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Mitteilung vom 27.09.07

Presse-Infos | Psychiatrie

Bevor das Leben "vom Blech gezogen" ist - Schluss mit Heimlichkeit und harten Drogen

Erstmalig in NRW: Ambulanter Entzug für Drogenabhängige im Frühstadium

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Dortmund/Essen. Abhängig, aber unauffällig - heimliche Drogensüchtige werden der offiziellen NRW-Zahl von 40.000 Konsumenten harter Drogen als Dunkelziffer hinzuaddiert, alltagsnahe Ausstiegsangebote gibt es für sie kaum. Die LWL-Klinik Dortmund und die Rheinischen Kliniken Essen wollen Betroffenen nun helfen, in der Sucht-Sackgasse umzukehren.

Der brave Bankangestellte, der sich nach Feierabend unbemerkt seine Prise Heroin in die Nase zieht. Die alleinerziehende Mutter, die sich für den Teilzeitjob heimlich mit morphinhaltigen Schmerzpillen fit macht. Nach außen hin sind sie "Normalos" . Doch hinter der bürgerlichen Fassade versteckt sich ein - manchmal todsicheres - Elendsrisiko.

Erstmalig in Nordrhein-Westfalen bieten die beiden Einrichtungen in Dortmund und Essen einen ausschließlich ambulanten Drogenentzug für diese Betroffenengruppe an. Der so genannte Qualifizierte Ambulante Opiatentzug startet in den Kliniken der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) am 1. Oktober als Modellprojekt im Rahmen des Landesprogramms gegen die Sucht.

"Endlich können wir auch Drogenabhängigen, die zum Beispiel aufgrund beruflicher oder familiärer Verpflichtungen nicht stationär über einen längeren Zeitraum entziehen wollen oder können, eine qualifizierte Alternative bieten", sagt Dr. Gerhard Reymann, Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin an der LWL-Klinik Dortmund. "Wichtig ist, dass wir damit Opiatabhängige in frühen Suchtstadien erreichen ", betont Reymann, "und zwar, bevor sie alle Ersparnisse und sozialen Bindungen "vom Blech gezogen", also in harte Drogen umgesetzt und inhaliert haben."

Der Qualifizierte Ambulante Opiatentzug dauert rund sechs Wochen. "Ähnlich einem Nikotinpflaster werden die Entzugserscheinungen am Anfang durch eine kontrolliert abnehmende Menge einer Ersatzdroge wie etwa Methadon gemildert", erklärt Reymann. Nach einem Vorgespräch nimmt jeder Patient je nach individueller Diagnose täglich an einer Gruppentherapie oder anderen therapeutischen Angeboten oder Beratungsgesprächen teil. "Und wenn Probleme auftauchen, können die Patienten uns jederzeit, sieben Tag die Woche, kontaktieren", betont Reymann.

Da es bisher keine Zahlen über den konkreten Bedarf an ambulanten Entzugsplätzen für diese Gruppe der "heimlich" Drogenabhängigen gibt, läuft der Qualifizierte Ambulante Opiatentzug zwei Jahre lang als Modellprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung. Insgesamt gelten rund 40 000 Menschen in NRW als abhängig von harten illegalen Drogen wie etwa Heroin. Die Dunkelziffer ist hoch - gerade unter Abhängigen mit noch bestehender bürgerlicher Existenz.

"Häufig glauben Opiatabhängige zu Beginn, dass sie die Sucht unter Kontrolle haben. Oft suchen sie erst Hilfe, wenn sie merken, dass sie nicht ohne weiteres aufhören können oder wenn der Drogenkonsum alle Ersparnisse auffrisst", erklärt Reymann.

Anmeldungen nehmen ab sofort die beiden Suchtambulanzen entgegen.
LWL-Klinik Dortmund: 0231 4503-2770, Rheinische Kliniken Essen: 0201-7227-419/ -280



Pressekontakt:
Petra Schneiders, Telefon: 0231 4503-4689 und Karl-Georg Donath, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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