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Schulprogramm
Vorwort zum Schulprogramm
Die Schule für Sehbehinderte in Dortmund wurde 1928 von dem Augenarzt und späteren Namensgeber Martin Bartels gegründet. Im Laufe ihres nun mehr 78-jährigen Bestehens hat sich die Martin-Bartels-Schule in ihren Arbeitsfeldern fortwährend weiterentwickelt und verändert. So bilden sich gerade in der Schulentwicklung der letzten 30 Jahre die gesellschaftlichen Veränderungen, bildungspolitischen Entscheidungen und der sich erweiternde Kenntnisstand der Wissenschaft und Forschung deutlich ab:
- Stand im Bereich der Grund- und Hauptschule als zentrale Aufgabe zunächst ausschließlich die pädagogische Unterstützung von Kindern und Jugendlichen bei der Bewältigung einer vorliegenden Sehbehinderung im Vordergrund, mussten sich durch die zunehmende Zahl von Kindern und Jugendlichen mit einer zusätzlichen Lernbehinderung Strukturen und Methoden den veränderten Lernbedürfnissen anpassen.
- Anfang der 80er Jahre wurde die Schule um die Frühförderung erweitert. Die Notwendigkeit ergab sich dadurch, dass als Konsequenz aus neurologischen und entwicklungspsychologischen Erkenntnissen eine rechtzeitige und verbindliche Frühförderung bei einer vorliegenden Sehschädigung vom Bund angewiesen und die Einrichtung entsprechender Frühförderstellen an die Bundesländer weitergegeben wurde. In Nordrhein-Westfalen wurde dieser Auftrag durch die Sonderschulen für Sehgeschädigte umgesetzt.
Das Arbeitsfeld "Frühförderung" hat sich in den letzten Jahren dynamisch entsprechend der sich wandelnden Anforderungen verändert und angepasst. So wurden die Angebote aufgrund veränderter Rahmenbedingungen (s.u.) auch auf blinde Kinder erweitert. Darüber hinaus wurde im Schuljahr 04/05 eine Vorklasse eingerichtet, die in ihrem Förderangebot die besondere Bedürfnislage Sehgeschädigter im Vorschulbereich berücksichtigt und den Übergang in den Schulbereich vorbereitet.
Bildete der Frühförderbereich an der Martin-Bartels-Schule in den ersten Jahren seiner Entwicklung nur einen relativ geringen Anteil der gesamten Schülerschaft, hat er sich zu einem wesentlichen und großen Arbeitsfeld mit weit über 100 Kindern entwickelt.
- Seit Mitte der 90iger Jahre wird der gemeinsame Unterricht von sehgeschädigten Kindern und Jugendlichen an Regelschulen konsequent umgesetzt. Stand zunächst die Martin-Bartels-Schule als "Schonraum" im allgemeinen Bildungswesen im Vordergrund, wurde immer deutlicher, dass sehgeschädigte Kinder und Jugendliche ohne weiteren Förderschwerpunkt ihre Kompetenzen umfassender im sozialen Kontext mit Sehenden ausbauen und weiterentwickeln können. Es ist das Bestreben der Schule, möglichst alle Schüler, die ihre Sehschädigung ausreichend bewältigen können, im Gemeinsamen Unterricht zu betreuen. Die Grund- und Hauptschule übernimmt hier die Aufgabe Schüler und ihre Eltern an diese Herausforderung heranzuführen und Grundlagen zur Bewältigung der Sehschädigung zu schaffen.
- Seit dem Schuljahr 99/00 werden auch blinde Kinder und Jugendliche an der Martin- Bartels- Schule unterrichtet. Grundlage dieser Entscheidung durch die Bezirksregierungen und Schulträger ist die Abschaffung einer kostenintensiven und wohnortfernen Beschulung von blinden Schülern in einigen wenigen Zentren mit Internaten (Soest, Paderborn, Düren). An diese Stelle tritt die Wohnort nähere Schule, die einer sozialen Integration förderlich sein soll.
