LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 03.04.09

Foto zur MitteilungKreuztracht in Menden um 1920 - nur eine von vielen Brauchtumsfotografien im Bildarchiv des LWL-Medienzentrums.
Foto: LWL/Fritz Mielert


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Presse-Infos | Kultur

Ein Bild erzählt vom Karfreitag

Historische Fotografien aus dem LWL-Medienzentrum zeigen westfälisches Osterbrauchtum

Bewertung:

Menden (lwl). "Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätorium, das Amtsgebäude des Statthalters, und versammelten die ganze Kohorte um ihn. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf..." Diese Sätze des Matthäus- Evangeliums erinnern Christen auf der ganzen Welt alljährlich am Karfreitag an das Leiden und Sterben Jesu. Einen besonders intensiven Ausdruck fand und findet diese Erinnerung im katholischen Westfalen in Kreuzigungsprozessionen. Eine davon zeigt ein Foto aus Menden (Märkischer Kreis), das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im Bildarchiv seines LWL-Medienzentrums für Westfalen aufbewahrt.

Der Christusdarsteller trägt ein weißes, Toga-ähnliches Gewand, einen roten Überwurf und den Dornenkranz, während er von einem nahezu komplett vermummten Simon von Cyrene beim Kreuztragen unterstützt wird. Am Wegesrand stehen festlich gekleidete Kinder und beobachten das Geschehen.
"Aufgenommen wurde die eindrucksvolle Fotografie um 1920 im sauerländischen Menden, wo die Kreuztracht bis heute zum festen Osterbrauchtum gehört", so Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums." Hier wird, so überliefert es die Tradition, das Kreuz seit dem 17. Jahrhundert über die 14 Stationen des Kreuzweges mit Start und Ziel an der St. Vincenzkirche entlang Gedenksteinen und Heiligenhäuschen durch die Stadt und ein Waldstück an der Antoniuskappelle getragen. Die vom Gründonnerstagabend bis Karsamstagmorgen stündlich stattfindenden Prozessionen sind dabei in besondere Gottesdienste eingebettet.
Der aus der Barockzeit stammende Brauch ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, zumal die Mendener Kreuztracht gegenwärtig die weitaus Größte der acht in Westfalen stattfindenden Karfreitagsprozessionen ist. Neben Menden wird das Kreuz noch in Pömbsen (Bad Driburg/Kreis Höxter), Gehrden (Brakel/Kreis Höxter), Delbrück (Kreis Paderborn), Stockum (Sundern/Hochsauerlandkreis), Wiedenbrück (Kreis Gütersloh), Coesfeld und Bevergern (Hörstel/Kreis Steinfurt) durch die Gemeinde getragen.

Aufgenommen hat die Mendener Kreuztracht um 1920 der Dortmunder Fotograf Fritz Mielert. Dass die Aufnahme heute noch in guter Qualität erhalten ist, verdanken wir einem Lehrer: Heinrich Genau. Der Pädagoge, leidenschaftliche Amateurfotograf und engagierte Heimatpfleger gründete 1910 in Soest die erste Bildstelle Westfalens überhaupt, um Schulen und Jugendgruppen mit Medien für die Bildungsarbeit versorgen zu können. Mit besonderem Eifer schuf Genau heimatkundliche Bildreihen über Städte, Kreise und Landschaften Westfalens. Auch die Fotografie der Mendener Kreuztracht stammt aus einer solchen Serie mit dem blumigen Titel "Von den schönen Bergen des Sauerlandes bis zur Vereinigung der Ruhr und Lenne".

Von den 65 Bildreihen, die Genau zwischen 1912 und 1936 zusammenstellte, sind immerhin 52 noch zu mehr oder minder großen Teilen erhalten. Sie lagern im Bildarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen in Münster, zu dessen Aufgaben es gehört, Fotos, Filme und Tonaufnahmen zu sichern und öffentlich zugänglich zu machen. "Wie die Bildserien Heinrich Genaus sind hier tausende historische und aktuelle Fotos aller westfälischen Landesteile nach Kategorien und Schlagwörtern geordnet", erklärt Köster. Unter der Adresse http://www.bildarchiv-westfalen.de hat der LWL die Fotos online recherchierbar gemacht. So lassen sich schnell weitere Aufnahmen der Mendener Karfreitagsprozession entdecken. Sie zeigen, dass der beeindruckende Brauch über die Jahrzehnte nahezu gleich geblieben ist, wenn auch der Kreuzträger heute nicht mehr - wie bis in die 1930er Jahre üblich - tatsächlich Buße tun will, sondern eher symbolisch Sorgen und Probleme durch die Gemeinde trägt.

Hintergrund
Außer über westfälisches Osterbrauchtum erzählen die Bestände des Bildarchivs im LWL-Medienzentrum für Westfalen auch über zahlreiche andere Themen aus der Region. Über 300.000 landeskundliche Bilder aus der Zeit zwischen 1850 und der Gegenwart sowie 3.000 Luftbilder veranschaulichen westfälische Landschaften, Städte und Dörfer, Landwirtschaft, Handwerks- und Industriekultur, Kunst, Architektur, Brauchtum und nicht zuletzt die Menschen und ihren Alltag im Wandel der Zeit. Unter http://www.bildarchiv-westfalen.de kann man bequem vom heimischen Computer aus in der visuellen Schatzkammer Westfalens stöbern.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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