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Presse-Infos | Soziales

Mitteilung vom 04.04.12

Ein neuer Film des LWL
Mit Tante Erna als Vorbild zur Goldmedaille: LWL versorgt Menschen mit Behinderung mit Hilfsmitteln - auch für den Sport

Münster/Borken (lwl). "Ich habe mir als Vorbild immer meine Tante Erna genommen. Sie und ihr Mann sind beide blind, haben zwei Kinder bekommen und alle Probleme durchgestanden", sagt Siegmund Mainka aus Borken. Der 43-Jährige - beide Beine amputiert - lehnt sich in seinem Rollstuhl zurück und verschränkt seine kräftigen Oberarme vor der breiten Brust. "Ich habe mir damals gesagt, es muss einfach weitergehen und mir gar nicht so viele Gedanken gemacht, was mein Unfall nun eigentlich bedeutet." Damit es für Mainka weitergeht, bekommt er Hilfe vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

Seine positive Sicht hat sich der gebürtige Schlesier aus Gleiwitz, der als Deutscher erst nach dem Mauerfall in den Westen durfte, auch heute noch bewahrt. Mainka hat seine Beine während des verpflichtenden Vorbereitungsdiensts für das polnische Militär verloren; deswegen wird er als Spätaussiedler heute vom LWL-Versorgungsamt unterstützt - auf Grundlage des Bundesversorgungsgesetzes, das für Kriegsbeschädigte sowie Menschen gilt, die im Wehr- oder Zivildienst einen Unfall erleiden.

Siegmund Mainka spricht nicht gerne über das Unglück, das ihm mit 19 Jahren widerfuhr. Mit seiner Behinderung aber geht er offen um. Er erklärt begeistert die Technik seines Rollstuhls, erläutert, wie gut ihm der behindertengerechte Umbau seines Autos gefällt, witzelt sogar manchmal über Dinge, die ihm wegen seiner Behinderung nicht so einfach gelingen - mal eben eine kleine Treppe zu überwinden zum Beispiel oder eine schwergängige Tür zu öffnen. Mainka hat Selbstvertrauen - und das zieht er, so sagt er, zu einem Großteil aus dem Sport.

Baketball und Badminton
"Ich war früher schon immer sehr athletisch und habe zum Beispiel gerungen. Nach dem Unfall musste ich mich neu orientieren, entdeckte andere Sportarten für mich." Nach Anfängen im Rollstuhl-Basketball - bis hinauf in die 2. Bundesliga - hat er mit Badminton seine Passion gefunden. Die Hilfsmittel, die er vom LWL-Versorgungsamt Westfalen bekommt, haben ihn in seiner Sportkarriere unterstützt. "Als ich 2004 einen speziellen Badminton-Rollstuhl verschrieben bekam, konnte ich meine Leistung um 40 Prozent steigern", schätzt Mainka. Aus einem Hobby wurde ein Wettkampfsport: Er war seitdem mehrfach Deutscher Meister im Einzel, Doppel und Mixed.

Die Wirkung dieser Aktivitäten ist gar nicht zu unterschätzen, sagt Dr. Jürgen Schwittai, der beim LWL-Versorgungsamt als einer von drei Ärzten arbeitet, die ihre rund 10.000 Patienten mit Hilfsmitteln wie Prothesen, aber eben auch Badminton-Rollstühlen versorgen. "Sport ist für Siegmund Mainka und für alle anderen Menschen mit Behinderung unbedingt empfehlenswert. Sport hält sie fit, stärkt das Selbstbewusstsein sowie die soziale Anbindung enorm." Wie groß die Erfolge dann sind, ist gar nicht wichtig, ergänzt Schwittai, der sich noch gut an den Tag erinnert, als er Mainka zum ersten Mal sah. "Beim ihm merkte man sofort, dass er ein besonders aktiver Mensch ist und sich sicherlich nicht hängen lässt."

Schwittai ist mitverantwortlich, dass sein Patient neben dem Badminton eine weitere Sportart bis zu höchsten Ehren ausüben kann und Deutschlands Farben in aller Welt vertritt. "Ich hatte 2005 von der Deutschen Nationalmannschaft im Dreimann-Kielboot gehört, dass ein Mitglied der Crew ausgefallen war und habe direkt an Siegmund Mainka gedacht", erinnert sich der Arzt, der selbst segelt und als ehrenamtlicher Klassifizierer bei internationalen Segelwettbewerben für Menschen mit Behinderung arbeitet - die Mannschaft der jeweiligen Bootsklassen werden nach bestimmten Behinderungsgraden und -arten eingeteilt, um für einen fairen Wettbewerb zu sorgen. "Ich habe Siegmund Mainka empfohlen. Und es hat funktioniert." Nach Trainings in Berlin und einer Proberegatta in London gehörte der Borkener zum Team.

Im Boot zu Gold gesegelt
Der Zusammenhalt dort ist für Mainka sehr wichtig. "Genauso wie beim Badminton-Doppel muss ein Mannschaftsgeist entstehen. Die Chemie in unserer Crew stimmt", sagt er. Der Beleg: Das deutsche Nationalteam schaffte es in der Sonarbootklasse zu Weltmeistertiteln - und gelangte ganz oben aufs Treppchen bei den Paralympics in China. Mainka holt die Goldmedaille aus einer Schatulle und streicht einmal kurz über die glänzende Auszeichnung. "Darauf bin ich besonders stolz."

Neben der Hilfe bei den sportlichen Aktivitäten behandelt Schwittai Mainka auch bei den alltäglichen Problemen mit der Behinderung. "Es ist einfach sehr gut, wenn man weiß, dass jemand da ist, der einen gut kennt", sagt der Behindertensportler Mainka, der durchaus auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. "Wenn ich zum Beispiel Druckstellen wegen meiner Prothesen habe, kann ich mich immer auf die Erfahrung von Herrn Schwittai verlassen."

Achtung Redaktionen: Ein neuer Film des LWL

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

mit dieser Mail kündigen wir Ihnen einen neuen Film des LWL an, den Sie in Gänze oder in Teilen für Ihre Arbeit nutzen können. Auf den Internetseiten unseres TV- und Audioservices http://www.lwl.org/tvaudio haben wir für Sie den Film und das dazugehörige Footage-Material in verschiedenen Formaten bereit gestellt. Direkt zum Film kommen Sie unter folgendem Link: http://www.lwl.org/LWL/Der_LWL/PR/tv_audioservice/Filme_Soziales/versorgungsamt_foerderung


Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.



Foto zur Mitteilung
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Foto zur Mitteilung
Dr. Jürgen Schwittai (rechts), Arzt beim LWL-Versorgungsamt Westfalen, unterstützt Siegmund Mainka bei der richtigen Einstellung aller technischen Hilfsmittel.
Foto: LWL


Foto zur Mitteilung
Siegmund Mainka ist mit seinem Badminton-Rollstuhl mehr als zufrieden.
Foto: LWL



Die gezeigten Fotos stehen im Presseforum des Landschaftsverbandes zum Download bereit.



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