LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 22.06.06

Foto zur MitteilungProjekt für 2007: "Blume" von Marko Lehanka .
(Fotomontage des Künstlers).


Foto zur MitteilungKurator Kasper König, Marko Lehanka und die assoziierte Kuratorin Carina Plath (v.l.) bei der Standortsuche auf dem Prinzipalmarkt in Münster.
Foto: Roman Mensing


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Presse-Infos | Der LWL

skulptur projekte münster 07

Bewertung:

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(ACHTUNG: Die komplette Pressemappe zur heutigen Pressekonferenz finden Sie zum Download auf unserer Homepage unter www.lwl.org/LWL/Kultur/skulptur-projekte/presse/)

Im Abstand von zehn Jahren untersuchen die Skulptur Projekte Münster das ambivalente Verhältnis von Kunst und Öffentlichkeit, indem Kunstproduktion unmittelbar vor Ort entsteht: Sie setzt sich mit dem urbanen Kontext auseinander und bezieht den städtischen "Bürger" aktiv mit ein. Mit dieser kritischen Fragestellung hat sich das Projekt seit 1977 in der Liga der internationalen Großausstellungen fest verortet.

Unter den vielen Projekten, die sich inzwischen mit "Kunst im öffentlichen Raum" beschäftigen, gilt Münster damit nicht nur als Pionier, sondern als die einzige Plattform, auf der seit 30 Jahren konstant das Thema aufgegriffen und zeitgemäß bearbeitet wird. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass städtischer Raum in den letzten Jahren von öffentlicher und privater Hand zunehmend vereinnahmt - oder aber bewusst vernachlässigt wird - erscheint die Einladung an rund 35 internationale Künstlerinnen und Künstler umso dringlicher, um das Verhältnis von Kunst und Öffentlichkeit neu zu hinterfragen.

Die intensive Durchdringung des Ortes und seiner spezifischen Bedingungen hat stets eine außergewöhnliche hohe Qualität und eine überraschende Einzigartigkeit der hier entstehenden Arbeiten hervorgebracht. Das breite Publikum, wie die fachspezifische Öffentlichkeit, sind nun zum vierten Mal eingeladen, an dieser unmittelbaren Begegnung mit Kunst teilzunehmen.

Zentraler Ausgangspunkt und Veranstalter des Projektes ist das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, in dem die Ausstellung Skulptur Projekte 1977 ihren Anfang genommen hat. Träger der Ausstellung sind der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadt Münster.

Die Kuratoren

Die Kuratoren von skulptur projekte münster 07 sind Prof. Kasper König (Museum Ludwig Köln), Dr. Brigitte Franzen (Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster) und die Assoziierte Kuratorin Dr. Carina Plath (Westfälischer Kunstverein Münster). Bereits zum vierten Mal kuratiert Kasper König die Skulptur Projekte. König erklärt, warum die Ausstellung auch ein viertes Mal in Münster funktionieren kann: "In die Projekte fließen die Gegebenheiten vor Ort intensiv mit ein und werden in engem Austausch mit dem Kuratorenteam entwickelt und umgesetzt. Für die Künstler bietet Münster Folie und auch Reibungsfläche für die Auseinandersetzung mit bürgerlicher Urbanität par excellence." Brigitte Franzen, seit Februar 2005 Kuratorin für Gegenwartskunst am Westfälischen Landesmuseum, sieht das Projekt "im Fluss": "Die Skulptur Projekte Münster sind eine Langzeitstudie, die immer auch für die jeweilige Zeitströmung steht, aber dennoch die Entwicklung der künstlerischen Gattung ,Skulptur' einerseits und die Frage nach dem Verhältnis von Kunst, Gegenwart und Öffentlichkeiten andererseits bisher alle zehn Jahre neu gestellt hat." Für Carina Plath liegt die Qualität der skulptur projekte münster 07 vor allem in der Verbindung von Kunst und Ort: "Das ermöglicht die sinnliche und konkrete Auseinandersetzung mit Kunst. Münster schafft eine Begegnung mit Kunst dort, wo sie entsteht."

Künstlerauswahl und Ausstellungsbereiche

Das Kuratorenteam lädt rund 35 Künstlerinnen und Künstler ein, ihre Projekte in Münster zu entwickeln. Bisher wurden 23 Künstler ausgewählt. Dazu gehören Michael Asher, Isa Genzken, Dominique Gonzalez-Foerster, Mike Kelley, Deimantas Narkevičius und Susan Philipsz. Im Herbst soll die Künstlerliste (siehe Anhang) vollständig sein.

