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Presse-Infos | Kultur

Mitteilung vom 15.08.12

Rätselhafter Graben an der Wallburg
LWL-Chef und Bürgermeister blicken in die früheste Geschichte von Dolberg

Ahlen-Dolberg (lwl). Eine Feuersteinspitze ist aufgetaucht. Ebenso Knochen, Scherben und Holzkohle. Der neue Graben, den das Ausgrabungsteam der LWL-Archäologie für Westfalen an der Wallburg Hünenknäppen in Ahlen-Dolberg jetzt entdeckt hat, gibt den Forschern noch Rätsel auf. "Dieser Graben könnte sehr alt sein - viel älter als die Burganlage", mutmaßt Grabungsleiter Dr. Christoph Grünewald anhand der ersten Funde. Sichere Antworten auf diese spannende Frage werden allerdings erst weitere Untersuchungen geben. "Es ist jedenfalls ein hochinteressanter Fund, mit dem wir es hier zu tun haben", betont Grünewald. "Er wird uns dabei helfen, die Geschichte rund um die Wallburg besser zu verstehen und einordnen zu können."

Fasziniert von den neuen archäologischen Erkenntnissen zeigt sich auch LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch. Er stattete der Ausgrabung jetzt einen spontanen Besuch ab. Schließlich werden hier archäologische Zeugnisse gesichert, die für Ahlen und die gesamte Region einmalig sind. "Es gibt keine zweite Anlage wie diese im Münsterland", betont der Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). "Schon deshalb ist alles, was hier dokumentiert wird, ein wichtiger Baustein für die regionale Geschichte." Das sieht auch Ahlens Bürgermeister Benedikt Ruhmöller so. Auch er wollte jetzt mit eigenen Augen sehen, welche Relikte der frühen Ahlener Geschichte hinter dem Hof Große Berkhoff mit phänomenalem Ausblick auf die Lippeniederungen ans Tageslicht kommen. "Was die Wissenschaftler hier dokumentieren, gehört zur frühesten Geschichte unseres Stadtgebietes - aus einer Epoche, über die wir noch nicht viel wissen. Das ist mehr als spannend", kommentiert Ruhmöller die Bedeutung der Ausgrabung.

Die Fundstücke aus dem neu entdeckten Graben werden nach Abschluss der Ausgrabung in einigen Wochen in den Werkstätten der LWL-Archäologie in Münster genauer untersucht. Anhand der Knochen oder Holzkohle erhoffen sich die Wissenschaftler mithilfe der soge-nannten C14-Methode näheren Aufschluss über das Alter des Grabens. C14-Moleküle zerfallen in einer ganz bestimmten Zeit. Indem ihre Anzahl gemessen wird, können relativ genaue Aussagen über das Alter von Artefakten getroffen werden.

Sicher ist, dass in der Jungsteinzeit Menschen auf dem Acker Große Berghoff auf der Fläche der späteren Wallburg gelebt haben - dafür ist die Feuersteinpfeilspitze ein sicheres Indiz. Ob das auch bedeutet, dass der Graben aus dieser Zeit stammt, werden die Ergebnisse der weiteren Untersuchungen zeigen.

Eigentlich sind die Wissenschaftler der LWL-Archäologie für Westfalen dem Aufbau und der Struktur der für das Münsterland einmaligen Burganlage auf der Spur. Mit einem vier Meter breiten Suchschnitt und modernsten Prospektionsmethoden wollen sie herausfinden, wie die Wallbefestigung der vermutlich in karolingischer Zeit entstandenen Burg genau aufgebaut ist. Auch auf Anhaltspunkte für Wohn- und Wirtschaftsgebäude hatten die Archäologen in der Erde gehofft. Der Graben vor dem bis vor einigen Jahrzehnten noch sichtbaren Wall zeichnet sich bis in drei Meter Tiefe deutlich im Boden ab. Hinter dem Wall zeigen dunkle Verfärbungen in der Erde, dass die Burgbewohner hier vor über 1000 Jahren ihr Getreide in so genannten Grubenhäusern lagerten, gewebt und gesponnen und andere Handwerke verrichtet haben. Das beweisen auch die vielen Keramikscherben, die in Fundkisten gesichert und später ausgewertet werden.

