LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 10.06.09

Foto zur MitteilungFoto: LWL

Foto zur MitteilungAnna Luise Mahret war die erste Klempner- und Installateurmeisterin in NRW.
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Foto zur MitteilungLichtreklamemacherin Martina Gralki.
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Presse-Infos | Kultur

Karriere mit Lehre. Frauen im Handwerk in Westfalen-Lippe

Ausstellung im LWL-Freilichtmuseum Hagen

Bewertung:

Hagen (lwl). Die Berufs- und Ausbildungswege von Frauen im Handwerk stehen im Mittelpunkt der Ausstellung "Karriere mit Lehre", die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe ab Sonntag, 14. Juni, in seinem Freilichtmuseum Hagen zeigt.
Anhand von über 20 Beispielen stellt die Ausstellung Frauen in Bild und Text, mit ihren Werkzeugen und an Arbeitsplätzen vor.

Als "Pfuscherinnen" bezeichneten viele Handwerker am Anfang des 20. Jahrhunderts Frauen, die im Handwerk arbeiteten. Sie leiteten ihr Urteil aus den bis dahin üblichen verkürzten Ausbildungsgängen für Frauen in Handwerksberufen ab. Erst als Handwerkerinnen seit 1911 allmählich qualifizierte Ausbildungen durchlaufen konnten und 1922 die rechtliche Gleichstellung mit männlichen Handwerkern endgültig erreicht hatten, fanden sie Anerkennung als Gesellinnen und Meisterinnen, boten ihnen handwerkliche Berufe verschiedene Arbeitsmöglichkeiten. In Zeiten von Arbeitskräftemangel wurde besonders dafür geworben, dass Frauen einen handwerklichen Beruf aufnahmen. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden beispielsweise auch gezielt Frauen gesucht, die in "Männerhandwerken" eine Ausbildung beginnen wollten.

Das Verhältnis zwischen Frauen und Handwerksberufen ist sehr vielschichtig. "Noch heute gibt es im Handwerk überwiegend männlich und überwiegend weiblich besetzte Berufe. Es scheint, als beeinflussten in diesem Arbeitsbereich immer noch traditionelle Zuschreibungen, nach denen etwa Männer immer stark, Frauen dagegen immer kreativ, aber der Technik abgeneigt sind, die Berufswahl junger Menschen", so die Ausstellungsmacherin Dr. Anke Hufschmidt. Aber ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich diese, scheinbar so natürlichen Zuschreibungen wandeln können. So wurde der heute unter jungen Frauen beliebteste Ausbildungsberuf "Friseur" bis in die 1950er-Jahre überwiegend von Männern ausgeübt. "Wir wollen mit der Ausstellung die Besucher anregen, darüber kritisch nachzudenken, welche angeblich spezifischen Eigenschaften Frauen und Männer zugeschrieben werden", so Anke Hufschmidt.

Wie sich im Handwerk Ausbildungs- und Berufswege von Frauen entwickelten, stellt die Ausstellung am Beispiel Westfalen-Lippe vor. Sie beleuchtet damit für die Region erstmals die Rolle von Frauen in Handwerksberufen: Seit wann war es Frauen überhaupt möglich, eine Lehre zu machen? Welche Handwerksberufe wählten sie? In welchen Handswerksberufen arbeiteten besonders viele Frauen? Wie fanden sie sich in sogenannten Männerhandwerken zurecht? Und wie unterstützten Ehefrauen, Töchter und andere weibliche Verwandte Handwerker bei ihrer Arbeit? Dies sind nur einige Fragen, der die Ausstellung im Hagener LWl-Freilichtmuseum an ausgewählten Beispielen nachgeht.

Persönliche Erinnerungen
Grundlage für die Ausstellung war eine wissenschaftliche Tagung zum Thema "Frauen im Handwerk" im November 2008, auf der aus ganz unterschiedlichen Perspektiven Beiträge zum Thema vorgestellt wurden. Der Tagungsband wird im Juni 2009 vorliegen. Die Ausstellung selbst zeigt ab dem 14. Juni 2009 aussagekräftige Objekte aus Museen und Archiven, so etwa Werkzeuge und Maschinen aus dem Zahntechnikerlabor, das die erste Zahntechnikermeisterin Deutschlands in den 1930er-Jahren in Lemgo eingerichtet hat. Von besonderem Interesse sind aber die vielen Gegenstände, Fotos und schriftlichen Unterlagen, die mit ganz persönlichen Erinnerungen an einen Handwerksberuf verbunden sind.

Im Rahmen des Ausstellungsprojektes hat die Volontärin Julia Setter Handwerkerinnen befragt und so viel über deren Lebenswirklichkeit erfahren. Die Frauen absolvierten zwischen 1936 und 1997 ihre Gesellen- oder Meisterprüfung in unterschiedlichen Handwerken, haben also bereits viele Jahre im Handwerk gearbeitet oder sind heute noch tätig. Die Besucher können erfahren, welche Bedeutung der Beruf für die Handwerkerinnen hat, welche Schwierigkeiten bewältigt werden mussten oder müssen und welche Erfolgserlebnisse mit der Tätigkeit im Handwerk verbunden sind. Aus den Interviews wurde aber auch deutlich, dass die handwerkliche Ausbildung auch einen Übergang bilden kann, sei es zwischen Berufstätigkeit und Familie oder als Grundlage für ein Studium. Arbeitsproben, Gesellen- und Meisterstücke, Erinnerungen an Prüfungen und Betriebsgründungen, Fotos von Werkstätten und Arbeitsstücken vermitteln einen anschaulichen Eindruck von Frauen in Handwerksberufen. Die Präsentation lädt dazu ein, sich mit Fragen der Berufswahl auseinander zu setzen, denn auch über die Gründe, die zu ihrer Berufswahl geführt haben, haben die Handwerkerinnen berichtet.

Im Rahmen der Ausstellung präsentiert der Meisterkurs im Fotografenhandwerk, Handwerkskammer Dortmund, unter dem Titel "gleich gut und weiblich" Fotografien von Handwerkerinnen.



Pressekontakt:
Uta Wenning-Kuschel, LWL-Freilichtmuseum Hagen, Tel. 02331 780-7113
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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