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Karl Hermann Schauenburg

Geboren am 23. April 1819 in Bünde als Sohn eines Domänenrentmeisters. 1820 Umzug der Familie nach Herford. Besuch der Gymnasien in Herford und Lingen. Studium der Medizin in Bonn (1839), Leipzig (1840) und Berlin (1842). Begeisterung für die Burschenschaftsbewegung. Nach dem Studienabschluß unternahm er ein Jahr lang wissenschaftliche Reisen, bevor er sich in Herford als Arzt niederließ (1846-1848). Aktive Teilnahme am politischen Leben der Stadt. Seine liberalen Ansichten vertrat er z.B. in der Kölnischen Zeitung (vgl. etwa die Ausgabe vom 14. Mai 1848 mit seinem Aufruf an den ganzen Gewerbestand). Anschließend war er Arzt in Schildesche bei Bielefeld (bis 1849). Erneute politische Tätigkeit und Beteiligung an der Rhein- und Moselzeitung 1849. Hierauf wurde er Distriktionsarzt in Brodenbach an der Mosel und später zugleich auch in Obergroderthausen (1849-1851). Zwischenzeitlich Einberufung als militärischer Oberarzt in Koblenz. In diesen Jahren Briefwechsel mit dem politisch verfolgten Gottfried Kinkel, für den sich Schauenburg einsetzte. Begegnung mit Johanna Kinkel, Karl Simrock und Ferdinand Freiligrath. 1852 Rückkehr nach Brodenbach. Hierauf Übernahme einer Stelle als Assistenzarzt in der chirurgischen augenärztlichen Klinik in Bonn. 1852 Habilitation in Bonn. Im Oktober 1852 erhielt Schauenburg den Besuch Bettina von Arnims, die sich seiner bereits während des Studiums in Berlin angenommen hatte. Beide setzten sich für die Gründung einer Goethe-Stiftung ein, bei der August Heinrich Hoffmann von Fallersleben eine Stelle als Oberbibliothekar bekommen sollte. In dieser Zeit bemühte sich Schauenburg um eine Professur in Jena selbst gegen bloßen Titel und Katheder, also ohne Gehalt. Anfang 1854 ließ er sich von den akademischen Vorlesungen in Bonn entbinden und übernahm eine Bezirksarztstelle in Castellaun unweit der Mosel. 1855 Übersiedlung nach Godesberg, von wo aus er die Vorlesungen in Bonn wiederaufnahm. Hierauf lebte er in Düsseldorf (1857-1859) und wieder Godesberg (1859-1866), bevor er sich als Kreisarzt in Zell an der Mosel niederließ. Durch besondere Verwendung des Ministers von Mühler 1868 Umzug nach Quedlinburg.

Eine Satire auf Quedlinburger Zustände 1870/1871 ist „Das Reservelazarett von Schöppenstedt“. Die dargestellten Verhältnisse sind dem Leben abgelauscht, nein abgeschrieben. Ein Stückchen kleinstädtischen Lebens ist in Verse gebracht und auf das Papier gebannt. Selbst die Namen der auftretenden Personen sind nur wenig verändert. Das Büchlein brachte dem Verfasser natürlich viele Anfeindungen wegen des darin enthaltenen allerdings verdienten beißenden Spottes über Personen und Zustände. (Kohl: Schauenburg und die Mosel 1928, s.u.). Im Zuge der Mobilmachung Preußens gegen Österreich stellte er sich als Militärarzt zur Verfügung. Von 1875 bis zu seinem Tod am 21. Oktober 1876 praktizierte er in Moers. Er liegt auf dem alten Friedhof in Bad Godesberg begraben.