Die Wallburg entstand in der Karolingerzeit im 9. und 10. Jahrhundert kurz nach der Eroberung Westfalens durch Karl den Großen. Sie fällt damit in die Zeit des karolingischen Land-ausbaus. Die archäologischen Ausgrabungen werden deshalb wichtige zusätzliche Erkenntnisse zu dieser historischen Epoche beisteuern.

Einmalig ist die Ausgrabung an der Wallburg aber nicht nur aufgrund der archäologischen Erkenntnisse, die für die Nachwelt gesichert werden können. Mit Lukas Fischer bereitet sich hier außerdem der erste Grabungstechniker in Westfalen, der sich über eine Fortbildung in der LWL-Archäologie seine begehrten Fachkenntnisse erwirbt, auf seine Prüfung vor. "Es gibt nur sehr wenige Stellen, die überhaupt in Deutschland in diesem Bereich angeboten werden - wir sind stolz, dass wir in der Münsteraner Außenstelle der LWL-Archäologie eine Fortbildungsmöglichkeit bieten können", betont LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch.

Lukas Fischer hat zuvor bereits einen anderen Beruf gelernt. In der LWL-Archäologie kann er seine Fachkenntnisse als technischer Zeichner nutzen und in die Aufgaben des Grabungstechnikers einbringen. "Für mich ist diese Chance ein echter Glücksfall, weil ich hier meine Fähigkeiten mit dem schon immer großen Interesse für die Archäologie verbinden kann", schildert Fischer. Demnächst muss er gegenüber einer Prüfungskommission der Landesarchäologen beweisen, dass er seinen neuen Beruf beherrscht. Die Ahlener Wallburg wird auch deshalb für ihn ganz persönlich "Geschichte" schreiben, schließlich sind die Pläne, Zeichnungen und Dokumentationen, die er im Rahmen der Ausgrabung angefertigt hat, Teil der Gesamtbeurteilung.

Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Katja Burgemeister, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-8921.
presse@lwl.org



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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.



Foto zur Mitteilung
Bürgermeister Benedikt Ruhmöller (v.l.) und LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch erkunden mit Grabungsleiter Dr. Christoph Grünewald den Wall der Burg, die vermutlich in karolingischer Zeit auf dem Hünenknäppen entstand und noch heute eine phänomenale Aussicht auf die Lippeauen bietet.
Foto: LWL/Burgemeister


Foto zur Mitteilung
Mit großem Interesse lassen sich LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch (l.) und Ahlens Bürgermeister Benedikt Ruhmöller (Mitte) von Grabungsleiter Dr. Christoph Grünewald die spannenden Funde von der Wallburg in Ahlen-Dolberg erläutern. Darunter finden sich neben diesem Teil einer Schere auch eine Feuersteinpfeilspitze, kunstvoll gearbeitete Beschläge und Keramik.
Foto: LWL/Burgemeister


Foto zur Mitteilung
Rätsel wirft noch der Graben auf, den die Archäologen an der Wallburg in Ahlen-Dolberg jetzt neu entdeckt haben. Aktuell werden alle Funde gesichert, um sie später in den LWL-Werkstätten wissenschaftlich auszuwerten und Anhaltspunkte für das genaue Alter des Grabens zu bekommen.
Foto: LWL/Burgemeister


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Diskussionen werfen der im Boden deutlich sichtbare Verlauf des Grabens und des Walles der Wallburg bei den Archäologen auf.
Foto: LWL/Burgemeister


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Gut sichtbar ist der Graben der Wallburg im Bodenprofil der Ausgrabung. Lukas Fischer (rechts) dokumentiert die Befunde in Ahlen-Dolberg - er ist der erste Grabungstechniker in Westfalen, der seinen Beruf über eine Fortbildung beim LWL lernt. Foto: LWL/Burgemeister


Die gezeigten Fotos stehen im Presseforum des Landschaftsverbandes zum Download bereit.



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