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Franz Hülskamp

Geboren am 14. März 1833 in dem Dorf Essen (Oldenburg) als Sohn eines Webers. Nach zweijähriger Vorbereitung durch den Dorfgeistlichen besuchte er von 1849 bis 1852 das katholische Gymnasium in Osnabrück. Anschließend Studium der Theologie (begleitend der Geschichte, Literaturwissenschaft und der alten und neuen Sprachen) in Münster (ein Semester), München (vier Semester) und wieder Münster (zwei Semester). Nach der Priesterweihe (1859) schloß er zwei weitere Studienjahre in Bonn an. Er lebte fortan, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, in Münster, wo er, von der angestrebten Hochschullaufbahn abgedrängt (Schreiber), in der untergeordneten Stellung eines Hilfsgeistlichen verblieb. Wohl war der theologische Lehrstuhl des jungen Priesters Ziel, aber das Leben machte aus ihm einen Schriftleiter, literarischen und politischen Organisator. (Biogr. Jb. und Dt. Nekrolog). 1868 Promotion zum Dr. theol. in Freiburg/Br. 1869 dreimonatiger Studienaufenthalt in Rom. 1886 Ernennung zum päpstlichen Geheimkämmerer und später zum Hausprälaten. Seit 1887 stand er einer Familienstiftung, dem Heerde-Kolleg, vor, einem Konvikt von Bürgersöhnen, die am Paulinischen Gymnasium in Münster studierten. Er starb am 10. April 1911 in Münster.

1861 gründete Hülskamp gemeinsam mit Hermann Rump den Literarischen Handweiser, sein eigentliches Lebenswerk (Bautz). Nach dem Tod von Rump zeichete er von 1875 bis 1904 als alleiniger Herausgeber verantwortlich. Der Literarische Handweiser informierte schnell, leicht verständlich und vollständig über katholische und ausgewählte nichtkatholische Neuerscheinungen. Dieses Organ war als Literaturblatt gedacht, das sich in einem ganz neuen Genre über den Typ der damaligen, noch wenig gewürdigten Sonntagsblätter und Kirchenblätter erhob. Diese westfälische Gründung wurde von den Zeitgenossen als ein aufwühlendes Ereignis gewürdigt. (Schreiber) Neben einer inhaltlichen Zusammenfassung der Werke bot der Handweiser eine Einschätzung und Bewertung der Werke. Er behandelte vor allem Biographien, Bibliographien, literaturgeschichtliche Werke und wichtige allgemeine Nachschlagewerke und Zeitschriften. Daneben enthielt der Handweiser Notizen aus der Literaturwelt. Er war außerdem an den Bedürfnissen des Buchhandels orientiert. Das preisgünstig angebotene Blatt erwarb sich hohes Ansehen, nicht nur in katholischen Kreisen. Es erschien zunächst 10, dann 12, dann 18, dann 24mal jährlich. Schon nach einem Vierteljahr zählte es 3217 Abonnenten und damit etwa das Vierfache vergleichbarer Unternehmungen. Es entwickelte sich zum meistverbreiteten Literaturblatt Deutschlands.

Noch heute stellen Hülskamps praktisch angelegte Literaturberichte und biographische und bibliographische Überblicke sowie seine inhaltsreichen, bibliographisch orientierten Nekrologe wichtige literaturgeschichtliche Quellen dar. Schwerpunkte waren dabei die Kirchengeschichte und Geschichte (besonders die westfälische Geschichte), er behandelte aber auch andere Wissenschaftsdisziplinen in erstaunlich umfassender Weise (Schreiber), z.B. die Memoiren-Literatur. Dabei kam überall Hülskamps journalistische Begabung (bei der er sich gelegentlich der Polemik und Satire bediente) zum Ausdruck. Seine dominante Rolle als Gründer des Literarischen Handweisers und als Gründer des Deutschen Hausschatzes trugen ihm den Titel Diktator der katholischen Literatur ein. In Münster hielt er zudem die Tageszeitung Westfälischer Merkur fest in der Hand. (Schreiber) Mitarbeiter des Handweisers waren u.a. Julius Schwering und Friedrich Wilhelm Grimme. Ein gutes Auge als Literaturkritiker bewies Hülskamp z.B. dadurch, daß er früh das Talent Wilhelm Raabes und Karl Mays erkannte.

