LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 13.09.05

Foto zur MitteilungBau eines Wohnhauses in der Barkhofsiedlung in Nordwalde (1952), Foto: Privatbesitz

Foto zur MitteilungDer kleine Stoffaffe begleitete die neunjährige Susanne auf der Flucht von Schlesien nach Westfalen. Foto:LWL/Hudemann/Holtappels

Foto zur MitteilungZiegeleiarbeiter beim Aufstapeln gebrannter Ziegel, Anfang der 1950er Jahre. Foto: Zieglerverein Lieme

Foto zur MitteilungVertriebene auf dem Weg ins Lager Friedland. Foto: Innere Mission, Grenzdurchgangslager Friedland

Foto zur MitteilungEberhard Lipski vor der Zeche Wilhelmine Victoria in Gelsenkirchen, wo er 1952 seine Ausbildung begann. Foto: Privatbesitz

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Presse-Infos | Der LWL

"Aufbau West" im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern II/IV
Ausstellung markiert Weg von der Vertreibung zum Wirtschaftswunder

Bewertung:

Dortmund (lwl). Über zehn Millionen Flüchtlinge und Vertriebene kamen nach 1945 in die westlichen Besatzungszonen. Von vielen Einheimischen zunächst als Last empfunden, trieben sie bald den wirtschaftlichen Wiederaufbau mit voran. "Die Menschen aus dem Osten haben maßgeblich zum hiesigen Wirtschaftswunder beigetragen", erklärte Prof. Karl Teppe, Kulturdezernent des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) am, Dienstag (13.09.) bei der Vorstellung der Ausstellung "Aufbau West" im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV. Die Schau in Dortmund (18.9.05 bis 26.3.06) zeigt, wie die Menschen aus Ost und West den schwierigen Neuanfang bewältigten, die Produktion in Fabriken und Bergwerken wieder in Gang setzen und in Betrieben und Siedlungen zueinander fanden.

Schwerpunkt der Ausstellung ist die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen, wo Ende der 1950er Jahre fast jeder fünfte Einwohner aus dem Osten kam. "Der Beitrag von Flüchtlingen und Vertriebenen am Wiederaufbau ist bislang kaum beachtet worden. Die Ausstellung schließt damit eine wichtige Lücke in der Aufarbeitung der Geschichte unseres Landes", so Teppe. Darüber hinaus gebe "Aufbau West" Denkanstöße für die heutige Debatte um Migration und Integration.

300 Objekte sowie zahlreiche historische Fotos, Film- und Tondokumente begleiten die Besucher auf der Zeitreise von 1945 bis in die 1960er Jahre. Das Spektrum reicht vom Streichholzbriefchen bis zum Drahtwebstuhl, vom Glasknopf bis zum Altarbild, vom historischen Radiobeitrag bis zum Straßenschild. Unter den Exponaten sind auch viele persönliche Erinnerungsstücke, denn die Ausstellung lenkt den Blick immer wieder auf einzelne Schicksale. In biografischen Stationen wurden insgesamt 40 Lebensgeschichten wurden in Szene gesetzt. "Wir haben zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene zu ihren Erfahrungen befragt, zur Flucht, zur Ankunft im Westen, den Jahren des Wiederaufbaus, ihrem Arbeitsleben und dem heutigen Verhältnis zur alten Heimat", so Projektleiterin Dr. Dagmar Kift vom Westfälischen Industriemuseum.

Den Rahmen für diese Lebensgeschichten bildet die
wirtschaftliche Entwicklung in sechs Branchen. An den
Beispielen Montanindustrie, Bauwirtschaft, Textil- und Bekleidungsindustrie, Glasherstellung und Maschinenbau macht die Ausstellung die Ausmaße und Folgen des Ost-West-Transfers deutlich. So wurde etwa ein Großteil der 800.000 Bergleute, die bis 1954 an Ruhr und Emscher neu eingestellt wurden, gezielt aus den Flüchtlings-Aufnahmeländern angeworben. Viele warfen jedoch angesichts der schweren Arbeit schnell wieder das Handtuch. Dagmar Kift: "Um die Beschäftigten dauerhaft zu halten, modernisierte der Ruhrbergbau in den 1950er Jahren seine betriebliche Sozialpolitik und entwickelte eine neue Kulturpolitik."

