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Caspar Butz

Geboren am 23. Oktober 1825 in Hagen. Sein Vater war Wirt und Empfänger des Brückenzolls der Volmebrücke. Frühe Vorliebe für das Theater (beschrieben in seinen Erinnerungen). Der Tod des Vaters (1841) und die schlechte finanzielle Situation der Familie vereitelten seinen Wunsch, Theologie zu studieren. 1847 als Angestellter einer Elberfelder Industriefirma Aufenthalt in Algerien. Diese Reise gab dem Leben des Dichters eine neue Wendung. Sie verschaffte ihm einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt Frankreichs und in das politische Leben der Deutschen wie der Franzosen. Infolge dieser großen Reise, die ihn auch durch ganz Deutschland führte, fühlte er sich plötzlich mitten hineinversetzt in eine kampfesfrohe, politische Stimmung. Sein leidenschaftlich revolutionäres Empfinden, das in der stillen Hagener Zeit geschlummert hatte, bekam frische Nahrung. Mit allerhand neuen, noch unklaren Gefühlen, setzte er seine Reise von Deutschland nach Frankreich fort. Geschäftliche Angelegenheiten führten ihn für längere Zeit nach Paris. Hier geriet er in den geistigen Mittelpunkt der Revolutionsideen [...]; er lernte in dieser Zeit auf das eindringlichste die ungeheure Macht der Presse und der politischen Dichtung kennen.

Er gab seine Anstellung auf und versuchte ohne Erfolg, (in Berlin und Leipzig?) bei einem demokratischen Blatt als Redakteur unterzukommen. Hierauf wollte er, gemeinsam mit seinem Bruder Gustav, der in Hagen einen Buchhandel betrieb und die Hagener Zeitung herausgab und redigierte, eine eigene Zeitung gründen, was sich jedoch im Vorfeld zerschlug. Die Unruhen in Süddeutschland beschäftigten ihn lebhaft und schon damals knüpfte er Beziehungen zu seinem späteren langjährigen Freunde Friedrich Hecker an. Auch die Berliner März-Revolution hatte ihn tief innerlich ergriffen. Er bemühte sich von neuem erfolglos um eine Redakteurstelle. So beabsichtigte er, in Münster in die Redaktion der Westphälischen Volkshalle einzutreten. Auch ein Anstellungsgesuch bei dem Verleger Dumont-Schauberg blieb ohne Erfolg.

