LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 01.07.08

Foto zur MitteilungElisabeth Konze und Alice Deckers im Alter von 15 und 16 Jahren. Konze war später Büroangestellte. Das Foto entstand 1936 oder 1937 im Fotoatelier in Rietberg.
Repro: LWL


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Presse-Infos | Kultur

Zurück nach Rietberg:

LWL-Freilichtmuseum Detmold zeigt Frauenporträts der 30er Jahre

Bewertung:

Detmold/Rietberg (lwl). Zahlreiche Besucherinnen und Besucher waren fasziniert: Im vergangenen Jahr zeigte das LWL-Freilichtmuseum Detmold in der Ausstellung "Mach mich schön" 100 individuelle Frauenporträts aus Rietberg (Kreis Gütersloh) in Westfalen, verewigt auf schwarz-weißen Studiofotografien der 1930er Jahre. Nun kehren die Damen in ihre Heimat zurück: Vom 11. Juli bis zum 11. August präsentiert das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit dem Heimatverein Rietberg und der Stadt Rietberg eine Auswahl der Bilder im dortigen Alten Progymnasium und im Heimathaus der Emsstadt.

Damit schließt sich ein Kreis, denn die Porträts sind alle im ehemaligen Rietberger Fotoatelier Kuper entstanden. Die Frauen auf den präsentierten Aufnahmen ließen sich in den 1930er Jahren in einem Tageslichtatelier fotografieren. Damals belichteten die Fotografen noch große Glasplatten. 2.200 Exemplare solcher Glasnegative, wahre Schätze der westfälischen Fotografiegeschichte, schlummerten in einer unscheinbaren, verstaubten Holzkiste auf dem Dachboden des Fotoateliers Joseph Kuper und Nachfolger in Rietberg. Entdeckt und vor dem Verschwinden bewahrt wurden sie, als das Freilichtmuseum im Jahr 2000, vor Abbruch des Gesamthauses, das Atelier-Gebäude von 1891 übernahm. Die Stadt Rietberg überließ dann im Jahre 2002 den Bestand an Glasplatten dem LWL-Museum, das demnächst das Rietberger Atelier wieder aufbauen wird.

"Ich freue mich besonders, dass diese Ausstellung nun in Rietberg zu sehen ist", so LWL-Museumsleiter Dr. Jan Carstensen. "Schließlich haben uns die Rietberger Bürger maßgeblich bei der Klärung der Identität der porträtierten Frauen geholfen." Das Museum erhielt bei den Recherchen große Unterstützung von der Stadt Rietberg und vom dortigen Heimatverein. Mit Hilfe des Rietberger Stadtanzeigers begann eine der größten Suchaktionen in der Geschichte der Stadt. Die Rietberger erkannten ihre Großmutter, Mutter, Tante oder sich selbst auf den Fotos und meldeten sich mit zahlreichen Hinweisen. Die Telefone von Manfred Beine, Leiter des Rietberger Stadtarchivs, und Dr. Mi-chael Orlob, Vorsitzender des Heimatvereins, standen nicht mehr still. "Die Fotos
wurden für Wochen zum Stadtgespräch. Auf diese Weise konnten 72 der 100 Porträts identifiziert werden", berichtet Beine. Noch während der Detmolder Ausstellung im vorigen Jahre konnten weitere drei Identitäten aufgeklärt werden, und die Veranstalter hoffen auf weitere Ergebnisse, wenn die die Ausstellung jetzt in Rietberg gezeigt wird.

Für Rietbergs Bürgermeister André Kuper stellt das gemeinsame Projekt einen Höhepunkt der bewährten Zusammenarbeit seiner Stadt mit dem LWL-Freilichtmuseum dar: "Die Ausstellung bietet unseren Rietberger Bürgern, aber auch allen interessierten Besuchern der Landesgartenschau, ein spannendes Stück westfälischer Fotogeschichte. Die Fotos geben uns, gerade weil die Abgebildeten größtenteils identifiziert sind, einen ungeheuer intensiven und authentischen Einblick in die örtlichen Lebensverhältnisse der 1930er Jahre. Sie zeigen uns, wer hier in Rietberg vor 70 Jahren auf welche Weise gelebt hat."

Hintergrund
Den Lebensläufen der in jungen Jahren fotografierten Frauen gingen Museumsleiter Carstensen und die wissenschaftliche Volontärin des Museums, Tanja Zobeley, nach. Sie besuchten und befragten einige der 27 heute noch lebenden Frauen, deren Bilder in der Ausstellung zu sehen sind. Tanja Zobeley beschreibt ihre Begegnungen mit den alten Damen aus Rietberg so: "Es war unglaublich: Ich kannte die Personen ja zunächst nur von dem Porträt aus jungen Jahren und dann stand ich derselben Frau beinahe 70 Jahre später gegenüber. Auch nach bewegenden Jahren sind die unverwechselbaren Züge und die individuelle Schönheit geblieben."

Um Fragen nach Schönheit - einmal abseits vom heutigen Modelrummel - , Fragen nach dem Anlass des Fotoatelierbesuches und nach der Geschichte der Stadt Rietberg im 20. Jahrhundert kreisen auch die bewusst sparsam eingesetzten Ausstellungstexte. Carstensen: "Die Fotos sprechen eine deutliche Sprache. Bei intensiver Betrachtung liest man zum einen den unausgesprochenen Wunsch 'Mach mich schön!' von den Gesichtern ab, zum anderen verraten die Körperhaltung, Kleidung und Frisur viel über die Person und ihre Zeit."

Der Ausstellung der Bilder in Rietberg ging eine sorgfältige Auswahl der schönsten Frauenporträts voraus: Sie zeigen Frauen aus Rietberg und Umgebung aus verschiedenen sozialen Schichten in unterschiedlichen Lebensphasen - als Mädchen mit Zöpfen, als junge oder ältere Frauen oder auch als Mütter. Das gezeigte Spektrum fotografischen Könnens ist groß, denn in der betreffenden Entstehungszeit waren mehrere Fotografinnen und Fotografen im Rietberger Atelier tätig.

"Mach mich schön.
Frauenporträts der 1930er Jahre aus dem Fotoatelier in Rietberg/Westfalen"

11. Juli bis 11. August 2008, täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei
Ratssaal des Alten Progymnasiums
Heimathaus Rietberg

Ausstellungskatalog
"Mach mich schön. Frauenporträts der 1930er Jahre. Fotografien des Ateliers Joseph Kuper und Nachfolger in Rietberg aus der Sammlung des LWL-Freilichtmuseums Detmold".

Klartext Verlag, Essen, 2007 (ISBN 978-3-89861-766-6), erhältlich in der Ausstellung und im Buch-handel (€ 19,90)



Pressekontakt:
Gefion Apel, LWL-Freilichtmuseum Detmold, Tel. 05231 706-140, Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235, presse@lwl.org und Manfred Beine, Stadt Rietberg, Tel. 05244 986-370
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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