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Mitteilung vom 14.02.12

Foto zur MitteilungLogo der Ausstellung "Goldene Pracht"

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Presse-Infos | Kultur

"Osnabrück war Hochburg der Goldschmiedekunst"

Osnabrück verleiht hochkarätige Mittelalter-Schätze für Ausstellung "Goldene Pracht" in Münster

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Münster/Osnabrück (exc). Osnabrück leiht Münster seine kostbaren Schätze: Für die Ausstellung "Goldene Pracht" reisen der Osnabrücker Ratsschatz mit dem bedeutenden Kaiser-Pokal und der wertvolle Prunkkelch von Goldschmied Engelbert Hofsleger von 1468 aus der Domschatzkammer der Bischofsstadt ins benachbarte Münster. Auch der Sifridus-Kelch aus dem finnischen Borga, der im Dreißigjährigen Krieg aus dem Osnabrücker Domschatz an die Schweden ausgeliefert wurde, wird nach langer Zeit wieder in Deutschland zu bewundern sein.

"Die wertvollen Goldschmiedeobjekte aus Osnabrück zählen zu den Hauptwerken der Ausstellung, zu der das Bistum Münster, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Exzellenzcluster 'Religion und Politik‘ einladen", sagt Kurator Holger Kempkens vom Bistum Münster. "Die Schau macht erstmals deutlich, dass Osnabrück im Mittelalter ein Zentrum der Goldschmiedekunst war."

Die Ausstellung "Goldene Pracht" präsentiert vom 26. Februar bis 28. Mai 2012 in der Domkammer und dem LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster auf 1.500 Quadratmetern 300 herausragende Werke der Goldschmiedekunst des 10. bis 16. Jahrhunderts. Neben sakralen Stücken wie der weltweit ältesten Monstranz, die aus der Abtei Herkenrode in Belgien stammt, zeigt sie auch edelste Gegenstände für den weltlichen Gebrauch.
Ein eigener Ausstellungs-Raum widmet sich der Goldschmiedeproduktion der Stadt Osnabrück, so die Kuratoren. "Wir zeigen, wie sich die Bischofs- und Bürgerstadt im 13. Jahrhundert zu einem bedeutenden Goldschmiede-Zentrum entwickelt hat". Diese Entwicklung sei in Westfalen zu jener Zeit einmalig gewesen. Die Werkstätten haben vorgefertigte Formen eingesetzt, um rationeller arbeiten zu können und die die gestiegene Nachfrage nach sakralen Goldschmiedeobjekten bedienen zu können, wie Kempkens erklärt.

Das Osnabrücker Ratssilber rund um den spätmittelalterlichen Kaiser-Pokal ist nach den Worten des Kurators einzigartig. "Das Ratssilber als Schatz der städtischen Obrigkeit war stets gefährdet: Immer wieder wurden Stücke als diplomatische Geschenke entnommen und fast überall wurde es in Notzeiten früher oder später eingeschmolzen oder im Falle von Kriegen dem Feind ausgeliefert." Wie die Ausstellung zeigen wird, wurden in mittelalterlichen Städten wertvolle Goldschmiedearbeiten aus wirtschaftlichen und politischen Gründen wie Repräsentationszwecken gesammelt. "Wahrscheinlich ist der Kelch vom neuen Rat der Stadt Osnabrück im 14. Jahrhundert in Auftrag gegeben worden, um den Zusammenschluss von Altstadt und Neustadt zu besiegeln."

"Im Mittelalter hatte das wirtschaftlich florierende Osnabrück hervorragende Goldschmiedewerkstätten, in denen Objekte von hohem künstlerischen Rang entstanden", so der Kurator weiter. Eine herausragende Persönlichkeit unter den Goldschmieden der Bischofsstadt dürfte der aus Coesfeld stammende Engelbert Hofsleger gewesen sein, dessen 1468 gefertigter und von ihm signierter Prunkkelch für das Dominikanerkloster in Osnabrück bestimmt war. Der ungewöhnlich große Kelch zeigt den Stifter des Gefäßes, den Prior des Klosters, gleich neben Christus am Ölberg.
"Diese selbstbewusste Darstellung des Stifters, der durch seine Gabe eigentlich Demut ausdrücken wollte, mag heute befremdlich erscheinen", so der Kunsthistoriker. "Im Mittelalter jedoch war dies normal. Stifter glaubten, durch die Darstellung auf liturgischen Geräten bis in die Ewigkeit an den damit zelebrierten Messen teilzuhaben."

Zu den bedeutendsten Stücken der Goldschmiedekunst des 13. Jahrhunderts zählt nach Einschätzung des Kurators der großartige Sifridus-Kelch, der ebenfalls in einer der zahlreichen städtischen Goldschmiedewerkstätten hergestellt wurde. "Bis zur Belagerung Osnabrücks im Dreißigjährigen Krieg war der Prunkkelch im dortigen Domschatz aufbewahrt. Als Teil der schwedischen Kriegsbeute gelangte er über Umwege 1711 ins finnische Porvoo/Borga".

Die Ausstellung schreibt ein Stück westfälischer Geschichte neu, wie Historiker Prof. Dr. Gerd Althoff vom Exzellenzcluster "Religion und Politik" erläutert. "Das Spätmittelalter stellt sich hier nicht als Zeitalter des Niedergangs dar, sondern als kulturelle Blütezeit: Einige Klischees über die Provinzialität der Westfalen lassen sich im Licht dieser 'Goldenen Pracht‘ über Bord werfen."

Von der Kunstfertigkeit der westfälischen Goldschmiede zeugen in der Ausstellung neben den hochwertigen Stücken aus Osnabrück Schätze wie der Cappenberger "Barbarossa-Kopf", das wohl erste Porträtbildnis des Mittelalters, das Borghorster Reliquienkreuz, das jüngst in London ausgestellt wurde, und die einzigartigen Silberstatuetten wie die der Heiligen Agnes aus dem Münsterischen Domschatz. (ska/vvm)

Hinweis: Weitere Informationen unter http://www.goldene-pracht.de

"Religion und Politik" - Der Exzellenzcluster der WWU Münster
Im Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) forschen rund 200 Wissenschaftler aus 20 geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern und elf Ländern. Sie untersuchen das komplexe Verhältnis zwischen Religion und Politik von der Antike bis zur Gegenwart und von Lateinamerika über Europa bis in die arabische und asiatische Welt. Es ist der bundesweit größte Forschungsverbund dieser Art und von den deutschlandweit 37 Exzellenzclustern der einzige zum Thema Religionen. Bund und Länder fördern das Vorhaben im Rahmen der Exzellenzinitiative bis 2012 mit 37 Millionen Euro.



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Claudia Miklis, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Telefon: 0251 5907-168, claudia.miklis@lwl.org und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Karl Hagemann, Telefon 0251 495-288, pressestelle@bistum-muenster.de und Viola van Melis, Telefon: 0251 83-23376, van.melis@uni-muenster.de
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