Er betätigte sich in dieser Zeit als politischer Agitator. 1849 setzte er sich an die Spitze von über 400 bewaffneten Männern, die die Iserlohner bei deren sog. "Zeughaussturm" unterstützen wollten. Er wurde der "geistige Führer" und "Wortführer" dieser "Iserlohner Unruhen", die über 40 Tote und Verwundete forderten. Nachdem der Aufstand gescheitert war, flüchtete Butz über Holland nach Amerika, wo er Ende 1849 eintraf. Er nahm eine Anstellung bei einem Detroiter Pelzgeschäft an. Die nun folgenden amerikanischen Jahre sind ausgefüllt durch drei Hauptinteressen, die, manchmal nebeneinander, meistens aber im bunten Wechsel im Vordergrund des Butz'schen Lebens stehen. Es sind das: kaufmännische Tätigkeit, seine Teilnahme am parteipolitischen und am weltpolitischen Leben, seine journalistische und dichterische Betätigung. Mit einem Teilhaber Gründung einer Steindruckerei, die geschäftlich erfolgreich war. Dennoch plante er, nach Ablauf seiner fünfjährigen Verbannungsdauer nach Deutschland zurückzukehren. Im Amerika Wiederbegegnung mit dem badischen Revolutionär Friedrich Hecker. Freundschaft mit dem Kölner Republikaner Karl Schurz. 1852 Ausarbeitung einiger Gesetzentwürfe und Mitgliedschaft in der Gesetzgebenden Verwaltung des Staates Illinois. Gleichzeitig beteiligte er sich – als Anhänger der republikanischen Partei – am Kampf um die Wahl des Präsidenten, wodurch er mit höheren Staatsbeamten in Kontakt kam. 1854 eröffnete er an seinem neuen Wohnort Chicago ein Zweiggeschäft. 1856 unter falschem Namen Reise nach Köln. Auf der Rückreise suchte er Ferdinand Freiligrath und Gottfried Kinkel in London auf. 1859 wurde er in Amerika Sekretär des Obergerichts und 1864 Stadtkämmerer. Im selben Jahr gehörte er zu den Gründern der Deutsch-Amerikanischen Monatshefte, die sich trotz ihres Anfangserfolgs nur ein Jahr halten konnten. Das Organ war als Fortsetzung von Esselens Zeitschrift Atlantis gedacht, an der Butz schon früher mitgearbeitet hatte. Äußerst geschickt wußte er die deutsche und amerikanische Intelligenz zur Mitarbeit heranzuziehen. Nach 1865 wandte er sich wieder kaufmännischen Plänen zu und beteiligte sich – ohne Erfolg – am damaligen Spekulationsfieber. Hierauf betrieb er im Geschäft seines Schwagers erfolgreich einen selbständigen Zweig in Brauerei-Materialien. Vom dichterischen Leben hielt ihn eine zeitlang die Erkenntnis fern, daß das Publikum für gediegene Sachen nicht mehr zu haben sei. Später wandte er sich der nationalpatriotischen Bewegung zu. 1870 feierte er von Amerika aus in einer bildhaften, an Freiligrath erinnernden Sprache den Sieg über die Franzosen. 1871 wurden seine sämtliche Habe und seine schriftstellerischen Arbeiten durch einen Chicagoer Großbrand vernichtet. Dazu gehörten vor allem ein Tagebuch über die afrikanische Reise und die beiden Dramen "Oliver Cromwell" und "Florian Geyer". Bald nach dem Brand nahm er seine literarische Tätigkeit wieder auf. Der Herausgeber der Illionois-Staatszeitung übertrug ihm 1873 die Redaktion eines literarischen Sonntagsblattes Der Westen. Von den Herausgebern des Puck, eines semi-politischen illustrierten Wochenblattes, wurde ihm die Chefredaktion einer Wochenschrift angeboten, die in New York erscheinen sollte, ein Angebot, das Butz jedoch 1881 ablehnte, da ihm das Blatt zu anspruchslos erschien. Schurz bot ihm an, für seine beiden Zeitungen Evening Post und Weltliche Post deutsche und englische Artikel zu schreiben. Außerdem suchte die Wiener Neue Freie Presse einen Korrespondenten. Eine Krankheit behinderte den Abschluß seines Romans Der verlorene Taufschein. Während der letzten Lebensjahre wohnte Butz mit seiner Frau in Des Moines, wo einer seiner Söhne geschäftlich tätig war. Hier fand er noch einmal Muße, seine literarischen und politischen Beziehungen aufzufrischen. Er starb am 19. Oktober 1885 in Des Moines.

Seine Gedichte eines Deutsch-Amerikaners sollen in Amerika einen riesigen Erfolg gehabt haben, es gelangten jedoch nur wenige Exemplare nach Deutschland. (Zitate nach Simon 1919)

Selbständige Veröffentlichungen: Zum Hochzeitsfeste seines geliebten Bruders Gustav Butz mit Mathilde Schaberg. Hagen: Thieme und Butz 1843. 4Bl. (WLA Hagen) – Gedichte eines Deutsch-Amerikaners. Chicago/Illinois: Uhlendorf; New York: Steiger 1879. VIII, 312S. (Lipp. LB Detmold, WLA Hagen) – Bibelgedichte zu Gustave Doerés biblischer Bildersammlung [dt., engl.; weiteres nicht zu ermitteln] – Großvaterlieder. Des Moines 1885.

Herausgabe und Redaktion: Atlantis. Detroit 1849 [mit [...] Esselen] – Deutsch-Amerikanische Monatshefte. Chicago: Dr. der Hausfreunde 1864f. [Forts. von "Atlantis"; enthält u.a. Ged. und seine Trauerspiele Florian Geyer und Oliver Cromwell] – Der Westen. Lit. Sonntagsbl. der Illinois-Staatsztg. 1873 [Red.].

Unselbständige Veröffentlichungen in: Hagener Kreisbl.: Die Merzgefallenen [Ged.]; Nr. 71 vom 5.9.1849: Abschied vom Vaterlande [Ged.] – C. Brocksieper (Hg.): Das alte westphälische Sachsenland, die Ruine Hohensyburg a.d. Ruhr und der Heerführer Wittekind [...]. Hagen: Butz 1853 (WLA Hagen), S. 244-247: Hohensyburg [Ged.] – Dt.-Amerik. Monatshefte 2, 1864, S. 572ff.: Deutsch-Amerikanische Literatur – Der Dt. Pionier 11, 1879f.; Jg. 15, 1883, H. 11 bis Jg. 17, 1885, H. 1 – New Yorker Staatsztg. 1880ff. [Art.] – Volksmagazin für Unterhaltung und Belehrung. Sonntagsausg. des Herold, Jg. 27, Milwaukee, 26.12.1880: Erinnerungen an die alte Heimatstadt Hagen – Evening Post, hg. von Karl Schurz [nach 1881] – Weltl. Post, hg. von Karl Schurz [nach 1881] – G.A. Zimmermann (Hg.): Deutsche in Amerika. Beitr. zur Geschichte der dt.-amerik. Literatur. Bd. 1: Episch-lyrische Poesie. Chicago 1892 [Ged.] – Woesler 1980, Bd. 1.2, S. 506f.: Ein Sonntag auf dem Mississippi. Beim Lesen der Gedichte von Annette von Droste-Hülshoff [Wiederabdr.].

