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Mitteilung vom 22.12.05

Foto zur MitteilungDer Drahtwebstuhl "H 49" ist am 8. Januar auf Zollern in Betrieb zu sehen.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungDer 500. Drahtwebstuhl wurde 1956 bei der Firma Jäger in Münster gebaut.
Repro: LWL


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Presse-Infos | Der LWL

Ein Riese mit Fingerspitzengefühl
Drahtwebstuhl läuft in der Ausstellung "Aufbau West" auf Zollern

Bewertung:

Hamm/Münster/Dortmund (lwl). Gut drei Tonnen bringt der stählerne Riese mit der Maschinennummer H 49 auf die Waage. Drei Tonnen Gusseisen, Stahl und jede Menge Blech. Umso erstaunlicher, dass der wuchtige Koloss feinsten Maschendraht webt. Der Drahtwebstuhl ist einer von insgesamt 300 Objekten, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in der Sonderausstellung "Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder" im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV in Dortmund präsentiert. Am Sonntag, 8. Januar, wird der Drahtwebstuhl auf Zollern in Betrieb gezeigt (11 bis 17 Uhr).

Teilweise demontiert und durch die DDR-Regierung enteignet, stand die Maschinenfabrik Emil Jäger im thüringischen Neustadt/Orla in der Nachkriegszeit faktisch vor dem Aus. Der Firmenchef floh 1948 in den Westen, um hier sein Familienunternehmen wieder aufzubauen. Eine solide Grundlage für den Neubeginn war nicht nur die Tatsache, dass ihm viele Fachkräfte aus Thüringen folgten, sondern vielmehr der glückliche Umstand, dass Jäger schon während des Krieges Sicherheitsverfilmungen seiner Maschinenpläne anfertigen lassen hatte. Neben dem Wissen im Kopf waren diese rund 1.500 Kleinbildaufnahmen das Fundament für den Neubeginn.

Für einen erfolgreichen Start im Westen sorgte 1948 das Angebot der "Westfälischen Union": Jäger sollte die Maschinen für die Neueinrichtung einer Drahtweberei in Hamm bauen. Das damals führende Unternehmen der deutschen Drahtindustrie stellte dafür Platz auf dem werkseigenen Gelände, Maschinen sowie Geld zur Verfügung. Am 1. Juli 1949 war der erste Drahtwebstuhl fertig.

Die Unternehmensgeschichte von Emil Jäger war in der Nachkriegszeit kein Einzelfall: "In der Maschinenbaubranche siedelten sich zahlreiche Firmen und Fachkräfte aus dem Osten in den westlichen Besatzungszonen an und bauten sich dort eine Existenz auf, wo alte Fabrikhallen standen oder Platz für neue war. Dabei profitierte die Branche nach 1945 viel vom 'Osttransfer'", erklärt Dr. Arnold Lassotta vom Ausstellungsteam.

Platzmangel in Hamm sowie ein günstiges Angebot brachten Emil Jäger 1952 schließlich dazu, seinen Betrieb nach Münster zu verlagern. Hier nahm er in den zerstörten Hallen der ehemaligen Flugzeugfabrik Hansen die Produktion wieder auf und die Erfolgsgeschichte des Unternehmens ging weiter: Die 500. Maschine wurde im Mai 1956 fertiggestellt, die 1000. folgte im Frühjahr 1961. In den 1960er Jahren avancierte Emil Jäger bereits zum größten Hersteller der Welt.

In der Geschichte des Unternehmens nimmt der Drahtwebstuhl H 49 eine ganz besondere Position ein: als ein frühes Produkt der jungen Firma in Hamm symbolisiert er den Neuanfang der Fabrik im Westen und damit den Beginn der erfolgreichen Unternehmensentwicklung. Bis 1995 bei der Firma Neuwa in Menden (Märkischer Kreis) in Betrieb, nahm das Westfälische Industriemuseum den geschichtsträchtigen Drahtwebstuhl noch im gleichen Jahr in seine Sammlung auf. Mit Unterstützung der niederländischen Firma Metaalgaasweverij Dinxperlo wurde die Maschine für die Präsentation in der Sonderausstellung "Aufbau West" restauriert, so dass das LWL-Museum den Webstuhl bei Schauvorführungen in Betrieb zeigen kann.


Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder
Ausstellung bis 26.03.2006
Zeche Zollern II/IV, Grubenweg 5
44388 Dortmund-Bövinghausen
Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr
Schauvorführung Drahtwebstuhl: So, 8. Januar 2006, 11 bis 17 Uhr



Pressekontakt:
Markus Fischer, Tel. 0251 591-235 und Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127
presse@lwl.org




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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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