Darüber hinaus wurde Hülskamp als Herausgeber wirksam. Seine Reihe Meisterwerke unserer Dichter für Volk und Schule (73 Bändchen, Münster 1879ff.) war 1933 in mehr als 1 Million Exemplare in den verschiedensten Schultypen verbreitet. (Schreiber)

Hülskamp entfaltete auch als Vorsitzender verschiedener Vereine mit wissenschaftlicher und gemeinnütziger Zielsetzung eine rege Wirksamkeit. 1858 half er, den weitverzweigten katholischen Studentenbund Unitas ins Leben zu rufen. Von 1860 bis 1872 war er Sekretär der Münsterischen Abteilung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens. Von 1864 bis 1874 wirkte er wiederholt als Präsident des Münsterischen St. Florentius-Vereins für christliche Kunst. 1876 war er Vorstandsmitglied und Berater der in diesem Jahr gegründeten Görres-Gesellschaft. 1878 beteiligte er sich an der Gründung des Augustinervereins für die katholische Presse. Überdies zeichnete er sich durch die Förderung junger Wissenschaftler aus. Die kirchenpolitischen Wirren jener Zeit mochten H. bewogen haben, sich organisatorisch stärker zu betätigen. So widmete er einen Teil seiner Kraft den Generalversammlungen der katholischen Vereine Deutschlands, die 1848 in Mainz eingesetzt hatten; in der Folge war er an diesen Tagungen anregend, ja konstruktiv tätig. [...] H. wurde in Wertschätzung seiner organisatorischen Tätigkeit und literarischen Bedeutung zum Sekretär – heute würde man sagen, zum Generalsekretär – [...] ernannt. (Schreiber). Er blieb dieser Vereinigung für lange Jahre treu. Ferner beteiligte er sich an der Vorbereitung der Katholikentage. In politischer Hinsicht engagierte er sich für die Zentrumspartei, für die er Wahlaufrufe verfaßte. Obwohl er Mitbegründer der Zentrumspartei war und größtenteils deren Wahlkampfpropaganda gestaltete, war er nicht Inhaber offizieller politischer Ämter. (Bautz) Sein Name ist vor allem verknüpft mit dem Soester Programm des Zentrums aus dem Jahre 1879, für das Hülskamp einen Programmentwurf vorlegte und damit das Programm maßgeblich prägte. Seinen politischen Standpunkt brachte Hülskamp im Handweiser in der Rubrik Politische Tagesfragen zum Ausdruck.

Selbständige Veröffentlichungen: (in Ausw.) Herr Kolkmann und seine Wirklichen Geheimen Räthe als gelehrte, feine, fromme Leute, geschildert von einem Unbetheiligten. Paderborn: Schöningh 1868. 2 Aufl. [anonym] – Herr Kolkmann als Zensor seines Bischofs, gewürdigt von einem Unbeteiligten. Paderborn: Schöningh 1868. 20S. [anonym] (EAB Paderborn, ULB Münster, StUB Köln) – Die Generalversammlungen der katholischen Vereine Deutschlands. Frankfurt/M.: Hamacher 1869. 24S. (=Broschüren-Verein 5,5) (StUB Köln, EAB Paderborn) – Piusbuch. Papst Pius IX. in seinem Leben und Wirken geschildert. 2 Bde. Münster: Russell 1870, 1873. VIII, 274S. (EDDB Köln, ULB Münster, KPS Münster); 4. Ausg. ebd. 1878. VIII, 320S. [mit W. Molitor, Ergänzungsbuch zu Bd. 1f.] (ULB Münster, UB Bonn) – Die Siege der Kirche im 13. Jahrhundert. Münster: Russell 1872 (=Frankfurter zeitgem. Broschüren 7, 5) (SB Mönchengladbach) – Album der jetzt regierenden Erzbischöfe und Bischöfe des Deutschen Reiches in photographischen Brustbildern nebst kurzen Lebensskizzen [...]. Düsseldorf: Deiters 1873 (Hollenberggymn. Waldbröl); 2., verb. Aufl. ebd. 1873 (ULB Düsseldorf, EAB Paderborn, EDDB Köln) – Kleines Piusbuch. Eine kurze Darstellung des glorreichen Lebens und Wirkens unseres Heiligen Vaters Pius IX. für das katholische Volk. 1., 2. Aufl. Münster: Russell 1876; 3.-6., verm. und verb. Aufl. ebd. 1876 – Deutsche Pius-Lieder. Zur Feier des 30-jährigen Papst-Jubiläums gesammelt und ausgewählt. Münster: Fahle 1876. 63S.; insges. 10 Aufl. – Jubellieder nach bekannten Volksweisen zum 50-jährigen Bischofs-Jubiläum Seiner Heiligkeit Papst Pius. 20. Aufl. Münster: Fahle 1877. 15S.