Schauenburg war ein treuer Anhänger von Ernst Moritz Arndt, der bis an sein Lebensende sein Freund und Gönner war. Außerdem war er mit Justus W. Lyra und dem Baseler Literarhistoriker Jakob Burckhardt befreundet. Seine Gedichtausgabe von 1853 zog Schauenburg bald nach Erscheinen wieder aus dem Handel zurück. Diese Gedichte überraschen nicht durch geniale Einfälle oder kühne Bilder, vielmehr sind sie als menschliche Dokumente in gefälliger Form zu werten, hinter denen unmittelbares Erleben steht. (Kohl: Schauenburg und die Mosel 1928, s.u.). Bekannt blieb sein Name im Zusammenhang mit dem von ihm gemeinsam mit Lyra und Rudolf Löwenstein herausgegebenen Allgemeinen deutschen Kommersbuch (Lahr 1858), das allerdings nicht seinen Namen nennt, sondern nur den des Verlegers. Dies Büchlein hatte gleich bei seinem Erscheinen sich alle Herzen erobert, weil die Herausgeber, gewohnte Bahnen verlassend, auch zeitgenössische Dichter mit Liedern zu Worte hatten kommen lassen, die jetzt Volksgut sind, damals aber noch unbekannt waren. (Kohl: Schauenburg und Hoffmann 1928) Unter den Mitarbeitern war auch August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, den Schauenburg 1842 in Breslau kennengelernt hatte. Die Bekanntschaft wurde 1851 wiederbelebt, als Hoffmann von Fallersleben nach Neuwied übergesiedelt war und die Bonner Bibliothek benutzte. – Auf Wunsch des Arnz'schen Kunstinstituts in Düsseldorf redigierte Schauenburg einige Jahrgänge des Düsseldorfer Künsteralbums. In späteren Jahren hat er sich fast nur noch mit seinen fachwissenschaftlichen Schriften befaßt. Er war Mitglied der Leopoldinischen Carolinischen Akademie der Naturforscher und vieler anderer gelehrter Gesellschaften.

Pseudonyme: Heinrich Loschge; Dr. Ellen; Ellen.

Selbständige Veröffentlichungen: Julie und ihr Haus. Eine Reliquie. Von einem Epigonen. Leipzig: Brockhaus 1847. 239 S. (StA Bielefeld, UB Bonn) – Die jetzige Lage unseres Vaterlandes, seine Gefahren und Hoffnungen. 1848 – Gedichte. Düsseldorf: Arnz 1852. 288 S. (UB Bonn, StUB Köln, ULB Düsseldorf) – Tischrücken und Tischklopfen. Eine Thatsache. Düsseldorf: Arnz 1853. 24 S. (UB Bonn, StUB Köln, ULB Düsseldorf) – Wundersame und abenteuerliche Geschichten und Thaten der sieben Schwaben [...]. Erzählt von Ellen. Düsseldorf: Arnz 1856. 23 S. (ULB Düsseldorf) – Die schöne Magelone. Volksmärchen in 12 Gesängen. Lahr: Geiger 1856. 176 S. [Pseud. Ellen] (ULB Düsseldorf) – Herr Luxus. Eine polnische Volkssage. Lahr: Geiger 1857. 16 S. (UB Bonn) – Seltsame Geschichten des Bruder Lustig, der ein abgedankter Soldat war. Düsseldorf: Arnz [1857]. 165 S. (ULB Düsseldorf, StUB Köln) – Fischerleben in Lust und Leid. Gera: Griesebach [um 1859; mit Illustr. von K. Scheuren] (ULB Düsseldorf); 2. Aufl. Mönchengladbach: Spaarmann 1864 (StUB Köln, ULB Düsseldorf) – Akademische Zustände. Lahr: Schauenburg 1860. VI, 48 S. (StA Bielefeld) – Zur Sittengeschichte deutscher Hochschulen. Lahr: Schauenburg 1860; 2., mit einem Vorw. erw. Aufl. ebd. 1860. XX, 99 S. (ULB Münster, StUB Köln) – Erinnerungen aus dem preußischen Kriegslazarethleben von 1866. Beiträge zur Humanität und Chirurgie für Laien und Ärzte. Altona: Verlags-Bureau 1869 – Die Reisen in den südafrikanischen Binnenländern. [Bearb.] Lahr: Schauenburg 1867. XVI, 533 S. (= Die berühmtesten Entdek-kungsreisen zu Land und See 3) (ULB Münster, ULB Düsseldorf, Lipp. LB Detmold) – Friederike von Sesenheim. Eine deutsche Liebesidylle in drei Büchern. Berlin: Hofmann 1869 – Das Reservelazarett in Schöppenstedt. Lustspiel in Versen. Halle: Barthel 1872. 110 S. (= Bibl. humorist. Dichtungen 10) [Pseud. Heinrich Loschge] (ULB Münster, StUB Köln); 2. Aufl. ebd. 1872 (StUB Köln) – Gar verwunderliche Geschichten und sonderbare Schelmstücke von Rübezahl. Düsseldorf: Arnz und Co. o.J. 24 S. [Pseud. Ellen] (ULB Düsseldorf) – zahlr. med. Schriften (Slg. UB Bonn).

