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Wilhelm Sternfeld

Geboren am 1. Februar 1888 in Unna. Nach dem Besuch der jüdischen Volksschule und der Oberrealschule Ausbildung zum Kaufmann und kaufmännische Tätigkeit. 1914 Kriegsfreiwilliger. 1916 Mitglied der SPD. 1918/1919 Soldat in der Bayerischen Armee. Nach dem Krieg war er wieder als Kaufmann tätig, wandte sich daneben aber dem Journalismus zu. Seit 1921 freier Schriftsteller. Mitarbeit an der Reichsbanner-Zeitung und anderen Organen. Von 1931 bis 1933 arbeitete er in Berlin bei der Gemeinnützigen Siedlungs-Treuhandgesellschaft als Sekretär von Prof. Franz Oppenheimer, dem Leiter der Gesellschaft. Diese vom sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun unterstützte halbstaatliche Gesellschaft kaufte größere Grundstücke aus Konkursmasse auf, teilte sie in kleinere Einheiten und verpachtete sie an Obst- und Gemüsebauern. 1933 Entlassung. Flucht nach Frankreich. Illegaler Aufenthalt in Paris, wo er am Pariser Tageblatt mitarbeitete. 1935 erhielt er die Aufforderung, Frankreich zu verlassen, und ging nach Prag. Hier setzte er seine journalistische Tätigkeit als Redakteur verschiedener deutschsprachiger Zeitungen fort. Mitarbeit u.a. am Prager Tageblatt, der Prager Presse, am Sozialdemokrat, der Pariser Tageszeitung und der Jüdischen Revue. 1938 (1936?) wurde er Sekretär der neugegründeten Thomas-Mann-Gesellschaft, die sich das Ziel gesetzt hatte, in Not geratene Exilschriftsteller und -journalisten zu unterstützen. Nach der Besetzung Prags im Mai 1939 emigrierte er über Polen nach England. 1940 Internierung auf der Isle of Man. Im selben Jahr wurde er Direktor der Thomas-Mann-Gruppe. Von 1941 bis 1945 war er Mitherausgeber der Mitteilungsblätter der Thomas-Mann-Gruppe. Nach Kriegsende steigerte er seine diesbezüglichen Aktivitäten ebenso wie seine journalistischen. Zum einen gewann er den damaligen Bundespräsidenten Heuss dafür, Geld für einen Künstlerfonds bereitzustellen, andererseits organisierte Sternfeld Hilfsaktionen des Süddeutschen Rundfunks. Darüber hinaus wurde noch eine britische Quelle erschlossen. Insgesamt flossen über 730.000 DM zusammen. Mit den Geldern wurden solche Literaten und Künstler – über 120 – unterstützt, die emigrationsbedingt in Not geraten waren. Neben diesen Hilfstätigkeiten und anderer organisatorischer Arbeit – er war seit 1943 Schatzmeister sowie von 1951-1955 Sekretär des "Deutschen Exil PEN Zentrums" – kamen seine journalistischen und literarischen Tätigkeiten keineswegs zu kurz. Von London aus versorgte er z.B. den in New York erscheinenden "Aufbau" (eine deutschsprachige jüdische Emigrantenzeitung) sowie nach dem Krieg die in Hamburg erscheinende "Welt am Sonntag" mit Nachrichten aus England. (Juden in Unna 1993) Daneben Tätigkeit für deutsche Radiostationen. 1955 wurde er von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung mit der Erstellung einer Bibliographie der deutschen Exilliteratur beauftragt. Das sog. Handbuch Sternfeld-Tiedemann war ein großer Beitrag für die Erforschung der Exilliteratur in den 1960er Jahren. Mithilfe beim Aufbau einer Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt a. M. Er starb am 26. Dezember 1973 in London.

1958 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse; 1968 Großes Bundesverdienstkreuz; Korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Selbständige Veröffentlichungen: In Tyrannos. Vier Jahrhunderte Kampf gegen die Tyrannei in Deutschland. London 1944 [Mitarb.; Beitr.: Deutsche Studenten und ihre Professoren] – Deutsche Exilliteratur 1933-1945. Eine Bio-Bibliographie. Vorw. von H.W. Eppelsheimer. Heidelberg, Darmstadt: Schneider 1962. XIV, 405 S. (= Veröffentl. der Dt. Akad. für Sprache und Dichtung 29) [mit E. Tiedemann] (ULB Münster, Lipp. LB Detmold, StLB Dortmund u.ö.); 2., verb. und erw. Aufl. ebd. 1970. 606 S. [mit E. Tiedemann].

Unselbständige Veröffentlichungen in: Reichsbanner-Ztg. 1927ff. – Pariser Tagebl. 1933-1935 – Bohemia, München, 1960ff. – Prager Tagebl.; Prager Presse; Sozialdemokrat; Pariser Tagesztg.; Jüd. Revue [jew. Emigrantenztg.; Beitr. 1935-1939] – Die Ztg.; Freie Tribüne; New Yorker Aufbau; New Yorker Staats-Ztg. und Herold; Contemporary Revue; Central European Observer [jew. 1943ff.] – Die Neue Ztg., Frankfurt a. M., Berlin, München; Die Welt, Hamburg; Welt am Sonntag, Hamburg; Dt. Rundschau, Berlin; Frankfurter Rundschau [nach 1945; jew. Nachr. aus England].