Unselbständige Veröffentlichungen: ADB, Bd. 20, 1884: Art. über Hermann von Mallinckrodt – sowie in den vom ihm hg. Periodika.

Herausgabe: Literarischer Handweiser, zunächst für alle Katholiken deutscher Zunge. Bd. 1-49/50. Münster: Theissing 1861-1911/1912 [Red. und Hg., eigene Art.; 1861-1875 Red. mit H. Rump] (StLB Dortmund, ULB Münster) – Abbé [René François] Rohrbachers Universalgeschichte der katholischen Kirche. In dt. Bearb. unter Mitarbeit mehrerer Freunde. 24 Bde. Münster: Theissing 1860-1873 [mit H. Rump u.a.] (ULB Münster, UB Bonn, StUB Köln, EAB Paderborn) – Frankfurter Zeitgemäße Broschüren. Jg. 6-8. Münster: Exped. der zeitgem. Broschüren [Russell] 1870-1873 [mit E.T. Thisse, P. Haffner und J. Janssen] (Kath. Sem. der WWU Münster, ULB Münster) – Deutscher Hausschatz in Wort und Bild. Jg. 1f.. Regensburg: Pustet 1873f. (Jg. 1: ULB Münster, UB Bonn, EAB Paderborn) – Reihe: Meisterwerke unserer Dichter. Hg. und mit kurzen Erl. vers. Münster: Aschendorff 1879ff. [ab Bd. 18 fortges. von O. Hellinghaus]; enthält: Friedrich Schiller: Wilhelm Tell. Ebd. 1878; 2., verb. Aufl. ebd. 1895 (SB Mönchengladbach); 33. Aufl. 1933. XII, 124S. (=Bd. 1); Goethe: Hermann und Dorothea. Ebd. 1879. 80S.; 17. Aufl. 1920. 80S. (=Bd. 2) (ULB Münster); Lessing: Emilia Galotti. Ein Trauerspiel in 5 Aufzügen. Ebd. 1879; 6. Aufl. 1914. 88S. (=Bd. 3); Friedrich de la Motte Fouqué: Undine. 9. Aufl. 1930. 94S. (=Bd. 4); Friedrich Schiller: Maria Stuart. Ebd. 1879; Neuaufl. 1905 (EAB Paderborn); 14. Aufl. 1920. 160S. (=Bd. 5) Goethe: Iphigenie auf Tauris. Ebd. 1891 (SB Essen); 12. Aufl. 1928. 79S. (=Bd. 6); Lessing: Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück. Ebd. 1879; 14. Aufl. 1930. 112S. (=Bd. 7); Adelbert von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte. Mitgeteilt von Adelbert von Chamisso. Ebd. 1879; 9. Aufl. 1923. 80S. (=Bd. 8); Schiller: Die Jungfrau von Orleans. Eine romantische Tragödie. Ebd. 1879; 18. Aufl. 1924. 142S. (=Bd. 9); Goethe: Torquato Tasso. Ebd. 1880; 7. Aufl. 1920. 118S. (=Bd. 10); Johann Gottfried von Herder: Der Cid. Nach spanischen Romanzen besungen. Ebd. 1880; 6. Aufl. 1914. 144S. (=Bd. 11f.); Clemens Brentano: Zwei Erzählungen. 7. Aufl. 1932. 94S. (=Bd. 13); Karl Leberecht Immermann: Der Oberhof. 1881 (=Bd. 14/16); Neuaufl. ebd. 1893 (EDDB Köln, SB Trier); 6. Aufl. 1931. 379S. (=Bd. 14-16); Schiller: Die Braut von Messina oder Die feindlichen Brüder. Ein Trauerspiel mit Chören. Ebd. 1882; 10. Aufl. 1919. 116S. (=Bd. 17); Annette von Drostes Judenbuche. Ebd. 1882; 6. Aufl. 1922. 61S. (=Bd. 18) (ULB Münster, StLB Dortmund) – Heinrich Keiter: Die Kunst, Bücher zu lesen. 5. Aufl. Münster: Aschendorff 1905 (Kaiser-Karl Gymn. Aachen, EDDB Köln) – Tausend gute Bücher, den Katholiken deutscher Zunge zu Festgeschenken empfohlen. Weihnachten 1882. 1., 2. Aufl. Münster: Theissing 1883. 100S. (KPS Münster); 3. Aufl., fortgef. bis zur Gegenwart. Weihnachten 1883. Münster: Theissing 1884. IV, 102S.

