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Presse-Infos | Jugend und Schule

Mitteilung vom 15.08.11

Ein neuer Film des LWL
LWL-Angebot MobiliS macht junge Menschen mit Sehbehinderung fit für den Arbeitsmarkt

Soest/Dortmund (lwl). Mit der linken Hand schiebt Timo Dalm das Formular nach vorne. Ohne hinzuschauen, justiert er das Blatt unter dem Lesegerät, das einen Ausschnitt des Papiers auf einen großen Monitor überträgt. Auf diesen blickt der 20-Jährige unentwegt, während er über seine Tastatur Informationen aus dem Formular in seinem Computer aufnimmt. Timo Dalm arbeitet konzentriert, ohne Hast, gründlich.

Nur das Bildschirm-Lesegerät auf dem Schreibtisch weist darauf hin, dass der junge Mann mit anderen Schwierigkeiten im Beruf zu kämpfen hat als seine Azubi-Kollegen. "Ich bin auf dem rechten Auge blind, meine Sehkraft auf dem linken liegt bei 20 Prozent", sagt Dalm, der zwar eine dickglasige Brille trägt, sich aber durch das Büro bewegt, als könne er zu hundert Prozent sehen. Er deutet kurz mit dem Finger auf seine Augen und erzählt, ruhig und sachlich: "Ich bin wegen eines Gendefektes mit anderthalb Jahren an Netzhautkrebs erkrankt und bekam Chemotherapie. Seitdem ist die Sehkraft geschädigt." Dass Dalm dennoch eine Berufsausbildung machen kann, in einem Unternehmen in der freien Wirtschaft, hat viele Gründe: Ein offener Arbeitgeber, eine gründliche Unterstützung durch das LWL-Bildungszentrum Soest und natürlich sein eigener Wille, etwas zu erreichen.

Timo Dalm arbeitet beim Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion, einer RWE-Tochter, die mit 850 Mitarbeitern für 11.000 Kilometer Höchstspannungsstromnetze vor allem in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland sorgt. Seit August 2010 bildet Amprion aus, Timo Dalm ist einer der ersten drei Azubis im kaufmännischen Bereich. "Die Arbeit gefällt mir gut, weil sie so vielseitig ist", erzählt der Wittener, der in den Klassen eins bis vier die LWL-Förderschule, Förderschwerpunkt Sehen, in Dortmund besuchte.

Nach der Regelrealschule wandte sich Timo Dalm an das LWL-Bildungszentrum Soest, das Förderzentrum für blinde und sehbehinderte Menschen. Dort besuchte er das Berufskolleg und machte sein Fachabitur nach. Sein Berufswunsch: "Ich wollte etwas Kaufmännisches machen und habe mich auf die Suche nach einem Unternehmen gemacht, das einen interessanten und sicheren Arbeitsplatz bieten kann." Dalm bewarb sich beim Mutterkonzern RWE, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen, danach zu einem zweiten und bekam die Zusage bei Amprion.

Der Weg klingt einfach, ist aber oft steinig. Beim Übergang in das Berufsleben half Timo Dalm das LWL-Berufsbildungswerk Soest mit dem Angebot "MobiliS". "Wir schließen die Lücke zwischen einer überbetrieblichen Ausbildung bei uns im Berufsbildungswerk und einer betrieblichen Berufsausbildung, indem wir die blinden- und sehbehindertenspezifische Unterstützung in den Betrieb bringen", sagt Adelheid Oeser, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Annette Fecke momentan 18 junge Leute betreut.

Die Integrationsberaterinnen klären zunächst die Eignung der Kandidatinnen und Kandidaten für die jeweiligen Ausbildungsplätze, beraten und unterstützen bei Bewerbungen und Einstellungstests und begleiten nötige Praktika. In Timo Dalms Beispiel besuchte Adelheid Oeser, die selbst eine kaufmännische Ausbildung machte, zusammen mit dem Azubi das Unternehmen, das sie auch zur Förderung aus öffentlichen Mitteln beraten hat. "Außerdem sprechen wir mit der Berufsschule, wenn es etwa um verlängerte Prüfungszeiten geht. Timo besucht ja ein Berufskolleg hier in Dortmund, wo es noch nicht so viele Erfahrungen mit sehbehinderten Azubis gibt." Die Arbeit von Adelheid Oeser endet erst, wenn die Ausbildung beendet ist. Fast immer mit Abschluss: "Wir haben von rund 60 Azubis nur vier Azubis gehabt, die abgebrochen haben - aber nicht wegen ihrer Behinderung, sondern aus anderen Gründen."

Wie gut sich der Auszubildende eingefunden hat, sei an dem Amt zu sehen, das er übernommen habe, sagt Claudia Becker. Dalm ist Vertreter der Azubis in der Jugend- und Auszubildendenvertretung des Konzerns. Im Alltag hilft zudem, dass er offen mit seiner Behinderung umgeht. Timo Dalms Standardspruch, wenn er irgendwo neu ist: "Ich sage immer, dass es passieren kann, dass ich auf dem Flur nicht grüße. Dann soll sich keiner wundern - aber ich sehe nun mal nicht alles, aber ich kann ganz selbstständig arbeiten."

Achtung Redaktionen:

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

mit dieser Mail kündigen wir Ihnen einen neuen Film des LWL an, den Sie in Gänze oder in Teilen für Ihre Arbeit nutzen können. Auf den Internetseiten unseres TV- und Audioservices http://www.lwl.org/tvaudio haben wir für Sie den Film und das dazugehörige Footage-Material in verschiedenen Formaten bereit gestellt.
Direkt zum Film kommen Sie unter folgendem Link: http://www.lwl.org/LWL/Der_LWL/PR/tv_audioservice/Filme_Jugend-Schule/mobilis



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.



Foto zur Mitteilung
Timo Dalm ist auf einem Auge blind, auf dem anderen liegt seine Sehkraft bei 20 Prozent, dennoch konnte er mit Hilfe des LWL-Angebotes „MobiliS“ eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich beginnen.
Foto: LWL

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