Herausgabe: Jesse Thoor [P.K. Höfler]. Dreizehn Sonette. Stierstadt 1958.

Unselbständige Veröffentlichungen über Sternfeld: J. Lesser: 75th Birthday of Wilhelm Sternfeld, in: American Jewish Research (AJR) Information, Feb. 1963, S. 13 – E. Larson: Sternfeld is eighty, in ebd., Feb. 1968, S. 7 – W. Timm: Bibliogr. dt. Exil-Literatur bearbeitet. Schriftsteller Wilhelm Sternfeld starb in London, in: Hellweger Anzeiger, Unna, Nr. 9 vom 11.1.1973 – H.A. Walter: Seine Erlebnisse waren typisch für die Exilierten. Begegn. mit Wilhelm Sternfeld, in: Franfurter Rundschau, Nr. 40 vom 16.2.1974 – W. Timm: Erinnerungen an bedeutende Unnaer. Der Schriftsteller Wilhelm Sternfeld wäre jetzt 90 Jahre alt geworden, in: Hellweger Anzeiger, Unna, Nr. 29 vom 3.2.1978 – Biogr. Skizze, in: Juden in Unna. Spuren ihrer Gesch. Eine hist. Dokumentation. Unna 1993, S. 183-185.

Erwähnungen in: H.A. Walter: Dt. Exil-Lit. 1933-1950. Bd. 1, 2, 7. Darmstadt, Neuwied 1972, 1974. Bd. 4. Stuttgart 1978 – J. Walk: Kurzbiogr. zur Geschichte der Juden 1918-1945. München, New York, London 1988, S. 356.

Bildnisse: 1. Porträt von R. Ziegler (Dt. Exilarchiv der Dt. Bibl. Frankfurt/M.; Abb. in: Juden in Unna 1993) – 2. Fotogr. (ebd.) – 3. Fotogr. (WLA Hagen).

Nachlaß, Handschriftliches: 1. Dt. Bibl. für Exillit., Frankfurt a. M. (Nachlaß): Korr. aus seiner Funktion als Sekretär der Thomas-Mann-Gesellsch. in Prag, der Thomas-Mann-Gruppe in London, des PEN-Zentrums deutschsprach. Autoren im Ausland in London, als Vertrauensmann für den Künstlerfonds des Süddt. Rundfunks und des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland; Korr. zu den Veröffentlichungen Dt. Exil-Lit. 1933-1945, u.a. mit Thomas Mann, Erika Mann, Katja Mann, Else Lasker-Schüler, L. Quidde, Kurt Hiller, Richard Friedenthal, W. Eichler, C.T. Geyer, R. Pechel, Walther von Molo, Mechthilde Lichnowsky, Jesse Thoor, E. Hasenclever, Nelly Sachs, Alfred Kerr und Ernst Wiechert – 2. Akad. der Künste, Berlin: Briefe an Julius Bab, 1954 (3), von Julius Bab, 2.5.1954 – 3. DLA Marbach: Slg. [3 Kst. Mss. von Exilschriftstellern]: Prosa, Zugehörige Mat., Briefe, u.a. Briefw. mit Karl Theodor Bluth, 1949-1960, mit Manfred George, 1937-1965, an Michael Hamburger, 1963-1964 (4), an Wilhelm Lehmann, 1948-1958 (9), an Kurt Pinthus, 1947-1972 (83); von Kurt Pinthus, 1947-1970 (39), von Thomas Mann, 20.3.1954 – 4. Dt. Bibl. Frankfurt/M. (Nachlaß): zur Person; Tätigkeit als Sekretär des PEN; Korr., u.a. mit Kurt Hiller, Else Lasker-Schüler, Mechthilde Lichnowsky, Erika Mann; Mss.; Briefe, u.a. 7 an Richard Friedenthal, 1945 – 5. StB München: Briefe von Hermann Kesten (11); ebd. (Archiv Erika Mann): 113 Briefe – 6. StUB Frankfurt/M.: Briefe an Walter A. Berendsohn, 1967, an Hanns Wilhelm Eppelsheimer, 1950-1971 (28), von Eppelsheimer (7), von Theodor Heuss, 1963; s. Jb. der Dt. Schillergesellsch. 11, S. 684; Jg. 12, S. 606; Denecke/Brandis, 2. Aufl. 1981, S. 364 – 7. Hellweg-Museum Unna: Kopien aus dem Nachlaß; Repr. von Paßfotos. und dem o.g. Gemälde.

Nachschlagewerke: Stern/Desider, 2. Aufl. 1969 – Hb. der deutschsprach. Emigration, Bd. 2, 1983 – Dt. Biogr. Archiv, N.F., Fiche 1265, Sp. 25f.