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Mitteilung vom 10.01.03

Foto zur MitteilungAus massiver Bronze und kaum fingerlang: Mit Hilfe dieser Stäbchen haben die Germanen im 3. und 4. Jahrhundert den Willen der Götter enträtselt - diese vier stammen von der Zeche Erin in Castrop-Rauxel.
Foto: LWL/M.Egbert


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Verloren oder geopfert?
Ein Marktplatz mit Kultcharakter

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Castrop-Rauxel (lwl). Regelmäßige Marktbesucher kennen das. Man geht einkaufen, hat eine volle Tasche, viel zu tragen, ein Geldstück fällt hin, beim Aufheben purzelt eine Möhre aus dem Korb, ein Joghurtbecher zerplatzt auf dem Boden... Ähnliches erlebten Menschen schon immer, auch vor knapp 1700 Jahren. Eine besondere Häufung von verlorenen Dingen allerdings, noch dazu an der Stelle eines ehemals schlammigen Gewässers, das ist ungewöhnlich. Da muss mehr dahinterstecken, vermuteten die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Im neuen Westfälischen Museum für Archäologie in Herne, das der LWL Ende März eröffnet, stellen die Wissenschaftler einige Objekte aus, die sie auf dem Gelände der ehemaligen Zechenanlage Erin in Castrop-Rauxel fanden. "Wir denken, dass die Germanen den Ort als Handelsplatz, aber auch zur Kultausübung benutzten", erklärt LWL-Archäologe Dr. Josef Mühlenbrock die Funde, die vor allem aus dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. stammen. "Vielleicht haben Händler einen Teil ihres Gewinns den Göttern geopfert, vielleicht haben Marktbesucher Münzen als Glücksbringer ins Gewässer geworfen - ähnlich wie heute Touristen Geldstücke in Brunnen werfen. " Ein weiteres Indiz dafür: Die Germanen hätten laut römischer Autoren keine Tempel gehabt, sagt Mühlenbrock, sie verehrten ihre Götter an Seen und in Wäldern.

Ihm Rahmen der Planung und Erschließung des neuen Landschafts- und Gewerbeparks in Erin entdeckten die Archäologen zwischen 1991 und 1994 umfangreiches Material: Einen germanischen Fingerring, ein wertvolles Goldplättchen, einen Silberring, Anhänger, Blei- oder Bronzebarren, einen dreilagigen Knochenkamm, eine germanische Fibel aus Silber. In dem lehmig-mergeligen Boden des Handels-, Werk- und Marktplatzes sind die Fundstücke gut erhalten. "Man kann sich vorstellen, dass in dem morastigen Untergrund vieles, was hinfiel, einfach verschwand", erläutert Mühlenbrock die Vielzahl der Funde. Die über 250 römischen Münzen allerdings, geprägt in London, Konstantinopel, Lyon oder Trier, waren für die Germanen allein schon wegen des Edelmetallwertes viel zu wertvoll, als dass alle verloren gegangen sein könnten.

Die Wissenschaftler fanden zwar insgesamt knapp 13.000 Knochen mit einem Gesamtgewicht von 185 Kilogramm - vor allem von Haustieren. Komplette Skelette von Rindern oder Hunden aber, die die Germanen in Gruben niederlegten, lassen andere Schlüsse zu. "Sie haben die Tiere geopfert", nimmt Mühlenbrock an. Im Museum wird ein rekonstruiertes Pferdeopfer zu sehen sein: Die Germanen hatten das Tier geschlachtet und gehäutet. Nur Schädel und Beinknochen blieben im Fell. Die Pferdehaut legten sie über einen Ast und stellten ihn in den Morast.

Dem Kultcharakter trägt auch das Herner Museum Rechnung. In drei hohen Vitrinen, von Gaze-Tüchern umhüllt, hängen die Ausstellungsmacher die Exponate. Mühlenbrock: "Durch Schlitze blickt der Betrachter auf die schwebenden Exponate, es sieht mystisch aus, als wenn man durch wabernde Nebel schauen würde."








Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon 0251 591-235
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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