08:15 Uhr – Schulhof der Martin-Bartels-Schule: Die Aufsicht führende Lehrperson steht auf dem Schulhof und wundert sich ein weiteres Mal darüber, wie wach und lebhaft unsere Schülerinnen und Schüler bereits um diese Uhrzeit sein können. Aber ist es ein Wunder? Viele Kinder stehen schon sehr früh am Morgen auf, da sie zeitig von dem Taxi abgeholt werden, das sie zur Schule bringen wird – gemeinsam mit anderen Mitschülerinnen und Mitschülern. Die Lehrperson erfährt alle Einzelheiten des gerade beginnenden Tages. Ein ganz normaler Morgen an unserer Grundschule.
08:30 Uhr: Es schellt. Schnell laufen die Jungen und Mädchen zu ihren Klassen – offensichtlich freuen sie sich sehr auf den Unterricht. Der beginnt dann meist mit einem kurzen Erzählkreis, in welchem die Kinder noch einmal die Möglichkeit erhalten, ihre Erlebnisse zu schildern.
Dann beginnt der Schulalltag: Mathematik, Sprache, Sachunterricht, Kunst, Sport und was sonst zum Fächerkanon der Grundschule gehört – alles im Wechsel mit den ersehnten Pausen. Die verbringen die Kinder auf dem Schulhof mit der Möglichkeit, sich diverse Spielsachen in der Spielzeugausleihe zu borgen. Gespannt wird auch das Ende der Bauphase der Ausbildungsstätte „Agricola“ erwartet, welche sich das Ziel gesetzt hat, den Schulhof mitsamt dem weiteren Gelände interessant und schülerorientiert zu gestalten.
12:15 Uhr: Endlich, der Unterricht war zwar gut, aber jetzt heißt es für die Klassen E, 1 und 2: „Ab in die Betreuung!“ Bei gutem Wetter bedeutet das: draußen auf dem Schulhof spielen, Kettcar fahren, im Sand buddeln und vieles mehr. Bei schlechtem Wetter bedeutet es: Gesellschaftsspiele, basteln, malen, puzzeln oder auch einfach schon einmal die Hausaufgaben erledigen.
Oftmals sind die Kinder enttäuscht, wenn es dienstags bereits nach der 4. Unterrichtsstunde nach Hause geht. „Wie? Ist heute keine Betreuung?“ hört man dann nicht selten.
Doch zum Glück gibt es neben dem Lehrplan der Grundschule noch viele andere, gemeinsame Aktionen, die den Schülerinnen und Schülern viel Freude bereiten und sie begeistern. Als eine Unternehmung ist zum einen das „Grundschulsingen“ zu nennen, welches einmal in der Woche stattfindet und fest im Stundenplan integriert ist. Alle fünf Jahrgänge der Grundschule proben in dieser Zeit jahreszeitliche, lustige und kindgerechte Lieder gemeinsam ein und werden durch Fachlehrerinnen und -lehrer mit musikalischer Untermalung begleitet. Besonders motivierend ist es natürlich, wenn die Kinder wissen, dass sie für einen Auftritt üben. Aus diesem Grund tritt der „Grundschulchor“ regelmäßig auf – ausreichend Anlässe gibt es immer; beginnend mit der Einschulungsfeier am Schuljahresbeginn und endend mit der Abschlussfeier zu den Sommerferien. Feste wie St. Martin, Weihnachten, Karneval oder auch besondere Geburtstage (z. B. wenn die Schule 80 Jahre alt wird) werden mit Gesangsstücken des Grundschulchors verschönert.
