LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 17.08.07

Foto zur MitteilungGabriela Nasfeter verwandelt das zweite Obergeschoss der Spinnerei Herding mit ihren "Webräumen" in eine imaginäre Textilfabrik.
Foto: LWL/Hudemann


Foto zur MitteilungMit der aktuellen Ausstellung macht der LWL die ehemalige Spinnerei Herding erstmals für Museumsbesucher zugänglich.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungLutz Müller aus Plauen an der Punchmaschine.
Foto: LWL/Hudemann


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Presse-Infos | Kultur

100 Jahre Herding - Kunst.Visionen.Geschichte

LWL-Industriemuseum öffnet Tore zur stillgelegten Fabrik

Bewertung:

Bocholt (lwl). Vor 100 Jahren wurde der Grundstein für die Spinnerei Herding in Bocholt gelegt, vor 30 Jahren liefen die letzten Fäden aus den Maschinen und das Gebäude fiel in einen Dornröschenschlaf. Jetzt erweckt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Industriedenkmal in unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen LWL-Textilmuseums zu neuem Leben. Mit der Ausstellung "100 Jahre Herding. Kunst.Visionen.Geschichte" gewährt das LWL-Industriemuseum ab Sonntag, 19. August, erste Einblicke in die Räume der stillgelegten Fabrik und zeigt Ausblicke, was aus dem Industriedenkmal werden könnte.

Die Schau zeigt das große Potential des vierstöckigen Baus für Ausstellungen, Veranstaltungen und den künstlerischen Umgang mit Stoff und Faden. "Unsere Vision für die Zukunft des 'Jubilars' wäre es, hier am authentischen Ort die Produktion wieder aufzunehmen, diesmal die kulturelle Produktion. In Bocholt könnte das etwas andere Textilmuseum entstehen, das nicht nur Industriegeschichte Westfalens und ihre globalen Zusammenhänge aufzeigt, sondern auch Forum für Industrie und Kultur sein wird - eine Textil-Kultur-Fabrik", so LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch. Das Museum solle ein Ort der Begegnung für Bocholt und die Region, aber auch international Strahlkraft entwickeln.

Wichtiger Bestandteil des Museumskonzeptes ist die Schauproduktion auf historischen Maschinen. Die in den letzten 25 Jahren zusammen getragene Sammlung gilt als einzigartig auf dem europäischen Festland. "Sie ist das Gedächtnis eines ganzen Industriezweiges", so Dirk Zache, Direktor des LWL-Industriemuseums am Freitag (17.08.) in Bocholt. Im Depot, das mit der museumseigenen Restaurierungswerkstatt bereits in die Spinnerei umgezogen ist, befinden sich allein 300 Großmaschinen aus allen Bereichen der Textilherstellung. Museumsleiter Dr. Hermann-Josef Stenkamp: "Ob es sich um einfaches Baumwollgarn oder kostbares Damastgewebe, Möbelplüsch, T-Shirts oder Reißverschlüsse, Borten oder Etiketten handelt, vieles könnte in Bocholt wieder im Schaubetrieb produziert in den historischen Qualitäten verkauft werden."

Einen Vorgeschmack geben sechs Maschinen, die während der Ausstellungszeit regelmäßig in Betrieb sind, darunter ein Drahtwebstuhl, zwei Stickautomaten und - frisch restauriert - eine Punchmaschine, mit der Lochkarten für Stichmaschinen gestanzt wurden. In Betrieb zu sehen ist außerdem historische Ringspinnmaschine wie sie auch bei Herding lief. Zur Blütezeit des Betriebs drehten sich in mehreren Schichten 23.000 Spindeln mit Baumwollgarn.

In den eindrucksvollen Produktionssälen spinnen heute sieben Künstlerinnen den nach Produktionsende gerissenen Faden weiter; ihre Installationen vermitteln völlig neue Raumeindrücke. So verwandelt Gabriela Nasfeter das zweite Obergeschoss mit ihren "Webräumen" in eine imaginäre Textilfabrik. Die in dichter Reihe zwischen den Stahlstützen gespannten weißen Polyesterbänder erinnern an die Kettfäden im Webstuhl. In der Fläche ergeben sich das Auf und Ab von Sheddächern, unter denen Textilproduktion stattfindet, die beim Blick aus dem Fenster über die umliegende Hallenlandschaft ihr verblüffendes Gegenstück findet. Die in Polen geborene Künstlerin arbeitet seit 1980 in Deutschland. Sie setzt Projekte in vielen Ländern der Erde um, immer mit weißen Stoffbahnen und geometrischen Körpern als ihre Markenzeichen.

