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Ferdinand Werne

Geboren am 3. August 1800 in Recklinghausen als Sohn eines Richters. Er verlebte seine Kindheit in Recklinghausen und besuchte anschließend das Gymnasium in Münster. 1819 Beginn des Jurastudiums in Bonn. 1822 begeisterte er sich für den Freiheitskampf der Griechen gegen die Türken und ging 1822/1823 für einige Zeit nach Griechenland. 1836/1837 hielt er sich während der Zeit der großen Pest in Konstantinopel auf. Für kurze Zeit wurde er Kanzler bzw. Vizekonsul des preußischen Konsulats in Alexandrien. Bald erwachte in ihm wieder der Reisetrieb; er opferte seine Stellung dem Plan, an der von Mehemed Ali Pascha, dem Vicekönig von Aegypten, angeordneten ersten Expedition zur Entdeckung der Quellen des weißen Nils teilzunehmen. So finden wir Ferdinand zunächst als Einsiedler in der Wüste bei Tura, drei Stunden oberhalb Kairo, sich auf jene Expedition vorbereitend. Hierauf ging er mit seinem Bruder Josef nach Alexandria. Dort wurde er mit dem Grad des Major dem Pascha als Ingenieur beigegeben. Teilnahme an einem Feldzug in Ägypten und, nach dem ergebnislosen Verlauf der ersten Expedition, an einer zweiten Expedition zur Entdeckung der Nilquellen, die nach fünf Monaten im April 1841 ebenfalls scheiterte. 1844 Rückkehr nach Deutschland. Er zog nach Berlin, wo er vielbeachtete Vorträge über seine Teilnahme an der zweiten Nilexpedition hielt und schriftstellerisch tätig wurde. 1854 erlitt er einen Schlaganfall. Die Stadt Berlin, wo Ferdinand Bürger geworden ist, will keinen Krüppel anstellen, und da er dort auch aller guten Vorsätze ungeachtet „den verführerischen Kneipen schon als Ruhepunkt für die lahmen Knochen nicht gut ausweichen konnte“, befolgte er den Rat verschiedener in hohen Staatsstellungen befindlicher Freunde, sein „Standquartier auf der Burg Geseke“ zu nehmen. Alexander von Humboldt, Gönner Wernes, wollte dem König die Bitte unterbreiten, Ferdinand Werne ein preußisches Konsulat im Orient zu geben. Aber das sind nur Hoffnungen. Zunächst macht er Exercitien in Paderborn, die ihm wenig zusagen, um dann von einem Pastor nach Geseke abgeholt zu werden. 1856 wurde er wegen Lähmung der linken Lungenhälfte, allgemeiner Hilfsbedürftigkeit und unbemittelt ins dortige Hospital aufgenommen. Nach seiner Entlassung (1859) kehrte er nach Berlin zurück, wo er am 2. September 1874 starb. (Zitate nach Fromm 1936)

Ferdinand Werne blieb als Afrikareisender nicht unbekannt. Er gilt als „Entdecker des Quellgebiets des weißen Nils“ (Schulte 1984). Seine Forschungen werden noch heute als wertvoll eingestuft: Trotz mehrfacher Erkrankungen beschrieb Werne in diesen täglichen Eintragungen bis ins Kleinste die Geologie und Morphologie, die Pflanzen- und Tierwelt, das Klima (nach den Tageszeiten registriert), die politischen, religiösen, wirtschaftlichen, kulturellen und sprachlichen Verhältnisse bei den einzelnen Stämmen. Dabei legte er Wert auf eine saubere Methode. [...] Werne ließ es darauf ankommen, den Laien zu langweilen, um dem Wissenschaftler desto mehr bieten zu können. (Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984) Wernes naturwissenschaftliche und völkerkundliche Sammlungen fanden Eingang in Berliner Museen und den Berliner Botanischen Garten.

Selbständige Veröffentlichungen: Expedition zur Entdeckung der Quellen des Weißen Nils (1840/1841). Mit einem Vorw. von C. Ritter. Berlin: Reimer 1848. 543 S. (WLMKuK Münster, Lipp. LB Detmold) – Feldzug von Sennar nach Taka, Basa und Deni-Amer mit besonderem Hinblick auf die Völker von Bellad-Sudan. Stuttgart: zu Guttenberg 1851. 272 S. – Reise durch Sennar nach Mandera, Nasub, Cheli im Lande zwischen dem blauen Nil und dem Athara. Berlin: Duncker 1852. 125 S.

Unselbständige Veröffentlichungen in: Allg. Preuß. Ztg., Nr. 204 vom 24.7.1844: Bericht über die Teilnahme an der 2. Expedition zur Entdeckung der Nilquelle [Nachdr. in: C. Ritter: Ein Blick in das Nilquellenland. Vortrag vom 16.3.1844. Berlin 1844].

Selbständige Veröffentlichungen über Werne: A. Henn: Reisen in vergangene Gegenwart. Geschichte und Geschichtlichkeit der Nicht-Europäer im Denken des 19. Jahrhunderts. Die Erforschung des Sudan. Berlin 1988. (= Mainzer Ethnologica 3).

Unselbständige Veröffentlichungen über Werne: J. Fomm: Ferdinand und Josef Werne, in: Vest. Zeitschr. 43, 1936, S. 92f. [mit Bildn.].

Bildnis: Porträt (StLB Dortmund) [Abb. in: Fromm 1936, s.o.].

Nachlaß, Handschriftliches: 1. StLB Dortmund: Brief, s. Autographenkatalog Dortmund 1962, S. 366 – 2. DLA Marbach: 1 Karte an Hermann Sudermann, Dortmund, 18.3.1900; an Georg von Cotta, Benninghausen, 1.8.1862; Cotta an Werne, 25.8.1862 – 3. StLB Münster: Brief an Dr. August Petermann, Benninghausen, 30.6.1863.

Nachschlagewerke: Embacher 1882 – Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984 [mit Bildn.] – Dt. biogr. Archiv, Fiche 1353, Sp. 369.