Feste feiern alle Jungen und Mädchen gern. Besonders toll ist es jedoch, wenn diese „im großen Rahmen“ begangen werden und nicht nur innerhalb der Klassen – denn im Gegensatz zur allgemeinen Grundschule mit einer Klassenstärke von im Schnitt 25-30 Kindern besteht unser gesamter Grundschulbereich aus (aktuell) 34 Schülerinnen und Schülern. Feste wie St. Martin oder Karneval werden innerhalb der gesamten Grundschule gefeiert, wobei die Feiern unterschiedlicher nicht sein können. Die St. Martins-Feier wird besinnlich und ruhig ausgerichtet, um die vorab in den Klassen geleisteten Arbeiten beim Basteln der Laternen angemessen würdigen zu können und zudem den Gedanken des „Teilens“ durch ein Frühstück oder das Verteilen von beispielsweise Weckmännern zu vermitteln. Karneval hingegen ist laut, bunt und aktionsreich. Hier werden neben einer Modenschau zahlreiche Tanz- und Bewegungsspiele angeboten. Diese Feste werden zum Teil in der Eingangshalle der Schule durchgeführt, so dass es immer auch bereits im Vorfeld der Feiern gemeinsame Aktionen gibt: Schmücken der Halle, Bereitstellen benötigter Tische und Bänke etc. „Besondere“ Feste, die bei den Kindern einen hohen Stellenwert einnehmen, werden im Klassenverband – jedoch mit Einbeziehung der Eltern – gefeiert. Ein Beispiel dafür ist Weihnachten. In den Dezemberwochen ist die Küche der Martin-Bartels-Schule ausgelastet, denn oft werden Eltern zu einem gemeinsamen Backen eingeladen. „Projektwoche“ ist das nächste Stichwort, das an dieser Stelle erwähnt werden soll. Themen wie „Mittelalter“, „Europa“ und „Zirkus“ wurden jeweils in klassenübergreifenden Gruppen innerhalb einer Schulwoche mit allen Schülerinnen und Schülern der Martin-Bartels-Schule mit Leben gefüllt. Dies geschah auf unterschiedlichste Arten – es wurde gebastelt, gemalt, gekocht, gesungen, getanzt und – gelacht! Eine abschließende Vorführung vor Publikum motivierte die Kinder, durchzuhalten, und zollte ihnen den Respekt, den sie sich verdient hatten.
Als weiteren Punkt in bezug auf schulische Aktionen möchten wir die Bücherei erwähnen, welche regelmäßig geöffnet ist, um den Jungen und Mädchen sowohl der Grund- als auch der Hauptschule die Möglichkeit zu geben, sich Bücher oder Hörspiele auszuleihen. Insbesondere für un-sere blinden Kinder ist die Bücherei wichtig, da sie innerhalb der Schule die Chance erhalten, sich auch Bücher in Punktschrift mit nach Hause zu nehmen – neben den Schulbüchern. Sicherlich werden durch den Prozess des Ausleihens viele weitere (für uns Lehrerinnen und Lehrer bedeutsame) Schlüsselqualifikationen bei den Schülerinnen und Schülern geübt, wie z. B. Sorgfalt, Selbständigkeit, Pflichtbewusstsein, um nur wenige zu nennen.
Kommen wir nun zu den Aktionen der gesamten Grundschule an außerschulischen Lernorten – sprich „Ausflüge“. Besonders viel Spaß bereitet allen Beteiligten der Rodelausflug ins nahe gelegene Sauerland: keine überfüllten Skipisten, sondern eine große, freie Wiese – nur für die Kinder der Martin-Bartels-Schule – und Schnee satt – wenn das Wetter mitspielt. Da finden nicht nur die Jungen und Mädchen Spaß daran, mit dem Schlitten den Hang hinabzurodeln… Auch der alljährlich stattfindende Ausflug zum Dortmunder Weihnachtsmarkt macht mit seinen vielfältigen Attraktionen Lust auf mehr. War es anfänglich nur ein Gang über den Weihnachtsmarkt, so ist es heute der Besuch des „Weihnachtsdorfes“ mit den darin enthaltenen unterschiedlichen Angeboten, wie z. B. der Weihnachtsbäckerei. Aufführungen im Kindertheater „Fletch Bizzel“ werden wahrgenommen – zur Weihnachtszeit beispielsweise das Weihnachtssingen. Hier kann der Grundschulchor sein Können tatkräftig unter Beweis stellen.
