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Mitteilung vom 27.09.06

Foto zur MitteilungKunstwerk des Monats September ist der "Tabakspott" von 1922.

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Kunstwerk des Monats September : "Tabakspott"im Art-Déco-Stil

Bewertung:

Münster (lwl). Einen amüsant gestalteten "Tabakspott" präsentiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster als Kunstwerk des Monats September.

Die Keramik stammt von dem aus Krefeld stammenden Plastiker und Innenarchitekten Hans Dinnendahl (1901-1966). Der Künstler ist in Westfalen und am Niederrhein vor allem durch sein spät-expressionistisch geprägtes Werk bekannt geworden, das er im Auftrag der katholischen Kirche anfertigte. Mit dem "Tabakspott", der 2004 dem Westfälischen Landesmuseum geschenkt und anschließend dort restauriert wurde, dokumentiert sich eine weitere, überraschende Facette im um-fangreichen Werk des Künstlers.

Dinnendahls souveräner Umgang mit den Werkstoffen Holz und Metall findet in der Keramik des "Tabakspottes" ein exzellentes Gegenstück. Entstanden ist das knapp 30 Zentimeter hohe Gefäß um 1922 während der Ausbildung des Künstlers an der Münchener Kunstgewerbeschule. Dinnendahl war ein leidenschaftlicher Raucher und fertigte es für seinen privaten Gebrauch an.

Humorvoll zitiert er "klassische" Szenen des Tabakgenusses aus der klassischen Zeit des Tabakkul-tes: Indianer und Orientalen in der Manier des 18. Jahrhunderts - wohl an Augsburger Ornamentstiche des Johann Esaias Nilson angelehnt - entwaffnen durch Witz und Ironie auch die hartgesottens-ten Tabakfeinde. Die Nähe zum 18. Jahrhundert, zu verspielten Schmuckformen aus Bandlwerk und Rocaille, ist ein Kennzeichen der deutschen Variante des international erst viel später als "Art Déco" bezeichneten Dekorstiles der Zwischenkriegszeit. Daneben erstaunt der wagemutige Umfang eines kaum 20jährigen Kunstgewerbeschülers mit den Tücken der Keramik. Geradezu gespinstartig legte Dinnendahl die Genreszenen auf das zylindrische Gefäß, wobei der rötliche Scherben durch eine sparsame Türkisglasur als Gegenfarbe raffiniert hindurchschimmert.



Pressekontakt:
Claudia Miklis, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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