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Franz Giese

Geboren am 25. Dezember 1845 in Münster. Von 1855 bis 1864 Besuch des Gymnasiums in Münster. Bis 1868 Studium der Philologie und Geschichte an der Akademie Münster. 1868 Promotion zum Dr. phil. 1869 absolvierte er nach bestandenem Lehrerexamen ein Probejahr am Gymnasium in Münster. 1870 wurde er Rektor der höheren Stadtschule in Rüthen. Von 1872 bis 1874 war er Gymnasiallehrer in Münster, darauf bis 1880 in derselben Stellung in Posen und 1880 in Paderborn. 1881 trat er vorübergehend in den Ruhestand und widmete sich in Münster bis 1884 seiner literarischen Tätigkeit. Hierauf übernahm er erneut eine Lehrerstelle, diesmal am Gymnasium in Emmerich. 1888 Versetzung als Oberlehrer nach Neuss, wo er am 4. November 1901 starb.

Das Buch Frans Essink ist aus Erzählungen entstanden, die von Münsteraner Bürgern im Winter 1873 auf Herrenabenden vorgetragen worden waren. Außer dem Herausgeber Franz Giese war an der Gestaltung der Geschichten vor allem Hermann Landois beteiligt. Die Zentralgestalt des humoristischen Buches ist ein gewisser Gelbgießer Essink, ein höchst origineller und sonderbarer Mann, der u.a. seine Vaterstadt Münster noch nie verlassen hat und sich hartnäckig gegen alles sträubt, was die Zeit mit sich bringt und was von allen übrigen angenommen ist. Es ist zwar kein einheitliches Werk und schon gar kein Roman entstanden, aber es wird eine einigermaßen abgerundete Darstellung Alt-Münsteraner Lebens geboten. Dieser Umstand vor allem hat dem Buch wohl die Wertschätzung Klaus Groths eingetragen, [...]. Erfolg hatte [...] Hermann Landois mit einer in anderer Fom veränderten Neuauflage, in der er sich – nicht ganz zu Recht – als deren alleiniger Verfasser bezeichnete. Sein Vorgehen führte zu einem Streit um die Verfasserschaft, der die ursprünglichen Freunde Giese und Landois zu Feinden machte. [...] Die hauptsächliche Bedeutung des „Frans Essink“ ist heute darin zu sehen, daß mit ihm die westfälische Dialektdichtung beginnt, die später einige Werke von beachtlichem Wert hervorbrachte. (Kindler, Bd. 6, 1989.)

Selbständige Veröffentlichungen: Quaestiones criticae Velleianae. Münster 1868 [Diss.] (ULB Münster, KPS Münster) – Franz Essink, sin Liäwen und Driwen äs aolt Mönstersk Kind. Met Hölpe van ne gelährde mönsterske Aobend-Geselschupp vertellt un herutgiewen. Münster: Coppenrath 1874. 216S. (ULB Münster, WLMKuK Münster, SB Wuppertal-Elberfeld); 2. Aufl. 1875; 3. Aufl. u.d.T.: Frans Essink, sin Leben un Driben äs olt Münstersch Kind [Übers. in holstein. Mundart]. Mit einem Vorwort von K. Groth. Braunschweig: Bruhn 1878. V, 216S. (ULB Münster, Lipp. LB Detmold, ÖB Aachen, EAB Paderborn, WLA Hagen); letzte Aufl.: Frans Essink, sin Liäwen und Driwen äs aolt Mönstersk Kind. Met Hölpe van ne gelährde mönsterske Aowend-Geselschupp vertellt un herutgiewen. Die Urfassung des Textes der ersten Ausgabe von 1874 red. und erl. nebst einer biogr. und lit. Einl. von H.R. Kreuzhage und einem Nachw. von P. Werland. Münster: Regensberg 1950. 286S. (=Der Schatzkamp 10) (ULB Münster, StLB Dortmund); 2., verb. Aufl. ebd. 1976 – Gedichte [hochdt.]. Münster: Coppenrath 1876. 85S. (ULB Münster, WLMKuK Münster) – Mönstersk Stilliäwen. Plattdütske Vertellsels füör Old un Jung, füör Buer un Büörger, nao dat, wat mi min Frönd Henrich Krukenkamp vertellt hett, dalschriewen. Münster: Coppenrath 1881. IV, 138S. (ULB Münster, WLMKuK Münster) – Mönsterske Chronica ut ollen un nieen Tiden. Lustige plattdütske Rimsels. Münster: Mitsdörffer 1883. IV, 163S. (Bibl. des Vereins für Orts- und Heimatkunde der Grafschaft Mark, Witten) – Mönstersk Platt in Vertellsels und Rimsels. Münster: Selbstverlag 1883. 126S. (EDDB Köln, Bibl. des Vereins für Orts- und Heimatkunde der Grafschaft Mark, Witten, ULB Münster) – Pour le mérite. Neue Dichtungen [hochdt.]. Münster: Deiters 1886. 116S. (WLA Hagen, ULB Münster, UB Bonn) – Offene poetische Epistel an den Herrn Grafen Adolf von Westarp. Neuss: Schnura 1891. 8S. (UB Bonn, SB Trier, SB Essen, StUB Köln) – De fürstbischöflick Mönsterske Hauptmann Franz Miquel un sine Familje. Lustige un genöglike Vertellsels ut de guede olle un de leige niee Tid. Münster: Selbstverlag 1892. 279S. (ULB Münster, StUB Köln, Bibl. des Vereins für Orts- und Heimatkunde der Grafschaft Mark, Witten); Titelaufl.: Neuss: Schnura 1892.