Für die Schule ergeben sich dadurch große Herausforderungen: Erfordert der Unterricht von sehbehinderten Schülerinnen und Schülern im wesentlichen eine Adaption der Medien und Methoden für Sehende, ist der Unterricht von blinden Schülerinnen und Schülern bestimmt durch abweichende Inhalte, Schwerpunkte und Maßnahmen. Somit mussten Unterrichtsstrukturen verändert (Einrichtung von klassenübergreifende Fördergruppen, Einzelfördermaßnahmen ...) und neue Fächer (Punktschrift [Voll- und Kurzschrift], Lebenspraktische Fertigkeiten [LPF], Orientierung und Mobilität [O&M]) in den Fächerkanon integriert werden.
- Mit den umfangreichen Veränderungen im Bildungsbereich des Sehbehinderten- und Blindenwesens seit 99/00 ergaben sich neue, erweiterte und ergänzende schulische Bildungsangebote. Diese Angebote wurden und werden von vielen Schülern der Martin-Bartels-Schule in Anspruch genommen: So ist die Soester Realschule für Blinde und Sehbehinderte für Eltern und Schüler der Grund- und Hauptschule ein anzustrebendes Ziel. Für die älteren Schülerinnen und Schüler sind die konkret berufsfördernden Angebote des Berufsbildungswerkes und des Berufskollegs für Blinde- und Sehbehinderte in Soest interessant.
Die Nähe der Dortmunder Schule zur Realschule und zum Berufskolleg in Soest führte einerseits zu einer Ergänzung und Unterstützung der pädagogischen Maßnahmen der Martin-Bartels-Schule (Kurssystem). Andererseits entwickelte sich eine Reduzierung der Schülerzahlen im Hauptschulbereich. Als Folge müssen in der Hauptschule Klassenjahrgänge zusammengefasst und deren Zusammensetzung zu Beginn eines jeden Schuljahres immer wieder neu strukturiert werden.
- Im Schuljahr 04/05 ergaben sich durch die auch langfristig absehbare Veränderung der Schülerschaft Überlegungen zum Aufbau eines Bildungsbereiches für sehgeschädigte Schüler mit dem Förderbereich "Geistige Entwicklung". Waren die Überlegungen zunächst dadurch bestimmt die Grundlagen auf der administrativen Ebene zu schaffen und die Voraussetzungen einer Erweiterung des Bildungsangebotes zu überprüfen, ergibt sich im Schuljahr 05/06 aufgrund der veränderten Gesetzesgrundlagen (AO-SF) die Vorgabe, auch Schüler im Bildungsgang für den Förderschwerpunkt "Geistige Entwicklung" zu beschulen.
Mit der aufgezeigten Entwicklung ergeben sich für die Martin- Bartels- Schule folgende wesentliche Arbeitsfelder:
- die Frühförderung noch nicht schulpflichtiger sehgeschädigter Kinder durch Förderangebote in Familien, Regel- und Sonderschulkindergärten;
- Gemeinsame Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkten "Sehen", "Lernen" und "Geistige Entwicklung" in der Grundschule;
- Gemeinsame Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkten "Sehen", "Lernen" und "Geistige Entwicklung" in der Hauptschule;
- Gemeinsamer Unterricht von sehgeschädigten Schülern an allgemeinbildenden Schulen;
In allen Arbeitsfeldern zeigt sich, dass die Integration zum wichtigen Leitmotiv unserer Arbeit wird.
Unsere Bestrebungen verfolgen
- die Integration sehgeschädigter Schüler in wohnortnahe allgemeine Schulen;
- die Integration sehgeschädigter Kinder im Vorschulalter in die Familien und in die Regel- oder Integrativen Kindergärten;
- die Integration blinder Schüler in das Lern- und Lebensumfeld der Sehenden;
- die Integration von Schülern mit dem Förderschwerpunkt "Lernen", "Geistige Entwicklung" und "Sehen" in ein gemeinsames Lern- und Lebensumfeld;
- letztendlich das übergreifende Ziel, behinderte Menschen bei einer umfassenden Integration in die Gesellschaft zu unterstützen.
Im Folgenden wird jeweils für die vier aufgeführten wesentlichen Arbeitsfelder der Martin-Bartels-Schule die Entwicklung - gegliedert in Bestandsaufnahme, Entwicklungsziel, Arbeitsplan, Fortbildung und Evaluation - dargestellt. Einzelne Konzepte sind anschließend beigefügt.
Das komplette Schukprogramm als PDF (433 kb) downloaden.
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