebäude Haus Sümmern).


- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Frau Dr. Maubauch, sehr geehrter Herr Dr. Beckmann,
liebe Freundinnen und Freunde des LWL-Freilichtmuseums Hagen, liebe an der Geschichte des Kfz-Handwerks Interessierte,
sehr geehrte Damen und Herren,


(Ggf.: Insbesondere freue ich mich, auch die anwesenden Kolleginnen und Kollegen der Landschaftsversammlung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sowie die Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Hagen begrüßen zu können.)
[Da der Einladung zur Ausstellungseröffnung keine Rückmeldekarte beilag, wird Herrn Gebhard kurzfristig eine Liste der ggf. besonders zu begrüßenden Personen überreicht.]

im Namen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe begrüße ich Sie in unserem Westfälischen Landesmuseum für Handwerk und Technik, dem Freilichtmuseum Hagen: Herzlich willkommen.

Gemeinsam eröffnen wir die Sonderausstellung mit der gern gehörten Antwort eines bangen Werkstattkunden im Titel :
"LÄUFT WIEDER!"


Das LWL-Freilichtmuseum Hagen ermöglicht in dieser Ausstellung einen Besuch in einer Autowerkstatt der 1960er-Jahre. Es wirft damit einen Blick zurück in die Geschichte eines stark technisch orientierten Handwerks, das wohl jedem Autobesitzer und jedem Fahrer aus eigener Erfahrung bekannt sein wird. Denn die Reparatur ist ein normaler Bestandteil des Lebenszyklus jedes technischen Artefakts, und damit selbstverständlich auch des Autos.

In seinem Roman "Die Werkstatt" schildert der österreichische Schriftsteller Walter Kappacher, der nach seiner Schulzeit in den späten 1950er Jahren eine Lehre zum Mechaniker in einer Motorrad- und Autowerkstatt in Salzburg absolvierte, seine seinerzeitigen Erlebnisse und Eindrücke. Atmosphärisch dicht beschreibt er den Holzboden, der "dick mit einer Schicht von Öl, Sägespänen, Petroleum und Dreck überzogen" war, verdreckte Scheiben und das Halbdunkel der Werkstatt, den öl- und benzingeschwängerten Geruch, darüber hinaus unterschiedliche Geräte und Werkzeuge, Werkbänke und Wandtafeln für Spezialwerkzeuge.

Mit einer derartigen historischen Werkstatt, mit Ölflecken und Arbeitsspuren, die Ältere unter uns möglicherweise noch aus eigener Anschauung kennen, kann das LWL-Freilichtmuseum Hagen nicht dienen.
- Noch nicht! -
Sie ist eines der Projekte des Museumsentwicklungsplans "2020 - Museum neu denken".
Die historische Werkstatt würde das Angebot des Museums sehr sinnvoll ergänzen, zumal sich unter den annähernd 60 historischen Betrieben und Werkstätten im Museumsgelände mit der Stellmacherei und zahlreichen spezialisierten Schmieden bereits Vorgängergewerbe des Kfz-Gewerbes befinden:
Aus den Stellmachereien bzw. Wagnereien entwickelte sich der Karosseriebau, aus den Schmieden der eigentliche Kfz-Mechaniker und mit zunehmender Elektrifizierung und Digitalisierung der heutige Mechatroniker.

Die heutige Sonderausstellung dient quasi der Vorbereitung zur dauerhaften Einrichtung einer historischen Kfz-Werkstatt.
Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung wird allerdings die Suche nach einer "alten" Kfz-Werkstatt sein, die den technischen Stand beispielsweise der 1950-er oder 1960-er Jahre aufweist.


Abgesehen von einigen "Schrauberwerkstätten" mussten die Betriebe schon aus wirtschaftlichen Gründen immer auf einem technisch weitgehend aktuellen Stand sein. Daher wurden nicht mehr benötigte Werkzeuge, Maschinen und andere Ausstattungsgegenstände zumeist entsorgt - für uns heute aus historischer Perspektive eine äußerst bedauerliche Tatsache.

Für "LÄUFT WIEDER!" wurde keine der Motoröl-Romantik verpflichtete Werkstatt künstlich inszeniert. Die Ausstellung zeigt unterschiedliche Aspekte des Themas analytisch auf und fügt diese dann zu einem Gesamtbild zusammen, um so interessante Hintergrundinformationen und Aussagen zum Kfz-Handwerk und zur Autoreparatur zu präsentieren. Die Besucherinnen und Besucher bewegen sich in der Ausstellung wie in einer Kfz-Werkstatt: Kundendienst und Werkstatt, aber beispielsweise auch der Sozialraum der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mit Objekten und persönlichen Geschichten präsentiert. Dabei steht der Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Fahrzeugtechnik und dem Beruf mit seinen Arbeitsgebieten im Vordergrund.

Als Zeitschnitt der Ausstellung wurden die 1960er-Jahre gewählt. In diesem Jahrzehnt erlebte das Kfz-Handwerk in der Bundesrepublik Deutschland und damit auch in Westfalen-Lippe einen ersten großen Aufschwung. Die Motorisierung schritt voran, die Zahl der auch privat genutzten Autos stieg rasant an, Stadt und Land wurden durch das Auto erobert. Das Motorrad, durchaus wichtiges individuelles Beförderungsmittel der unmittelbaren Nachkriegsjahre, wurde durch das Auto verdrängt, das zugleich zu einem der Statussymbole des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde. Mit der zunehmenden Zahl der Autos stieg dementsprechend der Bedarf an entsprechenden Werkstätten für Pflege, Wartung und insbesondere für Reparatur.