Unselbständige Veröffentlichungen in: Hartmann: Schatzkästlein 1885, S. 488-497: De Buxe von Bändken von Gaolen; De kuriose Frieer – Baehr: Rhein.-Westf. Dichterbuch 1888, S. 89-93: An Friedrich Wilhelm Weber; An Ferdinand Freiligrath; An Emanuel Geibel; Der alte Postillon – Uhlmann-Bixterheide/Hülter: Westf. Dichtung 1895 [Ged.] – Hüttemann 1898, S. 485: Der alte Postillon – postum: Niedersachsen 1910, Münster-Nummer: De Linnen von Kinnerhues; dass. in: Folkerts: Münster und das Münsterland, 2. Aufl. 1983, S. 145; dass. in: Folkerts: Liebe Stadt 1993 – Uhlmann-Bixterheide/Hülter 1921 [Textausz.].

Unselbständige Veröffentlichungen über Giese: K. Wagenfeld: Ein plattdt. Literaturstreit vor 30 Jahren. Vortrag, in: Quickborn 5, 1911, S. 37-45 – H. Kreuzhage: K. Groth und Franz Giese, in: Nddt. Monatshefte 1932 – C. Steinbicker: Eine Rehabilitierung für Franz Giese. Dem nddt. Dichter und Schriftsteller zum 70. Todestage am 9. November 1971, in: ARE 27, 1971, S. 41f., 46f. – L. Foerste: Der „Frans-Essink“-Roman im Spiegel seiner beiden Autoren Giese und Landois, in: Jb. des Vereins für nddt. Sprachforschung 96, 1973, S. 156-168; Dies.: Franz Giese (1845-1901) und Hermann Landois (1835-1905), in: L. Foerste: Plattdt. Erzähler des 19. Jahrhunderts. Neumünster 1977, S. 97-103.

Bildnis: Fotogr. Franz Giese mit seiner Mutter (PB, WLA Hagen).

Nachlaß, Handschriftliches: 1. Bayer. SB München: Brief an Paul Heyse, Neuss, 21.11.1891 (Beil.: Ged.) – 2. Nieders. LB Kiel (Fehrs-Nachlaß): Briefe an Johann Hinrich Fehrs, Posen, 18.8.-5.10.1878.

Sammlungen: 1. WLA Hagen: Materialslg. – 2. StA Münster: Zeitungsausschnittslg.

Nachschlagewerke: Brümmer 1877 – Raßmann N.F. 1881 – Wienstein 1899 – Seelmann, Bd. 1, 1896; Bd. 3, 1915 – Schönhoff 1914 – Kürschner: Nekrolog 1936 – Foerste-Erzähler 1977 – Kosch, 3. Aufl., Bd. 6, 1978 – Seelmann/Seelmann 1979 – von Heydebrand 1983 – Foerste-Mundartliteratur 1987 – Kindler, Bd. 6, 1989 – Niederdeutsch-Münster 1993 – Dt. biogr. Archiv, Fiche 390, Sp. 350-353; N.F. Fiche 447, Sp. 330-333 – PBuB: www.ins-db.de.

Aktualisiert nach Peter Bürger: Im reypen Koren. Ein Nachschlagewerk zu Mundartautoren, Sprachzeugnissen und plattdeutschen Unternehmungen im Sauerland und in angrenzenden Gebieten. Eslohe: Maschinen- und Heimatmuseum 2010.