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Presse-Infos | Kultur

Mitteilung vom 14.11.12

"Westfälische Dickköpfe"
LWL-Ausstellung zeigt Schädelkult aus Westfalen

Herne (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eröffnet am 17. November die Sonderausstellung "Schädelkult", im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Die Schau nimmt die Besucher mit auf eine Reise rund um die Welt und zeigt, welche Schädelkulte die verschiedenen Volksgruppen pflegten. Die rund 300 Exponate - darunter Ahnenschädel, Trophäenköpfe und Reliquien - veranschaulichen, wie sich die Menschheit über die Jahrhunderte mit der eigenen Sterblichkeit auseinandergesetzt hat.
"In vielen Kulturen besitzt der Kopf besonderer Kräfte, hier ist der Sitz der Seele oder der Energie und wird dadurch zu einem magischen Objekt," sagt Projektleiterin Dr. Constanze Döhrer. "Auch Westfalen ist reich an Schädelgeschichten und dies schon rein sprichwörtlich: Eine der Eigenschaften, für die die Westfalen bekannt sind, ist - abgesehen von ihrer Bodenständigkeit - sicherlich ihre Dickköpfigkeit. Anatomisch lässt sich dies jedoch nicht bestätigen."

Schädelreliquie aus dem Kloster Brenkhausen (Kreis Höxter)

Eine mit mehreren Stoffschichten umhüllte und auf einem Kissen ruhende Schädelreliquie wurde kürzlich in der Wand der Klosterkirche Brenkhausen (Kreis Höxter) gefunden. Mittels Computerto-mographie (CT) konnte das Alter der verschiedenen Textilien ermittelt werden. Die untersten Stoff-schichten stammen vermutlich aus dem 13. Jahrhundert. Dieses Alter deckt sich mit der Kloster-gründung des Zisterzienerinnenordens im Jahr 1245.

Weitere Textilumwicklung sind offenbar viel später hinzugefügt worden, vermutlich erst nachdem das Kloster im Jahr 1601 von den Benediktinerinnen neu genutzt wurde.
Dass die Klostergemeinschaft den Schädel über Jahrhunderte immer wieder neu mit Stoff bekleidetet, lässt darauf schließen, dass er eine große religiöse Bedeutung für sie hatte.

Operation am Schädel in Warburg (Kreis Höxter)

Der älteste Nachweis einer operativen Schädelöffnung in Westfalen stammt aus einem über 5.400 Jahre alten Steinkammergrab in Warburg.
Der Kopf eines Mannes aus der Jungsteinzeit weist ein trapezförmiges Loch auf, das auf einen chirugischen Eingriff, eine sogenannte Trepanation, schließen lässt. "Der Schädel ist schon länger Teil unserer Dauerausstellung, ohne dass wir wußten, was für einen Schatz wir tatsächlich haben", sagt Dr. Josef Mühlenbrock, Leiter des LWL-Museums für Archäologie in Herne. Für die Sonderausstellung ließen die Verantwortlichen des Museums den Schädel untersuchen. Nach der Schädelöffnung lebte der Mensch noch längere Zeit weiter, da die Trepanation bereits verheilt ist. Der Schädelknochen ist an dieser Stelle wesentlich dünner. Möglicherweise wurde der Kopf geöffnet, um Kopfschmerzen zu mildern: Spuren im Inneren des Schädels deuten auf eine Hirnhautentzündung oder auf die Stoffwechselkrankheit Diabetes hin. Die Technik zur Öffnung des Schädels umfasste das Schaben, Schneiden oder Bohren. Dazu nutzen die Menschen beispielsweise Klingen aus Feuerstein.

Besuchen Sie uns im Internet!
http://www.schaedelkult.lwl.org

Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Verena Rösler, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.



Foto zur Mitteilung
Der Schädelfund aus Warburg weist ein markantes Loch in der Schädeldecke auf, das auf eine operative Schädelöffnung schließen lässt.
Foto: LWL/Rösler
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Die Schädelreliquie aus dem Kloster Brenkhausen wird in der Ausstellung im Bereich „Christlicher Schädelkult“ zu sehen sein. Projektleiterin Dr. Constan-ze Döhrer präsentiert hier das Exponat.
Foto: LWL/Rösler


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Die Wissenschaftler des Curt-Engelhorn-Zentrums in Mannheim untersuchten die westfälischen Schädel mittels Computertomographie. Mit dieser Technik ist es möglich, unter die Stoffschichten zu blicken, ohne diese vom Schädel zu lösen. Die Bilder zeigen, dass der Schädel zunächst mit einer Textilie eingeschlagen wurde. Die folgenden Schichten wurden mit Nadeln an dem unteren Stoff fixiert.
Foto: German Mummy Projekt, rem


Foto zur Mitteilung
Gut erkennbar ist auch eine Art Diadem, das über der Stirn verläuft und im Nackenbereich endet.
Foto: German Mummy Projekt, rem


Foto zur Mitteilung
Der Reliquienschädel aus Westfalen ist umwickelt mit verschiedenen Stoffschichten aus unterschiedlichen Jahrhunderten.
Foto: LWL/Rösler


Foto zur Mitteilung
Die roten Pfeile begrenzen die Öffnung der Trepanation. An den Spitzen ist deutlich eine schräge Einkerbung zu erkennen.
Foto: LWL/Rösler



Die gezeigten Fotos stehen im Presseforum des Landschaftsverbandes zum Download bereit.



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