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Presse-Infos | Der LWL

Mitteilung vom 28.09.12

LWL: Entwicklung von Burg Hülshoff in vier Schritten

Münster/Kreis Coesfeld (lwl). Die Annette von Droste-Hülshoff-Stiftung ist am Freitag (28.9.) durch das Innenministerium anerkannt worden. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hatte gemeinsam mit Partnern die Stiftung gegründet, um das Geburtshaus der berühmten Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) der Allgemeinheit zu erhalten.
LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch zur Zukunft der Stiftung und der Wasserburg bei Havixbeck (Kreis Coesfeld).

Herr Dr. Kirsch, was soll aus der Burg Hülshoff werden?

Wir wollen dieses hochrangige kulturelle Erbe nicht nur erhalten, sondern weiter entwickeln. Das jetzige Familienmuseum auf Burg Hülshoff werden wir überarbeiten und die Präsentation modernisieren sowie die Bedeutung der berühmtesten Dichter-Persönlichkeit aus Westfalen stärker herausarbeiten.

Und wie soll es weitergehen?

Das ist nur ein erster von insgesamt vier Schritten. Zweitens wird die Droste-Forschungsstelle mit ihrer Spezialbibliothek und dem Handschriftenarchiv aus Münster nach Burg Hülshoff umziehen. Wir wollen ein Droste-Hülshoff-Institut mit bundesweiter Ausstrahlung aufbauen. Kontakte zu Marbach und anderen bedeutenden Literaturorten wurden bereits geknüpft. Das Institut soll aber auch eng mit den Institutionen in der Region zusammenarbeiten, zum Beispiel mit dem Museum für westfälische Literatur in Oelde und dem Künstlerdorf Schöppingen, auch in das Projekt Literaturland Westfalen wollen wir es einbinden.
Drittens planen wir schon für ein Literaturzentrum NRW, einem Ort der Begegnung mit Schwerpunkt Literatur. Dazu müssen wir Literatur ganz anders präsentieren, so wie es das Museum in Oelde ja schon vorgemacht hat. Es gibt schon interessante Ideen, zum Beispiel mit Pavillons in den Gartenanlagen zu arbeiten. Wir können uns dort Veranstaltungen zu Gegenwartsliteratur vorstellen, aber auch Programme aus den Bereichen Tanz, Theater und Film.

Und nicht zuletzt wollen wir das Haus Rüschhaus in Münster, den langjährigen Wohnort der großen Dichterin, einbeziehen. Der Weg zwischen Burg Hülshoff und Haus Rüschhaus soll ein Lyrikweg auf den Spuren der Dichterin werden - dazu gehören erklärende Tafeln, Gedichtrezitationen aus versteckten Tonquellen und Skulpturen - Lyrik als Erlebnis.

Wie wollen Sie das alles finanzieren?

Gerade wegen unserer langjährigen Erfahrung haben wir sehr westfälisch vorsichtig gerechnet, externe Finanzfachleute gefragt, immer wieder die Zahlen überprüft. Das Ergebnis: Für die Unterhaltung des Anwesens und den ersten Schritt brauchen wir jährlich 450.000 Euro, und dafür reichen die Erträge aus dem Stiftungskapital von 19,3 Millionen Euro. Für die weiteren Schritte wollen wir Zustiftungen anregen und Unterstützung hereinholen. Positive Signale gibt es bereits.

Es geht aber nicht nur um Geld - wir wollen ja Burg Hülshoff und das Haus Rüschhaus weiterentwickeln mit dem Netz des LWL, der in der Kultur hervorragende Fachleute und mit seinen erfolgreichen 17 Museen sehr großes Know how aufbieten kann.

Hintergrund Burg Hülshoff
Die Wasserburg Hülshoff ist sowohl aus baudenkmalpflegerischer Sicht als auch als Geburtsort der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff von hohem Interesse. Bei der Burg Hülshoff handelt es sich um eine typische westfälische Wasserburg mit einer über 500jährigen Familientradition.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg bereits im 11. Jahrhundert. 1417 kam sie in den Besitz der Herren von Deckenbrock, die sich später "von Droste" nannten. Das Herrenhaus ließ Heinrich I. von Droste Hülshoff um 1540/1545 erbauen. Das in Form einer geschlossenen Renaissanceanlage gebaute Haus ist bis heute erhalten. Angeschlossen an die Burg ist eine im späten 19. Jahrhundert im neugotischen Stil erbaute Kapelle. Die Anlage mit dem öffentlich zugänglichen Park, der Burg sowie einem Drostemuseum war bislang in Familienbesitz.

Burg Hülshoff ist der Geburtsort der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Im Januar 1797 wurde die Dichterin auf der Wasserburg geboren und verbrachte dort sowie in dem unweit gelegenen Haus Rüschhaus Großteile ihres Lebens. Zu Lebzeiten weitgehend unbekannt, zählt Annette von Droste-Hülshoff längst zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der deutschen Literatur und ist unbestritten die wichtigste Dichterin Westfalens. Ihr Werk hat einen anerkannt hohen Stellenwert in der deutschen Literatur, Teile daraus wie die Erzählung "Die Judenbuche" gehören zur Weltliteratur.

Pressekontakt:
Karl G. Donath, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.



Foto zur Mitteilung
LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch.
Foto: LWL


Foto zur Mitteilung
Die Stifter im vergangenen Juni bei der Unterzeichnung auf Burg Hülshoff mit der jetzigen Eigentümerin, Jutta Freifrau von Droste zu Hülshoff, vorn sitzend.
Foto: LWL/Emmerich



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