Sicherlich werden häufig auch themenbezogene Exkursionen unternommen, bei welchen neben dem Spaß auch die inhaltlichen Aspekte eine Rolle spielen. Zu nennen sind neben dem Be-such des Bergbaumuseums, Ausflüge zur Feuerwehr, zur nahe gelegenen Rettungswache, zu einer Bäckerei oder auch zur Polizeistation. Ein besonderes Highlight stellte bisher die Besichtigung der Hubschrauberstaffel der Polizei am Dortmunder Flughafen dar. Nach dem Motto „Hubschrauber zum Anfassen“ durften die Schülerinnen und Schüler in den Helikopter klettern, alles untersuchen und anfassen und live miterleben, wie ein Hubschrauber aus nächster Nähe gestartet wurde.
Neben den Ausflügen unternimmt die Grundschule auch – zum Teil gemeinsame – Klassenfahrten. Diese müssen nicht mit einem Thema aus den Lehrplänen verbunden werden, was jedoch die Neugierde und Vorfreude der Kinder auf den Zielort fördert. So wurden mehrtägige Klassenfahrten z. B. zur Römerausstellung in Xanten oder zum Bauernhof in Emsdetten durchgeführt. Erwähnenswert ist zudem die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der benachbarten Schule am Marsbruch. Sowohl klassenweise als auch als gesamte Grundschule findet ein Austausch statt: sei es beispielsweise eine dargebotene Miro-Ausstellung, welche gemeinsam mit einer Klasse der Schule am Marsbruch besichtigt wurde, oder der regelmäßig stattfindende Gottesdienst, der von beiden Schulen besucht und – je nach Thematik – mit den Kindern vorbereitet und durchgeführt wird.
Natürlich bleibt neben all den Aktivitäten noch immer ausreichend Zeit, um zu unterrichten. Dabei wird besonders viel Wert auf die Umsetzung der Schlagwörter „Handlungsorientierung“, „Praxisbezogenheit“ und „Anschaulichkeit“ gelegt. Hinzu kommen die spezifischen Unterrichtsinhalte, die die Kinder im Laufe der Grundschulzeit als Vorbereitung auf die Sekundarstufe I erlernen müssen. Dazu zählen neben dem Umgang mit der Punktschriftmaschine, die Handhabung des Langstockes, das Erlernen von Führungstechniken, die Anwendung eines Monokulars, der Gebrauch einer Lupe und des Bildschirm-Lesegerätes ebenso wie auch die Einführung des 10-Finger-Systems an der Computertastatur, der damit verbundenen Umgang mit dem Computer und die richtige Nutzung des Internets. Ei-ne Übung zur Nutzung des Internets ist das Projekt „Antolin“, welches auch in der Grundschule Anwendung findet. „Motivation ist alles!“ – Aus diesem Grund versuchen wir in der Grundschule möglichst viele Unterrichtsinhalte entsprechend anzubieten. So erhalten die Jungen und Mädchen beispielsweise die Gelegenheit, Führerscheine zu erwerben, wie z. B. den Füller-Führerschein, den Fußgänger-Führerschein oder auch den Rollbrett-Führerschein. Auch die Vorführung von Erlerntem in anderen Klassen ist sehr beliebt und fördert die Bereitschaft der Kinder, sich mit einer Thematik auseinanderzusetzen. Eine Ausstellung ist eine weitere Möglichkeit, damit die Kinder ihre Arbeit präsentieren und ihren Mitschülerinnen und Mitschülern die Chance bieten können, sich ebenfalls mit der Thematik vertraut zu machen. Äußerungen wie „Sechs Wochen Sommerferien sind aber lang!“ sind für uns Lehrerinnen und Lehrer erstrebenswert und zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind!