Bereits Mitte der 1970er-Jahre deuteten sich neue Entwicklungen an, die das Berufsfeld des Kfz-Mechanikers nachhaltig änderten. Die Elektronik hielt vermehrt Einzug in die Fahrzeuge und damit in die Kfz-Werkstätten. Die Entwicklung von der Mechanik zur heute dominierenden Elektronik bei der Autowartung und -reparatur wurde in diesen Jahren eingeleitet. Das Kfz-Handwerk erlebte so in kurzer Zeit gravierende Veränderungen, auf die in der Ausstellung vielfältig eingegangen wird.

Wie sehr sich das Feld der Kfz-Reparatur geändert hat, welche Bedeutung Spezialwerkzeuge heutzutage haben, können Autofahrende aus eigenem Erleben belegen.

Ein prominentes Beispiel:
Noch 1990 konnte sich der jetzige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an eigene Reparaturerfahrungen erinnern: "Meine beiden ersten Autos waren Enten, beide hellblau. Das Wunderbare war:
Sogar mit meinem technischen Verstand konnte ich fast alles reparieren, was kaputtging. Der Nachteil: Ich brauchte diese Kenntnisse jedes Wochenende."


Mein erstes Auto war ein Ford Taunus 12m - Baujahr 1960 - Farbe beige- mit einer 3-Gang-Lenkradschaltung. Den hat mir mein Vater mit den Worten geschenkt, es sei ihm zu teuer, mir immer wieder das vollgetankte Auto zu leihen, um es leergefahren vorzufinden, wenn er es mal dringend brauchte.

"Jetzt helfe ich mir selbst!" war übrigens der Titel einer sehr populären Buchreihe für nahezu alle damals gängigen Autohersteller und Fahrzeugtypen, die idiotensicher Anleitungen zur KFZ-Wartung und zu Kfz-Reparaturen beschrieb, die bei den in die Jahre gekommenen Schätzchen natürlich regelmäßig anfielen. Da ging es uns nicht anders als Herrn Steinmeier damals.
Mein Meisterstück war die Auswechslung einer defekten Kardanwelle, von der mein Vater schon sagte, das Klacken sei nicht so schlimm, "das geht noch ein paar Jährchen". Was natürlich - bestärkt durch mein "Fachbuch" - meinen Ehrgeiz weckte. Das Ersatzteil holte ich - wie vieles im Lauf der Jahre - vom Schrottplatz. Es hat letztlich funktioniert - wie gesagt - Meisterstück! - obwohl ich angesichts der notwendigen Menge an Rostlösungsmitteln ernsthaft ins Grübeln kam, ob das eine so gute Idee war. Der Ehrgeiz, mit meinem Vater eine Spritztour ohne das
erwähnte "Klacken" zu unternehmen, hat mich durchhalten lassen. Damals ging das - die Zeiten sind aber längst vorbei.

Mitte der 1970-er Jahre, bei meinem ersten, dann selbst gekauften Auto, war eine von den vier Zündkerzen unzugänglich und nur mit einem Spezialschlüssel auswechselbar. Der Versuch, den Spezialschlüssel in einer Fachwerkstatt zu kaufen, scheiterte kläglich.
"Dann bräuchten Sie uns ja nicht mehr ..." - Und ich hatte verstanden, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert.

Selbstständiges Reparieren ist heutzutage erst recht weitestgehend unmöglich geworden. Selbst für engagierte Autobastler ist die Hilfe eines hochprofessionellen Kfz-Mechatronikers inzwischen oft unumgänglich und selbst der Fachmann findet den Fehler häufig nur nach dem Datencheck am Computer. Die Reparatur geschieht durch das Auswechseln eines Moduls, in manchen Fällen auch nur durch das Aufspielen neuer Software auf den Bordcomputer.

Und doch:
Das Kfz-Handwerk übt seit Jahrzehnten - insbesondere für männliche Jugendliche - eine große Faszination aus und steht im Ranking der beliebtesten Ausbildungsberufe seit Jahren an erster Stelle.
Der Beruf des Kfz-Mechatronikers ist angesichts weniger Kfz- Mechatronikerinnen eine ausgesprochene "Männerdomäne".

Dieser männlichen Dominanz ungeachtet richtet sich die Ausstellung
"LÄUFT WIEDER!" selbstverständlich gleichermaßen an Besucher wie an Besucherinnen. In der Präsentation selbst finden sich mehrere Mitmachstationen, wie sie in den Ausstellungen des LWL- Freilichtmuseums Hagen mittlerweile Usus sind. Hinzu kommt ein vielfältiges Begleitprogramm mit Sonderaktionen und Workshops "Aktiv und kreativ rund um das Auto". Es wird abgerundet durch mehrere Oldtimerpräsentationen und Club-Treffen im weiten Mäckingerbachtal.

Mein Dank gilt allen, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben - neben den zahlreichen Leihgebern insbesondere dem gesamten Ausstellungsteam des LWL-Freilichtmuseums Hagen um Frau Dr. Lisa Maubach.
Unterstützung erhielt sie durch die wissenschaftliche Volontärin Frau Fenja Reuter und das technische Team um Herrn Dipl.-Ing. Dennis Walter.
Frau Dr. Anke Hufschmidt hat die Entwicklung der Ausstellung mit Rat und Tat begleitet und die Redaktion der Begleitpublikation übernommen. Frau Simona Pachulski entwickelte das museumspädagogische Begleitprogramm. Auch den Autorinnen und Autoren der Begleitpublikation gilt mein und unser aller Dank.

Ich wünsche der Ausstellung und der Begleitpublikation viel Erfolg und Ihnen, meine Damen und Herren, viel Freude beim anschließenden Ausstellungsrundgang. Gewinnen Sie interessante und unterhaltsame Eindrücke aus dem weiten Feld der Handwerks- und Technikgeschichte in unserem LWL-Freilichtmuseum Hagen.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und schließe mit einem herzlichen Glückauf!



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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