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Mitteilung vom 19.04.17

Foto zur MitteilungAm Museumszaun vor dem Hochofen bilden 100 lebensgroße Bilder eine fotografischen Menschenkette.
Foto: LWL / Harms


Foto zur MitteilungMuseumsdirektor Dirk Zache, Helmut Helling und Udo Böhm vom Förderverein, die Fotografin Astrid Kirschey und Museumsleiter Robert Laube (v.l.) präsentierten die Installation.
Foto: LWL / Harms


Foto zur MitteilungDie Menschenkette um die Henrichshütte am 23. April 1987.
Foto: LWL / Vollmer


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Presse-Infos | Kultur

"100 Hüttenleben" und eine Menschenkette

Installation im LWL-Industriemuseum Henrichshütte wird eröffnet

Bewertung:

Hattingen (lwl). Am 23. April 1987 wehrte sich Hattingen mit einer Menschenkette gegen die Stilllegung der Henrichshütte. Auf den Tag genau 30 Jahre später, am Sonntag (23.4.) um 11 Uhr, weiht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Text-Bild-Collage "100 Hüttenleben" ein. Die Solinger Fotografin Astrid Kirschey und der Förderverein des LWL-Industriemuseums Henrichshütte haben gemeinsam auf diesen Tag hingearbeitet. Jetzt ist es soweit: Die Menschenkette ist wieder da - als Installation aus lebensgroßen Portraits und lebensgeschichtlichen Zitaten.

Museumsleiter Robert Laube freut sich: "Die fotografische Okkupation von Hochofen 3 durch 100 Hüttenleute macht deutlich, wer im Zentrum unserer Arbeit steht: Die Menschen." Bilder, niedergeschriebene Erinnerungen sowie ein Zusammenschnitt der Interviews erscheinen parallel als Buch samt DVD. "Das ist ein Schatz, dessen Wert mit den Jahren steigen wird", bedankt sich Dirk Zache, Direktor des LWL-Industriemuseums, beim Förderverein. "Eine in Art und Umfang selten erreichte Qualität ehrenamtlichen Engagements."


Die Geschichte
12.50 Uhr. Betriebsratsvorsitzender Rolf Bäcker lässt eine Sirene ertönen. Die Menschenkette der 5000 um die Henrichshütte ist geschlossen. Es ist der 23. April 1987. Trotz dieser spektakulären Aktion ging der Hüttenkampf verloren. Am 18.12.1987 wurden die Hochöfen der Hütte ausgeblasen. Walzwerk, Stahlwerk, Schmiede   bis 2004 wurde ein Feuerbetrieb der Henrichshütte nach dem anderen stillgelegt. Allerdings haben die Menschen für ihre Stadt einen strukturellen Neubeginn erstritten. Auf dem Hüttengelände arbeiten heute wieder 2.000 Menschen in etwa 90 Betrieben. Hattingen ist keine Geisterstadt wie seinerzeit befürchtet, sondern die "Altstadt des Ruhrgebiets", wie sie sich heute nennt. Die Arbeitslosigkeit hat sich nicht verdreifacht, sondern liegt bei einem Drittel des Standes von 1987.

Und die Menschen von 1987? Manche von ihnen sind inzwischen verstorben wie Rolf Bäcker, Bürgermeister Wüllner, Pfarrer Sombrowsky, Metzger Brune, Gewerkschafter Michels und viele andere. Für jene, die heute das neue Hattingen genießen können, war 1987 eher Abbruch als Aufbruch - das Ende der beruflichen Laufbahn, der Abriss von Orten jahrzehnterlanger Arbeit, das Herausreißen aus dem Kollegenkreis.

Das Projekt
Die Menschen wieder zueinander zu bringen, ist das Anliegen des LWL-Industriemuseums Henrichshütte. Helmut Helling und Udo Böhm vom Förderverein des Museums bieten seit Jahren "Hüttenwerker-Treffen" an, anfangs in kleiner Runde, heute regelmäßig für über 100 Ehemalige der Henrichshütte. Eines dieser Treffen inspirierte Astrid Kirschey, Fotogaleristin und Portraitistin aus Solingen, um Menschen und Maschinen wieder zusammen zu bringen. "Hier fehlen die Menschen", erläuterte Frau Kirschey dem Förderverein nach einem Rundgang über das Museumsgelände 2013. Förderverein und Museum nahmen diese Initiative auf und erweiterten die Bild-Idee um ein Projekt lebensgeschichtlicher Interviews. Ein Fragenkatalog wurde erarbeitet und in den Jahren 2015 und 2016 konnten über 100 ehemalige Beschäftigte der Henrichshütte in Ton, Film und Bild ihrer Hütte wieder Gesicht und Stimme geben.

Die Eröffnung
Anlässlich der Einweihung des Projektes "100 Hüttenleben. Arbeiterportraits von Astrid Kirschey" begrüßt Michael Pavlicic, stellv. Vorsitzender der Landschaftsversammlung, die Gäste im LWL-Industriemuseum. Dirk Glaser überbringt die Grüße der Stadt. Der Vorsitzende des Fördervereins Udo Böhm führt in das Projekt ein. Musikalisch begleitet das DUO TAKTLOS das Ereignis mit Hits aus den 1980er Jahren. Gegen 13 Uhr gibt es ein Wiedersehen mit Hattingen 1987. Auf der Leinwand in der Gebläsehalle ist dann Petra Lidschreibers WDR-Film "Hattingen - Eine Stadt will leben" zu sehen. Der Eintritt zur Eröffnung ist frei.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Werksstr. 31-33
45527 Hattingen
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Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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