Unselbständige Veröffentlichungen in: Köln. Ztg. vom 14.5.1848: Aufruf an den ganzen Gewerbestand – Rhein- und Moselztg. 1849, Nr. 35, 39, 43, 48, 50f., 54 [polit. Aufs.].

Herausgabe: Neues Düsseldorfer Künstleralbum. Jg. 1f. Düsseldorf, Lahr: Reiss, Schauenburg 1859f. (StUB Köln, UB Bonn, ULB Düsseldorf) – Deutsche Lieder. Koblenz 1842 [mit R. Löwenstein, J.W. Lyra); Forts. u.d.T.: Allgemeines deutsches Kommersbuch. Lahr: M. Schauenburg 1858 [mit Moritz Schauenburg unter musikal. Ltg. von F. Silcher und F. Erk]; mehr als 150 Auflagen.

Briefe an Schauenburg: von Jakob Burckhardt; s. J. Schwabe: Jakob Burckhardt. Briefe und Gedichte an die Brüder Schauenburg. Basel 1923 – von Johanna Kinkel, 11.8.1849 [anonym, über Gottfried Kinkels Gefangenschaft], in: Kohl: Schauenburg und die Mosel 1928 (s.u.).

Selbständige Veröffentlichungen über Schauenburg: H. Meisner: Hermann Schauenburg und sein Freundeskreis. Berlin, Hamburg 1900; Neuaufl. 1910.

Unselbständige Veröffentlichungen über Schauenburg: C. Hessel: Ein vergessener Dichter unvergessener Lieder, in: Köln. Ztg. vom 16.8.1874 – Carl Hermann Schauenburg. Zu seinem 100. Geburtstage, in: Bonner Ztg., Nr. 119 vom 30.4.1919 [anonym] – R. Kohl: Hermann Schauenburg und die Mosel, in: Geschichtl. Landeskunde, Rhein. Heimatbl., Koblenz, 1928, S. 165-171 [mit Bildn.]; ders.: Schauenburg und Hoffmann, in: Köln. Ztg., Nr. 79 vom 9.2.1928; ders.: Der junge Hermann Schauenburg, in: Ravensberger Blätter 1930, S. 5ff. [Bibl.]  – M. Asholt: Fontane und seine ostwestfälischen Freunde in Leipzig. Hermann Kriege und Hermann Schauenburg in den Jahren 1841 und 1842. Zwei Burschenschafter und freiheitliche Demokraten, in: Ravensberger Blätter 1983, S. 16-20 – L. Blanke: "Also fort?" Amerikabilder und -bezüge in Briefen Jacob Burckhardts an Hermann Schauenburg und dessen Texten zwischen 1840 und 1850, in: Herforder Verein für Heimatkunde e.V. Wolfgang Otto (Hg.): Am Beginn einer neuen Zeit. Herford zur Jahrhundertwende - um 1800; zur Revolutionszeit - um 1848. Leopoldshöhe 1998, S. 103-115. (= Freie und Hansestadt Herford 15).

Erwähnungen in: H. von Riedinger: Wie das Commersbuch entstand, in: Die Gegenwart 58, 1900, S. 38ff. – W. von der Schulenburg: Der junge Burckhardt. Stuttgart, Zürich 1926 – M. Birkenbihl: Das dt. Studentenlied, in: Velhagen und Klasings Monatshefte 42, 1927, H. 3 – O. Wenig: Verzeichnis der Professoren und Dozenten der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn 1818-1968. Bonn 1968 – Broer/Ernst 1993 (Stichw. Herford).

Bildnis: 1. Fotogr. (ULB Münster) – 2. Daguerreotypie 1842; Fotogr. 1866 [Abb. in: Kohl: Schauenburg und die Mosel 1928, s.o.] – 3. Silhouette (Privatbesitz) [Abb. in: Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984].

Nachlaß, Handschriftliches: 1. UB Bonn: 1 Brief an J.N. Vogel; 2 Briefe an Gottfried Kinkel; Brief und Ged. [Titel: Gottfried Kinkel] an Johanna Kinkel – 2. Detmold [1928 Privatbesitz Familie Schauenburg]: Tagebücher und weitere persönl. Zeugnisse.

Nachschlagewerke: Biogr. Lex. der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker, 2. Aufl., Bd. 5, 1934 – Kosch, 3. Aufl., Bd. 14, 1992 – Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984 [mit Bildn.] – Dt. biogr. Archiv, N.F., Fiche 1133, Sp. 242-247.