Zeitgenössische Zeugnisse: Der Brief F. Reuters an Gisbert Vincke (10.2.1868), in: F. Reuter: Nachgelassene Schriften. Hg. von A. Wilbrandt. Wismar, Rostock, Ludwigslust 1875, Bd. 2, S. 243.

Unselbständige Veröffentlichungen über Hülskamp: A. Pöllmann: Gedenkblatt, in: Lit. Handweiser 49, 1911, S. 481-490 – H. Finke: Franz Hülskamp, in: Hochland 8, 1910/1911, H. 2, S. 64f. – Der Katholik 2, 1911, S. 385-387 [Portr.; anonym] – A. Jüngst: Franz Hülskamp, in: Allg. Rundschau 8, 1911 – G. Schreiber: Westf. Wissenschaft, Politik und Publizistik im 19./20. Jahrhundert (Franz Hülskamp und sein Kreis), in: Westf. Forschungen 8, 1955, S. 74-94 – A. Donders: Franz Hülskamp, in: Staatslex. der Görres-Gesellsch. 2, 1986, Sp. 1328f.

Erwähnungen in: J. Kuckhoff: Geschichte der „Unitas“. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Studentenkorporationen Deutschlands. Düsseldorf 1908 – F. Schmidt: Hermann von Mallinckrodt. Mönchengladbach 1916, S. 13, 26 – K. Bachem: Joseph Bachem. Seine Familie und die Firma J.P. Bachem in Köln. Bd. 3. Köln 1938 – B. Haunfelder: Literarischer Handweiser, in: 500 Jahre Buchdruck 1991, S. 246 – zahlr. weitere Erwähnungen in: Woesler 1980 [s. Reg.].

Bildnis: Fotogr. nach einem Gemälde (ULB Münster).

Nachlaß, Handschriftliches: Hülskamps Nachlaß ist seit 1957 verschollen, s. Mommsen 1971, Nr. 1797 – 1. StLB Dortmund: Brief (1863); s. Autographenkatalog Dortmund 1962, S. 164 – 2. Bayer. SB München: 3 Briefe an Ignaz von Döllinger, München, 1860-1869; Briefabschr. an Franz Heinrich Reusch, 23.2.1863; Brief an J.F. Schulte, Münster, 28.11.1866; 23 Briefe und Karten in Hollandiana VIII., 3 Briefe in Ringeisiana III., 4 Briefe an Edward von Steinle, Münster, 1880 – 3. UB Bonn: Postkarte an K. Justi, 14.12.1888 – 4. UB Erlangen-Nürnberg: Brief an Elias Steinmeyer, Münster 1876.

Sammlungen: StA Münster: Zeitungsausschnittslg.

Gedenkstätten: Grabstätte auf dem Zentralfriedhof in Münster.

Nachschlagewerke: Raßmann 1866; N.F. 1881 – Biogr. Jb. und Dt. Nekrolog 16, 1911 – RGG, 3. Aufl., Bd 2, 1958 – Sacher, Bd. 2, 5. Aufl. 1927 – LThK, 2. Aufl., Bd. 5, 1933 – Kosch, Bd. 1, 1933 [mit Bildn.] – Schulte: Westf. Köpfe, 3. Aufl. 1984 [mit Bildn.] – Rhein.-Westf. Wirtschaftsbiographien, Bd. 10, 1974 [im Art. über Lambert Lensing] – Kosch, 3. Aufl., Bd. 8, 1981 – von Heydebrand 1983 – Huge 1983 – Bautz, Bd. 2, 1990 – Freund 1993 – Dt. biogr. Archiv, N.F., Fiche 625, Sp. 376-284.