LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 15.01.02

Foto zur MitteilungMit solchen Prahms transportierten die Römer ihre Güter über Wasserwege. Teilansicht des Oceanus-Mosaik der Peristyl-Villa in Bad Kreuznach.
Foto: LWL


Foto zur MitteilungDie stark geschwundene Lippe mit ihren Altarmen aus der Vogelperspektive zwischen Werne und Bergkamen. (Freigabe RP Düsseldorf 19/M 52)

Foto zur MitteilungAs des Augustus aus Haltern mit Gegenstempel des Varus.

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Presse-Infos | Der LWL

Neues LWL-Buch erklärt Hermanns List gegen Varus und beschäftigt sich mit den Römern als erste Lippeschiffer

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Haltern (lwl). Haben die Römer ihre Lager in Holsterhausen (bei Dorsten/Kreis Recklinghausen), in Haltern (Kreis Recklinghausen), in Beckinghausen bei Lünen, in Oberaden (beides Kreis Unna) und in Anreppen (bei Delbrück/Kreis Paderborn) als erste Lippeschiffer mit Lastkähnen versorgt? Wie gelang es dem "Hermann der Cherusker" genannten Arminius, die römischen Truppen in den Hinterhalt zu locken und sie im Jahre 9 nach Christus in der sogenannten Varusschlacht zu vernichten?

Diesen beiden wichtigen Fragen der Römerforschung widmet sich die neueste Veröffentlichung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Unter dem Titel "Die Nutzung des Wasserweges zur Versorgung der römischen Militärlager an der Lippe" haben die Altertumskommission und die Geographische Kommission des LWL den 144-seitigen Forschungsbericht herausgegeben.

Die Archäologen haben den direkten Beweis für römische Lastkähne auf der Lippe zwar noch nicht gefunden, dennoch geht Buchautor Eckhard Bremer davon aus, dass es eine römische Lippeschifffahrt gab: "Die Lager mussten in jedem Jahr mit tausenden Tonnen Getreide, Öl, Wein und Ausrüstung versorgt werden. Das können die Römer wohl nur auf dem Wasserweg bewältigt haben. Außerdem sind fast alle Lager so nah wie möglich an der Lippe errichtet worden. Da die Römer Brunnen zur Trinkwassergewinnung bevorzugten, bleibt als mögliche Erklärung nur, dass sie den Fluss als Nachschubweg nutzten", so der Prähistoriker. Er hat anhand von altem Kartenmaterial und bei vielen Ortsterminen den natürlichen Lippe-Lauf vor dem Eingriff des Menschen rekonstruiert. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass die Römer ihre Lippe-Lager durchaus mit flachbodigen Lastkähnen versorgen konnten. Wracks von entsprechenden Prahmen, wie man die Kähne nennt, wurden im Rheinland bereits ausgegraben.

Bremer geht davon aus, dass die Römer von Wesel bis Haltern die 50 bis 60 Tonnen tragenden Großprahmen eingesetzt haben, die auch den Rhein befuhren. Dabei wurden die Schiffe getreidelt, also von Menschen oder Tieren vom Ufer aus gezogen. "Dieser bequeme Anschluss an die Rhein-schifffahrt könnte ein Grund dafür sein, dass die Römer Haltern als künftige Provinzhauptstadt ausgewählt hatten", so Bremer. In Haltern-Hofestatt mussten die Waren nach Ansicht Bremers dann auf kleinere 15-Tonnen-Boote umgeladen werden, mit denen die Lippe bis zum Lager in Anreppen befahren werden konnte. Auf der Strecke Wesel-Oberaden waren die Waren auf diese Weise neun Tage unterwegs, schätzt Bremer.

Doch nach der Varusschlacht war die römische Zeit an der Lippe vorbei. In seinem Buchbeitrag "Neue Überlegungen zur Varusschlacht" versucht der stellvertretende LWL-Kulturdezernent Wilm Brepohl zu erklären, wie Arminius den Varus und seine Truppen mit List und Tücke in den todbringenden Hinterhalt lockte. An die von Historikern meist vertretene These, dass Arminius die germanischen Stämme zusammenbrachte, um Varus und seine Legionen auf dem Weg vom Sommerlager an der Oberweser zum Winterlager bei Xanten zu überraschen, mag Brepohl nicht glauben: "Wieso bemerkten die durch zahlreiche Quellen sehr gut informierten hohen römischen Militärs angeblich nicht, dass zigtausende Germanen aus allen Richtungen an einem Ort zusammenkamen?"

Brepohl geht davon aus, dass Arminius ein zentrales germanisches Kultfest nutzte, das alle neun Jahre an ihrem obersten Kultplatz stattfand und an dem alle wehrfähigen Germanen teilnehmen mussten. "Dieses Fest kannten die Römer, deshalb schöpften sie keinen Verdacht wegen der germanischen Truppenbewegungen. Arminius, der auch römischer Offizier gewesen war, war sicher bei Varus ein gern gesehener Gast. Daher war es für ihn kein Problem, den arglosen Varus zu einer Art Gipfeltreffen der Stammeseliten einzuladen, und ihm die Gelegenheit zu geben, Roms eisernen Willen zu verdeutlichen", so Brepohl.

Die spätere Schlachtortbeschreibung des Germanicus bestätigt offenbar Brepohls These des Kultfestes. Denn dort ist von Altären, Opferschächten und an die Bäume genagelten Schädeln die Rede. "Die Bezeichnung 'saltus Teutoburgiensis' muss man nicht als Teutoburger Wald sondern als 'Opferwald der Teutoburg' übersetzen. Die Sprachforschung deutet das als 'befestigte Höhe, wo von dort aus Gottes Wille vom Priester volksverständlich gemacht wird', eine Deutung, die auf ein zentrales germanisches Heiligtum hinweist", argumentiert Brepohl.

Eckhard Bremer, "Die Nutzung des Wasserweges zur Versorgung der römischen Militärlager an der Lippe". Mit einem Beitrag von W. Brepohl, "Neue Überlegungen zur Varusschlacht". Altertumskommission: Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen XII / Geographische Kommission: Siedlung und Landschaft in Westfalen 31.

144 Seiten, 129 Abbildungen, 2 Farbbeilagen, ISSN 0938-1457, 15 Euro





Pressekontakt:
Markus Fischer Telefon: 0251 / 591-235
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