
(Stand: 2008)
Seit nun fast 5 Jahren arbeite ich ausschließlich als Lehrerin im gemeinsamen Unterricht. Jedem meiner sehbehinderten Kinder und Jugendlichen im GU sind 2 Unterrichtsstunden pro Woche an Förderung genehmigt worden. Insofern betreue ich zurzeit 14 Schülerinnen und Schüler an 13 verschiedenen Schulen, von der 1. bis zur 9. Klasse, querbeet durch alle Schulformen – und leider auch querbeet durch das große Einzugsgebiet unserer Schule, so dass ich mir manchmal wie eine „Handelsreisende in Sachen Sehbehindertenpädagogik“ vorkomme. Ein Großteil meiner derzeitigen Schülerinnen und Schüler im GU besucht noch eine Grundschule. Dort bin ich meist mit der „Regelschulkollegin“ gemeinsam in der Klasse. Je nach aktuellem Förderbedarf meiner Schülerin oder meines Schülers gebe ich ihr/ihm im Klassenverband oder in einer Kleingruppe verschiedene Hilfestellungen, damit sie/er dem Unterricht besser folgen kann. Darüber hinaus achte ich darauf, dass die Schülerinnen und Schüler spezielle Hilfsmittel bekommen, um im Unterricht weiterhin erfolgreich ohne Überanstrengung mitarbeiten zu können. Den Umgang mit diesen Hilfsmitteln trainiere ich dann weitgehend im Einzelunterricht.
Zwei Schüler sind zurzeit in der 4. Klasse. Bei ihnen hat in diesem Schuljahr die Beratung bzgl. der weiteren Schullaufbahn einen wichtigen Platz eingenommen. Es ging darum, in Zusammenarbeit mit den „Regelschulkolleginnen“ und den Eltern zu überlegen, wo die Kinder in Zukunft am besten gefördert werden können: weiterhin an einer allgemein bildenden Schule im GU oder doch besser an der Martin-Bartels-Schule. Bei den Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe mit ihren ganz anderen Rahmenbedingungen geht meine Mitarbeit im Unterricht immer mehr zurück zugunsten der Einzelförderung im Sinne von Training im Umgang mit Hilfsmitteln und dem Computer.
Mein zweites Hauptbetätigungsfeld neben der Arbeit „am Schüler“ ist die Information der „Regelschullehrerinnen und –lehrer“ über die jeweiligen Auswirkungen der Sehbehinderung im Unterricht und den Einsatz der Hilfsmittel sowie die Beratung darüber, wie sie ihren Unterricht und die Arbeitsmittel an die Bedürfnisse des sehbehinderten Kindes oder Jugendlichen anpassen können. Auch Tipps, welche Maßnahmen die soziale Integration in die Klasse erleichtern können, werden meist gewünscht. Dies geschieht einführend in Klassenkonferenzen, später in Einzelgesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen der allgemein bildenden Schulen. Auch außerhalb der Schule benötigen meine Schülerinnen und Schüler bzw. ihre Eltern teilweise Unterstützung und Beratung, so z. B. beim Augenarzt bzw. beim speziellen Optiker zur Abklärung bestimmter Fragestellungen bzgl. der Sehbehinderung oder geeigneter Hilfsmittel.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Begleitung in der Phase der Berufsfindung. So hat eine Schülerin im Rahmen der Berufsfindungsmaßnahmen vor kurzem das obligatorische Schülerbetriebspraktikum in der 9. Klasse absolviert. In dem Zusammenhang ging es darum, eine für sie geeignete Praktikumstelle zu finden und die sie im Praktikum betreuenden Personen bezüglich evtl. notwendiger Hilfestellungen zu beraten. Demnächst stehen bei ihr eine Begleitung zum Reha-Berater des Arbeitsamtes sowie ein Informationsbesuch im Berufsbildungswerk und im Berufskolleg für Blinde und Sehbehinderte in Soest an. Manchmal reichen die Unterstützungsmöglichkeiten, die der GU bieten kann, leider nicht aus und den Schülerinnen und Schülern wird die Belastung – gerade an der weiterführenden Schule – einfach zu viel. Eine Schülerin und ein Schüler aus der Sekundarstufe überlegen zurzeit, ob sie nicht doch lieber an die Realschule bzw. das Gymnasium für Blinde und Sehbehinderte wechseln sollten.
Anja Bockrath