Literarische Zeugnisse: Adolf Müller: Gedicht an Caspar Butz. o.O. 1862 – Emmy von Dincklake-Campe: Einleitung zu: Am Dollart. Friesische Köpfe. Stuttgart: Cotta 1860, S. 5.

Zeitgenössische Zeugnisse: Udo Brachvogel: Biographie von Caspar Butz, in: Illustr. Ztg. [von Frank Leslie] 1875 – Köster 1899 – K.H. Brüggemann: Meine Leitung der Kölnischen Volkszeitung und die Krisen der preußischen Politik von 1846-1855. Leipzig 1855.

Selbständige Veröffentlichungen über Butz: P. Simon: Ein deutsch-amerikanischer Dichter. Caspar Butz. Diss. Münster 1919 [zahlr. Textbeispiele] (ULB Münster, DG Münster).

Unselbständige Veröffentlichungen über Butz: K. Schaub: Der Dichter und Revolutionär Caspar Butz aus Hagen, in: Hagen, use laiwe Häime 3, 1953, Nr. 4, S. 50-54 – W. Timm: Für das Wohl des Vaterlandes gestrebt. Caspar Butz, ein westf. Dichter in den UStA, in: Westf. Heimatkalender 29, 1975 (1974), S. 60f.

Erwähnungen in: A. Strodtmann: Dt. Literatur in Amerika, in: Jb. dt. Dichtung 2, S. 54ff. [mit Gedichtabdr.: Die Kunst] – d'Ester 1907 [mehrf. erwähnt] – A. Broecker: Die Wirkung der dt. Revolution auf die Dichtung der Zeit, mit besonderer Berücksichtigung der politischen Lyrik. Diss. Bonn 1912 – M. Bickhoff: Friedrich Steinmann. Ein westf. Publizist und Politiker (1801-1875). Diss. Dortmund 1915 – Kannengießer 1923, S. 18, 27, 85ff., 91ff., 108f. [Kurzbiogr.] – Schwering 1927, S. 141 – Schwering 1930, S. 73-76, 83f. – Casser 1934, S. 68 – A. Dressler: Die Entwicklung des Pressewesens der Stadt Hagen von seinen Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Diss. Münster 1933, S. 74-76, 78-81 – Sellmann 1935 [mit Bildn.] – A.E. Zucker (Hg.): The Forty-Eighters. Political Refugees of the German Revolution of 1848. New York 1950, S. 45, 63, 144ff., 283 – C. Wittke: Refugees of Revolution. The German Forty-Eighters in America. Philadelphia 1952 [s. Reg.] – E.W. Dobert: Dt. Demokraten in Amerika. Die Achtundvierziger und ihre Schriften. Göttingen 1958, S. 43-45 – 1848/49. Revolution in Iserlohn. Katalog. Hg. von A. Herzig und K. Rosenthal. Iserlohn 1974 [mehrfach erwähnt] – M. Wagner: Mathilde Franziska Anneke in Selbstzeugnissen und Dokumenten. Frankfurt/M. 1980, S. 172, 287, 298f. – Schulz-Fielbrandt 1987, S. 227f. – Westf. Literaturführer 1992 (Stichw. Hagen).

Bildnis: Fotogr., Chicago [um 1876] (WLA Hagen).

Nachlaß, Handschriftliches: 1. Hagen: Briefe und Geschichte der Familie Butz nach Aufzeichnungen von Mathilde Schmemann (aus Familienbesitz, Information s. WLA Hagen) – 2. Bayer. SB München (Heyse-Archiv): Brief an Paul Heyse, New York, 6.10.1881 – 3. WLA Hagen: Gedicht zum 5.3.1842; Abschied des nach Amerika ziehenden Caspar Butz [Ged.]; Ged. zum 18. Geb. seiner Schwester am 31.1.1846; Gedicht zur Hochzeit seines Bruders Gustav Butz am 9.11.1843; Brief der Auswanderer (30.10.1851) [Ged.] [Autogr. als Leihgaben aus Privatbesitz]

Sammlungen: WLA Hagen Materialslg.

Nachschlagewerke: Koepper 1898 – von Heydebrand 1983.