LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 31.05.07

Foto zur MitteilungDer wilde "Merlin" ist das jüngste Fohlen der seltenen Sennerpferde im LWL-Freilichtmuseum Detmold.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungStephan Prinz zur Lippe (rechts) tauft das Sennerhengstfohlen des LWL-Freilichtmuseums Detmold auf den Namen "Merlin", Museumstierpfleger Arnd Schumacher hat den wilden Täufling fest im Griff.
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Presse-Infos | Kultur

Nachwuchs bei seltenen Senner-Pferden

Im LWL-Freilichtmuseum Detmold

Bewertung:

Detmold (lwl). Seinen Vorfahren macht es alle Ehre. Das jüngste Sennerhengstfohlen des LWL-Freilichtmuseums Detmold ist ein wahrer Wildfang. Gerade vier Wochen alt ist es kaum zu bändigen, so dass die Mitarbeiter im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auf Überraschungen und "Zauberei" gefasst waren, als das Fohlen am 31. Mai von Stephan Prinz zur Lippe auf den passenden Namen "Merlin" getauft wurde. Bis auf einige ungeduldige kleine Sprünge zeigte sich der kleine 'Zauberer' ausnahmsweise aber brav. Es ist das erste Fohlen, das innerhalb des seit November 2006 zugelassenen "Zuchtverbands für Senner Pferde e.V." geboren wurde. Die schon im Sommer 2006 gegründete Vereinigung kümmert sich um den Erhalt und die Fürsorge für diese Pferderasse, deren Bestand mit dem Fohlen nur noch 41 Tiere (darunter 15 zuchtaktive Stuten) umfasst.

"So einen Wilden hatten wir noch nie", sagte Museumstierpfleger Arnd Schumacher in einer Mischung aus Stolz und Sorge. "Der kleine Hengst hat sich prächtig entwickelt, ist für sein Alter schon sehr aufmerksam, aber eben auch sehr aufmüpfig." Schumacher hat mit dem Fohlen vorab die Taufsituation ein wenig trainiert. Welchen Namen der kleine Hengst erhalten würde, blieb bis zum Schluss offen. Nur das M als vorgeschriebener Anfangsbuchstabe war bekannt, bis Stephan Prinz zur Lippe als Taufpate den Namen aussprach: "Merlin".

Das zurzeit noch schwarz-braune Hengstfohlen wurde am 27. April geboren. Seine Mutter ist die Stute Dorinah (geb. 1998), die seit 2001 im LWL-Museum zu Hause ist. Sein Vater ist der französische Angloaraber-Hengst Tuti Fruti AA aus dem Sennergestüt der Familie Lackner. Noch ist das Fohlen schwarz-braun, es wird aber seine Fellfarbe wechseln und - wie sein Vater - zum Schimmel werden.

"Die Senner gehen auf eine sehr alte und seltene Stutenlinie zurück, die sie besonders erhaltenswert macht. Die Abstammung unseres Hengstfohlens lässt sich über mehrere Generationen genau verfolgen bis zum beginnenden 18. Jahrhundert, denn ab dann liegen Aufzeichnungen über eine geregelte Pferdezucht vor. Welcher menschliche Zeitgenosse kann seinen Stammbaum schon so gut zurückverfolgen?", erläuterte Agnes Sternschulte, Landschaftsökologin des Museums, den besonderen Stellenwert der Senner-Zucht.

Das LWL-Freilichtmuseum Detmold ist über seinen ökologischen Einsatz für gefährdete Haustierrassen und kulturhistorische gewachsene Landschaften hinaus besonders eng mit den in ihrer Existenz bedrohten Sennern verbunden, wie Museumsleiter Dr. Jan Carstensen in seiner kurzen Ansprache zur Taufe hervorhob: "Ab 1850 diente das heutige Museumsgelände mit dem 'Tiergarten' als Weide und Außenstelle des fürstlichen Gestüts der lippischen Fürsten, seit 1978 sind die Senner - sozusagen als grasende Gäste - auf die Weiden des Museums zurückgekehrt. Mit dem Ankauf der Sennerstuten Nadine und Dorinah 2001 konnten wir auch aktiv in die Zucht einsteigen."

Unter der Hand des Fürstenhauses zur Lippe hatten sich die Senner durch Einsatz geeigneter Hengste von außerhalb zu einer Kulturpferderasse unter Wildbahnbedingungen entwickelt. "Das Sennergestüt wurde vom Hause Lippe, anknüpfend an die in der Senne freilaufenden Pferde, gegründet und über Jahrhunderte geführt. Auch wenn alle Bemühungen von privater Seite, die letzten noch in Lopshorn gehaltenen Senner zu retten, 1945 ein vorläufiges Ende fanden, liegt unserer Familie sehr viel am Erhalt dieser Pferde, für deren Gedeihen wir Jahrhunderte lang Verantwortung trugen", sagt Stephan Prinz zur Lippe. Nach "Hamlet" und "Irakus", den Sprösslingen der Sennerstute "Nadine", sowie "Jupiter" und "Kassandra", den ersten Sprösslingen von "Dorinah", übernimmt der Prinz nun also sehr gern auch die Patenschaft für "Merlin" und freut sich, dass der junge Hengst sich schon jetzt so ausdauernd und widerstandsfähig zeigt, wie es der Senner-Rasse entspricht.

Genau diese Vorzüge der Senner neben ihrer Langlebigkeit und Fruchtbarkeit sind es auch, die der "Zuchtverband für Senner Pferde e.V." zu erhalten bemüht ist. Unter dem Vorsitz von Mathias Vogt hat dieser neue Zuchtverband Ende November 2006 als einzige Organisation in Deutschland die offizielle Genehmigung vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW bekommen, das Zuchtbuch für die Senner zu führen. Um auch in Zukunft für einen Qualitätsstandard zu sorgen, sieht das Zuchtprogramm die sorgfältige Auswahl der teilnehmenden Hengste und die Klassifizierung der Stuten vor. Ebenso ist die Züchtervereinigung für das Brennen der Fohlen mit dem Sennerbrand und für die Ausstellung des Pferdepasses und des Abstammungsnachweises allein zuständig. Der Vorsitzende Vogt jedenfalls freut sich: "Wir erleben hier eine Premiere, denn das Fohlen ist das erste, das innerhalb unseres Zuchtverbandes zur Welt kommt. Mit der Taufe im Detmolder Freilichtmuseum wird die gute Zusammenarbeit fortgesetzt. Gleichzeitig können wir den Sennern so auch öffentliches Interesse sichern, das sie verdient haben."

Mit schon in den vergangenen Jahren großem Engagement ist es dem Zuchtleiter Karl-Ludwig Lackner gelungen, die Pferde aus dem ehemaligen lippischen Gestüt 1965 aufzufinden, zu erwerben und die Zucht seit den 1970er Jahren neu aufzubauen. Gemeinsam mit Lackner und der Biologischen Station Senne arbeitet das LWL-Freilichtmuseum kontinuierlich daran, die Zukunft der traditionsreichen Senner - diese Bezeichnung für die hier heimischen Pferde fand übrigens 1541 erstmals Erwähnung - zu sichern. Derzeit wird in Kooperation mit dem "Zuchtverband für Senner Pferde" über eine gemeinsame Aufzucht in der Winterzeit für Jungpferde nachgedacht.



Pressekontakt:
Agnes Sternschulte, Tel. 05231 706-150
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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