Und nun an dieser Stelle nur noch ein paar „trockene Fakten“ zum Schluss. Im Schuljahr 2007/2008 setzte sich die Grundschule aus vier jahrgangs- und auch bildungsgangübergreifenden Klassen zusammen, in denen insgesamt 34 Schülerinnen und Schüler unterrichtet wurden. In der Eingangsklasse (Klasse E) werden die Kinder auf das schulische Lernen vorbereitet. Neben den Schülerinnen und Schülern im Bildungsgang der Grundschule werden in den Klassen E bis 4 auch Kinder in den Bildungsgängen für die Förderschwerpunkte Lernen und Geistige Entwicklung unterrichtet.
Das Grundschulteam
Das klingt sicher nach einer großen Sache und das ist es für uns auch. Als einmal nur die Grundschüler in der Pause waren, wurde die Aufsicht führende Lehrperson von einem Besucher der Schule gefragt, wann denn „die Klasse“ wieder reingeht. Es mag also den Anschein haben, als wären 34 Schülerinnen und Schüler eine leicht zu hütende Herde. Wer aber einmal mit dieser „kleinen Herde“ an einem der letzten Schultage, wenn es Ende Juli sommerlich warm ist, den Robinson-Spielplatz des Westfalenparks besucht, der wird eines Besseren belehrt. Üblicherweise werden die Schülerinnen und Schüler morgens um 08:15 Uhr – also eine Viertelstunde vor Unterrichtsbeginn – aus ihren Taxen und Bussen entlassen. Am Ausflugstag werden sie dann gleich von ihren Klassenlehrerinnen und -lehrern in Empfang genommen und zu dem vor jedem Ausflug obligatorischen „Gang zur Toilette“ geleitet. Wenn alle bereit sind, dann erfolgt der „Abmarsch“ in wohl geordneten Zweierreihen. Allerdings bedarf diese schöne Ordnung immer wieder einer freundlichen Aufmunterung, um nicht dem allgemeinen Bewegungsdrang und der Vorfreude zum Opfer zu fallen. Viele Hände helfen, die Schar zusammenzuhalten. Der schuleigene Bollerwagen, beladen mit vielen Getränken und der einen oder anderen leckeren Überraschung wird auch von einer helfenden Hand gezogen. Nachdem wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß etwa eine Stunde unterwegs waren, kommen wir am Spielplatz an und stellen fest, dass wir glücklicherweise nicht die einzige Schule vertreten, die sich am Ende des Schuljahres einen Ausflug auf den Spielplatz gönnt, denn sonst wäre es ja langweilig. Also stürzt man sich hinein ins Getümmel und ergattert noch eine Bank, die für ein paar Stun-den als Sammelstelle und Versorgungsplatz die-nen soll. Und dann? Dann sind die Kinder nicht mehr zu halten und erkunden die Spielgeräte auf eigene Faust. Für die nächste Zeit haben die Klassenlehrerinnen und -lehrer einen aufmerksamen Blick auf ihre Schülerinnen und Schüler, die sich mit zunehmendem Mut die Möglichkeiten einer neuen Umgebung erschließen. Beim Ausprobieren von Schaukel, Rutsche und Kletterturm – nur unterbrochen durch einen Becher Sprudel (oder auch zwei) und ein Pflaster auf dem Knie – vergeht die Zeit wie im Flug und es wird schon wieder zum Sammeln geblasen. Die Klassenkasse und das Portemonnaie der Klassenlehrerin oder des Klassenlehrers enthalten meist noch genug für eine Runde Eis. Anschließend geht es wieder zurück zur Schule, wo die Kinder erschöpft aber glücklich zu ihren Taxen und Bussen laufen, um nach Hause zu fahren und ihren Eltern zu erzählen, dass es in der Schule wieder toll war.
Markus Berson