Der wichtigste Austragungsort von skulptur projekte münster 07 ist der öffentliche Außenraum von Münster. Ausgehend vom Domplatz verteilen sich die Projekte vor allem auf den Kern der Stadt innerhalb des Promenadenrings. Einige Projekte werden diesen Rahmen verlassen und an anderen Orten des Stadtgebietes angesiedelt sein, zum Beispiel am Aasee und an den naturwissenschaftlichen Instituten der Universität.

Daneben wird es im Westfälischen Landesmuseum eine Dokumentationsausstellung zu der Geschichte der Skulptur Projekte und der Entstehung von skulptur projekte münster 07 mit Skizzen und Modellen geben. Wie schon 1997 wird der Altbau des Museums wieder zum Domplatz hin geöffnet und ein Besucherzentrum aufnehmen.

Die Projekte

Wie ein roter Faden zieht sich die künstlerische Arbeit von Michael Asher durch die Skulptur Projekte. Der amerikanische Künstler realisiert 2007 zum vierten Mal sein Caravan-Projekt. Sein Konzept sieht vor, während der gesamten Dauer der Ausstellung einen Wohnwagen, und zwar das gleiche Modell wie 1977, 1987 und 1997, an zwölf wöchentlich wechselnden, unspektakulären Standorten in Münster zu platzieren. Die Standorte hat Michael Asher bereits 1977 festgelegt. Das Hauptinteresse des Künstlers gilt dem Spannungsfeld von starrer Form und bewegtem Raum: Der Wohnwagen, der sich in 30 Jahren nicht verändert hat, fährt Stationen in der Stadt an, die sich ständig verändert haben. An Ashers Projekt, das seit 1977 mit Fotos dokumentiert wurde, lässt sich hervorragend ablesen, wie drastisch sich städtische Kontexte seit 1977 gewandelt haben.

Dem Aspekt der Mobilität in der Fahrradstadt Münster widmet sich der israelische Künstler Guy Ben-Ner. Ben-Ner stattet eine Reihe von Fahrrädern mit Bildschirmen und Videoplayern aus und installiert sie in der Stadt. Diese umgebauten Fahrräder werden zu sogenannten "Bild-Maschinen". Die Besucher können über die Fahrradpedalen die Geschwindigkeit des Films selbst steuern und die Bilder vorwärts oder rückwärts zum Laufen bringen. Zu sehen ist ein Film, der den Künstler auf einer Fahrradtour durch die Stadt zeigt. Sein Fahrrad ist ein Ready-Made-Objekt: Guy Ben-Ner wird vor der Ausstellung eine Auswahl bekannter Ready-Mades auseinanderbauen und zu einem voll funktionsfähigem Fahrrad zusammensetzen. Das Projekt führt der Künstler gemeinsam mit seinen Kindern durch. Die Themen Familie, Erziehung und das Bild des Mannes fließen immer wieder in das Werk von Ben-Ner ein.

Als absurde Poesie bezeichnet der belgische Künstler Guillaume Bijl die von ihm als "Sorry's" betitelte Werkgruppe: "Als ich im Jahre 1987 anfing, einige kleine absurde Assemblagen aus bestehenden Gegenständen zusammenzufügen (und mithin eine Abstraktion schuf), verriet ich sozusagen meine eigene realistische Form. Diese kleineren Werke habe ich deshalb ,Sorry's' genannt." Das Projekt für Münster ist die Inszenierung einer archäologischen Stätte. Auf einer Grünfläche in Münster platziert Bijl einen circa sechs Meter hohen Hügel, in dessen Mitte sich eine acht Meter tiefe Grube auftut. Dort wird ein Turm versenkt. Der Stadtname Münster leitet sich vom lateinischen monasterium (Kloster) ab: Der Künstler versenkt dort demnach nicht nur das scheinbare Fundobjekt, den Turm, sondern die Stadt und ihre Geschichte selbst.

Auf dem Domplatz in Münster befinden sich einige der letzten öffentlichen Toilettenanlagen, wie es sie früher in vielen Städten gab. Inzwischen sind die "Bedürfnisanstalten" weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden. Die unterirdischen Toilettenräume auf dem Domplatz haben überdauert und werden immer noch stark frequentiert: Hier findet dreimal in der Woche ein großer Wochenmarkt statt, touristische Ziele sind in der Nähe, Bushaltestellen flankieren den Platz, Post und öffentliche Gebäude sind in der Nachbarschaft. Den schlechten Zustand dieser Toilettenanlagen macht der Künstler Hans-Peter Feldmann zum Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit. Sein Projekt, die Toilettenräume von Grund auf zu sanieren, zielt darauf ab, einer Vielzahl von Besuchern ästhetische Negativerfahrungen zu ersparen. Feldmann versteht seinen Beitrag zu skulptur projekte münster 07 als Dienstleistung für eine breite Öffentlichkeit. Der Künstler wird die Räume neu gestalten, die Beleuchtung verbessern und die bisherige Kostenpflicht des Toilettengangs abschaffen.