Die sieben Künstlerinnen nähern sich auf sehr unterschiedliche Weise dem historischen Gebäude. Veronika Moos-Brochhagen hat eigens für das Treppenhaus eine Videoinstallation geschaffen. Die Bocholter Künstlerin Christa Maria Kirch hat einen Weg aus 100 weißen Hemden geschaffen - Spenden von Anwohnern aus dem Hemdener Weg in Bocholt. Zarte, schwebend leichte Skulpturen aus Wollfilz und Eisendraht stellt Claudia Merx in die historischen Räume. "Fadenfiguren" lässt Traudel Lindauer leicht beschwingt und mit Witz über weiße Seide tanzen. Angelika Wittek hat aus Nesselstoffen und herabhängenden Fransen "Raumgestalten" für Herding geschaffen. Mit ihrer Installation "Sprungtuch - oder für den Fall, dass..." greift Renate Behla den griechischen Ikarus-Mythos auf.

Auf dem Weg durch die Ausstellung lernen Besucher außerdem die Geschichte der Weberei und Spinnerei Herding kennen, die mit 500 Beschäftigten zur Zeit des Wirtschaftswunders zu den größten Betrieben Bocholts gehörte. Auf großen, von der Decke herabhängenden Fahnen und mit historischen Fotos stellt das LWL-Museum die verschiedenen Bereiche des Betriebs und damit den aufwändigen Werdegang von der Rohbaumwolle zum fertigen Faden vor. Spannend sind auch Blicke in die ehemaligen Sozialräume der Arbeiter wie den Waschtrakt, den Toilettenturm und die betriebseigene Gesundheitsstation. Eine 60 Jahre alte Röntgenliege wirft ein Schlaglicht auf die damaligen Arbeitsbedingungen. Dr. Arnold Lassotta vom LWL-Industriemuseum: "Angesichts der starken Staubentwicklung im Betrieb waren Atemwegserkrankungen keine Seltenheit. Außerdem war die Tuberkulosegefahr sehr hoch. Deshalb wurde häufig geröngt."

Nach der Stilllegung der Produktion vor 30 Jahren fiel das Gebäude in einen tiefen Schlaf. 2004 konnte der LWL den viergeschossigen Backsteinbau mit finanzieller Unterstützung der Sparkassenstiftung, der Stadt Bocholt und des Kreises Borken ankaufen. Damit wurde der Grundstein gelegt für das "zweite Leben" der Spinnerei Herding.

Zur Ausstellung erwartet die Besucher ein umfangreiches Begleitprogramm:

19.8. 11.15 Uhr Eröffnung
12.30-18 Uhr Jubiläumsfest mit Künstlergesprächen, Rezitation, Führungen,
Mitmachangebote für Kinder, Musik und Kulinarisches

31.8. Bocholter Kulturtage: "Spinnerei-Nacht" mit Führungen, Künstlerinnengespräch, Musik (in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Bocholt)

Öffentliche Führungen: Sonntags um 11 Uhr:

26.8. "wachgeküsst" - das Denkmal Herding und seine besonderen Spuren
2.9. Museumsideen und Maschinen
9.9. Tag des offenen Denkmals: die Industriestraße und die Spinnerei & Weberei Herding
16.9. "Textile Räume" - Künstlerinnengespräch
23.9. "wachgeküsst" - das Denkmal Herding und seine besonderen Spuren
30.9. Museumsideen und Maschinen
7.10. Finissage: Künstlerinnengespräche

Donnerstagsgespräch, Beginn jeweils um 18 Uhr
23.8. Lodz, das Manchester des Ostens. Bildvortrag zur ehemaligen Textilmetropole in Polen mit Filmvorführung "Das gelobte Land" (Dr. Arnold Lassotta)
6.9. "weltbekannt" - Spitze aus Plauen (Beate Schad, Plauen)
20.9. "Aus dem Mutterland der Industrie" - Industriekultur und Textilmuseen in England (Dr. Hermann J. Stenkamp)
4.10. "Einblicke", Bildvortrag über die Maschinen- und Textiliensammlung des Museums (Dr. Arnold Lassotta)

Für Kinder am Samstag

Vom 25.8.-6.10.2007 an jedem Samstag von 14-17 Uhr: Aktionen für Kinder. Anmeldung erwünscht unter: 02871/21611-0

Die Angebote sind kostenfrei.

100 Jahre Herding - Kunst.Visionen.Geschichte
19.8.-7.10.2007
LWL-Industriemuseum, Textilmuseum in Bocholt
Ausstellungort: Spinnerei Herding, Industriestraße 5, 46395 Bocholt
geöffnet: Do. - So. 10-18 Uhr sowie nach Vereinbarung
Gruppenführungen Tel. 02871 21611-0
www.textilmuseum-bocholt.de



Pressekontakt:
Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Tel. 0231 6961-127 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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