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Presse-Infos | Der LWL

Mitteilung vom 14.08.09

Industriedenkmal wird Baustelle
LWL beginnt mit Sanierung der Spinnerei Herding

Bocholt (lwl). Seit Jahren werden die Fäden für das Projekt gesponnen, jetzt wird es ernst mit dem Ausbau der Spinnerei Herding zur "Kulturfabrik". Am Freitag (14.8.) setzte sich Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), in Bocholt an das Steuer eines Autokrans und gab den Start frei für die Bauarbeiten. 5,9 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II steckt der LWL in die Sanierung und den Ausbau des vierstöckigen Industriedenkmals an der Aa. "Das ist ein großer Schritt nach vorn und ein wichtiger Impuls für die ganze Region. Diese Summe bringt Beschäftigung für viele Handwerker und Baufirmen", erklärte LWL-Direktor Kirsch zum Beginn der Maßnahme.

Schneller als erhofft kann der LWL mit den Mitteln aus Berlin die Erweiterungspläne für sein Bocholter Industriemuseum in die Tat umsetzen. Kirsch: "Die großen und faszinierenden Räume der Spinnerei eröffnen uns die Möglichkeit, hier eins der führenden Textilmuseen Deutschlands zu etablieren. Damit werden wir der historischen Bedeutung des Industriezweiges im Westmünsterland gerecht und können erstmals auch größere Teile unserer Sammlung an Textilmaschinen präsentieren, die einzigartig auf dem Festland ist."

Umsetzung des Konjunkturpaktes
Die Umsetzung des Konjunkturpaketes ist ein Kraftakt - im wahrsten Sinne des Wortes. Schon die Textildruckmaschine Baujahr 1873, die am Freitag mittels Kran durch das geöffnete Dach des Kesselhauses gehoben wurde, wiegt mehr als vier Tonnen. "Und das ist nur eine von insgesamt 200 historischen Großmaschinen, die wir für die Zeit der Bauarbeiten in Räume einer ehemaligen Weberei in Bocholt auslagern müssen", erklärt Museumsleiter Dr. Hermann Josef Stenkamp.

Der Zeitrahmen ist eng: Bis Ende 2010 sollen die Mittel verbaut sein. Zunächst wird am neuen Eingang der Kulturfabrik gearbeitet. Das Dach des ehemaligen Kesselhauses muss abgetragen und die Stirnwand geöffnet werden. Hier gelangen die Besucher künftig ins Foyer und den 600 qm großen Raum für Wechselausstellungen. Der Spinnereisaal im Erdgeschoss wird in Teilbereichen klimatisiert, um auch empfindliche und hochwertige Exponate zeigen zu können. Das erste Obergeschoss soll für die Dauerausstellung reserviert werden. Auch eigene Räumlichkeiten für die Museumspädagogik sind geplant. "Das ist uns besonders wichtig", so Stenkamp.

Über alle vier Etagen erstrecken sich die Bauarbeiten für das neue Treppenhaus im historischen Seilgang der Spinnerei, über den früher die Antriebsenergie zu den Spinnmaschinen verteilt wurde. Treppen und ein Aufzug bringen Besucher künftig zu den Veranstaltungsräumen im zweiten Obergeschoss und aufs Dach der Spinnerei. Dort entsteht ein Kubus aus Stahl und Glas - das künftige Museumsrestaurant. "Von der Dachterrasse aus hat man einen Blick über ganz Bocholt. Das wird ein Glanzlicht des neuen Hauses", ist sich Museumsleiter Stenkamp sicher.

Eine breite Palette von begleitenden Arbeiten in den Bereichen Brandschutz, Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär und Elektro gehört ebenfalls zum Ausbauprogramm. Bei all dem steht der Denkmalschutz ganz oben an. "Wir werden die historische Bausubstanz so weit wie möglich erhalten, und alle Neubauteile in den historisch bedeutenden Bereichen werden auch klar als neu zu erkennen sein", erklärt Bauleiter André Behrens vom LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb.

Hintergrund LWL-Textilmuseum
Das Textilmuseum in Bocholt ist einer von acht Standorten des LWL-Industriemuseums. Weil ein historisches Gebäude seinerzeit nicht zur Verfügung stand, beschloss der LWL 1984 zunächst den Nachbau einer typischen Weberei aus der Zeit der Jahrhundertwende als Standort für ein Textilmuseum. 1989 wurde an der Aa Eröffnung gefeiert. Im Jahr 2004 konnte der LWL den viergeschossigen Backsteinbau der in den 1970er Jahren stillgelegten Spinnerei Herding in Sichtweite zum heutigen Museum mit finanzieller Unterstützung der Sparkassenstiftung, der Stadt Bocholt und des Kreises Borken für die Museumserweiterung ankaufen. Zwischenzeitlich sind Depot und Werkstatt in das Gebäude eingezogen. Im Rahmen von Sonderausstellungen und Veranstaltungen hat das LWL-Industriemuseum die Spinnerei Herding in den letzten Jahren immer wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das nächste Event ist die 2. Bocholter Kriminacht am 19.9.2009, 19 bis 24 Uhr.

Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org



Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.



Foto zur Mitteilung
v.l.n.r.: Hendrik Pross (Statiker), Dr. Arnold Lassotta, Dr. Hermann Josef Stenkamp, LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, André Behrens (Bauleiter) und Maria Millan (Architektin).
Foto: LWL/Hudemann


Foto zur Mitteilung
So wird die LWL-Kulturfabrik aussehen.
Grafik: Atelier Brückner


Foto zur Mitteilung
LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch am Steuer des Autokrans.
Foto: LWL/Hudemann


Foto zur Mitteilung
So sah die Spinnerei Herding um 1930 aus.
Repro: LWL


Foto zur Mitteilung
Das Industriedenkmal an der Fabrikstraße in in Bocholt.
Foto: LWL



Die gezeigten Fotos stehen im Presseforum des Landschaftsverbandes zum Download bereit.



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