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Presse-Infos | Der LWL

Mitteilung vom 02.12.05

Die Heilige mit der Grubenlampe - Barbara in der Ausstellung
"Aufbau West" im westfälischen Industriemuseum


Dortmund (lwl). Traditionell in langem Gewand, ein Kelch in der Hand und aufgestützt auf einen Turm, so erscheint die Heilige Barbara rund um ihren Gedenktag am 4. Dezember in vielen klassischen Darstellungen. In der Ausstellung "Aufbau West" über den Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirt-schaftwunder, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) derzeit auf der Dortmunder Zeche Zollern II/IV zeigt, lernen Besucher die Barbara als Schutzheilige der Bergleute kennen: mit einer Grubenlampe statt des Kelches in der Hand. Barbarastatuen und -reliefs gehören zu den insgesamt 300 Objekten der Sonderausstellung im Westfälischen Industriemuseum in Dortmund.

Die Heilige Barbara sei nach dem Übertritt zum Christentum von ihrem heidnischen Vater verfolgt und in einem Turm gefangen gesetzt worden. Sie sei schließlich den Märtyrertod gestorben, so berichten es die Legenden. Vor diesem Hintergrund wird sie traditionell mit den Attributen Turm und oftmals auch einem Kelch abgebildet, der als Zeichen für die letzte Wegzehrung vor dem plötzlichen Tod dient.

Im Ruhrbergbau breitete sich die Barbaraverehrung erst nach dem Zweiten Weltkrieg in größerem Umfang aus. Flüchtlinge und Aussiedler aus Oberschlesien, wo die Heilige Barbara besonders populär war, brachten sie zunächst nach Bochum mit. Über die Landsmannschaften verbreitete sich der Brauch der Barbarafeiern - nicht zuletzt mit Hilfe des damaligen Direktors des Bergbaumuseums, Dr. Henrich Winkelmann - im ganzen Revier. Seit der Mitte der 1950er Jahre verwandelte sich die Barbara hier von einer katholischen Heiligen zur ökumenischen Schutzpatronin des Bergbaus. Passenderweise ändert sich dabei auch ein Attribut: Der Kelch wurde durch eine Grubenlampe ersetzt.

"Der Modernisierung der Heiligen Barbara im Bergbau folgte dann bald die weitere Verweltlichung: Die neue Rolle der Barbara wurde vor allem im Arbeitsschutz deutlich, der mit der Schutzfunktion der Heiligen aber nur noch spielte", erklärt Dr. Dagmar Kift aus dem Ausstellungsteam. So wurde das Unfallverhütungsplakat "Barbsi" Anfang 1970 in allen RAG-Betriebsstätten aufgehängt und zeigt einen angeseilten Bergmann sowie eine Frau namens "Barbsi" mit Schutzhelm. Der Plakattext lautet: "Auf diesen Engel ist Verlaß: Anseilen!" Schutz bot in diesem Fall also nicht mehr die Heilige, sondern das Einhalten der Unfallverhütungsvorschriften.

Der traditionelle Gedenktag der Heiligen Barbara, Sonntag, 4. Dezember, bietet sich vor diesem Hintergrund gut für einen Besuch der Zeche Zollern II/IV an. In der Ausstellung "Aufbau West" wird die Entwicklung der Heiligen Barbara zur Schutzpatronin des Bergbaus anhand von verschiedenen Statu-en und Reliefs anschaulich. Ausgesuchte Werbeprospekte und Plakate verdeutlichen außerdem ihre neue Rolle im Arbeitsschutz des Bergbaus.

Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder
18.09.2005 bis 26.03.2006
Zeche Zollern II/IV, Grubenweg 5
Dortmund-Bövinghausen
Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr
Offene Führung für Einzelbesucher (nur Museumseintritt): sonn- und feiertags 15 Uhr

Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, Westf. Industriemuseum, Tel. 0231 6961-127 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org



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Foto zur Mitteilung
Das Unfallverhütungsplakat "Barbsi" von 1970 zeigt die Schutzheilige im modernen Gewand.
Foto: LWL


Foto zur Mitteilung
Statue der Heiligen Barbara aus Kunststoff mit Turm und Grubenlampe, 1950er Jahre.
Foto: LWL



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