LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 06.09.07

Foto zur MitteilungEin Bild von Hans Tombrock mit Brecht-Versen aus der Dreigroschen-Oper.
Foto: Fritz-Hüser-Institut


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Presse-Infos | Kultur

Künstlerfreundschaft im Exil: Bertolt Brecht und Hans Tombrock

Ausstellung des Fritz-Hüser-Instituts im LWL-Inudstriemuseum Zeche Zollern

Bewertung:

Dortmund (lwl). 1939 trafen sich in Schweden zwei Künstler, die beide von den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen worden waren: Bertolt Brecht und der Dortmunder Maler Hans Tombrock. Am Sonntag, 9.9., eröffnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Industriemuseum auf der Zeche Zollern in der Alten Werkstatt, eine Gastausstellung des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur (Stadt Dortmund). Die Ausstellung stellt die Zusammenarbeit mit Brecht und ihr künstlerisches Ergebnis mit dem Galileo-Zyklus, den Brecht-Porträts und den Bildern mit Brecht-Versen in den Mittelpunkt. Ergänzend dokumentieren zahlreiche Fotos auch die gemeinsame Zeit beider Künstler.

Der Maler Hans Tombrock, 1895 in Dortmund-Benninghofen geboren und 1933 ins skandinavische Exil gezwungen, traf 1939 in Schweden mit Bertolt Brecht zusammen. Gemeinsam entwickelten sie Darstellungen zu Themen aus Werken Brechts, insbesondere zu "Leben des Galilei", die Brecht noch nach seiner Weiterreise nach Finnland intensiv korrigierte. Die Bilder Tombrocks wurden vielfach von der schwedischen Arbeiterbewegung gekauft, in deren Gewerkschafts- und Volkshäusern sie heute noch hängen. Was beide Künstler zueinander hinzog, liegt großenteils im Bereich der Spekulation. Brecht fühlte sich womöglich von Tombrocks "Freibeutertum" angesprochen, nannte ihn seinen "lebensgefährlichen Freund". "Auch der Gedanke, hier einen echten Proletarier vor sich zu haben, eine Art "Exerzierstück" für das Voranbringen der sozialen Revolution, wird seinen Reiz ausgeübt haben", vermutet Johanna-Elisabeth Palm, Leiterin des Fritz-Hüser-Instituts. Für Tombrock war die Begegnung und der Austausch mit Brecht, die ihm Anerkennung und Förderung einbrachten, ganz sicher eine wesentliche Erfahrung in seinem Leben, auf die er immer wieder Bezug nahm.

Um sich Hans Tombrock nähern zu können, sind auch andere Phasen seines Schaffens ausgestellt. Dazu gehören frühe Landschafts- und Städtezeichnungen, die zunächst romantischen, später stark sozial-kritischen Vagabundenzeichnungen, die Schärenlandschaften Schwedens, die Bilder von seinen Reisen durch Marokko und seine letzten, eher surrealen Bilder. Die Zerrissenheit seiner Persönlichkeit ist an seinen Bildern abzulesen. Sein bewegter Lebenslauf und sein nicht einfacher Charakter trieben ihn immer wieder an andere Orte und ließen ihn keine dauerhafte Existenz oder Beziehung finden. 1946 kehrte er nach Dortmund zurück und gründete eine Kunstschule, die er 1949 wieder aufgeben musste. Um 1949 trat er auch wieder mit Brecht in Kontakt. Im gleichen Jahr erhielt er einen Lehrauftrag an der staatlichen Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar, nach der Auflösung der Abteilung Kunst unterrichtete er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Wieweit Brecht seinen Einfluss für Tombrock geltend machte, ist nicht nachzuweisen. 1953 verließ Hans Tombrock die DDR und zog nach Stuttgart. Der plötzliche Tod Brechts 1956 erschütterte ihn sehr, allerdings ist nicht bekannt, ob in den letzten Jahren zwischen beiden noch ein Kontakt bestand. Tombrock selbst starb 1966.

Alle Bilder der Ausstellung stammen aus dem Besitz des Fritz-Hüser-Instituts. Es dokumentiert und sammelt in seinem Archiv und der Bibliothek die Zeugnisse zur Literatur der Arbeitswelt, zu Arbeiter- und Bergarbeiterliteratur und zu Organisationen der Arbeiterkulturbewegung. Es geht zurück auf die Sammlung zur Arbeiterliteratur, die Fritz Hüser seit den 1920er Jahren anlegte. Schriftsteller oder ihre Erben übergaben ihm Manuskripte, Briefe und Lebensdokumente. "Seit August 2007 ist das Institut auf dem Gelände des LWL-Industriemuseums ansässig und stellt sich mit dieser Ausstellung am neuen Standort vor", so Dr. Dagmar Kift vom LWL-Industriemuseum.

Die ersten Schriftstücke und Bilder, die das Werk Hans Tombrocks ebenso wie die Künstlerfreundschaft zwischen ihm und Brecht dokumentieren, erhielt das Institut von dem Dortmunder Autor Paul Polte, der zeitweise Nachlassverwalter Tombrocks war. "Durch die gezielte Suche an den verschiedenen Lebensstationen Hans Tombrocks gelang es dem langjährigen Leiter des Instituts, Rainer Noltenius, die Entwicklung des Künstlers nachzuvollziehen und mit zahlreichen schriftlichen und bildkünstlerischen Werken zu belegen. Der Nachlass Tombrocks bildete so die Grundlage für eine der wichtigsten Dokumentationsstellen zur Kunst der Vagabundenbewegung, die im Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt beheimatet ist", berichtet Johanna-Elisabeth Palm.

Das LWL-Industriemuseum und das Fritz-Hüser-Institut laden für Sonntag, 9.9., um 11 Uhr zur offiziellen Feier der Kooperation zwischen dem LWL und der Stadt Dortmund ein. Anschließend wird die Ausstellung in der Alten Werkstatt der Zeche Zollern eröffnet. Den Festvortrag hält der Literaturkritiker Hubert Winkels, Träger des Alfred-Kerr-Preises für Literaturkritik 2007. Führungen durch die Ausstellung gibt es am So, 16.9., So, 28.10., und So, 16.12., jeweils um 15 Uhr.

Bertolt Brecht und Hans Tombrock
Eine Künstlerfreundschaft im skandinavischen Exil

9.9. (Eröffnung 11 Uhr) bis 16.12.2007
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern - Alte Werkstatt
Grubenweg 5, 44388 Dortmund
Öffnungszeiten: Di- So 10 - 18 Uhr



Pressekontakt:
Kathrin Wißmach, LWL-Industriemuseum, Tel. 0231 6961-127 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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