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Mitteilung vom 11.01.17

Presse-Infos | Kultur

Stifter und Sammler Wolfgang Henze ist Festredner

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Münster (lwl). Zum Neujahrsempfang der Stadt Münster am Sonntag (15.1.) begrüßt neben dem Oberbürgermeister Markus Lewe der Kunsthändler, Publizist und Ausstellungsmacher Kunsthistoriker Dr. Wolfgang Henze die Gäste. Seine Beziehung zur Stadt Münster und zur Kunst drückt sich in seinem Engagement als Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Kunst³, dem Stifterkreis des LWL-Museums für Kunst und Kultur aus. Das Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) kennt der Kunsthistoriker bereits seit seiner Jugend.


Herr Henze, was reizt Sie an der Arbeit in der Stiftung Kunst³?

Die Arbeit im Stifterkreis wird nie langweilig. Rund 40 Mitglieder - Persönlichkeiten aus Münster und darüber hinaus - prägen das Stiftungsleben mit viel Engagement, eigenen Erfahrungen und vor allem mit großer Liebe für die Kunst. Eine Ausstellung oder ein Projekt zu fördern, wie zum Beispiel "Das nackte Leben" oder die Aufstellung der Außenplastiken von Henry Moore oder unser Beitrag zu "Skulptur Projekte", weckt vorher eine große Diskussion, die auch vom Museum und seinen Mitarbeitern beflügelt und befeuert wird. So treffen die verschiedensten Perspektiven und Ideen aufeinander - von Unternehmern, Wissenschaftlern, Kunstliebhabern, Kuratoren und Marketingexperten. Dieser Austausch ist immer sehr erfrischend und für alle Beteiligten bereichernd.

Was schätzen Sie als "Auslandswestfale" an Münster und dem Museum?

Das damalige Landesmuseum war das erste Museum, in das ich als Kind an der Hand meines Vaters hineinging, also meine erste Begegnung mit der bildenden Kunst. Im Jahre 1959, als ich fünfzehn Jahre alt war, zogen wir nach Rom, was meine Ansprüche an künstlerische Qualitäten sicher nicht verminderte. Dennoch empfand ich die nachfolgenden Wiedersehen mit Münster - u. a. ein Studienversuch dort 1963-64 - als durchaus positive Erlebnisse: Das Engagement in guter Architektur, das in den zerbombten deutschen Städten zu einem weit überdurchschnittlichen Qualitätsniveau führte, das Engagement in Museen und Kunstvereinen, vor allem die Skulptur Projekte, die in das gesamte Stadtbild eingreifen und das bisweilen sogar nachhaltig. Das jetzt LWL-Museum für Kunst und Kultur benannte Museum habe ich immer sehr geschätzt, und der Neubau ist grandios und doch der Kunst dienend. Unsere Freundschaft mit Dr. Hermann Arnhold, dem Direktor des Museums, hat dazu geführt, dass meine Frau und ich die Stiftung Kunst³ 2008 mitbegründet haben.

Nicht nur das so gelungene Wiedererstehen der Stadt Münster aus Ruinen, überhaupt die Vitalität Westfalens schätze ich sehr, z. B. wie der Untergang der in Westfalen doch einmal so wesentlichen Textilindustrie wirtschaftlich überwunden wurde. Und: Obwohl ich selbstverständlich in Rom kulinarisch Italiener wurde, freue ich mich immer wieder auf einen schlichten Grünkohl und einen einfachen Korn.

Sie sprechen im Rathaus des Westfälischen Friedens über das Thema "Münster und Europa - Kunst und Frieden". Was möchten Sie den Gästen im neuen Jahr damit auf den Weg geben?

Nach einem kurzen Bericht darüber, wie ich schon hier im Westfalen der 1950er Jahre und dann besonders in Rom mit keinem geringeren als Altiero Spinelli, dem italienischen Politiker und Vordenker der europäischen Integration, als Mentor zu einem deutschen Europäer wurde, werde ich über den Friedensplan sprechen, der allen Einigungsversuchen Europas seit 1945 zugrundelag, was in heutigen Diskussionen und Verhandlungen oft sträflich vergessen wird. Berichten werde ich von der Ächtung des Krieges im Denken des Menschen spätestens seit 1880 und wie diese die bildende Kunst befördert und dokumentiert, auch in unserem Museum. Im Hinblick auf die von mehreren Münsteraner Instituten und insbesondere unserem LWL-Museum für 2018 vorbereitete Ausstellung "Frieden. Von der Antike bis heute" werde ich Münster aufrufen, als Stadt, in der schon 1648 ein erster Versuch zu einer europäischen Friedensordnung versucht wurde, immer wieder an die neue Europäische Friedensordnung zu erinnern, die uns seit 1945 praktisch ununterbrochenen Frieden gebracht hat - nach zahllosen Kriegen in vielen davor liegenden Jahrhunderten. Münster ist für eine solche Aufgabe prädestiniert.


Neben dem Engagement Henzes im Stifterkreis des Museums verbindet den seit 1993 in der Schweiz lebenden Galeristen die eigene Geschichte eng mit Münster und dem Münsterland: Schul- und Studienjahre in Greven und Münster in den 1950er und -60er Jahren haben ihn geprägt. Die Sammlung der Klassischen Moderne im LWL-Museum für Kunst und Kultur hat Henze seither immer wieder nach Münster gezogen. Henze betreibt in Wichtrach bei Bern gemeinsam mit seiner Frau Ingeborg Henze-Ketterer die Galerie Henze & Ketterer, die sich insbesondere mit der Klassischen Moderne und dem Expressionismus international einen Namen gemacht hat.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Anja Tomasoni, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Telefon: 0251 5907-168, anja.tomasoni@lwl.org
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Westfälisches Landesmuseum
Domplatz 10
48143 Münster
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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