Am Beispiel zweier Siedlungsprojekte in Dortmund und Nordwalde (Kreis Steinfurt) zeigt "Aufbau West" die Integrationspolitik in Nordrhein-Westfalen: In den neuen Siedlungen wurden Einheimische und Zugewanderte bewusst gemeinsam untergebracht.

Mit Know-how und Fachkräften aus dem ostdeutschen Raum, wo traditionell die Kristall- und Spezialglasindustrie heimisch war, erhielt die westdeutsche Glasindustrie nach dem Krieg eine neue Struktur. In Rheinbach bei Bonn fand die nordböhmische Glasveredelungsindustrie ein neues Zuhause, Jenaer Glas kam jetzt aus Mainz. In der Textilindustrie erweiterten Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Krieg die heimische Produktpalette, indem sie etwa Gardinen und Damenstrümpfe herstellten - Dinge, die vorher ausschließlich aus dem Osten kamen. Als neuen Standort für die Bekleidungsindustrie stellt die Ausstellung die Ruhrgebietsstadt Gelsenkirchen vor. Mit über 50 Firmen - viele davon angeworben aus Breslau, Stettin und Lodz - und rund 7.000 meist weiblichen Beschäftigten wurde die neue Branche Mitte der 50er Jahre zum fünften Standbein der Gelsenkirchener Industrie.

Vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem in Mitteldeutschland zu Hause, profitierte auch der Maschinenbau nach 1945 in erheblichem Maße vom "Osttransfer": Zahlreiche Firmen und Fachkräfte siedelten um und bauten sich dort eine Existenz auf, wo alte Fabrikhallen standen oder Platz für neue war. Die Kehrseite der Entwicklung markiert Dagmar Kift so: "Der Wiederaufbau des Maschinenbaus unter erheblicher Beteiligung ehemals ostdeutscher Firmen stärkte die Wirtschaft Westdeutschlands, verhinderte nach 1990 aber genau wie in der Textilindustrie ein Wiederanknüpfen an die alte regionale Arbeitsteilung."

Heute erinnern vielfältige Spuren an die Zeit des "Aufbau West". Wer einen Audi fährt, Kaiser-Backformen in den Ofen schiebt und sich mit Odol den Mund spült, benutzt Produkte von Firmen, die ursprünglich im Osten angesiedelt waren und nach 1945 in den Westen übersiedelten. Neben solchen Konsumgütern weisen Siedlungen, Straßenschilder und Denkmäler sowie Städtepartnerschaften auf die Zuwanderung hin. Schirmherrin Dr. Christina Weiss, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, fasst die Leistung von "Aufbau West" im Grußwort zum Katalog so zusammen: "Die Ausstellung holt Erinnerungen aus der Binnenwelt regionaler und lokaler Heimatstuben heraus und verknüpft sie mit der Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik."

Zur Ausstellung gibt es zahlreiche Begleitveranstaltungen - von Vorträgen über Lesungen bis zum Heimatfilmabend. Für Schulklassen wurden eigene museumspädagogische Programme entwickelt. Interessenten können dazu eigene Faltblätter anfordern (0231 6961-0). Für Einzelbesucher hat das Ausstellungateam ein eigenes Quiz entwickelt. Alle Informationen auch im Internet unter www.ausstellung-aufbau-west.de.


Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder
18.9.2005 bis 26.3.2006

Westfälisches Industriemuseum Zeche Zollern II/IV,
Grubenweg 5, 44388 Dortmund
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Besucherservice: Tel. 0231 6961-0
Eintritt: Erwachsene 5 €, ermäßigt 3 €, Kinder 2 €
Katalog, 275 Seiten, Klartext Verlag Essen, 19,90 €



Pressekontakt:
Markus Fischer, Tel. 0251 591-235 und Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127
presse@lwl.org



Links:
http://www.ausstellung-aufbau-west.de.



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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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