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Mitteilung vom 05.04.16

Foto zur MitteilungDas LWL-Museum startet ein neues Ausstellungsformat des Archivs der Skulptur Projekte.
Foto: LWL/Neander


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Presse-Infos | Kultur

Aus den Archiven der Skulptur Projekte

LWL-Museum startet serielles Ausstellungsformat

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Münster (lwl). Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster präsentiert ein Jahr lang (bis 23.4.2017) die Dokumentation "Autonom und profan. Skulptur Projekte im Territorium der Kirche" als ein neues Ausstellungsformat des Archivs der Skulptur Projekte Münster.

In dem neuen Ausstellungsfomat, das als Reihe fortgesetzt werden soll, werden einzelne künstlerische Positionen unter einem thematischen Leitgedanken detailliert in den Blick genommen. "Diese erste Präsentation legt den Schwerpunkt auf vier Projekte, welche die Kirche oder mit ihr verbundene Symbole und Orte thematisieren", erklärt Dr. Marianne Wagner, Kuratorin für Gegenwartskunst am Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). "Dabei kann die Kirche sowohl architektonischer Hintergrund und Schauplatz als auch direkter Gegenstand einer künstlerischen Auseinandersetzung sein."

Eine der in der Präsentation aufgegriffenen Positionen ist Katharina Fritschs "Madonna" aus dem Jahr 1987. Fritsch platzierte ihre gelbe Replik einer Darstellung der Madonna von Lourdes in Münsters Einkaufsstraße Salzstraße, zwischen einem Kaufhaus und Dominikanerkirche. Die provokante Auswahl des Raumes zwischen Kaufhaus und Kirche thematisiert die Instrumentalisierung des Glaubens für Kommerz und Kitsch. Durch Vandalismus wurde die gelbe Madonna noch vor der Eröffnung der Skulptur Projekte Ausstellung 1987 zerstört und musste durch einen Steinguss ersetzt werden. Doch auch der Steinguss wurde im August desselben Jahres so stark beschädigt, dass die Madonna nicht wieder aufgestellt wurde.
Sowohl der Verlauf der Madonna-Aufstellung als auch ihre Beschädigung werden durch Bildmaterial, Briefe, Aktennotizen und eine Reihe von Zeitungsartikeln dokumentiert. Ferner wird aus dem LWL-Medienzentrum für Westfalen ein vier-minütiger Film gezeigt, der vor allem die Reaktion der Passanten auf die Figur vor Augen führt.

Als weitere Position befasst sich die Präsentation mit Lothar Baumgartens "Das gestürzte Kreuz/ Drei Irrlichter" aus dem Jahr 1987. Ausgangspunkt für Baumgartens Projektvorschläge ist die reformatorische Wiedertäuferzeit. Inspiriert durch den Bildersturm im Jahre 1534 erarbeitete er den Vorschlag "Das gestürzte Kreuz" für die Überwasserkirche in Münster. Der Vorschlag eines sich durch dunkle Dachziegel abhebenden, abstrakten Kreuzes auf der Dachfläche wurde von der Kirche abgelehnt.
Baumgartens zweiter Projektvorschlag hingegen wurde umgesetzt. Unter dem Titel "Drei Irrlichter" installierte er drei Glühbirnen in den bis heute an der Lamberti-Kirche angebrachten Käfigen. Die Käfige dienten einst dazu, die Leichname der drei Anführer der Wiedertäufer als Zeichen der Ächtung zur Schau zu stellen.
Im Rahmen der Präsentation "Autonom und profan. Skulptur Projekte im Territorium der Kirche" werden Fotografien, Skizzen und Pläne der beiden Projektvorschläge ausgestellt.

Für die Skulptur Projekte 1997 entwickelte AyÅŸe Erkmen insgesamt vier Vorschläge, die allesamt den St.-Paulus-Dom in Münster als Ausgangspunkt hatten. Ihr Hauptinteresse galt dem Westflügel des Domes. Nach Ablehnung ihrer ersten drei Vorschläge, "The Clock", "The Covers" und "The Lights", konnte ihr vierter Vorschlag "Sculptures on Air" umgesetzt werden, da nicht das Dom-Grundstück sondern der Luftraum bespielt wurde. Mit Hilfe eines Hubschraubers traten Skulpturen aus den Beständen des LWL-Museums für Kunst und Kultur dem Dom zu Münster abwechselnd gegenüber. Letztlich musste auch dieses Projekt beendet werden, nachdem ein Hubschrauberflug eine Heilige Messe im Dom gestört hatte.
Zu diesem Projekt werden Entwürfe und Computersimulationen gezeigt, die Erkmens Entwürfe dokumentieren sowie Fotografien des Skulpturenflugs und Briefwechsel über die Projektentwicklung.

Als vierte Position zeigt die Präsentation Isa Genzkens Beitrag "Ohne Titel" für die Skulptur Projekte 2007. Isa Genzken wählte für ihr Projekt den Vorplatz der Überwasserkirche, eine der ältesten Kirchen Münsters. Entlang der Südfassade installierte sie eine Reihe von Objekten, die auf den ersten Blick an Kinderfreizeit und Ferienidyll erinnerten. Doch das, was wie zufällig arrangiert aussah, erwies sich als Metapher für das Elend dieser Welt. Die vereinzelt positionierten Puppen auf Kinderstühlen unter Sonnenschirmen fokussierten Missstände: Sie verwiesen mitunter auf Wohlstandsverwahrlosung und die heutige Konsumgesellschaft. Damit appellierten sie auch an die soziale Verantwortung. Darüber hinaus erweist sich Genzkens Thematisierung von Macht- und Einflussverhältnissen zwischen Kirche, Staat und Justiz, verbunden mit der Frage nach dem Asylrecht, gerade im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik als hoch aktuell.
Dokumentiert ist das Projekt mit fotografischem Material, darunter Aufnahmen aus dem Atelier Isa Genzkens, sowie kurzen Begleitnotizen der Künstlerin. Auszüge aus einem Interview mit dem Fotografen und Künstler Wolfgang Tillmans geben darüber hinaus Einblick in die Konzeptentwicklung. Eine Auswahl an Archivalien bildet Intention und Aussage des Projektes ab.

Zusätzlich zeigt die Präsentation im ersten Obergeschoss des Lichthofes ein aktuell geführtes Interview mit Thomas Frings, bis April 2016 Pfarrer in Münster. Das Interview verdeutlicht den grundsätzlichen Umgang der Kirche mit Kunst in ihrem Terrain und nimmt ebenso Bezug auf einzelne künstlerische Positionen. "Als neu generiertes Dokument eines lebendig gedachten Archivs ist es gerade deshalb von besonderem Wert, weil es aus erheblicher zeitlicher Distanz eine Neubewertung der gezeigten Projekte vornimmt - aus der Perspektive eines kirchlichen Würdenträgers", so Wagner.
Ergänzend liegen die Katalog aller bisherigen Skulptur-Ausstellungen zum Durchblättern aus. Besucher können sich so über die ausgestellten Projekte hinaus ein Bild der einzelnen Jahrgänge und von ihrem Wandel machen.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Neele Kempa, Telefon 0251 5907-220, presse.museumkunstkultur@lwl.org
presse@lwl.org



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