Auf dem Prinzipalmarkt, der zentralen Einkaufsstraße von Münster, will der Künstler Marko Lehanka eine große Blume installieren. Die einzelnen Blütenblätter bestehen aus Surfbrettern, den Blütenkelch bilden ein Monitor und Lautsprecher, die mit einem Computer verbunden sind. Die Blume lockt die Menschen an, um ihnen Geschichten zu erzählen. Der Autor wird vom Computer abgelöst, das heißt, die Software, die Lehanka in mehrjähriger Arbeit selbst entwickelt hat, generiert auf der Grundlage von eingespeisten Wörtern Geschichten mit einem Bezug zu Münster. Die Besucher hören über die Laut-sprecher, wie der Computer die Geschichten vorträgt, und können die Sätze auf dem Monitor mitlesen. Der Schluss ist immer gleich: Alle Erzählungen enden mit dem Tod der handelnden Personen. Eine Lesestunde voller Irritationen.

Für die Skulptur Projekte 1977 entwarf der amerikanische Künstler Bruce Nauman eine Skulptur, die damals nicht realisiert werden konnte. 30 Jahre später hat das Kunstwerk "Square depression" nichts an Aktualität verloren und wird für die Ausstellung 2007 am ursprünglichen Ort, im Bereich der naturwissenschaftlichen Institute der Universität (Wilhelm-Klemm-Straße), aufgebaut. In "Square Depressi-on", oft als "negative Pyramide" bezeichnet, konstruiert Nauman eine "geomorphologische Depression": eine Senke. Bei der Skulptur handelt es sich um ein platzähnliches Gebilde mit einem Durchmesser von 25 Metern, eine quadratische Vertiefung, deren Kanten sich zum Mittelpunkt hin senken. Betritt man den Mittelpunkt, so sieht man die Außenkanten in Augenhöhe: Der Besucher steht auf einer "negativen Bühne", er wird sozusagen im Inneren der Skulptur zur Schau gestellt.

Die schottische Künstlerin Susan Philipsz plant ein zweiteiliges Projekt. Zu der Musik "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saëns entwickelt sie eine einmalige Performance von Synchronschwimmerinnen im Stadtbad Mitte. Am Tag der Eröffnung von skulptur projekte münster 07 zeigen die Sportlerinnen eine Choreographie zum "Schildkröten-Can-Can". Saint-Saëns bezieht sich in dem Stück "Tortues" auf den "Can-Can" aus Jacques Offenbachs Komposition "Orpheus in der Unterwelt". Während bei Offenbach die Tänzerinnen in rasantem Tempo die Beine fliegen lassen, spielen die Streicher bei Saint-Saëns den Tanz im "Schildkrötentempo". Die Persiflage war der Grund dafür, dass Saint-Saëns den "Karneval der Tiere" zu Lebzeiten nicht veröffentlichen wollte. Er hatte Angst um seinen Ruf. Der zweite Teil des Projekts von Susan Philipsz ist eine Audioinstallation, die sie für die gesamte Laufzeit einrichtet.

Skulptur projekte münster 07 wird nach 1987 und 1997 die Zusammenarbeit mit Thomas Schütte fortsetzen. 2007 kehrt der Künstler an den Harsewinkelplatz, einen öffentlichen Platz mitten im Zentrum, zurück, wo er 1987 eine Skulptur installierte, die zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt Münster wurde. Die "Kirschensäule", ein ironisch-kritischer Hinweis auf Münsters Architektur, war in den nachfolgenden Jahren Anlass für eine Neugestaltung des Ortes: Aus einem Parkplatz wurde ein Stück Fußgängerzone. Inzwischen hat dort ein Café eröffnet, dessen Besucher bei gutem Wetter direkt unter der "Kirschensäule" sitzen, und ein Brunnen wurde errichtet. Thomas Schütte nimmt sich 2007 dieses Brunnens an und überbaut ihn für die Dauer der Ausstellung mit einer rechteckigen Glaskonstruktion. Auf dem Dach installiert Schütte eine leuchtend orange Skulptur, ein Modell für ein Museum, das formal an ein Hochhaus erinnert. Die künstlerische Arbeit ist ein Gegenentwurf zur kleinteiligen Bebauung des Harsewinkelplatzes.



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