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Mitteilung vom 01.06.01

Presse-Infos | Der LWL

Alte Pfingstbräuche in Westfalen: Kinder im Brautgewand, geschmückte Pfingstochsen auf ihrem letzte

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Mit sehr unterschiedlichen Bräuchen von einer kindlich nachgespielten Hochzeit über Reigentänze um Pyramiden bis hin zum Metzger-Wettstreit um den schönsten Pfingstochsen beging man in Westfalen früher die Pfingstfeiertage. Dieses Fest wird schon seit dem 3. Jahrhundert gefeiert. Während die katholische Kirche im Pfingstfest vor allem das Ende der 50-tägigen Osterzeit sieht, feiern die Protestanten mehr die Erinnerung an die Herabkunft des heiligen Geistes auf die Apostel und die Jünger. In den Kirchen wurde das Pfingstwunder bis zur Zeit der Aufklärung mit einer hölzernen Taube veranschaulicht, die unter der Kirchendecke schwebte.
In den katholischen Gegenden Westfalens gab es zu Pfingsten große Prozessionen, die meist um die Gemarkungsgrenzen führten. Sie fanden oft am Dienstag als Abschluss der Osterzeit statt. "In Coesfeld war Pfingsten die Zeit der Hauptkirmes und der Besuche. Hier galt Pfingsten als bedeutendes Fest, zu dem die außerhalb lebenden Coesfelder in ihre Heimatstadt kamen, um an der Prozession teilzunehmen die von 7 bis 13 Uhr dauerte. Danach fanden viele Klassentreffen statt", berichtet Christine Gottschalk, Volkskundlerin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

Im Raum Minden-Ravensberg und Lippe traten die Metzger in den Tagen vor Pfingsten zu einem imponierendem Wettstreit an: Sie zogen mit Pfingstochsen, die sie mit Blumen und Girlanden geschmückt hatten, durch die Straßen. Auf diese Weise wollte jeder beweisen, dass er den schönsten und am besten gemästeten Ochsen gekauft hatte. Die Tiere wurden dann am nächsten Tag geschlachtet und als Festbraten verkauft.

Im westlichen Münsterland zwischen Bocholt und Lüdinghausen gaben dagegen die Bräuche der Kinder dem Fest seine besondere Note: Beim Pfingstheischen ahmten die Jungen und Mädchen eine Hochzeit nach. Dabei zog die junge "Hochzeitsgesellschaft" mit Braut und Bräutigam unter einem Blumenbogen durch die Nachbarschaft. Die Kinder sangen Lieder und heischten um süße Gaben. Diesen Brauch gab es auch im Tecklenburger Land und in den Baumbergen. Hier war er allerdings unter dem Namen "Pingstebloom" bekannt.

In der Gegend um Lüdenscheid gab es für das Gesinde das Fest der "Pfingstbraut". Dabei galt es, früh aufzustehen, denn das Milchmädchen, das am Pfingstmorgen als letzte auf die Weide kam, um die Kühe zu melken, wurde "Pinkesbrut" genannt. Den Langschläfern unter Kinder 1960 in den Knechten erging es nicht besser: Sie wurden "Pinkesvoß" oder "Pinkeshammel" gerufen.

Im östlichen Münsterland um Oelde und Harsewinkel gab es den "Pfingstenkranz" oder "Pfingstenstuhl". "Auch dabei standen die Kinder im Mittelpunkt: Sie stellten auf der Straße eine Pyramide auf, die sie mit Laub, Blumen und bunten Bändern schmückten. Am Nachmittag und am Abend vergnügten sie sich mit Reigentänzen rund um diese Pyramide. Dabei sangen sie die gleichen Lieder, die auf der Borkener Maitremse oder beim Lambertusfest in Münster gesungen werden", erklärt Gottschalk einen weiteren westfälischen Pfingstbrauch.



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